Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9442

Fratricelli .

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Ein Sodomsbürger kriegt . Dom Cosmus ins Gesicht ,
Wobey er voller Zorn , in diese Worte bricht :
Sieh diese Heuchler an , wie sie so seufzend stehen ,
Und wie sie beym Gebeth die Augen stets verdrehen ?
Ihr Bethen ist verstellt , im Lieben , glaube mir ,
Sind sie vielwen'ger dumm , und schelmscher noch , als wir .
Dieß giebt Ursache , daß man bey diesen Falschandächtigen seine Rech - iiitug in der Liebe zu finden hoffet ; und man untergiebt sich mit gnügen ihrer Aufsicht : man hoffet , von Seiten der Wollust , nichts da - tey zu verlieren , von Seiten eines guten Namens hingegen viel zu ge - Winnen . Man hoffet auch , im Falle daß sie ja keine Heuchler seyn sollten , die Geschicklichkeit zu haben , sie empfindlich und mit Erhaltung des Sieges zu reizen ; denn unter allen Lastern ist keines so uubän - - big , noch fertiger , das Joch abzuwerfen , als die Unreinigkeir . DaSjeni - ge . was Seneca von allen Lastern insgemein saget : Nunquam bona fide vitia manfuefciint , kömmt diesem auf eine absonderliche Art zu . Die Schülerinnen von der andern Ciasse betreffend , so fassen sie so viel Ehrerbiethung und so viel Zärtlichkeit gegen den eingebildeten
tigen , daß sie zu seinem Besten blind werden . Wenn er es sur nöthig hält , sie zu überreden , daß kein Verbrechen dabey ist , wenn man gewisse Dinge tyut , so wenden sie sich auf diese Seite ; und was das schlimmste
ist , so erlaubet ihnen ihre Zärtlichkeit nicht , sich den Begierden der Per - son zu widersehen . Dem sey wie ihm wolle , so ist kein Haupt einer Secte , kein Stifter heimlicher Zusammenkünfte , so abscheulich auch die Hebungen derselben seyn mögen , der nicht sehr lehrbegierige Schülerin - nen finden sollte : ( siehe dieAnmerkung ( A ) des Artikels Guillemete . ) Und wenn man die außerordentliche Bemühung sieht , die sich derglei« chen Leute geben , das Frauenzimmer an sich zu ziehen : so müßte man sehr viel christliche Liebe besitzen , wenn man nicht glauben sollte , daß ihr Endzweck viel mehr der Körper , den sie von der Natur erhalten , als die Seele ist , die sie selig zu machen haben .
( B ) Ein berühmter Protestant hat ? u verstehen gegeben , es waten dieFratricelli , wegen ver Sckandtharen , nickt bestrafen^ rverth gewesen , die man ihnen beigemessen . ) Du Pleßis sieht sie als einen Zweig der Waldenser an . Allein außer dem , saget er , daß Vie ZValdenser in Frankreick fort währen , so verfolgen wir sie auf der Spur in Italien , uns in Deutschland mit dem Blute , welches daselbst durck dieReyergerickte vergönn worden . In Italien , wo Bonifatius diesenigen mit aller Scharfe ausrottet , die tricelli , die Brüder geheißen , rvelcke den Gerhard Sagarell» von Parma , und den Dulcino von Novarra , des - Hermans Schüler Lehrern gehabt , der in Italien für einen - Heiligen gehalten , und nack diesem vom Bonifatius ; u Ferrara ausge - graben worden . Dieft armen L . eute , denen sie nack Gewohn - - heit rausenderley Sckandtharen beigemessen , die nach diesem versckrieen genug gewesen , die aber nack der Wahrheit gelehrer , daß der Pabst der rviderckrist . und die romiscke Rircke die babylonische - Hure der Offenbarung Johannis ist : diese geistli - cken und von Gott verworfenen Ü . eure , haben viele romiscke Misbräucke und Traditionen geradelt ; und sind vom Bonifa - cius , einem von den allerunkeusckesten und gottlosesten Pabsten , die jemals gewesen , verfolget worden : rvelckes nickt Anlaß ; u vermuthen giebt , daß dieses wegen der Unjuckt gesckehen ; und wir finden sie auch ; n eben derselben Zeit in Deutsckland . Ou Pleflls Mornay , Myftere de l'Iniquite , p . er führet Luid . Per - pinia de Herefib : Blondcll . dec . a . J . 9 . und Guill . de Nangis an .
( G ) Die Fratricelli haben nickt bey den Frauen gescklaftn , dieselben j» genießen , sondern ihre Enthaltung verdienstllcker ; u machen . J Coeffetau versichert in der Antwort auf diese Stelle des Ge - heimnisses der Bosheit , auf der 1015 . 1016 S . »daß die eignen Gönner „ der Waldenser und Albigenser , und auch der Fratricelli , uns Dinge „ von ihnvN sagen , welche die Aussage der andern wahrscheinlich machen : „ Vignier redet so davon : Der Pabst Clemens , saget er , pag . z . de la „ Bib . Hift . unterm 1308 Jahre , nackdem er bericktet worden , daß „ die Versammlungen und Zusammenkünfte derer , die manBrü - „ der genennet , die'sie in ihrer Nvohnung und Schlupfwinkel , in „ dem piemontes , sehen Gebirge , und in derL . ombardey , auck um „ Vercelli und Novare gehalten , sick immer mehr und mehr „ vermehrten , so daß man sie nickt mehr »u jerftreuen vermochte , „ hat von den Iacobinern und Francistanerbarfüsiern dieRreu ? - „ fahrt wider sie predigen lasten . So daß sick eme große An , „ , ahl Rreu ; brüder aufgemackt , die sie bis in ihren Sergen auf , „ gesucht , wo sie in diesem Jahre über vierhundert durck - Hun - „ ger , Frost und das Sckwerdt hingericktet , und derselben bis „ auf hundert und vierzig verbrannt haben . Unter diesen hat „ sick ihr vornehmster Prediger , Dulcin genannt , und seine Frau , „ Namens Margaretha , befunden , die sie auf gleiche Art hinge - „ rickrer . Einige haben sie Duleiner , wegen dieses Dulcins und „ andre , Brüderchen genennet , weil sie sick unter einander Bruder „ geheißen , und die Frauen , die ihnen gefolget , Gckwestern Jesu ' „ Christi , mit welchen sie , wie Platina und andre - Historiensckreiber „ sagen , in ihren Zusammenkünften , ohne Untersckied ; u rhun ge - „ habt , und nack Art derer , gehuret haben , die man Adamiten und „ Nicolaiten genennet , bey ausgelöschten - Wicklern : allein laMer „ des Hiftoires sager nur , daß sie sick kein Bedenken gemackt , bey ein - „ ander 5U schlafen , ohne sick fleischlich ; u erkennen , indem sie diese „ Enthaltung für eben so verdienstlick gehalten , als wenn man ei - „ nen Todten auferweck're . u . s . w . Dieses gemeinschaftlich« Lager , und diese viehische Gleichgültigkeit machen ja ihre Unflärherey mehrmals halb gewiß , wenn man nicht etwa glauben will , daß sie von Marmor sen ; allein Vignier schmeichelt ihnen eben so wohl , als Du Pleßis . Der öffentliche Ruff giebt , daß sie sich mit tausenderley ehrlosen Wol - lüsten beflecker welche verdient haben , daß man sie als Ungeheuer , wel - ' che die christliche Religion verunehrten . ausgerottet . MasseuS , der vom Du Pleßis so oft anaeführet wird , redet Chil . Mundi Lib . XVII mit diesen Worten davon : „ Im > ; °8 Jahrein derFasten , sind über «vierhundert Duleiner in dem novariscken Geb . rge , und um «Verselli aufgesuckrund gefangen worden . Allem sie sind Ue - „ bcrbleibsel von denen gewesen , die der h . Bernhard über das „ - Hohelied bezeicknet hat . Sie haben sick ohne Untersckle0 , „ Manner und Frauen mit einander vermisckt , einerley Bette II Band .
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» . gebraucht , und gesagct , daß der Männer ihre Emhalrung , die „ sick also gegen sie verhielten , und diese Gelegenheiten , u tun - „ digen aus den Händen ließen , indem sie ihrer Iungfersckaft kei - „ nen Sckaden thaten . viel verdienjslicker wäre , u . s . w . „ Ich übergehe einige kleine Fehler , die man entdeckt hat . Rivet wirft sich in der Gegenantwort an den Coeffeteau , zum Vertheidiger der Fratri - > eellen auf . Er gesteht die Sache nicht , ich will sagen , daß sie gesucht hätten , ihrer Keuschheit einen Ruhm zu verschaffen , indem sie bey einer Frauensperson geschlafen , ohne weiter zu gehen : er bekennt , daß sie zu tadeln wären , wenn sie das gethan hätten ; allein er unterläßt nichr , den Fehler einigermaßen zu verqeringern Hier sind seine Worte , Re . niarques fur la Reponfe an Myftere d' Irnquite II . Part . p . 478 . Die Zeugen wider die Frarricellcn sind so einig , wie die Zeugen der Su - sanna . Dasjenige , was Vignier saget , und Cocffereau daraus angeftchret , ist ein Beweis davon . Denn was ihnen platina m dicktet , ist mehr , als was la Mer des hiftoires vavon jaget . Und ob ick gleick nickt billigen will , daß Manns - und rveibsperfo - nen ohne Bedenken bey einander / cklafen , um ihre Enthaltung viel mühsamer , und folglick sckalzbarer macken : so hätte dock Coeffeteal , in dem Alterthume viele geistlicke Bürgen von diesem bösen Verfahren finden können , wider welcke Cyprian und - Hieronymus geeifert haben . Denn sie haben Aaapeten und Gefahrtinnen des ehlosen Standes gehabt , bey welcken sie gescklaftn , wie wir anderswo gesager haben . Gleickwohl aber wollen wir auck dasjenige nickt mgesteken , was dieses Meer davon saget ; denn dastelbe ist sehr oft eine Pfütze von / ^ügen . Man merke im VorbenqeKen , daß die böse Aufführung sehr alt ist , die man dem Robert von Ärbrissel bengemessen hat , und daß sie vielen Leu - teil , die vor und nach ihm gelebet haben , mit ihm gemein gewesen ist .
( v ) N ? ir wollen einen Theil von denen Dingen sehen , die man >ur Rechtfertigung de« BFoviua gesager hat . ] Die Klagen der Fraiieiseaner , ihre Antworten , ihre Verrkeidigungeschriften , unterm 1317 Jahre , finden sich in einem Werke , Nitela Francifcanorinn contra Bzouiurn betitelt , und in des Waddinguö III Bande , von den Jahr - büchern der Minoritenbrüder , unterm 1317 Jahre . Die wort für den Bzovius findet sich in der Schrift eines Dominicaners , Nicolaus Zanfemus genannt . Ich verweise meine Leser dahin , und sage nur , daß der P . VincenS Baron , durch das Zeugniß Oderich« Naynalds , desBaroniusFortsetzers , gezeiger hat . daß dieFratricelli , als Moiiche von dem Franciscanerorden , Bestätigungen und Vorrechte von dem Pabste ColestinuS erhalten haben . IM ( Bzouio ) ajjcntitur . . .
Odericus Raynaläus tomo quintu ilecimo fuorum Anmli'um ad arin . / 3 / y . n . 5 - 5 . et fequent . ita habet : variae fuerunt fratrlcellurum feflae ; et certum eß , ex extrauag . IoanntsXXII . Sanfta Rom . de Relig . Doniib . fratricellonim alios praetexuifl'e , habitum fe , et vitae ritura ab Epi . fcopis , aut Ecclefiarum praelatis aeeepifle ; alios iaclafle l'e tertii Or - dinis fanfli Francifci , poenitentium vocati , habiruui induifle ; fin - Xifl'e alios ordinem fratrum Minorum profiteri , et fanßi Francifci regulam ad litteram obfernare , et obieöo eo fnco , ipfos a Caelefti - no quinto , huiusmodi vitae , et Itatus priuilegium obtinnifle : quam , uis ea ratio non valeat ; cum Bonifacius oäauns conceflä a Caelefti - no refeiderit , ac pofteriori decreto ftandum eilet : Haec Odertcm . ( Vincent . Baronius , Apologet . Lib . IV . Se6t . HL Art . 2 . p . 107 " ) Er
führet auch eine Stelle des Alvarez Pelagius , eines FranciscanerS , a« Multi faeculares et Fratres Minores pro ifto carnali fpiritu liberta - tis , per Inquifitores haereticae prauitatis incarcerati fuerunt . Aluar Pelagius , de Planflu Ecclefiae , Libr . II . cap . LII . beym Vincenz ron , ebendaselbst 108 Seite . Man merke , daß diese Stelle Raynauds dasjenige bestätiget , was Hospinjan beobachtet , daß die Pabste ihre Ur . theile wegen der Fratricellen geändert haben . De Fratricellis a Ioan . ne XXII condemnatis , a Gregorio XI et Eugenio approbatis , refert Hofpinianus de Monachis Lib . VI . cap . XXXII . Vides iudiciorum Papalium auftoritatem . Gisbert . Voctius , defperata caufa Papatuc pag . 2U .
( E ) prareollis , wclcker alle böse Gerückte , - - - hitzig bejahet , bekennet , daß diese - j^eute den - Hof ? u Rom , und die päbstlicke Gewalt bekriegt haben . ] Dasjenige , was er davon er - zählet , ist mit verschiedenen Sachen verbrämt , die in unser , , henden Anmerkungen nicht erschienen sind ; dieserwegen muß ich dieiel , ben nach meinem Erachten abschreiben , damit man desto besser erkennen könne , was man von diesen Ketzern gesaget hat . „ Einige von denen „ die aus der dritten Classe des Franciscanerordens seyn wollen , und durch Italien , das Königreich NeapoliS , und in der Provinz Narbonne , „ Fratncuh , oder Fratricelli , oder Fratres de paupere vita , oder Bild . „ Chi , oder Beguini genennet worden , und noch andre Namen gehabt , „ sind i , m diese Zeit , derKetzerey wegen angeklagt , und vom Pabste Bo - „ nifacius dem achten verdammt worden^ Andre sagen , es sey erstlich „ vom Johann dem XXll geschehen , Diese baben dieKirchensacramen , , . te verdammet . Sie haben gesaget , es sey den Christen nicht erlaubet , „ etwas eignes zu haben und zu behalten ; noch die Verwaltung und Re - „ gierung der Republiken zu besitzen . Jmgleichen daß die heiligen See - „ ieii den Genuß und die Frucht des Anschauen« Gottes nicht vor dem „ jüngsten Tage hätten . In ihren Versammlungen haben sie , ( eben „ wie die heutigen Adamiten , welche sagen , daß alle Weiber gemein sind / ) „ nach der Feyrnng ihrer Geheimnisse^ die fleischliche Wollust , wider die „ Ehrbarkeit des Ehstandes , mit der ersten der besten gepflogen , die da „ war . Dieses haben sie des Nachts , nach ausgelöschten Lichtern , ge - „ than . Die Ckronikenschreiber erzählen , wie diejenigen , die von dieser „ Secte gewesen , entdecket worden , nämlich durch einen Kaufmann von „ Mayland , Namens Conrad : welcher , da er seine Frau des Nachts öf - „ ters aufstehen sehen , wissen wollen , wo sie hinginge , und warum sie , , aufstünde ? Er ist chr aljo in« geheim , bis in ihre Synagoge nachgefol , „ gel , allwo er sich nach vollbrachten Geheimnissen und ausgelöschten „ Lichtern , , 0 nahe an sie gehalten , daß er sie zu seiner Gefä5rrinn ge - „ habt , und »hr zum Welchen emen Ring von dem Finger gezogen , wor - „ auf er es den andern entdeckt , und die Sache bey dem 'Glanbensun - „ tersucher angegeben hat . Alle Weibspersonen von dieser Secte haben „ eine gesckorne Krone , wie die Priester und Mönche , gehabt , und sind „ dadurch verrMhei : worden . Sieh ? die ^usä^e der Chroniken . Sie „ haben auch gesagct , daß die Gewalt der Kirche , wegen der bösen Sit - „ ten der Geistlichen , schon vor langer Zeit vernichtet und e»loschen wä«
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