Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9551

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Funccius .
dem comite mima . Ebendas XXV Cap . In währender Zeit Cisar zum andernmale mit der Würde eines Dictaror« bekleidet , zu drien war . ist Marcus Antonius zum Oberbefehlshaber über die Reite - rey gemacht worden , und hat rausenderleyPlackereyeninRom verübet : er ist stufenweise zu der außerordentlichen Verwegenheit gekommen ; daß er des Pompejus Güter in einem öffentlichen Ausrufe feil qcbothen . Er hat durch dieses Mittel das Haus lind Geräthe dieses großenMan - nes an sich gebracht , und in diesem Hanse die Neichthümer gar bald ver - schwendet , die er durch diesen Ausruf gewonnen hatte . Denn er hat sich täglich in die allerkostbarsten Ausschweifungen eingelassen . Sr hatte feine Cytheris noch ; er hatte schon in des Pompejus . Hause gewohnt , als er diesen Hurenbalg absci>asste . Ebendaselbst XXV n . f . Cap . Di . lesbe , merke ich darum , um zu zeigen , daß eS sehr wahrscheinlich ist , daß er sie einige Zeit nach der Ehscheidung von der Anroniq behalten hat . Denn der Verkauf von des PcmpejuS Güten , , ist nicht eher geschehen , als da Ca - sar von Alexandrien abgereist ! war . Caefar Akxandria fe rece - pit . - - hafta pofita pro aede louis Statoris , bona Cn . peji . - - voci acerbiflimae fubiefta praecotiis . Ebendaselbst XXVI Cap . Plutarch , wenn er die Schwelgereyen des Marcus An , ronins , seine Liebe gegen die Cytheris u . s . f . erzählet , saget offenbarlich ; daß diese Unordnungen bis nach der pharsalischen Schlacht fortgedauert haben : und weil er saget , daß Cäsar bey seiner Zurückkunft in Rom , ei - nen großen Widerwillen gegen den Marcus Antonius bezeuget , der zwo sonderbare Wirkungen hervorgebracht ; so giebt er uns Anlaß , zn glau - fccn , daß einige Zeit zwischen der Ehlcheidung der Antonia , und derVer - Mahlung mit der Fulvia verflossen senn mich : denn die zwo Wirkungen , davon ich rede , sind , die eine , daß Marcus Antonius dem Cäsar , in dem Kriegszuge nach Africa , nicht hat folgen nwllen ; die andre , daß er sei« nen Liederlichkeiten abgesaget hat : er hat das Leben geändert ; er hat ans Heirathen gedacht , und die Fulvia erkiest , eoms tihrot to toäö t«
Aßi^r^ixt aür5 fjff atvTfixs «ipfA«v o KuTga ? , u'k ävai^tlrui ; tu jrAtjft - fu^yi [ j . arx Si^ä / uvo ; , «TaX^aytje yu ? tS ßlv , y & fiu ßlav , kyAptvoc . Apparct tarnen miihum de Antonii auientia et in . temperantia Caefarem , pcccata eins non difllnuilando , detraxifle . Siquidem explieuit fe illa vita , animoque ad nuptias applicato Fül - uiam dnxit . Plutarcb . in Antonio , p . 920 , C . Ich wollte deswegen nicht leugnen , daß er bey der Verstoßung seiner andern Gemahlin» , nicht schon den Vorsatz gehabt hätte , sich die dritte bezulegen ; denn eine Verbindung mit einer Buhlerinn , verhindert große Herren nicht , sich zu vermählen : allein vermuthlich hat er sich in dieser Sache nicht uberei - let , Casars Widerwillen hat ihm zum Sporne dienen müssen . Also tadle ich diejenigen nicht , welche diese Worte des Cicero auf die Fulvia deuten : Sororem tuam , ( nämlich die Antonia , ) eieeifti , alia conditio , ne quaefita et ante perlpefta .
Ich kenne geschickte Leute , die dieses auf die Cytheris deuten ; allein dieß ist ein Betrug ; denn es ist keine Wahrscheinlichkeit , daß Marcus Antonius diese Creatur jemals hätte heirathen , vollen : es war beyden genug , alles dasjenige zu thun , was verheiratete Leute rhun : mit titv ander essen , trinken , und bcyeinanver schlafen ; und wenn man da« Leben mit einer Benschläferinn , und alle übermäßige Gefälligkei - ten betrachtet , die ein Liebhaber gegen eine Beyschläferinn bezeugen kann , die er genießt ; so hat Marcus Antonius , nach der Schei - düng von der Antonia , demjenigen nichts weiter beyfüqen können , was er bereits vor der pharsalischen Sckiachr ausgrübet hatte . ter Abram bat an dieser Stelle gestrauchelt : Marcus Antonius ist , nach ihm , bey der Verstoßung seiner andern Gemahlinn , willens gewe - sen , die Cytheris zu heirathen , und hat sie auch wirklich gU>eirächet ; sie nach diesem auch verstoßen , und sich mir der Fulvia vermählet . Certe cum , Vt ex Plutarcho et Cicerone conftat , ftatim poft repudia - tam Antoniam Italiae oppida obierit cum illa inimula , non videtur adhuc de Fahiiae nuptiis cogitafle , ne recentem vxorem iis flagitiis öffenderet . Quare nihil obstat , quo minus ille Cytheridem , vere tum vxorem aeeeperit , vt loquitur Orator , a qua tarnen paulo poft fecit diuortium , et Fuluiam duxit vxorem . Abram , in Cicer . Ora - tion . Tom . II . p . 55Z . P . Abrains Beweise sind sehr schlecht . Nach seinem Vorgeben , versichern Plutarch und Cicero , daß Marcus Anw - nius , kurz nach seiner Ehscheidung von der Antonia , dieCvtheris in den italienischen Städten herum spazieren lassen . Er schließt daraus , daß die Heirath mit der Fulvia noch nicht geschehen gewesen ; weil es gar nicht wahrscheinlich wäre , daß der Neuverlvirathete . seiner Gemahlinn so geschwind ein solches MiSvergnügen verursachen wollen . Allein er hätte Acht geben sollen , daß uns Cicero klärlichzu verstehen giebt , daß alle Spa - zierreisen des Marcus Antonius mit der Cytheris durch die Städte Jtali -
ens . vor derEhscheidung der Antonia hergegangen sind . Cicero beobachtet , daß diese Beyschläferinn diese Spazierfahrten zweymal gethan har : 1 ) vor der pharsalischen Schlacht : 2 ) als Marcus Antonius dey feiner Rückreise nach Rom , nach dieser großen Schlacht , seine Beyschläferinn Cytheris , t>ie ihm entgegen gegangen war , zu Brundusium angetroffen hat . ES ist gewiß , daß die Streitigkeiten des Marcus Antonius , und des Dolo« bella , nicht eher ausgebrochen sind , als nach dieser andern Spazierreise der Cytheris , durch die Städte Italiens . Es ist gleichfalls gewiß , daß die Ehscheidung der Antonia , und der Streit ihres Gemahls mit dem Dolabella , zu gleicher Zeit geschehen sind . Der Schriftsteller , den ich widerlege , hätte sich nicht auf das Wort vxor steifen sollen , welches Ci - cero , die Cytheris betreffend , gebraucht hat ; denn die Worte , die man ein wenig hernach im Cicero findet : reiedta mater amiC am impiiri filii TANqvAM nurum fequebatur , zeigen handgreiflich , daß hier keine wahrhaste Ehe gewesen ist .
Ich zweifle nicht , daß die Ursache , die den Marcus Antonius genöthi» get hat , die Cytheris wegzuschaffen , nicht diese gewesen wäre : weil er ge - sehen , daß er ohne dieses seine Heirath mit der Fulvia nicht würde ziehen können . Ich setzt , diese Vermählung ins 707 Jahr Roms , da Cäsar in Aftica gewesen . Man hat zwey Jahre darauf Ursache zu mnthmaßen gehabt , daß Marcus Antonius noch fortgefahren , in die theris verliebt zu fe»n : denn der Brief , den er selbst der Fulvia gegeben , und den er als ein Bothe , von dem Marcus Antonius , zu bringen ge - dichtet ; ist vornehmlich auf die Versicherungen nnd Betheurungen ge - gangen , daß er diese Comödiantinn nicht mehr liebte , und daß er alle sei» ne Liebe , die er für sie gehabt , gegen die Fulvia gewendet hätte . Con feftim ad eam , euius caufla venerat , deducitur , eique epiltolam trans - didit , quam cum illa legeret flens , ( erat enim amatorie feripta : put afntem litteraruni , fibi cum illa mima pofthac nihil futurum , omnem fe amorem abieeifle illinc , atque in hanc transfudifle , ) cum mulier fleret vberius , homo mifericors ferre non potuit , caput ape - ruit , in colIum inuafit . Cicero , ebendaselbst cap . XXXI . Mai , sehe auch den Plutarch , in Antonio , pag . 9 2 o . Er kam damals von Narbonne zurück , wohin er gerückt war , um dem JnliusCasar ent - gegen zu gehen , welcher des Pomvejus Söhne in Spanien geschlagen hatte . Caefari ex Hifpania redeunti obuiam longiflime proces . fifti . Cicero , ebendaselbst cap . XXXII . Wir werden in dem Ar« tikel K . >'kori« sehen , daß r sich seines Versprechen« sehr schlecht er - innert hat . Dasjenige , was Plutarch , die Zeit der Vermählung des Marcus Antonius , mit der Fulvia betreffend , beobachtet yat , wird durch des Dio Anmerkung bekräftiget : daß Antvllns , ihr ältester Sohn , das männliche Kleid bekommen , nachdem sein bey Actium ge - schlagen ? ? Vater , nach Aegypten zurück gekommen war . Dio LI ® . 511 Seite . Nach dem Plutarch , ist diese Heirath im 707 Jahre hen ; und Dio versichert , daß Antyllus das männliche Kleid im 7 - 4 Jahre bekommen habe . Damals konnte AntylluS leicht >6 Jahre alt gewesen seyn . Man hatte ihn mit des August»« Tochter verlobt ; ( ebendaselbst 519 Seite , ) allein man ließ ihn nieder machen , und sein männliches Kleid brachte ihn in dieses Unglück . Ebendaselbst ; » Seite . Augustus hat geurtheilet , daß man ihn nicht leben lassen dörfe , weil ihn die Aegyptier fur einen vollkommenen Mann ansehen könnten . Marcus Antonius hat einen andern Sohn von der Fulvia gehabt . Ich habe oben in dem Artikel Antonius ( Marcus Julius ) , von ihm geredet .
( M ) i£s ist nicht wahr , daß Joseph von dieser Fulvia reSct . Z Glandorp , Onomaft . pag . 558 . hat bey dieser Materie zween Schnitzer - begangen : er verweist uns in das V Cap . des XVIII B . von den judi - schen Alterthümern , um daselbst Nachricht von der Fulvia , des Marcus Antonius Gemahlinn , zu erhalten . Und er saget auf eben derselben Seit ? , daß Joftph an diesem Orte von einer Fulvia rede , die zur Zeit des Tiberius gelebt hat . Dieses heißt den Leser zweymal bekriegen . Dieß heißt , ihm weis machen , es habe der jüdische Geschichtschreiber in ei» nerley Capitel von zwoFulvien geredet , und daß die eine diejenige ist , die mit dem Marcus Antonius verheirathet gewesen . Die Wahrheit ist , daß er nur von einer Fulvia redet , einer mir dem Saturnin vermähl - ten römischen Dame , welche aus die Vorstellung von vier Betrügern , t>ie jüdische Religion angenommen hatte . Sie hat ihnen alles gegeben , was sie unter dem scheinbaren Vorwand . ' der Religion von ihr verlang« ten ; allein nachdem ihr Gemahl erfahren , daß sie sich alle Geschenke zu , geeignet , die sie in den Tempel zu Jerusalem geschickt zu haben glaub - te , so hat er sich darüber bey dem Tiberius beklagt , welcher , ohne einen Unterschied unter den Schuldigen und Uiischnldiaen zu machen , den Befehl gegeben , daß alle Juden Rom verlassen sollten .
Funccms , ( Johann ) ein lutherischer Prediger , Osianders Eidam , und sein Beystand in den Streitiqkeiten , von der zugerechneten Gerechtigkeit , hat die öffentliche Ruhe auf eine andre Art zu stören gesucht , nän , lich durch Staatsstreiche : wesweqen er den 28 des Wmrermonats im 1566 Jahre zu Königsberg in Preußen , den Kopf verlohren " hat . Er ging damals in sein neun und vierzigstes ^ahr . - >Jcan sehe im Moreri die zween Verse , die er , wie man saget , an seinem Todestage gemacht bat . Sie enthalten ein griechisches Wott^elches Moreri französisch aesetzet hat weil er aber nur dieses Wort übersehet hat , so hat er nichts , als ein unverständliches Mischmasch , vorgebracht . Er hatte also sagen sollen , daß diese zween Verse jedermann net , sich das Bcyspiel des Funccms ju Nutze zu machen , um den Küßel , sich in attzuviele Sachen zu mischen wie die Pest zu meiden . Moreri Hat auch noch emen andern Schmtzer gemacht ( A ) . VoßiuS hat sich bey dem Alttr des FunccL Ä trogen ( B ) .
* ) Melch . Adam in Vit . Theolog . pag . 4 , 2 . b ) Man sehe die Anmerkung ( B ) . c ) de qua voce vide Aul . GeL
lium , Lib . XI . cap . XVI .
( A ) Moreri hat aucl ? noch einen andern Sckniyer gemacht . ^
Er saget , Funccius hätte seine Zeitrechnung bis ins 135 - 2 , nnd weiter bis ins 1560 Jahr sortgesühret . Er hätte sagen sollen , daß Funccius im 1544 Jahre , de» ersten Theil seinerChronologie drucken lassen , der von Adam bis aus die Geburt Jesu Christi gieng ; ( man sehe die Zuschrift dieser Clironologie , ) und daß im , 554 Jahre seine ganze Chronologie erschienen wäre , die mit der Schöpfung der Welt anfängt , und sich mit dem , 552 Jahre Christi endiget . In einer von neuem übersehenen und verbesserten Ausgabe , geht sie bis aufs 1560 Jahr .
( B ) Vofiins hat sich bey dem Alter des Fnnccius betrogen . ]
Er hat auf der 4 * 4 Seite , von den mathematischen Wissenschaften saget , daß Funccius im vierzigsten Jahre seines Alters cnchauptet wor - den . Allein wir wollen den Fehler vielmehr seinen Buchdrucker» schreiben , und ihm nur vorrücken , daß er ihnen einen ganz uimür - en Zu -
sah zugeschicket bat . Er hätte auf der qi Seite gesaget , daß Funecius , der im 1518 Jahre gebohren , im acht und vierzigsten Jahre feines Al - ters das Leben verlohren hätte ; und auf der 454 Seite , wollte er einen Zusah gedruckt haben , der uns berichten sollte , daß Funccius im 1566 Jahre enthauptet worden . War wohl etwas «nnnbiichers , als dieses ? Erfuhren nicht alle feine Leser auf der 231 Seite , daß Funccius im 1566 Jahre gestorben war ? Das einzige Mittel , ihn zu entschuldigen , würde Noch seyn , wenn man sagte , er hätte in seinem ^nsahe bemerken wolle« , daß Funccius im neun nnd vierzigsten Jahre seines Lebens enthanpttt worden , und daß die Buchdrucker 4° anstatt 49 geiehet hätten .
Es ist gewiß , daß sich Melchior Adam von der Richtigkeit entfernet hat . Da er des Funccius Geburt im Monate HorNung i ; >8 , und sei - ne Todesstrafe den 2« des Weinmonats 1566 sehet : so hätte er seinen Tod ins m Jahr feine« Lebens , und nicht ins 4« setzen sollen .
Lurins ,

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