Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9523

et fletu fuo magnopere eos , qui adftabant , commOuenint . Afc . Pe - dian . Arguni . Orat . pro Milone , p . m . 192 . Ich antworte , daß diese Schwierigkeit , so groß sie auch seyn mag , die Meynunq des ManutiuS nicht behaupten kann , um so vielmehr , da sie meine Einwurfe zu Do - den schlagen . Was verhindert , daß Fadia und Fulvia nicht all - beyde von einem Sempronius Tuditanus abstammen können ? Es konnten verschiedene Brüder und verschiedene Geschwisterkinder gewesen seyn , die alle Sempronius Tuditanus geheißen . Nur die Vornamen haben si« unterschieden . Die Mutter der Fadia hat die Tochter emes derselben seyn können ; die Mutter der Fulvia hat von einem der andern absrammen können . Höchstens wollte ich doch lieber sagen : daß Cicero den müt - rerlichon Großvater der Fulvia mit dem mütterlichen Großvater der Fadia vermenget hat , als daß er die Heirath des Marcus Antonius , mir der Fulvia , als eine nicht standesmäßige Heir - ih angesehen hätte . Ich wer - de sagen , daß Glaudorp dasjenige verwirft , was er selbst aethan hat . Er nimmt es übel , daß man die ganze Stelle der dritten Philippica , von einer einzigen Gemahlinn des Marcus Antonius versteht , und gleichwohl deutet er alles auf die Fulvia ; denn er qiebt vor : daß sie des Bambalio Tochter und des Tuditanus Enkelinn gewesen , und hier - durch läßt er in den Worten des Cicero nichts übrig , das der Fadia zukä - nie . Uebrigeus ist dieses eine große Ungereimtheit , wenn man vor - giebt , daß Bambalio , der nichtswürdigste Mensch von der Welt , Ho . 1110 nullo numero : nihil illo contemtius , der Fulvia Vater sey . Dieß heißt dem Cicero die größten Schnitzer beymessen , die ein Scri ? beut nur begehen kann . Hierdurch will man , daß er den Vorwurf , der unanständigen Heirath znnickschieben wollen , ( Cicero hatte in dieser Stelle der dritten Philipvica , dasjenige widerleget , was Marcus An - tonius dem Octavius vorgeworfen , daß er der Sohn einer Bauermagd wäre , Aricinam Matrem . ) indem ev den Marcus Antonius get , daß erein Frauenzimmer vom höchsten Stande geheirathet ; denn also stellet er uns die fulvifche Familie , in Orat . pro domo fua , selbst vor , wenn er eine That von des Clodius Schwager untersuchet . Das heißt» ■ daß er nicht den geringsten Vortheil aus der Niedrigkeit und Thocheit eines Vaters ziehen können , um daraus Vorurtheile , wider die rung des Sohnes , zu machen , und daß unter so vielen Schimpfwor - ten , womit er den Clodius beleget hat , er ihm niemals eine Verheira - thung vorgeworfen , welche zur ärgsten Satire Anlaß gegeben hätte . Wir wollen aus allem diesem schließen , daß Glandorp den MaturantiuS übel getadelt hat ; und hier sind neue Merkmaale darvon . Er hat ihm drey grobe Jrrrhümer über diese Worte des Cicero übersehen : At auus nobilis , Tuditanus nempe ille . MaturantiuS bildet sich eiü , i> daß dieser Großvater des Bambalio Großvater ist ; Occurrit di - cens Bambalionis huius auum nobilem fuific . Refpondet , ftuitum - que fiiiße dicit , Tuditano ilii limilem , de quo Valerius Maximus . Maturant , in III Philipp , folio m . ioi . 2 ) daß dieser Großvater dem Tuditanus ähnlich , aber daß er nicht Tuditanus selbst gewesen . Vel» lern ita contemneretis et vos pecuniam , ficut ille contemfit vxo - ris tuae auus . Ebendaselbst ; z ) daß er der Großvater von des Mar - cus Antonius Gemahlinn gewesen . Der letzte von diesen drey Feh - lern steht nur einige wenige Zeilen nach dem ersten : So gewiß ist es , daß die Schriftsteller sich bisweilen auf eben derselben Seite widerspre - rhen : darum , weil manchmal ein jeder Absatz ihre ganze Aufmerksam - teit an . sich zieht . Sie können also nicht an die vorhergehenden Worte gedenken .
Betrachtung über eine Unrichtigkeit des T>io .
Ich nehme viel mehr Antheil an einem Zrrthume , den ich in dem Dio gefunden habe . Dieser Geschichtschreiber hat seinem Werke eine Rede des Cicero eingeschaltet , die wider den Marcus Antonius gerich - tcc ist . Man kann - nicht leugnen , daß er nicht selbst der Urheber davon wäre ; denn wir haben die philippischen Reden des Cicero noch , und wir können uns überzeugen , wenn wir sie gegen die Worte des Dio halten , daß die Rede des letzter» keinesweges die Uebersehung einer von den vhilippischen ist , also hat Dio die Rede erdichtet . Ich gebe zu , daß ihm dieses erlaubet gewesen ; allein zum wenigsten hätte er nichts sagen sollen , welches nicht aus dem Lateinischen des Cicero genommen wäre . Hier sind indessen zwey Dinge , die er offenbarlich verfälschet hat : ich habe das übrige nicht untersuchet . Er setzet voraus : es habe Cicero dem Marcus Antonius vorgeworfen , daß er seinen Oheim , weder bey CäsarS Leb - zeicen . noch nach Casars Tode zurück berufen ; und den Bambalio , ei - nen Menschen geliebet hätte , densein bloßer Name schon unehrlich genug gemacher , Ti« yitg b'k »iSi ? aii2' irt ire ) k * t ( pttfyovra« yji / Ire ) r5 Kal - ea^et , V31 / ßtTa txStu in r & v vtxmitctw Si ) täv ixcivn Icywyuv , k'k inm - vwa tm Sein - - - Yjj tov Bx / ißuAluvce rov ut uirfit rijf imitvvplat ( Tri'ßoijTov kyanS . Id vero neminem latet , quod quum nuiltos in exiliutn miflös non Caefare modo fuperftite , fed defun - <$0 etiam , ex libellis fcilicet eius in vrbetn reauxerit , patruo fuo non fubuenerit . . . Bambalionem etiam ipfius cognomenti ra . tione infamem diligit . Dio , Libr . XLV . zu Ende . Cicero hat sei - tiem Gegner dergleichen Vorwürfe nicht gemachet . Bemerket er nicht ausdrücklich , daß Cajus Antonius im Rathe gewesen , da sein Neffe wi - der den Dolabella geredet hat ? Damals war Cäsar noch am Leben . Man hat dem Marcus Antonius nicht vorgeworfen , daß er des Bam - bnlio Freund wäre , welcher nach aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr in der Welt gewesen . Man hat sich begnüget , ihm zu sagen , daß er , der die Tochter emes Einwohners zu Tusculum , die Tochter des Bam - balio geheirathet , dm man schimpfsweise also genemiet , sehr Unrecht hätte , anzuführen , daß Octavius eine Frau zur Mutter hätte , die von Aricia gebürtig gewesen . Müssen diese zwo Verfälschungen uns nicht bey tausend Dingen in Mistrauen setzen , die Dio gesaget hat , und davon wir die Originalen nicht mehr haben .
( G ) Marcus Antonius * » , hatte eben so viel Frauen gehabt , als sie Männer . ^ Wir wollen sehen , daß dieienigen , welche gesaget haben , es sey Fulvia die andere Gemahlinn des Marcus Anto - uius gewesen , welches Glandorp , Ononi . p . 8z . versichert , nur etwas weniger geirret haben , als Chevreau . Die andere Gemahlnm des Marcus Antonius , hat Antonia geheißen : sie ist mit ihm Geschwister - kind , und des Cajus Antonius , des Cicero Amrsgenossen im Consulate , Tochter gewesen . Er hat sie nicht lange behalten ; denn er hat sie un - ker demBorwande verstoßen , daß sie ein Liebesverstandniß mit dem Do - labella unterhielte . Er hat sich nicht geschanM , die Beschimpfung vor Ii «and .
Fulvia . 555
dem Rathe und in Gegenwart seines Schwiegervaters selbst bekannt zu machen , die ihm seine Frau erwiesen hatte ; und er hat diesen Schimpf unter die Ursachen gesetzet , warum er mit dem Dolabella gebrochen hat . Man muß sehen , wie Cicero wegen dieser Sache auf ihn losgeht ; Ci - cero , sage ich , welcher vorgiebt , daß Antonia nicht schuldig gewesen sey . Omnibus eurn ( Caium Antonium ) contumeliis onerafti , quem pa - tris loco , fi vlla in te pietas efiet , colere debebas : filiam eins , foro . rem tuam , eieeifti , alia conditione quaefita , et ante perfpeäa . Non eft fatis , probri infimulafti pudicifiiniam feminam : quid eft , quod addi poflit ? Contentus eo non fuifti : frequentiflimo fenatu Kalendis Ian . fedentc patruo , hanc tibi eile cum Dolabella caufläm odii , dicere aufus es , quod ab eo forori , et vxori tuae fttiprum efle oblatum comperifles . Q^iis interpretari poteft , impudentiorne , qui in fenatu ; an improbior , qui in Dolabeilam ; an impurior , qui patre andiente 5 an crudelior , qui in illam miferam tarn fpurce , tarn impie dixeris ? Philipp . II . cap . XXXVIII . Plutarch wird uns mtde - cken helfen , zu welcher Zeit die Ehscheidung des Marcus Antonius und der Antonia geschehen . Er saget im Antonius , auf der 9 - 9 S . daß Dolabella , der Zunftmeist - r des Volkes , da er einige Geseke dnrchtrei - den wollen , den Marcus Antonius , seinen Freund , geberhen habe , ihm beyzustehen . Marcus Antonius hat nichts darbey thun wollen : er hat geglauber , daß sich seine Gemahlinn vom Dolabella mißbrauchen ließe ; er hat sie verstoßen , und sich zu den Gegnern dieses Zunftmeisters ge - schlagen , und seine Anschläge zu Wasser gemacht . Casar hat , nach sei - ner Znrückkunft in Rom , dem Dolabella Gnade ercheilek . und da er zum dritttenmale zum Consul gemacht worden , den Lepidu« , »nd niefot den Marcus Antonius zu seinem Amtsgenossen genommen . Ebendas . 920 S . Dieß belehret uns , daß die Unruhen des Dolabella vor dem 707 Jahre Roms , welches das Jahr von CäsarS drittem Consulate ist , hergegangen sind : Wir können sie also ein Jahr nach der pharsalischen Schlacht setzen , und dieß ist auch das Jahr von der Ehscheidung der Antonia . Wie aber Marcus Antonius seine Absicht aus eine andere Partie gehabt , ehe er die Antonia zurück geschicket : ( Aha conditione quaefita et ante perfpefta . Cicero , Philipp . II . cap . XXXVIII . j so ist eö sehr wahrscheinlich , daß die Begierde , sich mit der Fulvia zu verheira - then , eine von denen Ursachen gewesen , die diese Ehscheidung befordert hat . Wenn man dem Plutarch hierinnen glaubet , so ist diese Heirach in währender Zeit geschehen , da Cäsar in Asrica , im 707 Jahre , Krieq geful>ret hat ; und also ist diese Fulvia die dritte Gemahlinn des Mar - cus Antonius gnvesen . Es ist ohne den geringsten Grund , wenn dorp . Onomaft . p . g6 . versichert : es habe sich Marcus Antonius , nach derselbm Verstoßung , mit der Antonia vermählet , und da er derselben bald überdrüßig geworden , sie wieder zurücke geschickt , und die Fulvia wieder genommen .
( H ) Er hat den Casus Antonius bey andern Vorfallen nicht sehr gesrt ? o»tt . ] Ich mache diese Anmerkung , um mich meines Ver - sprecheiiS zu entledigen . Siehe oben die Anmerkung ( Aj , bey dem Artikel des Antonius ( Cajus ) . Wir haben gehöret , wie Cicero dem Marcus Antonius vorwirft , daß er die Unfreundlichkeit gehabt , die Un« keuschheit der Antonia in vollem Rathe , und in Gegenwart des Va - tccs dieser Dame , vorzubringen . Dieß ist eine große Kränkung für die - sen armen Barer , aber auch nicht das erstemal gewesen , daß sem Neffe
so unanständig mit ihm umgegangen war . Hatte er ihn nicht im Elen» de gelassen , da er eine große Anzahl Verbannte zurück rief ? Cicer» hat nicht unterlassen , ihm dieß vorzurücken . Philip . Ii . cap . XXII .
Ornnia peifecit , quae Senatus falua repub . ne fieri poflent , per . fecerat : cuius tarnen fcehis in fcelere cognofcite : reftituebat rnultos calamitofos , in his patrui nulla mentio . Si feuerus» cur non in omnes ? fi mifericors , cur non in fuos ? Hiec sind noch einige andere Schandthaien . Cicero bringt sie vor» wenn er eines Gesetzes wegm der Zurückrufung der Verbannten denket , welches nach CäsarS Tode kund gemacht worden , als wenn es Cäsar gemacht hätte . Cicero fraget hier , unter andern Dingen , warum man noch drey oder vier Personen im Elende gelassen hätte ? ebendas . XXXVIII Cap . Cur tua mifericordia fimili non fruuntur ? Cur eos habes in Joco patrui , de quo ferre , cum de reliquis ferres , no - luifti ? Quem etiam ad cenfuram petendam impulifti , eanique pe . titionem comparafti , quae et rifus hominum et querelas inoueretv Cur autem ea comitia non habuifti ? An quia tribunus plebis fiik men ( iniftrum nunciabat ? Cum tua quid intereft , nulla aufpici» funt : cum tuoruin , tum fis religiofus . Qiiid ? eundem in feptens uiratu nonne deftituifti ? interuenit enim , cum metuifti credo ne faluo capitc negare non poffes . Omnibus eum contumeliis onerafti , quem patns loco - - - Man wird hier oben , auf dieser te , die Folge dieser Stelle finden . Manutius hat hier altes voll Finsterniß gefunden . Hic mihi , quod aiunt , tenebrae funt . Nor» enim video , quo modo C . Antonius Kalendis Ian . viuo Caefare in fenatu eile potuerit : cum eum poft Caefaris interitum , id eft , polt latam ab Antonio de exfulibus legem , exfulare , ex iis verbis intel . ligatur ; cur eos habes in loco patrui ? de quo ferre , cum de quis ferres , noluifti . Manutius in II Philipp , p . 761 . Hier ist Ca - jus Antonius auf einer Seite von seinem Neffen vergeben , wenn man nach Cäsars Tode alle Verbannten , bis auf drey oder viere , zurück fet ; und hier ist er , auf der andern Seite , mitten unter deii Rathsher - ren , wenn Marcus Antonius , vor Julius CäsarS Tode , wider den Do - labella redet . So schön begreift Manutius die Sache ! man darf sich nicht wundern , wenn er Widersprüche darinnen findet . Allein dieselbe» sind leicht zu heben , wenn man ihm die Quelle seiner Finsternisse zeiget Er bildet sich ein , daß Cajus Antonius in dem Elende gelassen worden^ als Marcus Antonius , »ach Julius Casars Tode , ein erdichtete« Gest - he dieses Kaisers , wegen der Zuruckrusung der Verbannten angesühret Dieses will Cicero nicht sagen . Des Cicero Gedanke ist dieser : Mar - cus Antonius hätte von der Begnadigung dieses erdichteten Gesetzes drey oder vier Unglückliche ausgeschlossen . Cicero frager ihn nach der Ursache ; und damit er ihm andere Laster ver Augen legen kann , so ver - gleicht er die Ausschließung dieser drey oder vier Personen , auf eine hafte Art , mit derjenigen Ausschließung , die er , Marcus Antonius , sei - nem Oheime , zur Zeit seines ZunstmeisteramteS . erwiesen hatte . U ? ar« um begegnes ? du diesen drey oder vier Personen , fraget er ihn , wie du deinem Gheim begegnet bist , dessen Furückrufung du nicht in Vortrag gebracht , da du der andern Surüct'rusung A a a a 2 vor»

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