Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
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Fratricelli .
Stellung bleiben must , welcke dem - Herrn Marquis von gipani so unerrräglick gesckienen , da er an dem französischen - Hofe gewesen , daß er auf eine angenehme Art gesager : ikar tem . pre dritto e fcapellato : ihr wisset das übrige , mein - Herr , oder rvenn ibr nickt» davon wisset , so dürfet ihr dasselbe von keinem Arckidiaconus erwarten . Costar , wie Girac , l^epbque , p . 27 . führet . Wir wellen sehen , wie seine Beurtheilung lauter : „ Diese „ Worte haben keiner Erklärung nöthig ; denn sie sind jedermann be - „ kannt . Es ist ein altes Quodlibet , das schon sehr lange in den Mäu , „ lern derer herumgeht , die sich einen Ruhm daraus machen , liederlich „ zu seyn ; und wenn sich mein Widersacher geschämet har , dasselbe zu „ erklären ; wer »vird es denn erklären wollen ? „ Girac , ebend .
( F ) Tr har die ZusammenseNung der wohlrieckenden Dinge erfunden , die nock bis itzo den Namen Frangipani führet . ] Hier ist dasjenige , was Menage Origini della Ling . italiana , p . 2z> saget : »Da uno di qiie' Signori Frangipani , ( l'abbiam vedr . to qui „ in Parigi ) furono chiamati certi guanti perfumati , Guanti di Fron . , , gipani . Ludovico Balzacio in una fua letters a Madama Deslo - „ ges . Er hat sich gestern von freyen Stücken zu eurem Zinsmanne „ angebothen , und sich verbindlich gemacher , euch alle Jahre eine an - „ sehnliche Menge von seinen Räucherkerzen zu schicken : wen» ihr sie gut „ findet , so werden sie in größern Ruf kommen , als die Handschuhe des „ Frangipani . Allein , weil eure Leute in Limousin sich hier bekriegen
könnten , so möget ihr ihnen nur melden , daß dieser RäuchwcrkShänd> ' , 'ler dreyßiq tausend Pfund Einkünfte und die höchste Würde in unse - ' rer Landschaft hat , und daß dieser Deutler . ein römischer . Herr , Mar -
schall de Camp , in den Armeen des Königes , ein Nesse des heil .
GreaoriuS des Großen , und welches ich höher , als alles dieses schätze , seiner von den ehrlichsten Männern in der Welt ist . „ Nach diesem
führet Menage folgende laleinisthe Verse des Ccrisantes an , die sthr artig sind :
Amice , nil nie , ficut antea imiat , kubiere vel Cyprio Comain nitentem pedterc :
Vel , quas Brkannus texult fubtiliter ,
Mille modis varias ladbare ventis tenias :
Vel , quam periinxit Frangipanes ipfemet ,
Pelle manum gracilem Corani Puellis promere .
Sie sind aus einer Ode genommen , die er an den Voitme gerichtet hat» und welche zu Ende der lateinischen Briefe Balzacs gedruckt ist .
( G ) Der Auftug , mir welckem er - - - ; u Rom crsckie , nen , ist merkwürdig gewesen . ] Le Laboureur , ein Augenzeuge , re - der auf folgende Art davon : „ Ich kann mich nicht enthalten , bey Ge , „ legenheit dieses letzten Marquis von Frangipani zu sagen : daß ich ihn „ einmal bey einem Umritte gesehen , der an dem St . Peterstage ge» „ schehm , den Pabst vom Vatiean nach Monteeavallo zu bringen : er „ war sehr gut beritten und wohl zu Pferde , aber in einem nicht sehr . . kriegerischen Aufzuge , bey einer gleichwohl gain kriegerischen Gelegen - , . heit , welche mit allen Canonen von der Engelsburg gefeyert worden . „ Er war in schwarzen Taffcnt gekleidet , den Mantel auf einer Schul , , ter , unter die Arme geschlagen , einem Kleide vom gleichem Stoffe , „ mit abHangenden Aermeln an seinem Wamse , ans einem sehr hohen „ Reitsaml , in seidenen Strümpfen , mitBeinrosen , und mit einer Spitz - „ ruthe in der Hand . Ich konnte kaum glauben , daß er es war , ob ich „ ihn gleich kannte , so viel sand ich . wider diese ganz bürgerliche Manier , , zu sagen , bey einer so großen Gelegenheit öffentlich also zu erscheinen . , , Le Laboureur , Addit . a Caftelnau , Töin . II . p . 705 .
Fratricelli , Kcher , die sich in Italien gegen das Ende des XIII Jahrhunderts hervor fhaten . Sie verrichteten ihre Andachten an verborgenen Oettern , wo sie dcöMachtS zusamen kamen , und daselbst löschten sie , nachdem sie einige Lobgesangs gesungen , die Lichter aus , und ein jeder machte sich über diejenige her , die ihm von ungefähr in die Hände kam Die aus diesem Umaanae entsprossenen Kinder sind in die Versammlung gebracht worden , und rund um , aus einer Hand in die andere
daß die Gläubigen der Obrigkeit nicht unterworfen wären ; und daß die Seelen der Auserwählten nicht eher Gott sehen den , als nach der Auferstehung K T ) k Jungfer Des Jardins hat dieser ^>ecte einen sehr wahrscheinlichen Ursprung gege . den ( A ) ; denn es ist schwer zu qlauben , daß die meisten von dergleichen falschen Andächtigen , welche hcimliche Zusammen - künfte , unter dem Vorwande der Verbesserung , anstellen , nicht ihre Absicht auf das Frauenzimmer haben sollten^ Sie bilden sich ein , daß das schöne Geschlechte leicht in ihre Netze eingeben ; und daß seine Neigung gegen die äußerlichen Hebungen der Religion und der Natur , welche die Einigkeit mit dem andern unvergleichlich zu unterhalten weis , ihnen das Mittel darbiethen wird , die Frauenspersonen zu demjenigen zu verleiten , was man von ihnen wünschet .
Damit ich die Regel beobachte , daß man beyde Parteyen hören soll , Audi et alteram partein , so muß ich hier anmerken , daß ein berühmter Protestant« zu verstehen gegeben hat : es waren dle Fratncellt , wegen der Schandthaten , nicht strafbar ge . wesen , die man ihnen bengemessen ( B ) : sondern es seydie wahre ilr , ache , so wohl der Verleumdung , die wider sie ausgestreut worden , als der Schärfe , mit welcher man sie verfolget hat , gewesen , daß sie gewisse Lehrpuncte gelehret , die wider das Pabst . thuin gestritten . Die Antwort , die diesem Protestanten gegeben worden , wird uns belehren , daß die Fratricelli nicht bey den Frauen geschlafen , um dieselben zu genießen ; sondern ihre Enthaltung verdienstlicher zu machen ( C ) . Man muß nicht verges . sen , daß sich viele unter ihnen Franciscanermönche genennet haben . BzoviuS , der sich zu dieser Anmerkung gedrungen , ist deswegen von den Franciscanern widerleget worden . Wir werden einen Theil der Dinge sehen , die man zu seiner Rechtfertig gung gesaget hat ( D ) . Wir wollen auch sagen : daß Prateolus , welcher alle Gerüchte hitzig bejahet , die man wider die Fcerors oder Fratricellso auSgestreuet , bekennet , daß diese Leute den Hof zu Rom , und die päbstliche Gewalt bekrife gec haben ( E )
NoÖU in abditis . Iocis facra operari foliti , poß quosdam hymnos feu cantilenas exftinftisluminibus , promifeuis ac kortniti» coitibus fefe inquinabant . ' Spondanus , ad ann . 1297 . mim . 9 . Er führet den SabellieuS 9 in 7 . den Prateolus , Sanderus und Gaultiee an . lö Ebendas .
677 , vor - aus , daß , va da« Gerückte , von den verliebten - Heldenrhaten , bey argwähnifcken Ehmannern Unruhe erwecket , dieselben die Zahl der Rundsckaster vermehret : so , daß dadurck der Um , gang ausdrücklich unterbrochen worden . Einige sunge K . eucc sind dadurck sehr gekranket worden , , - Da sie also gcse - hen , daß der Sckein und die offenbaren Buhlereyen an dieser Unordnung Ursache gewesen , so haben sie beschlossen , die L . iebe insgeheim zu treiben , und den äußerlichen Sckein zu vermei« den , der die EHmanner so unwillig gemacht . Sie haben sich verstellt , in der Einsamkeit zu leben ; sie Haben sieh einer äußer , liehen Raste ) 'Ung beflissen , und sind , nachdem sie einen neuen Moncksorden , unter dem Namen der Lraricellen , oder Brü - - derchen , gestiftet , wegen der außerlicken Andacht , die sie übten ,
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anders , als von neuen rvaldbrüdern geredet Hat . Gnnge von den unruhigsten Ehmannern , und dle am fthleehtejken mit keu - schen «LHgartinnen versehen gewesen , haben d , e NeubcgierSe ge - Habt , diese andackciqe Personen ? u sehen : ^ . eme , die von Haus - licker Sekümmeruiß geplager werden^ brauch™ die dungen sehr fleißig , und da sie das Gespräche der Francellen sehr erbaulich gefunden ; so ist kein einziger darunter gewesen , der sich nicht von ihren liebreichen Vorstellungen ; u der ganz - liehen Bekehrung der allerverhurtesten lLbweiber gernacker harre . Man isi ungeduldig gewesen , bald ; u - Hause ; u sern , und die neue Einstyung zu rühmen ; und die Frauen , welche alle vorgewendere Sesuehe , als so viel Schritte nach der Freyheit , betrachteten , haben eben so viel Begierde gezeiget , die Fraticel - ler zu sehen , als man gehabt , ihnen dieselben zu zeigen . Also haben unsere Ärüder angenehme Äesuche erhalten , und die Eh - manner sind hockst vergnügt mir den Besucken gewesen , die man bey ihnen abgeleger . Denn sie haben , ihre neue - Herrsckaft einzuführen , von nickts , als Beobachtung vergeblichen Treue , von dem Gehorsame der Meiber gegen ihre N7anner , und von
einer Menge anderer Gebothe geprediget , die alle zur Ruhe de» - Hauswesen« und zur Aufricktung der Manner sehr nünlick waren . Allem wie dassenige , was für den einen gutzusagen , den andern nickt angenehm zu hören war , so habt» sie die Frauen ermahnet , sie ins besondere zu besucken : damit , sagten sie , man dem Baume die Axt an die Wurzel legen , und um so viel ge» mächlicher an ihrer völligen Bekehrung arbeiten könnte . Sie haben dieses Merkmaal der Unterwürfigkeit ohne Mühe von ihnen erhalten ; denn sie haben lieber in die predigten kommen , als nickt aus dem^ause gehen wollen ; und da es , h»en nickt so sckwee gefallen , den geheimen Unterweisungen der Fraticellen nackm , kommen , als der ordentlickenGewiflensrärhe : so haben sie die - selben lehrbegierig angenommen , und sick denselben , ohne XCi * derseylichkett , unterworfen .
Untersuchung der Ursachen , welche so viel Frauenspersonen in die Bruderschaften einer strengen Andacht Ziehen .
ÄUnb binch die Erfahrung aller Zeiten bestätigt» Sache^ßdte Ausrichtung der Brüderschaften von einer strengen Le« ben . anderilng , und wo man sich bey gewissen heimlichen Zusammen , fünften durch eine äußerliche Andacht ein Ansehen giebt , eines von den sichersten Mitteln ist , das lveibliche Geschlechte an sich zu ziehen , und dasselbe zu vermögen , uns nachjulaiiftn . Diejenigen , welche die thscu che - , der Begebenheiten untersuchen , haben nicht vergessen , denjenigen nachzudenken , die dieje zuwege bringen . Sie machen zwo Hauvtelas , sen von diesen Schülerinnen . Die eine geht aus einem guten Bewe - gungsgrunde hinein : die dem weiblichen Geschlechte natürliche Andacht zieht sie dahin . Die andern haben tausendmal sagen hören , daß viel Tartufferey bey der Sache dieser Stifter ist , daß sie Menschen , wie andere Menschen sind , und daß sie nur Heuchler spielen , damit sie ihre Liebeshändel ohne Aergerniß , und unter dem Mantel des Geheimnisses treiben können . Ohne Zweifel hat man schon vor langer Zeil , obgleich mit andern Worten , gesungen :
Ei»

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