Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9561

Furius .
559
FUVM6 , ( Friedrich ) mit dem Zunamen Cariolanus , weil er zu Valenza in Spanien gebohren ( A ) , hat im XVI hunderte gelebet . Er studierte zu Paris , unter dem Omer Talon , Hadrian Turnebus , und Peter Ramus ° , und dann kam er nach Löwen , wo er eine Redekunst herausgab , und wider einen Doctor der Gottesgelahrtheit verheidiqte b , daß die heilige Schrift in die gemeine Sprache übersehet werden müßtec . Er hat hiervon einen sehr schonen Tractat ( B ) in derselben Stadt gemacht , und ihn in Deutschland unter die Presse gegeben . Dieß hat ihm viel Verdruß gemacht w . Allein da seine Wis - sei , schaff , seine Gottesfurcht , und seine Redlichkeit vom Kaiser , Carln dem V . erkannt worden , so ist er vor dem Sturme wahrt geblieben . Dieser Prinz schickte ihn in die Niederlande zurück , und gab ihn seinem Sohne Philipp zu « . Man gab »hm den Titel eines Geschichtschreibers f . Furius ist seine ganze übrige Lebenszeit in dem Dienste dieses Herrn geblieben , und , da er ihn in die Staaten von Aragonien begleitet , zu Valladolid im 1592 Iahre gestorben Ich kann sein Alter nicht recht angeben ( C ) . Er hat sich von ganzem Herzen angelegen seyn lassen , die Unruhen in den Niederlanden zu stillen h ( D ) . Er hat sich niemals verheirathet * : Man hat Unrecht gehabt , zu sagen , daß er Kanzler des Königes von Pohlen gewesen Sein Tractat , der Rath betitelt , ist sehr hoch geschätzt worden ( E ) .
ä ) Andreas Schottus , Biblioth . Hifpan . p . 615 . b ) Er war ein Sicilianer . Namens Bononia . Er studierte die Theologie zu Löwen . Thuan . Lib . CIV . p . 486 . Ich habe einen Artikel von ihm gemacht . O Ebendaselbst Schottus , Bibl . Hifp . p . 615 . * / ) Thuan . Lib . CIV . pag . 486 . - ) Ebendaselbst , f ) Schottus , Biblioth . Hifpan . pag . öij . g ) Ebendaselbst . h~ ) Thuan . Lib . CIV . p . 486 . / ) Ebeadaselbk Siehe die letzte Anmerkung .
( A ) Mit Sein Zunamen Cariolanus , rveil er ja Valen ? » in ( Spanien gebohrm rooröen . ] Nicolaus Antonius , Bibl . Hifpan . Tom . I . pag . 277 . sager , daß die Einwohner des Königreichs Valenza , gemeiniglich Geriol» genennet werden , und daß unser Furius dieserwe - genden Zunamen Geriolanus gehabt . Er folget dieser Rechtschreibung auf dem Titel seine« Buches . Bononia ; er fthet Cäriolanus darauf .
^Verzeichnisse der Bibliothek des Thuanus , auf der ; oo Seite des I Th . nennet mau ihn übel Coriolanuö .
( B ) ige hat hiervon einen sehr fthoncn Tractat gemacht . Z
Er hat zum Titel : Lononia , fnie de libris facris in vernacnlam Im - guam conuertendis , libri duo ad Francifcum Bouadilium Mcndo - zium , Cardinalem Burgenfeni , und ist zu Basel , vom Johann Oporin , lm i5s^i Jahre , in 8 gedruckt worden . Es enthält 36s Seiten : die sung desselben ist von der Kirchenversanimlung zu Trident verbothen worden .
( C ) 2Jcb kann sein Alter nicht recht angeben . ^ Diese Worte des Thuanus sind nicht gewiß genug : Ad incliorem vitam haud paul - luni Montano fenior hoc anno migrauit . Thuan . Libr . CIV . p . 486 . Sie berichten uns nur , daß Furius viel älter , als Michael von Mon - tagne . gestorben ist , der nur 60 Jahre gelebt hat . Montanus haud fexa - genario niaior vitae vltimum diem claufit . Ebendas . Man hat sie in Teißiers Lobsprüchen nicht verstanden ; denn man hat darinnen gefttzt , daß Furius ungefähr 60 Jahre alt gestorben ist .
( v ) Er hat fieb , > angelegen seyn lassen , die Unruhen in den Niederlanvcn 51 * stillen . ^ Man findet in dem Thuanus den In - halt eines FriedensenNvurfs , den Furius im 157 ; Jahre herausgegeben hat . Die Bedingungen , die er den misverqnügten Provinzen vvrge , schlagen , schienen sehr vernünftig ; allein der Prinz von Oranien har ge - antwortet , daß man sich nicht darauf verlassen könne , und daß sie zu langsam kamen , und daß er den Krieg einem so verdächtigen Frieden vor - gezogen . Aus ThnanS LX B . auf der 108 . 109 S bey mir , unter dem , 575 Jahre .
Man merke , daß FuriuS versichert hat , es würde der König von Spanien , die in seinem Entwürfe enthaltenen Bedingungen bestätigen , und daß man , wenn man es für nöthig hielte , diesen Monarchen zur Beobachtung de« Vertrags desto stärcker zu verbinden , demselben von den großen Herren in Spanien , so wohl geistlichen als weltlichen , und von den Fürsten des Reichs , und einigen von den größten Städten der Nieder - lande unterzeichnen lassen könnte . Der Urheber des Entwurfs Halver - svrvchen , daß das Ketzergerichte nicht eingeführt , die Auflegung de« Zehnten vernichtet , und die Befehle wider die eine Religion , durch ge - wisse Mäßigungen , darüber man sich von beyden Theilen in der Gute vergleichen würde , gemildert werden , und diejenigen , welche sich mit die - sen Mäßigungen nicht begnügen wollten , vollkommene Freiheit baben sollten , ohne den geringsten Verlust ihrer Güter , anderswo eine nung zu sirchen ; daß die fremden Soldaten abgedankt , und außerhalb der Niederlande geschickt werden sollten , wenn es die Misvergnügten verlang - ten , u s . w . Furius hat sich erborhen , die Post zu nehmen , und demKö - nige von Spanien unverzüglich dieAnnehmung dieser Friedmsbedingun - gen zu überbringen . Er hat nicht nöthig gehabt , diese Reise zu thun ; denn 'man hat sie nicht angenommen . Ad ea Araulionenfis , quoniam iam conuentus delegatoruni diflblutus erat , pridie Non . Maias refpon - det , quac in pacis foroiula proponantur , de prorailfis femandis cau -
tiones , qua in re totius negotii cardo vertitur , ea * non ita prüden , ti viro tutas videri , qmn P . R . fi non feruentnr , difpenfare poflint , et violatore« abfoluere , ea diffidentia fieri , et quoniam foraiula haec ferius transmiflä fit , vt ipfe abiedta omni meliori fpe certum licet dubii euentus bellum , incertae atque adeo inlidiofae paci prae - ferendum duxerit . Thuan . Lib . LX . p . 109 . C .
Es geht den Geschichtschreibern , wie einem Reisenden ; sie treffen von Zeit zu Zeit gewisse Materien an , die entweder wie Moräste , oder wi« ein glatter , breiter , wohl gebahnter Weg . u . s . w . sind . Der Entwurf de« Furius , ist für die Geschichtschreiber von der spanischen Partey , eine vor - theilhafte Stelle , und für die Geicbichtfchreiber von der andern Parte ? nachtheilig . Er ist für jene glänzend , für diese finster und kläglich : denn was kann man wohl für ein schöner Feld wünschen , die Gnade eines Prinzen herauszustreichen , und die Halsstarrigkeit seiner oufrühs rigen Unrerrhanen verhaßt zn macken , als dieses Verfahren des Furius und dessen Folgen ? Was ist dieses nicht für eine Verwirrung , wen» man sagen muß , daß man einem Herr» nicht trauen könne , der uns ver - spricht , alle Beschwerungen abzustellen , und alles dasjenige zu unter , drücken , was zur Ergreifung der Waffen genöthiget hat . Gleichwohl hat bey diesem besonder» Falle , der Prinz von Oranien gute Gründe gehabt , dem Könige von Spanien nicht zu trauen . Die Sachen waren
weit gekommen , daß er , wie er auch sehr wohl gethan , dm Grundsatz ausüben mußte , daß man die Scheide wegwerfen muß , sobald man den Degen wider seinen Fürsten gezogen har .
( E ) Sein Tracrar , der Rath , i ( f sthr hock gehalten rvorden . 1
Er hat ihn betitelt : de ! Confeio y Confeiero . Simon Schardius ijc der erste gewesen , der ihn ins Latein übersehet hat . Seine Ueberschang ist vom Andreas Schottus , nebst den Tractaten de« Peter Magnus und Hippolytus a CollibuS , über eben diese Materie , zu Cöln . im 161» Jahre herausgegeben worden . Christoph WarseviciuS hat eine andre lateinische Übersetzung davon gemacht , und sie mit seinem Traetate , de Legate» et Legatione , herausgegeben . Dieß ist im 1646 Jahre zn Danzig geschehen , wenn wir dem Nicolas Antonio glauben wollen ; allein ohne Zweifel hat er sich geirret : Warfevicius ist damals nicht mehr im Le^n gewesen . Man hat Stücke von seiner Arbeir im . 582 Jahre gedruckt , und eine Ausgabe seines Tractats , de Legat« et Legatione^ von 159 ; . Nicolas Antonio hat diejenige , sür eine von diesem Pohlen besorgte Ausgabe gehalten , die erst nach seinem Tode gemacht worden . Dem sey wie ihm wolle , so ist hier das Lob , dasWarftvicius dem Buche des Furius gegeben hat . Hoc opm multis multorum vel longiflimis commentationibus eft praeferendum . Sit enim refpondef acumeit ingenii pectoris candori , et difputandi fubtilitas fententiarimi graui - tatj , vt tales Ceriolae Confiliarii omni aeuo optari quam fperari vi - deantur mihi magis potuifle . WarseviciuS , beym Nicolas Antonio , Biblioth . Hifpan . Tom . I . pag . - 77 . Es ist eine lateinische Ueberse^unz von diesem Werke zu Basel , 156z , in « , und zu Straßbiirg in 12 druckt worden . Siehe das Verzeichniß der Bibliothek des Thuanus , 500 S . im I Bande . Uebrigens ist Caspar Escolanus . welcher in sei - „ er Historie von Valenza gesaget hat , daß Furius das Kanzleramt be» dem Könige von Pohlen bekleidet . ( siehe Nicol . Anton . Biblioth . Hifpan . Tom . I . pag . - 77 . ) vielleicht durch irgend ein Buch betroqen worden , welches zusammen dm Tractar , der Rath , und eine dre Dissertation enthalten hat , die dem Kanzler von Pohlen luaefcbne» den gewesen . '
Gabriel ,

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