Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9537

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Fulvia .
vorschlugest ? Dieses gehöret in das Tribunal des Marcus Ans tonius ; in das Tribunal , sage ich , welches er in währender Zeit , da Cäsar in Spanien gewesen , wider die Verweser des Pcmpejus , vor der pharsalischen Schlacht , geübet hat . Mit einem Worte : es ist eben die - selbe Geschichte , die man hier oben in den Worten des Cicero gesehen hat : Reliquae partes Tribunatus principiis fimiles - . - refti - tuebat multof calamitofos : in his patrui nulla mentio . Man darf sich also nicht mehr verwundern , wenn eben derselbe Cicero saget : daß Lajus Antonius im Rathe die Lästerrede seines Neffens , wider den Do - labella mit angehöret , in welcher seine Tochter einen sehr schlechten Plak Hatte . Ich bekenne , es ist ein Beweis , daß er vor Cäsars Tode aus seiner Verbannimg zurückgekommen , weil diese Schmachrede gehal - len worden , den gefaßten Vorsatz de« Cäsars , deni Dolabella sein fünf - tes Confulat abzutreten , zu verhindern ( * ) ; allein es folget daraus nicht der geringste Grund zum Tadel wider den Cicero , denn es findet sich in seinen philippischen Reden nichts , welches zu erkennen gäbe , daß Marcus Antonius , nach Cäsars Tode , seinen Oheim >m Elende gelassen hätte . So viel ist gewiß , das Cajus Antonius in der Zeit hat müssen zu - ruck gerufen seyn . die zwischen dem Ansänge der Dictarur Cäsars und seinem fünften Consulate verflossen ist . Er ist zum fünftenmal C onsul , im . 709 re gewesen , und zum Dictator gemacht worden , da er , nach der Niederlage der Verweser des Ponipejus , nach Rom zurücke kam . Er hat die Ver - richrungen seiner Dictatur mit der Zurückrufung der Verbannten ange - fangen : ( Plutarch . in Caefare , p . 7 - 5 . D . ) Ich weis nicht , ob Casus Antonius zur selbigen Zeit darunter begriffen gewesen ; ich weis nur , daß Die im XU 95 . auf der 191 S . versichert , es sey der einzige Milo nid ) t zurück berufen worden . Glandorp giebr vor : daß Cajus Anto - mus nach Julius Cäsars Tode vom Marciis Antonius , seinem Neffen , wieder Hergestellt worden , welcher Consul gewesen : dieß ist , in Absicht auf die Znrückkunft nach Rom , und auf das Recht , in den Rath zu ge - hen , nicht wahr . Weil Cajus Antonius auf dem Platze der Raths - Herren gesessen , und bey Lebzeiten Julius Casars die Lästernde seines Neffen , wider den Dolabella , angehöret hat . Wir erfahren aus dem Strabo , im X B . auf der 314 S . daß sich dieser Verbannte auf der In - fel Cephalonien aufgehalten , und sie unter seinem Gehorsame gehabt . Er hat eine Stadt darauf erbauet , und nicht Zeit gehabt , sie zu vollen - den ; denn er hat sich , nach erhaltener Zurückrufung , größere Dinge in den Kopf gesetzt , und ist über diesen Anstalten gestorben .
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IfiStrlova Si utuisuno ; , tots ahrx " y ! } sit ti ) v äncf / iluv o Kaiffag Creatus Caefar quintuni conful , ilico cooptauit colle - gain Antoniurn . Intendit autem abdicare fe magiftratu , et cedere Dolabellae , idque ad fenatum retulit : verum repugnante afpere Antonio , nuiltaque maledi & a in Dolabellam congerente , ncc pau - ciora andiente , illius indignitatis Caefar pndore , rem in praefentia omifit . Plutarch . in Antonio , p . 921 . A .
Ich habe eine franzosische Übersetzung der andern Philippica gelesen , welche von F . P G . ParlementSfachwalter zu Paris gemacht , und im >685 Jahre zu Paris gedruckt worden , wo man sich ein wenig wegen der Sache verwirret hat , wovon ich hier rede . Mm hat auf der - 66 Seite gesaget : daß Cajus Antonius von der Zahl dieser drey oder vier Unglücklichen gewesen , die sein Neffe im Elende gelassen hätte ; allein auf der 168 S . versichert man , daß er bey der Rede gegenwärtig gewe - sen , die Marcus Antonius den ersten Tag des Jenners m vollem Ra - the gehalten har . Es ist nid ) t nöthig , daß ich zeige , wie dieses zwey widersprechende Dinge sind : jedermann begreift es , und ich habe bereits gesaget , was man thun muß , um die ganze Schwierigkeit zu heben . Maturantius hat in der andern Philippica , auf dem 82 Bl . vielmehr Fehler über einander gehäufet , als dieser llebersetzer . Er glaubet I . daß Cajus Antonius vom Julius Casar verbannet worden , weil er von des PompejuS Parrey gewesen . Nichts ist falscher ! Cajus Antonius ist im 694 Jahre wegen zweyer Verbrechen angeklaget worden , wegen des Anthcilsan der Verschwörung des Catilina , und wegen der Plackereyen . Siehe den Dio , im XXXVIll B . ? > S . und den Cicero in der Rede für den Co - lius und wider den VatiniuS . Cicero , der ihn vertheidiget , hat seine Sache verlohren . Zum II versichert Maturantius , daß Marcus An - tonius , da er die Verbannten , nach Cäsars Tode , zurück kommen las - sen , nicht an der Zurückrufung des Cajus Antonius gearbeitet habe . III» Versichert er , daß Marcus Antonius , da er endlich seinen Oheim zurücke gerufen , denselben gereizet , um das Censoramt anzuhalten , und sehr unwürdige Mitwerber gegen ihn angestiftet , um ihn der Spötterey auszusetzen . Dieses heißt dem Cicero eine unbesonnene Ungereimtheit beymesse» ; denn wenn er gesaget hatte , daß Cajus Antonius nicht aus seinem Elende zurück gerufen worden , da sein Neffe , nach Cäsars Tode , fast alle die Verbannten zurück gerufen hat , so würde er in eben der - selben Rede zwey widersprechende Dinge gesaget haben : > . daß er , die Zeit betreffend , gesaget , Marcus Antonius hätte seinen Oheim noch nicht zurück gerufen ; denn es ist augenscheinlich , daß die drey oder vier Elenden , welche Marcus Antonius der Wohlthat des vorgegebenen Ge» fetzes Julius Cäsars nicht theilhaftig gen , acht hatte , sich wirklich im Elende befunden haben , da Cicero seine andere Philippica hergesaget hat ;
daß Marcus Antonius , wenn er seinen Oheim bereits vor einiger Zeit zurück gerufen hätte , ihn betrieglicher Weise vermocht habe , um das Censoramt anzuhalten . Wenn ich es nicht aus der Erfahrung wüßte , so würde id ) nimmermehr glauben , daß diejenigen . welche die Autores claificos ausgeleget haben , nicht wahrgenommen hätten , daß sie so viel widersprechende Ungereimtheiren mit einander verknüpfen .
( I ) Der Fulvia Zimmer rvar ver Grt . wo man einen offene ticken Ausruf zur Verkauft»» ? Oer Ronigreicbe und Land« ftkasten pielt . il Jedermann wei's die Veränderung , die nach Cäsars Tode in dem Gemüthe des römischen Volkes entstanden . Anfänglich har sich Marcus Antonius zu Rom nicht sicher gehalten , und nach Verlauf etlicher Tage ist er es qewesen , vor dem man sich in Rom fürchtet ; seinetwegen haben sich Casars Mörder nicht getrauet . Stand zuhalten . Man kann die Ungerechtigkeiten nicht beschreiben , die er gen hat , Geld zusammen zu häufen , unter dem falschen Verwände , daß Cäsar diese und jene Dinge verordnet hätte . Er har sie selbst
det , und sich dieselben redlich bezahlen lassen . Also hat er de« Desota« rus Abgesandten hinters Licht gesührer . Er har eine erdichtete Ver - ordnung Cäsars aufgesetzet , kraft welcher Dejotarus wieder Hergesteller werden sollte ; allein er ließ die Gesandten in dem Zimmer seiner Ge - maHlinn die Versprechung einer großen Summe unterzeichnen . Syn . grapha H . S centies per legatos viros bonos , fed tirnidos et inipe - ritos , fine Sexti , fine reliquorum hofpitum regis fententia facia in Gynaeceo : quo in loco plurimae res venierunt et veneunt . Cicero , Philipp . II , cap . XXXVII . siehe auch Epift . ad Att . XII . Libr . XIV . Cicero hat das entscfeltche Feilsenn mit seiner gewöhnlichen keit beschrieben , in welchem Marcus Antonius und seine Gemahlinn die Republik zu Kauft gesteller haben . Wenn man überdieß die Gemüthe neigung der Fulvia weis , so glauber man . wenn man die Worte des Cicero liest , sie in ihrem Zimmer die Provinzen und Königreiche mir eben derselben Gewinnsucht verkaufen zu sehen , als wie die Weiber in ihren Buden Bänder , Leinwand u . d . m . zu verkaufen pfle - gen . Quid illi immanes quaeftus ? ferendine ? quos M . Antonii to - ta exhaufit domus . Dccreta falfa vendebat : regna , ciuitates , im . munitates in aes , accepta pecunia , iubebat incidi . Haec fe ex com - mentariis Caefaris , quorum ipfe auöor erat , agere dicebat . Cale - bant in interiore aedium parte totius reipubl . nundinae : mulier fibi felicior , quam viris , auctionem prouinciarum , rcgnorumque facie . bat . Cicero , Philipp . V . cap . IV . Ich glaube , daß der Mann und die Frau , einer so viel , als der andere , von der Gemüthsart des Catili - na gehabt : Alicni appetens , fui profufus . Salluft . in Catil . Sie haben das Geld so gut zu verschwenden , als zusammen zu scharren ge - wüßt . Fulvia hat ein Jahr nach diesen öffentlichen Ausrufungen nicht einen Pfennig mehr gehabt . Pomponius Atticus hat überall für sie gut sagen , und ihr große Summen vorstrecken müssen . Com» Nepos , in Vita Attici , cap . IX .
( K ) Man glaubet , Saß Fulvia den Marcus Antonius mocht , seine andere Gemahlinn ; u verstoßen . ^ Man gründet sich auf diese Worte des Cicero : Filiam eius fororem tuam eiecifti , alia conditione quaefita et ante perfpefta . Dieses bedeutet , daß , vor der Ehscheidung der Antonia , ihr Gemahl seine Maaßregeln so wohl ge - nommen habe , daß er sehr wohl gewußt , wie die neue Gcmahlinn ge« staltet gewesen , die er Heirathen würde . Wenigstens ist es sehr wahr« scheinlich , daß Cicero eine Arglist in dem ante perfpeöa verstanden , daß er , da er , ich weis nicht , was für einer Unternehmung gedenket , die vom Marcus Antonius in des Clodius Hause gebrauet worden ( * ) , gen wollen : man hätte sich bemühet , bey der Fulvia , des Clodius Eh - ftau , zu schlafen . Ich verwerfe nichts destoweniger den Gedanken de6 Manurius über das Wort conditio , dessen sich Cicero bedienet hat . Dieser gelehrte Ausleger überredet sid ) , Cicero habe sagen wollen , daß Marcus Antonius , alle Glieder an dem Leibe derjenigen Frau , die er haben wollen , entweder selbst untersuchet , oder durch andere untersuchen lassen . Er glaubet , die latemiscke Redensart , quaerere ccnditionem , bedeute nickt'schlechtweg , eine Braut suchen ; sondern der Ausseher über die allergeheimsten Theile werden , die der Gegenstand der Liebe sind , und dieselben durch eine genaue Musterung gehen lassen , um alle Betriegereyen und Jrrthümer zu vermeiden , welchen diejenigen ausge - setzet sind , die die Katze im Sacke kaufen , wenn ich dieses Sprüchwör» brauchen darf .
( * ) Intimus erat in tribunatii Clodio - - - ciiius etiam domi iam tum quiddam molitus eft : quid dicam , ipfe optime intelligit . Philipp . II . cap . XIX . Maturantius saget hierüber : Fuluiam credo , Clodii vxorem de coitu appellauit , aut eam adulterauit . Manutius saget : De ftupranda eius vxore .
XviSerlegung Ver Meinung ves Manutius über die Redens« arr : Quaerere conditiones .
So lang auch die Stelle des ManutiuS ist , so habe ich mich doch ver - bunden geHaken , dieselbe herzuschreiben , damit mir meine Leser nicht vorwerfen dörfen , daß es leicht sey , die Mevnung eines Menschen zu verwerfe ! , , wenn man seine Gründe Unterdrücket , oder dieselben chet . Inuenio apud veteres vfurpari folittim hoc loquendi genus , tondiciones quaerere , de iis , qui mulieres ad concubituin appeten - tes , priusvel ipli , velper anricos infpiciebant , quales efienf , num can . dor in corpore , num laeuitas , num fucci plenae ; denique numap . petentis libidini refponderent , vt eas ne aeeiperent , aut admitte - rent , nifi prius hoc tanquam experimentum cepiflent . Id , vt dixi , vocabant , condiciones quaerere . Itaque exprobrauit Antonius Au - gufto , id , quod Suetonius litteris prodidit , condiciones quaefitas per amicos , qui matres familias , et adultas virginesdenudarent , at - que perfpicerent , tamquam Thoranio mangone vendente . Et , quod apud eundem Suetonium feriptum eft , Caefar ad refinendam Pom - peii neceflitudinem , ac voluntatem , OiSauiam , fororis fuae neptem , conditione ei detulit : fafla fcilicet infpiciendi poteftate , vt nifi pro - batam , non aeeiperet . Arnobius quoque , feriptor in primis eru - ditus et reconditarum rerum notitia refertus , libro iV . aduerfug gentes , Dei vxores , inquit , dueunt , cohdicionibus ante quaelitis . Siede Fauftina quaerente fibi condiciones in viris , vt cum iis , quorum condiciones probafiet , concuniberet , dixit Capitolinus in Antonino Philof . multi ferunt , Comniodiun omnino ex adulterio natum : fiquidem Fauftinam , fatis conftet , apud Caietam conditio , nes fibi et nauticas , et gladiatorias elegifle . Et Lampridius in He - liogabalo : Romae denique nihil egit aliud , nifi vt emiflarios ha . beret , qui bene vafatos ( fie . n . lego , non , nafatos ) perqiurcrent , eosque ad aiilam perduccrent , vt eorum condicionibus frui poflet . Nec multo poft : Lauacruin publicum in aedibus aulicis fecit , fimul et palam populo exhibuit , vt ex eo condiciones bene vafatorum ho - tninum colligeret . Nec alio fenfu aeeipiendum illud pro Coelio : Habes hortos ad Tiberim : ac diligenter eo loco praeparafti , quo omnis iuuentus natandi caufla venit , hinc licet condiciones quotidic legas . Qiiibus adduftus exemplis , Qtiaefita , et Perfpccla , ad con - dicionem malo , quam ad niulierpm referre : vt fit : quaefiuifti , et ante perfpexifti aliam condicionem , non contentus ea < quam in fo - rore tua iam perfpexeras . Iam enim conftat , condicionem eile par - tetn corporis , quam vel in muliere vir , vel in viro mulier , ex . plendae libidinis caufla quaerit , et qua inuenta fruitur . Paul . Manu -
tun , in Philipp , p . 759 . ? 6o . Unter allen diesen Stellen sehe ich fei«

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