Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
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Galligai .
dem IV das Leben so sauer gemacht haben . Nach dem Tode dieses Prinzen war es ihnen noch viel leichter , ihre Gebietherinn zu regieren , und sie füllten sich mit Gütern und Aemtern zum Ueberflusse an ( B ) ; und schwollen von einem unerhörten und unge» Heuren Hochmuthe aus ( C ) . Allein der Beschluß von allem diesem war ungemein kläglich . Ich habe anderswo gesagt , wie eS dem Ehinanne gegangen ist ; hier will ich sagen , was der Ehftau geschehen ist . Sie wurde in die Bastille und darauf in daö Parlementsgesangniß geführet . Das Parlement machte ihr ihren Proceß , und verdammte sie nach abgeschlagenem Kopfe zum Scheiterhaufen . Dieses wurde den 8 des Heumonats 1617 vollzogen . Sie faßte endlich ein Herz , und starb ziemlich standhaft und christlich c . Sie wurde unter andern Dingen auch überzeuget , daß sie nicht allein halb jüdisch gewesen ( v ) , sondern auch Zauberkünste angewendet ( E ) ihren Endzweck zu erreichen , «sie wurde wegen des Verbrechet der beleidigten göttlichen und menschlichen Majestät , und wegen vieler andern besondern Missethaten gestrafet . Es findet sich in ihrem Processe eine ge , welche zugleich das Verbrechen der beleidigten göttlichen und menschlichen Majestät enthält ( ¥ ) , Man hat ihr gar bald das Maul gestopft , als sie zur Verlängerung ihres Lebens angeführet , daß sie schwanger wäre ( G ) .
a~ ) Le Grain , De'cade de Louis Ie Jufte , Livr . IV , p . 154 . Hilarion deCofte , Tom . II , des Dames iiliiftres , pag . 477 / leugnet , daß sie die Tochter der ? lmme gewesen . l> ) Siehe öenPerefixc , Hirtoire de Henri le Grand , pag . m . ZK 9 , aufs 1603Jahr , und Mezerai , ^drex» Gtiron . Tom . VI , pag . m . zoi . . 367 . c ) Le Grain , De'cade de Louis le Juße , Livr . X , pag . 419 .
( A ) ( Bs war unter ihnen eine stärkere Verknüpfung des Eigene nutzes , als der Freundschaft . ) De Marschallinn von Ancre hat die Niedermachung ihres Gemahls ohne Thränen erfahren , und ihre erste Sorge auf die Rettung ihres Geschmeides gewendet . Sic hat es in ihr Bettstroh versteckt , sich auskleiden kfi'm , und darauf gelegt . Relation de laMort du Marechal d'Ancre , a la fuite de l'Hiftoire des Favoris par Mr . du Puy , pag . w . - 8 - Die GerichtSdiener , die in ihre Kammer kamen und die Edelzesteine nicht fanden , ließen sie ausikhen , und durchsuchten ihr Bette , wo sie dieselben fanden . Ohne Zweisei hat sie von diesen Edelgesteinen geredet , da sie zu dem'Äubri undBaillenl ge - saqt , daß sie den vorhergehenden Tag dem Könige ein Kastchen geschickt , worinnen für zweymal hundert tausend Pfund Edelgesteine gewesen . Ebend . 6i . Nach diesem hat sie zu denen gesagt , die sie bewacht : Und wie ? Man hat meinen Gemahl umgebracht , hat man daran noch nicht genug ? Man erlaube mir , aus dem Könkgreiche zu gehen . Ebend . Zi S . Als man ihr gesagt , daß man den Korper des Marschall« aufgehenkt , hat sie sehr bewegt zu seyn geschienen , jedoch ohne Xveinen darbey gesagt : daß er ein eingebildeter und hochmüthigerManngewesin^aßer alles wohl verdient hatte ; daß er in drey ganzen Jahren nicht hev ihr geschlafen hatte , daß er ein boshafter XUcnfdi gewesen , und daß sie sich von ihm ? u entfernen , den Schluß gefaßt gehabt , sich auf den Frühling nach Italien zu begeben , und alle ihreSa - chen in Bereitschaft gesetzt , mit dem Erbiethcn , solches zu crwci , sen . Ebend . ; ; S . Als sie die Herren Ziubri und Bailleul wegen ihrer Rinae und anderer Baarschaften befragen lassen , so hat sie ihnen mit sol - eher Standhaftigkeit geantwortet , als wenn sie nicht das geringste zu be - fürchten hätte , ( ebend . 61 S . ) und so gar zu ihnen gesagt , daß sie noch wieder in Gnade zu kommen , hoffte .
( B ) Sie füllten sich mit Gütern und Aemtern zum Ueberflusse an 1 Man sehe oben den Artikel Concini , und betrachte , daß man nur an Kammerverschreibunge , i , an Versprechungen der Einnehmer . oder an Schuldverschreibungen , in dem Schubsacke des Marschall * , eine lion neun hundert und fünf und achtzig tausend Pfund gefunden . Man hat in seiner kleinen Wohnung für zwo Millionen und sunsmal hundert tausend Pfund gute Verschreibunacn gefunden . Ebend . 6a 0 . Seine Frau hat zu den Lommissarien gesagt , daß sie ihre Perlen noch hätte , nämlich eine Schnur einmal um den Hals von 40 Perlen , da« Stück zu zweitausend Pfunde , und eine Schnur fünfmal um den Hals , da« Stück zu 50 Pfunden , und daß sie derselben in allen für 120000 Thaier hätte . Ebend . 61S . Sie halte dem Könige bereits für zweymal hun - dert tausend Pfunde Edelgesteine geschickt . Die Gerichtödiemr hatten so genau nicht durchsucht , daß sie nicht ein Ringfutteral übrig behalten te • denn da man sie in die BaMe füh - rte , fragte man sie zuvor - - , ob sie keine Ringe mehr hatte i sie zeigte ein Futteral , das ihr Abriet geblieben wäre , worinnen nur etliche Retten von Agts ? e „ ne lagen , und auf Befragen , ob sie nichts mehr b^sich hatte . hat sie ihrenUncerrock fast ganz und garb . s an d»e »rüste aufgehoben . Siehatte Unterhosen von rothem flormtimjchcn Fmese an : man sagte lachlend zu ihr , daß man also die - Hände an Die - Hosin gen müßte . Sie antwortete : daß sie es sonst nicht erduldet haben würde , aber iyo wäre alles erlaubt ; und - Hallier , der - Haupt - mann von der rvache . hat sie ein tvenia über den - Hosen befühlet . Ebend . 65 S . Es brauchet keine andemBeweift ihrer Verbrechen , al< diesen unrechtmäßigen Reichthum .
( 0 ) - - - Und schwollen von einem unerhörten und unge - - Heuren - Hochmuthe aus . J „ Sie hat nicht allein die Prinzen und „ Prinzeßinnen'und die Großen des Königreichs nicht in ihr Zimmer ge - „ lassen , sondern auch nicht haben wollen , daß man sie ansähe . ; denn sie „ sagte : daß man ihr Furcht machte , wcnn man sie ansähe , und daß man sie durch das Ansehen behexen konnte ; dieß ist Ursache aewesen , daß sie ihre Diener weiter nicht öffentlich sehen wollen , bloß " weil 1>e sie betrachtet hatten , und gegen das Ende ihrer Gnade hat sie ' aus dieser Ursache den von Luffon und Faydeau au« ihrem Zimmer " « Mannet welcher der letzte in ihrer Gunst gewesen . . . Ebend . 8 ; und verbannet , den Hexereyen und ihre Häßlichkeit sind
m . tK lftlich - b'««« " "
( D " ) Sie wurde überzeuget , daß sie nicht allem halb , udisch gewesen . 1 DieseAnklage ist ihr mit ihremEhmanne gemein gewesen . Man hat sie folgender gestalt bcwiesm :
I . Durch die große Sorgfalt , d . e sie angewendet , emm Juden nach Frankreich kommen zu lassen , der wegen der Erkenntniß künftiger Dinge im Rufe gewesen ist . Er hat Montalto geheißen , und die Arzneyknnst getrieben . Sie haben zu dieser Handlung ihren SecretarVincentioLu> doviei gebraucht . Dieß ist bewiesen worden : „ durch die an besagten „ Vincmz vonVenedig . unter dem26ApriliSll , ge>chr . crenenBriefe , wo - „ rinnen man ihm Hoffnung giebt , besagten Monraiko nach Frankreich „ kommen zu lassen ( * ) ; und durch die Briese diese« Montalto selbst , die er den 6 May darauf an besagte Leonora Galligai geschrieben , und wo - " rinnen er versichert , daß er , durch Vermittelung einer so gütigen und be - " sondern Beschützerin» , nack Frankreich zu kommen , im Begriff stehe ; ' nicht« destoweniger sich perkleiden , und seine Profeßion verstellen wolle , «um also seine jüdische Religion frey zu üben ; angesehen , daß er großes - . erbiethunqen ausgeschlagen , die ihm von andern Orten , von Bononien , 5 , Meßina , Pisa auch in so weit gechan worden , daß er de« großen Arj«
„ tes Mereurial Nachfolger , unter dem sehr gnädigen Schutze des Groß« „ Herzogs Ferdinand seyn sollm , und daß ihm auch der erste Lehrstuhl zu „ Padua angetragen worden , mit dem Zusätze , daß man an einem einzi» „ ( * ) Er ist im »616 Jahre gestorben , und hat ein Jahr darauf den Tod der Galligai angesetzt . Le Grain , Oecade de Louis le Jufte , Livr . X# pag . 419«
II . Malt hat angeführet , daß die Angeklagten durch den öfter» Umgang mir diesem Montalto von den Beobachtungen des christliche» Religion ab , und zu dem Judcnthume gewohnt den ; und daß man hiervon in ihrem Hause zwey Bücher gefunden , da« von das eine , inForm einesCatechismus , Cheinuc betitelt ist , welches im Hebräischen Gewohnheit heißt ; und das andre , Machazor zum Titel gehabt , das heißt , die Abwechslung des jährlichen Dienstes , zum Ge» brauche der spanischen Juden , in Venedig gedruckt .
III . Man hat nach dem X B . ebend . auf der 410 S . angeführet , daß auf diesen Umgang und diese Catechisirung ein Abfall und Uebergang von der christlichen Religion zum Judenthume gefolgt sey , wie sie mit Uebung der Speis - und Trankopfer und unter den Jüden gebräuchlichen schwerungen gechan haben . Diese« ist bey dem Processe so wohl durch schriftlichen al« mündlichen Beweis , als auch durch da« Bekenntniß der besagten Galligai bekräftiget worden ; und unter andern Aussagen ist die Außage ihres Kutschers merkwürdig , au« welcher man gesehen , wie sie sich verschiedener Kirchen in der Stadt Pari« bedienet haben , um daselbst des Nacht« dergleichen Gottlosigkeiten zu begehen ; welche durch das Schreven und Krähen erkannt worden , da« man darinnen gehöret , wenn besagte Galligai einen Hahn geopfert hat - welche« unter den Jüden ein gewöhnliches Speisopfer bey dem Feste der Versöhnung ist , da sie einen Hahn für ihre Sünden darbringen . Und daß da« Opfer eines Hahne« jüdisch sey , und die Jüden solches an den Oertcrn zu thun pflegen , wo sie Erlaubniß zu wohnen haben , erhellet aus zweyen Büchern , welche von dem Generaianwald des Königes überreicht worden , da man zum Urthei - le de« Processe« geschritten : Da« eine ist betitelt : Baal - Haturim , das heißt , das Haupt und der Herr der Orden ; in dessen erstem Theile , Grach , cbaum betitelt , da« ist , der Weg und Fußsteig des Leben« , oder die Leben«» art , die man beobachten soll , oder , die Art , diese« Leben zuzubringen , dieses Opfers gedacht wird , und von welchem Buche Rabbi Jacobe , der so ge« nannte Gallier , Urheber ist . Und das andere ist betitelt , die jüdische Sy» naaege ( Synagoga ludaica cdita Hanoniac anno 1514 ) in deren 20 Ca« pitel dasjenige beschrieben wird , waö bey diesem Versöhnungsfeste unter währenden zehn Bußtagen geschieht , und daß die Jüden am neunten mir anbrechendem Morgen ausstehen , die Schule besuchen , singen und viele Gebether verrichten : und daß sie schnell nach ihren Häusern zurück ge . hen , eine jede Mannsperson , so wohl alt als jung , einen Hahn , und die Frau eine Henne , und eine schwangre Frau einen Hahn und eine Henne zugleich in die Hände nehmen , und aus dem «ozpsalmcDavids diese XOotte hersagen : Die Thoren sind durch ihren verkehrten Weg und ihre Bosheiten dermaßen betrübet , daß sie alle« Fleisch verabscheuen , und bis vor die Pforten des Todes gekommen sind . Diese Darbrin , gung des - Hahns beweist nicht nur dasJüdenthum , sondern auch das - Heidmthum , und erkläret die eingeklagten für Abtrünnige , und folglich für Gotteslästerer ; denn der Abtrünnige wird nach den kaiserlichen Satzungen , Tot . tit . C . de Apoftatis , für einen teslästerer gehalten , welche diese - Hauptvcrbrechen mir der volli - gen Einziehung bestrafen . Und dasjenige betreffend , was besag - te Galligai zu ihrer Entschuldigung saget : daß sie diese Opferung des Hahns , ihrer Gesundheit und der Genesung von einer Krankheit we - gen , flethan hatte ; so hat man ihr geantwortet : daß vergleiche»» Gottlosigkeit auch mit dem Tode bestraft wird , ob sie gleich als ein Hulssmittel zur Genesung begangen würde . Novell . Conft . Leonis
IV . Mtn hat zlim Beweise von ihrer Neigung gegen das Jüdenthnm den Fleiß angegeben , den sie angewendet , die Jüden nach Frank« reich kommen zu lasten ; indem sie nach Amsterdam in - Holland ge - schickt , wo weiche sind , um sie nach Paris komme» zu lassen . Le Grain , Livr . X , pag . 406 .
( E ) - - - Sondern auch Zauberkünste angewendet . ^ Auch diese Beschuldigung ist dem Manne und der Frauen gemein gewesen . Man hat sie auf der 406 S . bewiesen :
I . Durch einen Brief der so genannten Gondy und durch an , drc von der angeklagten Galligai an die Frau Jsabelia , die man für eine - Hexe gehalten , worinnen sie dieselbe bittet , ihr zu inel« den , ob sie etwas drirch ihre Runft wußte , welches cinigermas^ sin ihre Person oder den Nutzen ihres - Haufts beträfe .
II . Durch drev Bücher mir Lbaractnn , nebst noch cincm klci« nen Tharacter . die man in der besagten Galligai Scklaftimmer ge , ftmden , u»»d eine Schachtel , darinnen ; sollen vom Sammre gele ,
gen

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