Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9514

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Fulvia .
von demjenigen Eröffnung gethan , was sie von des Catilina Anschlägen
entdecket hatte . Erat ei ( O . Curia 1 cmnFiiluia , mulierc nobili , ftupri vetus confuetudo , cui cum minus gratus esset , quod inopia minus largiri poterat , repente glorians , maria , monteisque polliceri coepit , minari interdum ferro , ni libi obnoxia foret , poftremo , fe - rocius agitare , quam folitus erat . At Fuluia , infolentiae Curii cauf - fa cognita , tale periculum reipublicae haud occultum habuit ; fed , fublato au & ore , de Catilinae coniuratione , quae quo modo audierat , compluribus narrauit . Salluft . in Bello Catil . pag . m . 65 . Vermuth« lich ist es hier vielen Lesern begegnet , eine für die andere zu nehmen , und zu stauben , daß es Catilina gewesen , der die Fulvia unterhalten hat . Derjenige , der das Register des Salluftius Variorum gemacht , hat diesen Fehler begangen . Fuluia , saget er , nobilis muiier , cum qua Catilinae vetus ftupri confuetudo fuerat , coniurationeni ehu , clam nochi profeöa , Ciceroni detexit . Nach diesem Jrrthume ist nichts leichter gewesen , als vorzugeben , daß Catilina von der Fulvia , seiner Liebsten oder Beyschläferinn , verrathen worden ; und darauf ist es nicht schwer gewesen , weiter zu gehen , und zu sagen , daß seine lin» Fulvia seine Verschwörung entdeckt hat . Diejenigen , welche die Bosheit der Gemahlinn des Marcus Antonius kannten , haben sich leichtlich einbilden können , daß sie zu allem dem vermögend gewesen , was man der andern Fulvia beymißt ; und also haben sie auch aus die - sen zwoen Fulvien eine einzige machen können . Ich muß , die Beyschlä - ferinn des Curiu« desto kenntlicher zumachen , hier noch dazu setzen , daß sie so viel Bescheidenheit und Treue gegen ihren Buhler gehabt , nicht zu sagen , daß er ein Mitverschworner gewesen , oder daß sie dasjenige von ihm erfahren harre , was man wider den Staat geschmiedet hatte . Sie hat nicht mir ihm gebrochen ; es scheint vielmehr , daß ihre Ber - bindunq dadurch noch fester verknüpft worden . Man hat sich derselben bedient , ihren Liebhaber durch tausend schöne Versprechungen zu nen , und dieser hat sich ihrer bedient , dem Cicero den Anschlag derVer - schwörung zu entdecken . Neque Ciceroni ad cauendum dolus aut aftutiae deerant , namque principio confulatus fui multa per uiam pollicendo effecerat , vt Q_ Curius , de quo paulo ante memo - raui , confilia Catilinae fibi proderet . Salluft . in Bello Catilin . p . 70 . Curius vbi intelligit , quantum periculum Confuli impendeat , pere per Fuluiam Ciceroni dolum qui parabatur enunciat . Ebendas . 7 ; S . So gewiß ist es , daß alles in einem Staate nützlich ist , und daß ins besondere die Buhlschwestcrn und verliebten Frauen manchmal dem gemeinen Wesen durch die Geschicklichkeit , die sie haben , hinter die aller wichtigsten Geheimnisse zu kommen , große Dienste leisten . Es ist wahr , daß sie zuweilen durch dieses Mittel die Sachen ihres Vater - landes zu Grunde richten , indem sie die StaatSgeheimnilse einem frei ) , gebigen Feinde offenbaren ; allein dieß ist der Zustand der menschlichen Dinge , dasjenige , was schaden kann , kann auch nützlich seyn . Ich woll - te nicht gern sagen , daß diejenige Fulvia , deren Valerius MaximuS ge - denket , eben dieselbe wäre , von welcher Sallustius reder . Glandorp geht nicht weit von dieser Meynung ab : andere wollen dieses lieber unserer Fulvia zueignen , so vermögend halten sie dieselbe zu allen Arten der Ausschweifungen . Dem jey , wie ihm wolle , so ist dieß die Historie . Ein Bedienter von den Zunftmeistern des Volkes , hat seinen Herrn und dem Cvnsul Merellus Scipio zu Gaste gebethen , und sie mit einer schand - baren Lust bewirthet ; er hat ihnen zwo römische Damen zugeführt , diu von jede einen Vater und einen Gemahl gehabt , und davon die eine Mucia , und die andere Fulvia geheißen . Aeque flagitiofum illud conuiuium , quod Gemellus tribunitius viator ingenui fanguinis , fed ofßcii intra feruilem habitum deformis , Metello Scipioni confuli ac tribunis plebis magno cuin rubore ciuitatis couiparauit . Lupantri enitn domi fuae inftituto Muciam et Fuluiam , tum a patre tum a viro vtramque abdudtani , et nobilem puerum Saturninum in eopro - ftituif . Valer . Maxim . Libr . IX , cap . I , num . 8 . Das Konsulat des Metefluö Scipio fallt in6 ? ol Zahr Roms , eilf Jahre nach des Cati - lina Verschwörung . Wo ist nun die Wahrscheinlichkeit , daß die Fulvia to« Sallustius , damals Vater und Gemahl gehabt ? Unsere Fulvia hat damals die Rache des Clodius verfolgt : die Sache des Milo , des Clo - dius Mörders , hat im ? c» Jahre das Endurtheilerlangt ? Wo ist nun die Vermuthung , daß seine Witwe unter diesem Consulate wieder verheira - thet worden ? Außer diesem wissen wir , daß ihr Vater im 696 Jahre «stocken ist . und daß sich ihre Mutter wieder an den Murena vermählt hat . Siehe den Cicero , Orat . pro domo fua .
( E ) Sie katdie Freude gelabt , an Oer Zunge des Cicero ih - rer Raciie ein Genügen ? u chun / Z Sie hat ihrem Gemahle unter währendem Metzeln des Triumvirats unvergleichlich beygestanden ; sie hat nack ihrem eignen Kopfe , entweder aus Geize oder au« Räch - gier , viele Personen hinrichten lassen , und so gar Leute , die ihr Gemahl nicht gekannt . Marcus Antonius hat sich die Köpfe der Enthaupteten über die Tafel bringen lassen , und sich lange an diesem Anblicke ergehet . Des Cicero Kopf ist einer von denen gnvesen , die man gebracht hatte ; er hat befohlen , daß man ihn an dem Orte aufstecken sollte , wo Cicero so viele Rede« wider ihn gehalten hatte . Allein ehe dieser Befehl aus - aeführt wurde , hat Fulvia diesen Kopf genommen , und ihn angespiehen , und nachdem sie ihn auf ihren Schooß gesetzt , die Zunge herausgezogen , und ihr viele Stiche mit ihrer Haarnadel gegeben . Zu gleicher Zeit hat sie die aller häßlichsten Schimpsworte wider den Cicero ausgestoßen .
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TM»« . Fuluia autem id caput aeeeptum priusquam auferretur , in - fultansqiie amarulentis verbis et confpuens , genibus fuis impofiiit : orique eins aperto linguam extraöam aeubus ( quales fecum co - mendi capitis caufa mulieres ferunt ) compunxit , additis crebris ac turpibus opprobriis . Dio , Libr . XLVII , pag . 378 . Gewiß ! eine seltsame Gattung von einer boshaften Frau . Es giebt Bösewichte ? , die man fast gezwungen ist zu bewundern , weil sie , ich weis nicht wa« für eine Hoheit der Seele bey ihren Verbrechen sehen lassen ; alleinhier bemerket man nichts , als Unbesonnenheit , Niederträchtigkeit , und Feig - heit , und man kann nichts , als einen mit Verachtung angefüllten Wi , derwillen darüber empfinden . Unterdessen thiit doch Moreri seinen Le - sern zu wissen , daß man versichere , es habe Fulvia auch Groß - muth bestflen .
( F ) 2>ie , enigen , welche sagen , daß sie des Marcus Antonius eefte Gemahlinn gewesen , betriegen ficb . ] Moreri und Chevreau haben diesen Fehler begangen : der erste in dem Artikel Marcus nius , und der andere in seiner Historie der Welt auf der 10 ; S - des
II Bandes . Ich bediene mich der holländischen Ausgabe . Die erste Gewahlinn de« Marcus Antonius , hat Fadia geheißen : er hat sie ge - nommen , weil sie reich war , und sich kein Bedenken daraus gemacht , daß sie ihm einen Schwiegervater gegeben , der so wohl wegen derMän - gel seiner Person , als wegen der Niedrigkeit seiner Herkunft , verächtlich gewesen . Tuae coniugis bonae feminae , Iocupletis quidem certe Bambalio quidam pater , homo nullo numero . Nihil illo contem - tius , qui propter haefitantiam linguae , ftuporemque cordis cogno - men ex eontumclia traxerit . At auus nobilis , Tuditanus , nempe ille , qui cum palla et cothurnis nummos popuk ) de roftris fpargere fo - lebat . Vellern hanc contemtionem pecuniae fuis reliquisset . Dieses saget Cicero in ber dritten Philippica auf der 78 * S . meiner Ausgabe ( VI Cap . ) . Ein wenig hernach versichert er , daß dieseFrau desM . Antonius , die Tochter eines Freygelassenen gewesen ; Ipfe ex libertini filia fufeeperit liberos : Oder eine Enkelinn ; denn der Titel Libertinris , welcher eiyent« lich den Sohn eines Freygelassenen dedeutet , ist nach diesem ohne Unter - schied auch den Freygelassenen selbst gegeben worden , nach der bösen Gewohnheit , die man hat , die Ehrentitel auf Unkosten der Worte zu er . weitern , um höflich zu seyn . Er hatte eben dasselbe um den Ansang der II Philippica gesaget . Hoc idcirco commemoratum a te puto , vt te infimo ordini commendares : cum te omnes recordarentur tini generum , et liberos tuos , nepotes Q . Fadii ( * ) libertini nis fuifl'e .
( * ) Er nennet ihn Epift . XI , ad Attic . Libr . XVI . Cajus FadiuS . Siehe den Corradus daselbst , welcher muthmaßct , daß die Abschreiber das C in O . , oder das Q . in C , verwandelt haben . Allein was wollen wir sagen , wenn wir sehen , daß ihn Cicero hier unten in der II Philip , pica M . Bambalio nennet ? Man hat Manuscripre , die an statt Q Fadii , M . Fundi haben .
Glandorp , Onomaft . pag . 8Z . muthmaßct mit Reclit , daß die Kinder des Marcus Antonius , und der Fadia nicht lange gelebet haben , weil weder Cicero noch «in anderer Scribent sie mit Namen nennen . Man weis nur . daß die Geisel , die den Mördern Julius Casars , vom Mar - cus Antonius geschickt worden , ein Sohn des Marcus Antonius , und ber Fadia gewesen . Cicero erlaubet uns nicht , daran zu zweifeln . Pa - cem haberemus , quae erat faäa per obfidem puerum nobilem Marci Anfonii filium , M . Bambalionis nepotem . Cicero , Philipp . II . Glan» dorp hat sich , ebendaselbst , sehr verirrt , wenn er geglaubt , es sey Bam - balio , der Fulvia Vater gewesen , und eö gehe nicht die ganze Stelle der
III Philippica auf die Fadia . Diese falsche Einbildung ist Ursache ge - wesen , daß er den Maturantiu« verwegen getadelt hat , daß er dieWor - te des Cicero nicht unter die zwo Gemahlinnen des Marcus Antonius getheilt hätte . Ex iis , quae retulimus , quiuis facile perfpexerit quam probe Francifcus Maturantiiis , vir alioquin doaiflimus , Fadiae Bam - balionem patrem tribuat , eamque fuifl'e Tufculanam aflerat . Deindc quae Ciceroni Philipp . III , de Fuluia feoriim et Fadia dicuntur , ipfe cunäa mifeens ad vnatn Fadiam owmia referat . Maturant' . uS hat in allem diesem Recht , und ich kann mich nicht genug verwundern , wie Paul Manutius hat glauben können , daß sich diese Worte der dritten Philippica , at auus nobili« etc . auf die Fulvia beziehen . Wenn dieß wäre , so würde man Grund haben , zu sagen , daß Cicero so wohl seine Worte , als seine Gedanken sehr übel geordnet hätte . Allein , wenn man nur ein wenig Zlcht darauf hat , so sieht man handgreiflich , daß Ci» cero dem Marcus Antonius nur die - öeiratfj mit der Fadia vorwirft . Er bemerket , , ) daß der Vater dieser Frau ein nichtswürdiger Mensch gewesen : 2 ) machet er sich einen Einwurf ; daß nämlich der Großvater dieser Frau edel geweftn : z ) führet er die Ungereimtheiten und öffentli - chen Narrheiten dieses Großvaters an . ES wäre nichts lächerlichers qe . wesen , als in Ansehung der Heirath mit der Fulvia vorauszusetzen , daß , wenn Marcus Antonius sich nicht niedrig verheiratber , dieß daher käme , weil der Fulvia Großvater edel gewesen ; nun aber ist es offenbar , daß , wenn der Einwurf , den sich Cicero machet , die Heirath mit der Fulvia betrifft , der Beweis , daß Marcus Antonius keine ungleiche Heirarh ge - troffen hätte , auf den Adel des mütterlichen Großvaters seiner Gemah - linn gegründet seyn müßte . ManutiuS und Glandorp wollen , daß Sempronia , des Tuditanns Tochter , der Fulvia Mutter gewesen . Es ist also gar nicht glaublich , daß der Einwurf auf diese Heirath zielet . Ich habe gesaget , daß es sehr lächerlich gewesen seyn würde , zu dem Adel d« mütttrlichen Großvaters der Fulvia Zuflucht zu nehmen , um deu Mar« cus Antonius zu rechtfertigen , daß er keine unanständige Heirath getrof - fen hätte , und ich beweise es ganz leichtlich . Fulvia ist aus den aller , ältesten und erlauchtesten Häusern Roms gewesen . Die Fulvier haben ihren Ursprung von einem , der in Religionssachen Herkuls Schüler ge - wesen war , hergeführt : man denke , was dieses für ein Adel der Fulvia gewesen . Man hatte ihren Bater nicht aus dem Hause der Fulvier verjagen sollen , wie Glandorp gethan hat : diese Frau hatte einen Bruder , der wirtlich aus dieser alten Familie gewesen : er war Oberpriester und hat solches dem Clodius , seiner Schwester Gemahle , zu danken ge - habt . Seine Gemahlinn hat sich wieder an den Murena verheirather . C . eero pro domo fua , Foho , 80 , 181 A . Diese Sachen hat man von dem UCfTO . t , lllm affinem non delefluin a te , fed relichira a caeteris contmilh , quem ego tarnen credo , fi eft ortus ab illis , quo« memoriae proditum eft , ab ipfo Hercule perfundlo iam laboribus facra didieifle , in viri fortis aerumnis , non ita crudelem fuisse , vt etc . Ebendaselbst . Er redet zu dem Clodius : er hatte auf dem - 8v Bl . A . gesaget , wie Clodius den Bruder seiner Gemahlinn gebraucht , den er zum Oberpriester gemacht . Er saget in der Rede für den Murena auf dem 148 Dl . A , daß der Sohn von der Gemahlinn des Murena fum . mo toco adolefcens ist . Müßte er nickt besoffen gewesen seyn , wenn er vorgegeben hätte , daß Marcus Antonius wider diejenigen den väter , lichen Adel der Fulvia nicht anführen können , die ihn einer unanständi - gen Heirath beschuldiget hatten ? .
Es ist noch eine wichtige Schwierigkeit übrig . Asconius Pedianus erzählet , daß die iehrern Zeugen , die wider den Milo , des Clodius der , verhört worden , Sempronia Tuditana und Fulvia gewesen , diese des Clodius Witwe , jene der Fulvia Mutter . Vitimae teftimonium dixerunt Sempronia Tuditanj filia , foerus P . Clodii , et vxor Fuluia ,
et

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