Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9473

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Fronto .
«r diese letzte Sache nicht gewußt haben ; wir können ihn also einer AuslassungSsüNde beschuldigen . Sosipater Charisiue führet einen Brief an , welcher von der Dankbarkeit des Marcus Aurelius ein Zeugniß leget : Mihi fatis abundequc honoruni eft , qiios mihi cotidiane tri - buis . Dieses hat Front» an diesen Kaiser geschrieben .
CB ) Seine Beredsamkeit ist sehr ernsthast gewesen . ^ Dieses berichtet uns der h . Hieronymus Epift . ad Rufticum Monachum : Vf poft Qiiintiliani acumina , Ciccronis fluuios , GRAVI TATEM Frontonis , et lenitarein Plinii alphabetum difcerem . Macrobius saget fast eben so viel davon , obgleich auf eine nicht so verbindliche Art , gegen den Fronto ; denn er theilet ihm eine trockene Beredsamkeit zu : Qnatuor fimt genera dicendi , saget er , copiofum , in quo Cicero do - minatur : breite , in quo Salluftius regnat : ficcuni , quod Frontoni ad - fcribitur : pingue et floridum , in quoPlinius Secundus quondam , et nunc nullo vetermn minor nofter Symmachus luxuriatur . Satur - nal . Lib . V , c . i . Sidonius Apollinaris giebt einen sehr großen Begriff von der Schreibart des Fronto . Nec Frontonianae grauitatis aut pon - deris Apuleiani fulnien aequiparem . Epift . III , Lib . IV , p . m . »35 . Siehe auch Epift . X , Lib . VIII , p . 523 .
( L ) Dasjenige ist ohne den geringsten Beweis , rvenn man ihm die Redner dieses Namens in Aquitanien und in Auvergne zueignen wollte . ] Sidonius Apollinaris in dem 3 Br . des VIIIB . an de» Leo , einen Rath eines gothischen Köniaes , Evarix genannt , det auf diese Art : Sufpende perorandi illud quoque celeberrimum fluhien , quod non foluin gentilitium , fed domefticum tibi , quoque in tum« pedtus per fucciduas aetates abAtauo Frontone transfundi - tur . Dieses beweist nichts , wegen der Frontonen von Auvergne , Sa - varon mag sagen , was er will , welcher uns über diese Worte des 11 Br . des IV B . Hinc amis Fronto blandus tibi , tibi feuerus , diese An« nieifuiig machet : Fronto ex veteri illa Frontonum familia , qui in arte Rhetorica prineipem loctim tenuere , quos fibi fuos Aquitania iure vendicat , quantum ex 1 . 2 . C . de munieip . et originariis licet colli - gere , et ex epift . 3 , lib . 8 , Sidonii Apollinaris . Wenn man auch be - weisen könnte , daß derjenige , an den dieser ; Dr . des 8 B . geschrieben , aus Auvergne gewesen : so hätte man doch kein Recht , daraus zu schließen , daß der Redner Fronto , sein vierter Großvater , auö eben diesem Lande gewesen wäre .
Einer von unsern neugierigsten Freunden der Alterthümer , gegen wel - chen ich eine unendliche Hochachtung habe , halt mich hier etwas auf . Der
gefunden ,
, 4 und 15 S daß SidoniusApollmans die berühmte Familie der Fronto - nen aus Aquitanien herkommen läßt - , - M . Cornelius Fronto , der größte Redner seiner Zeit . Sidonius , fährt er fort , thur dem Aper in dem 2 . 1 Br . des 4 B . ; u wissen , daß Fronto , sein mütler - lieber Grosivater cmAuvergner gewesen , und daß er denen zum LNustcr harre dienen können , die man uns ju Beyspiclcn ret - - - Er hat in dem z Briest des 8 B . an eine andre son geschrieben , und giebt ihn darinnen für den Aelrervater de selben Fronto an , und saget , daß er nicht allein den Hamen führe , sondern auch die Beredsamkeit geerbet habe , und daß sie ibm . wie angebohren , und vom Vater auf den Sohn , als eine ürrbscbaft von diesem vortrefflichen Redner gekommen wäre . Der Verfasser setzet dazu , ! , daß zurZeit desRaisersGordians eine Familie von dem Namen Fronto , in Aquitanien gewesen , wie uns das 2 Oes des Codex de munieip . et originär , lib . 10 belehret ; wo ein ge - wisscr A . Fronto , vermöge eines Fidecommisies von einer gewinn Frau freigelassen worden , die ursprünglich au« Aquitanien ge - wesm , und auf Befragen : ob er dem Ursprünge dcrienigen , die ihm freigelassen , oder dessen , der das Testament gcmacbr , folgen müßte . so hat der Raistr zum Vortheile derjenigen tet , die ihn freigelassen harre . II . Daß , wenn Aemilius Fronto , der daSDenkmaal gestiftet , daö man erkläret , nicht derselbe Fronto gewesen , den man freygelassen , wir wohl glauben können , daß er der Ururen - kel des M . Cornelius Fronto gewesen ist , der untermAntonin dem Philosophen gelebt , und ihn in der Redekunst unterwiesen hat .
Man hat in der Vorrede meines Entwurfs gesehen , daß ich über keine Scribenten meine Beobachtung freyer wage , als über die , welche ick auf eine besondre Art hoch schätze ; denn wenn ich mich nicht erkühnte , ihnen meine kleinen Schwierigkeiten vorzulegen , so würde dieses ein Zeichen seyn , daß ich glaubte , sie wären von Vorurtheilcn einge»oinmen , wclches mir e>n vafihcher Fehler zu seyn scheint . Ich wiederhole hier die Worte meines Vorberichts , und will , daß dieselben bey allen erforderlichen Gelegenhei - ten dienen sollen .
Zum I . bemerke ich , daß man mir ein großes Vergnügen machen wür - de , wenn man bewiese , daß der berühmte Cornelius Fronto aus Aquita - nien gewesen . Dieß wurde den» alten Gallien viel Ehre machen , und dem Verzeichnisse der daraus entsprungenen geschickten Leute einen gro - ßen Glanz geben . Allein , ich sehe nicht , daß dieses durch die zween Briefe des Sidonius Apollinaris bewiesen werden könnte , die man an - gezogen hat . Der eine von diesen Briefen ist an den Aper , und der an - dre an den Leo , dm Rath eines Königes , geschrieben gewesen . Der erste zeiget nur , daß in Aquitanien , ein sehr angesehener Mann , Namens Fron - to , gewesen , davon die Tochter , die Mutter dessen gewesen , an welchen Sidonius geschrieben harre . Der andre , so viel ich begreifen kann , sa - ge t nicht , daß eben dieser Front» , der Auvergner , der Aelrervater desjeni , gen gewesen sey , mit welchem Sidonius redet . Sidonius bedimer sich des Wortes , atauuü , welches sagen will , dcr Vorurältcrvater ; und daraus kann man wahrnehmen , daß der Fronto des l Briefes , nicht der Fronto des II Briefes ist : denn es tragt sich nicht leicht zu , daß jemand mit zween Freunden Briefe wechselt , davon der eine eben dieselbe Person zum Großvater hat , die de« andern Vorurältervarer ist . Ueberdieß ist es nach meinem Bedünken , offenbar , daß der Fronto des I Briefes nur vor we - nig Jahren gestorben gewesen . Er hatte Theil an der Erziehung seines Enkels gehabt , hinc auus Fronto blandus tibi , und vielleicht hatte ihn Sidonius Apollinaris gekannt . Dieß kann man von dem Fronto des 2 Briefes nicht voraus setzen , ich sage , von dem Redner Marcus Corne - lius Fronto , de« Marcus Aureliiis Lehrmeister ; denn dieser ists , von welchem Sidonius reden will . Nun hat Sidonius im VJahrhunderte gelebt , und Marcus Aurelius im ll . Dieses ist meine erste
tung ; hier ist noch eine andre . Ich sehe nicht , wie Aemilius Fronto , de . ' das Denkmaal gestiftet , zugleich A . Fronto hätte seyn können , der von einer aquitanischen Frau ftey gelassen worden , und den Marcus Cornelius Fronto zum Aelrervater gehabt hatte ; denn dieser Redner , der von seinem Schüler mit Wohlchaten überhäuft , und mit dem sulate beehrt worden , hat seine Familie in einem sehr guten Stande hin» terlassen . Sein Sohn , sein Enkel und sein Urenkel haben die höchsten Würden zu Rom besessen : ( * ) und man kann nicht sehen , wie eines von seinen Nachkommen der Sklave einer Frau in Aquitanien , einer Provinz des römischen Reichs , hätte seyn können .
( * > Man sehe die Aufschrift , die GruteruS pag . 369 und Bertrand de Iumperit . Libr . II , pag . 291 anführen . Einige glauben , daß der Vater dieses Enkels nur der Schwiegersohn unsers Fronto gewesen .
( D ) Diests ist nicht ohne Schwierigkeit . ] Derjenige , von wel« chem Plinius redet , hat Fronto CatiuS geheißen . Er hat den Marius PriscuS vor Gerichte vertheidiget , den die Afrikaner angeklagt harten : Die Sache ist groß und schön , aber schwer zu vertheidiqen gewesen , theilö weil Marius schuldig war , theilS weil er den Plinius undTacituS wider sich gehabt . Der Sachwalter des Marius hat sich setner ordent - lichen Gabe bedienet , welche darinnen bestund , die Richter weichmüthig zu machen . RelponditFrontoCatius deprecarusque eft , ne quid tra repetundarum legem quaereretur , oraniaque adlionis fuae vela , vir niouendarum lacrymarum peritiflimus , quodam velut vento nüfera - tioniü impJeuit - - - ( Plinius , Libr . II , Epift . XI . pag . m . 98 . ) Dix>t pro Mario rurfus Fronto Catius infigniter , vtqua iarn locus ille polcebat , plus in preeibus temporis , quam in defenflone confum - fit . Ebend . 105 S . Diese Sache ist unter dem Trajan vor Gerichte verfochten worden : Also müßte unser Cornelius Fronto zu einem außer - ordentlichen Alter gelanger seyn , wenn er eben derselbe Fronto CatiuS gewesen wäre , von dem wir gleich itzo geredet haben ; Denn seit dem Tode Trajan« , bis zum Anfange der Regierung des Marcus Aurelius sind über 40 Jahre verflossen gewesen , und man kann nicht voraussetzen , daß des Marius Sachwalter ein junger Mensch gewesen wäre . Er ist ohne Zweifel einer von den berühmtesten Rednern derselben Zeit gewesen , da er diese Sache vertheidiget hat . Man setze darzu , daß sein patheti - scher Characrer nicht wohl mit der trockenen und ernsthaften Beredsam» keit übereinkommt , welche den Cornelius Fronto an'ehiilich machte . Zch glaube also , daß sich Catanaue bekriegt ( * ) , wenn er versichert , daß der Fronto Catius des Plinius , eben derselbe Cornelius Fronto sey , der des Marcus Aurelius Lehrmeister gewesen , und vo» welchem Juvenal in seiner erstenSatire geredet hat . Catanäus zielet ohne Zweifel auf diesen Vers JuvenalS : Frontonis platani conUulläque marmora clamant . welcher bezeuget , daß dieser Fronto eine gute Wohnung gehabt , und daß er denen Poeten sein Hau« geliehen , die ihre Verse hersagen wollen . Wie aber Juvenal unter der Regierung Domitians geblüher hat , so ur - theile man : obeS wahrscheinlich ist , daß er dieses von einem Manne hat sagen können , der unter dem Marcus Aurelius zum Consulate erhoben worden . Nach der gemeinsten Meynung geht dieser Vers MartialS Epigram . ; ü , Lib . I , Gamm militiae Fronto togaeque decus , auf eben denselben Fronto , in dessen Haust die Poeten ihre Werke gelesen haben . Wenn dem so ist , so muß man , nach meinem Bedünken , nicht sagen , daß Martial unsers Cornelius Fronto gedacht hätte ; denn ich finde keinen einzigen , welcher beobachtet , daß dieser Redner sich jemals unter dem Kriegsvolke hervorgethan hätte . Einige glauben , daß derjenige , von welchem Martial in zweyen Worten einen so schönen Lobspruch gemacht , eben derselbe Fronto ist , der im >oo Zahre nach Christi Geburt nebst dem Trajan Con>ul gewesen . Diese Meynung kömmt mit dem Plinius nicht »'iberein , welcher in Panegyr . pag . in . 116 saget , daß Trajan bey seinem dritten Consulate ( das ist im 100 Zahre ) einen Ämtsgenossen erkiest hat , der kein Soldat gewesen . Siehe Tillemont , Tom . il , pag . nj . 896 . Er ist also nicht der Lehrmeister des Marcus Aurelius , weil der Lehrmeister dieses Prinzen das Consulat nur aus Gnade seines Schü - Urs genossen hat . Man gebe wohl Acht , daß Trajans Amtsqenosse bcym Consulate im loa Zahre nach Christi Geburt , zum drittenmale Consul gewesen , und daß der Lehrmeister des Marcus Aurelius , nach des Eusebius Chronike , im 164 Zahre Christi geblüher hat Cs sind also al - lem Ansehen nach hier zwo Personen , welches dem Jesuiten nicht mis - fallen mag , der den Aulus Gelliusin Vfum Delphini Cap . XXVI , Lib . II , ausgelegt hat . Hat er denn nicht gesehen , daß Ausomus das Consu - lar von zween Monaten , nicht für eine besondre Gnade genommen ha« den würde , welches vom Marcus Aurelius seinem Schüler ertheilet worden ; wenn dieser Schüler schon lange Zeit zuvor ordentlicher Consul , und zwar mit einem großen Kaiser gewesen wäre ? Ich bemerke , daß unser Fronto sein Consulat überlebet hat . Dieß erhellet aus dem Au - lus Gellius im II B . XXVI Cap . der ihm , als einer bürgermeisterli - chen Person begegnet , wenn er von dem Besuche redet , den er bey ihm in FavorinS Gefolge abgelegt hat . Man merke , daß derjenige , den er hier M . Fronto nennt , und derjenige , den er im 8 und 10 Cap . des XIX B . Fronco Cornelius nennet , emerley Person sind . Der im 16 Cap . deS II B . ist an den Fußen krank , und der im 10 Cap . des XIX B . auch : Der Scholiast des Dauphins setzet voraus , daß Aulus Gellius im 8 Cap . des XIX B . von dem Fronto redet , der sich im Kriege und in Staats - Verrichtungen unter dem Domitian hervorgethan hat , das heißt , von eben demselben Fronto , dessen Martial gedacht hat . Ich glaube e« nicht : jch glaube , daß Aulus Gellius beständig von demjenigen redet , der den Marcus Aurelius in der Redekunst unterwiesen hat ; und daß er folglich nicht von einem Foonto redet , der zur Zeit Domitians ein gro , ßer Kriegshrld , und ein großer Staatsmann gewesen . Wilhelm Gro , tius glaubet , daß derjenige , den Favorin und Aulus Gellius besucht ha - den , des Marcus Aurelius Lehrmeister gewesen ; allein et machet ihn im 6 Zahre des Severus ( das ist im >99Zahre Christi ) zum Consul , cuius con -
fulatum in annum fextumSeueri reiieiendum puto . ( Grotius . de Viri»
Iurisconf . p . 188 ) Dieß ist ein wichtiger Schnitzer , weil dieses Consulat eine Gnade desMarcus Aurelius gewesen , und nberdieß höchst falsch , daß unser Fronto im 199 Zahre noch gelebt hätte . Ist er nicht der vornehmste und angesehenste Sachwalter im Rom unrer der Regierung Hadrians ge - wcsen ? Ah KofvifAfo ; Qgävrm , i rk * füret rfiv täts 'pu / talaiv h
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