Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9378

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Franciscus der I .
Jedermann , vereinen Begriff von der wahren Ehre , und Eifer für den Nachruhm Franciscus dee I hat , wird diese Sprache führen , er mag sich zu der protestantischen Lehre bekennen , oder ein Papist seyn . Denn es ist nichts abscheulicherS , alS'Todesstrafen gegen diejenigen zu gebrauchen , welche sich bloß aus Furcht , Gott zu beleidigen , von einer Religion absondern , und sich im übrigen als guteUnterthanen betragen ! eS ist nichtsvernünftigers , als Gott allein die Herrschaft über die Gewissen zu lassen .
( * ) Mezerai redet vom Davila . Hier sind die Worte dieses ners auf der Z ? S> des IB . bey mir . Lomincio l'ori - iine di qucfta dif - fcnfione infino al tempo de ! Re Francefco il Priino , il quäle benche facefle tal volta qualche fevera rilblutione , occupato nondimcno del continuo ncl travaglio delle guerre ftraniere o pcrmelte , o non fi avidde , che andaflero all' hora ferpcndo i principii di quefta piu tofto difpregiata et odiata che temuta o avertita credenza .
Wir wollen dem Davila diese Stelle de« Brantome entgegen sehen . Die Lutheraner nnd Reformirten haben Franciscus dem I viel Böses gewünscl ? et , und dasscnige , was il'nen , wohl denen von Vcr damaligen als ikigmZeir , vermuthlicl ? e grsft'e Ursaclie ben hat , ihn so ju lästern , wie sie gethan , ist , daßer viele verbren , nen lassen , und wenige von denensenigen Vamit verschont , die er ent - Velken können ; und man saget , das ; er der erste gewesen , dcr dcnXVeg zu diesem Brennen gewiesenem so vielmehr , da man zur Zeit seiner Vorfahren wenig davon geredet hat : Gott sty Dank , daß cher , noch nickt gekommen gewesen , der ersie und neue Retter , dcr so viel Beyfall in der Chmlienheir gefunden , ob es gleich schon etliche vor ihm gegeben . Ich uberlass dieses denen , die es besser wissen , als ich . Gleickwohl hat sick dieser große Roniz . ungeach - tet aller dieser Feuer nnd dieses Brennens , mm Beschütter von Gcnf - ufgeworftn . da es Carl , - Herzog von Savo / en , belagern len und gewiß eingenommen hatte ; welckes ihm großen Schaden in allen seinen Landern zugezogen , die ihm die Berner wegge - nommen ; deswegen und weil er dieTrouppen des - Herrn Ran - ce von Ä . ore zur - Hülfe hineingeschickt , hat man besagte Ma , cst . sehr geradelt . Man reime diese Scheiterhaufen und diesen SckutZ ein wenig zusammen . Lrant . Vie äe Francis I Tom . I , des Memoires , p . - zi .
( P ) Franciscus der I ist den Protestanten sehr nützlich gewe , sen . ^ Wir haben so gleich gesehen , daß er die Republik Genf , den Hauptsitz der Reformirten , ihre Muttcrkirche , gerettet hat , die ihre stel und Bücher nach Frankreich , nnd ihre Rathschläge , zur Unterstützung der Sache , nach allen Seiten geschickt . Dieses Verfahren FraneiftuS des I hat den Canton Bern groß gemacht , welches die Reformirten noch itzo genießen . Er hat dem Ichmalkaldischen Bunde mittelbar und noch niehr durch andere , gute Dienste geleistet ; denn er ist Ursache geivesen . daß Carl der V der Protestanten in Deutschland bey hundert Gelegenheiten ge - schont , damit er sie von den Angelegenheiten Frankreichs abziehen wollen .
W>ic nützlich dcr Nackeifer Carls des V und des Aönige» von Lrankreick den Protestanten gewesen .
Wie es den Grundsätzen der Religion und Gottesfurcht viel gemäßer ist , bey der Einführung der Glaubensverbesserung den Finger GotteS , ich will sagen , einen besondern Einfluß der Vorsehung , zu erkennen ; so gebe ich denen Beyfall , die also urtheilen : allein , ich kann mich doch nicht ent - hallen , zu sagen , daß es vernünftige Leute giebt , welche glauben , es sey der einzige Nacheifer Carls des V und Franciscus des I zureichend gewesen , den Protestanten Mittel zu ihrer Erhaltung an die Hand zu geben ; und daß . wenn eS Luther viel weiter gebracht , als so viele andere Glau - bensverbesserer vor ihm , solches darum gesehen sey : weiter unter den glücklichen Anscheinungen des Nacheifere Carls des V und Franci - scus des I auf die Welt gekommen ; zweencr Prinzen , welche , um einander Abbruch zu thun , seiner neuen Seck - wcchseleweije Vorschub gethan haben . Da sie nun in Deutschland zur Gnüge festen Fuß geletzer hatte , so hat sie den Calvinisten in Frankreich Hülfe genug geschickt , das Feld streitig zu machen , u f . w . Die Frage , welche Brantome wegen der wenigen Übereinstimmung thut . die sich zwischen der Verbrennung von ein hundert Ketzern und der Beschützung ihres Nestes , ihres Mittelpunctö , ihrer Hauptstadt findet , verwirret alle diejenigen , welche nicht wissen , daß die - ses einer von den gewöhnlichsten Auftritten der großen Weltcomödie ist . Auf diese Art haben die Regenten zu allen Zeiten mit der Religion ge - spielt ; sie spielen diese« Spiel noch heutiges Tages ; sie verfolgen daejeni - ge bey sich , dem sie in andern Ländern , so viel als es ihnen möglich ist , Sieg verschaffen . Man sage mir unter diestm Borwande nicht , daß sie keine Religion haben . Dieß ist nicht wahr : sie haben dieselbe öfters bis zum Aberglauben : was ist . e« denn ? das zeitliche Wohl ihre« Staats liegt ihnen mehr am Herzen , als das Reich Jesu Christi . ( Man sehe oben die Anmerkung ( tt ) des Artikels Agesilaus der II . ) Zch nehme so gar den Pabst nicht davon aus , und mir beucht , daß er nicht vergnügter , als Franciscus ! , über den Fortgang des Kaisers wider den Bund dcr Protestanten gewesen ist . Wir wollen den Mezerai an - führen der Ruf von den Waffen de« Kaiser« hat die ganze Christenheit in Schrecken gesebet , der Pabst selbst hat gezittert , aus Furcht , er möch - ' te , wenn er erstlich Deutschland unters Joch gebracht , nach Italien ge , ' hen . Nachdem also Franciscus die Folgen von dem Untergänge der . . Protestanten wohl überleget , so hat er seine Meynung geändert , und . . ein Bündniß mit ihnen gemacht - er hat sich verbundlich gemacht , den „ ältesten Sohn de« Herzogs von Sachsen m srankreich aufzunehmen , „ und ihm ins besondere die Uebung seiner Religlon zu versprechen : er hat „ versprochen , seinem Vater lvvooo Thaler , und dem Landgrafen von » . Hessen eben so viel zu schicken , bi« er ihnen mit Kriegsvolke beystehen „ könnte . , , Mezerai , Abrege'Chron . Tom . IV , p . 637 , aufs 1547Jahr . Hieß dieses nicht einen schönen Eifer für seine Religion haben V Er ließ geringe Privatpersonen verbrennen , weil sie nicht in die Messe gien - gen , und gab denen Fürsten ansehnliche Hülfe , die die Messe in ihren Staaten abgeschafft hatten . Dieß heißt die Partey durch Wetter , Halme angreift» ; dieß heißt , ihnen einige Dachziegel oder Steine weg - nehmen , oder ihnen einen unhaltbaren Orr rauben , da man ihnen unter - dessen Festungen und Waffenplütze gebauet . Franciscus der I hat Genf erhalten , wo der Herzog von Saveven die Glaubensverbesserung zu Grunde gerichtet hätte , wenn ihn dieser Menarche nicht daran gehin - dert hätte . Man kann auf diejenigen , die eine solche Ctaar«kunst ha - ben , diese Worte anwenden : Vrdcm ( philofophiae ) mihi crede pro -
ditis , dum caftella defenditis . Cicero , dc Diiiinat . Lib . II , c . 16 . Man nehme hier die Anmerkung ( AA ) des Artikels - Heinrick der II» und die Anmerkung des Artikels Surgier dazu .
( QJ Varillas mackct hierbey einen Zeitschm'ycr . ] Denn er setzet Hift . de Francois I , Liv . VII , p . 248 voraus , daß die sranzösisHe Monarchie , da Franciscus der ! den 19 Jenner 153s sechs Lutheraner richten lassen , durch des Calvins Inftitutiones gefährlicher erschüttert worden , als sie die Engländer und das Haus Oesterreich jemals erschüt - tert hätten . Wir haben zu Anfange der Anmerkung ( F ) , bey dcmArti - kel Calvin gewiesen , daß Calvin sich entschlossen , dieses Werk heraus zu geben , um die Lästerungen zu widerlegen , die man wider diejenigen aus - gereuet hatte , welche Franciscus der I hatte hinrichten lassen ; die ma» ansgestreuer hatte , sage ich , die Protestanten in Deutschland zu besänsti - gen , welche durch die Todesstrafe der sechs Lutheraner sehr aufgebracht worden waren .
Dieser Tod eines Prinzen , der wenig Jahre alter war , als er , hat ihn erinnert , daß er selbst nicht mehr weit gehen würde , und diese Be - trachrung hat ihn unter andern zu Boden geworfen . Mn " sehe die Nachrichten de« Du - Bellay zu Ende des 10 B . und des ThuanuS l Band , 85 S . B . C . Ausgabe von 1626 . Lrit . Anm .
( R ) Das tNisvergnügen Franciscus des I bey Gelegenheit sei - »er Rinder / , ist nickt die kleinste von seinen Beängstigungen ge - weseiuZ Der älteste hat Franciscus geheißen . Er war auf dem Schlosse Amboise den - 8 des HornungS >518 gcbohren worden . P . An - felme , Hift . de I , Maifon Roiale» p . 136 . Er ist mit einer Schaale schen Wassers von Sebastian Montecuculi vergeben worden , und auf dem Schlosse Tournon den 10 August > ; z6 gestorben . Ebendas . Er sa - get , daß man ihn zuValence vergiftet ; allein Brantome saget , Tom . I» p . zzS besser , daß er zu Lion vergeben worden . Der Ronig , sein Va - ter , betrug sick über diesen Tod so ungeduloig , daß er sick in law - gcr Zeit davon nickt erholen können ; denn er hatte sehr große Hoffnung und eine gute Meinung von diesem Prinzen . Bel - lai erzählet es sthr wohl in seinen Memoiren . Brantome , Tom . I , p . 338 . Der andre Sohn Franciscus des I hat nach ihm , unter den» Namen Heinrich« de« II regiert . Man darf nicht zweifeln , daß er seinenVa - ter nicht zu großem Verdrusse gereizt habe , da er einen Briefwechsel mit dem in Ungnade gefallenen Mvmmorencp unterhalten , und e . ne Partey wider die Herzoginn von EtampeS , seines Vaters Schooßkind , gemacht hat . Er hat diese Partey mit der Diana von Poiticrs , seiner Beyschläferinn gemacht , und man kann das Bose nicht alles erzählen , welche« diese zw» Frauenspersonen durch ihre Eifersucht verursachet haben . Siehe t>eu Artikel ifitampes . Wenn der Zwiespalt unter der Beyscklaferinn de» Vaters , nnd der Beyschläferinn des Sohnes , dem Könige viel Verdrieß - lichkeiten gemacht : so ist die Uneinigkeit zwischen dem Dauphin und sei - nem Bruder , dem Herzoge von Orleans , nicht weniger eine fruchtbare Quelle von Widerwärtigkeiten und Schaden gewesen . Die Partey der Herzoginn von Etampcs hat die Partey des Herzogs von Orleans ge - nommen . Der Diana von PoitierS ihre ist diesem Prinzen zuwider gewesen , und hat ihn endlich mit Gifte vergeben . Wir wollen sehen , was Mezerai davon saget : Der - Herzog von Orleans , ein Prinz voi» großer - Hoffilung , » ( ? den 8 des - Herbstmonats zu Forest Mou - stier , entweder an der Pest , oder von Gifte , gestorben , welches ihm , wie man argwohnte , von den Crearuren seines Bruder» beigebracht worden . Denn sie konnten nickt leiden , Saß ihn der Ronig so sthr lieber , als er that ; imö der sick darüber erei - fette , daß der Daupbin , ungeachtet seinesVerboths , einen Brief - wecksel mit dem Connestabcl von LNontnwrencv unterhalten» i>efim Zurückkunst sie rvünsckten , weil ihn ihr - Herr eifrig ver - langte . Mezerai , Abrege' Chronol . Tom . IV , p . 6z ; , unter dem 1545 Jahre . Was für ein Verdruß ist dieses nicht für Franciscus denjl ge - wesen , da er sah , daß ihn sein eigner Sohn , der sich mehr , als er sollte , in die Staatsgejchäffte mischte , gezwungen hat , Behutsamkeiten anzu - wenden , die ihm weder angenehm noch vortheilhast waren 'i Die Partey des Dauphin« ist Ursache gewesen , daß der König in den Frie - dcnsichluß zu CreSpy gewilliget . Der Dauphin hatte , mir Genehm« Haltung der hohen Rriegsbefthlshaber , einen Brief an seine»» Varcr gesckrieben , und ihn geberhen , daß er sick belieben lasse»» mockte , den Connesiable zur Ausübung seines Amtes wicdcr z» der Armee zu sckicken , und daß weiter nickts , als dieses Ober» Haupt fehlte , dieselbe unüberwindlick zu macken . - - - > Der Ronig hatte nock niemals einen solcken Xviderwillen gehabt , als er b ? y Lesung dieses Briefes bezeugte . ( Sc beklagte
gb , daß sein Sohn in seine Gewalt eingriffe , und daß ihm seine
ediente Gestne geben wollten . ( 5c hat von feinem Misver , gnügen gegen alle geredet , die Futritt bey ihm hatten , und denen einen sckarfen Verweis gegeben , die ihn geargen hatten . ( Bv hat dem Dauphin ernstlich gemeldet : daß es ih»n anständiger wa - re , seinen Unrertbanen ein Bevspiel des vollkommenen Gehör» sarn« zu geben , und nickt , stme Aufführung zu radeln ; indem et ihm bey einer gcfahrlicken Gelegenheit , die Xviederherskellnnz eines Lieblings vorgetragen , der nack Srkenntniß der Sacke , mit Ungnade belegt worden . Er har auck die andern mit sei - ner Ungnade bedrohet , wenn sie bev ihrem Unverstände beharr - ten ; und die partey der - Herzoginn von Ttampes . welcke sick sei - nen Verdruß zu Nutze mackte , hat ihm so nackdrücklick vorge - stellt : daß das einzige Mürel , sick auf immer von dem überla - stigen Anlaufen , wegen des Connestabels zu bcfreycn , darinnei» bestünde , schleunig Frieden zu schließen ; daß Sr . Masestat dem Admirale von Annebaur dar ; » Befehl gegeben habe u . s . w . Varillas Hift . de Franqois I , Liv . XI , p . 108 , aufs 1544 Jahr . „ Da die« „ ser Friede dem Herzoge von Orleans vortheilhaster , als Frankreich war : „ so har der Dauphin , welcker weder die Vergrößerung seines Bruders , „ noch den Schaden de« . Königreichs erdulden konnte , auf dem Schlosse „ Fontainebleau , in Gegenwart des Herzogs von Vendome , de« Grafen „ von Enghien seines Bruders , und des Franciscus Grasen von Aumale , „ den 2 de« Christmonats dagegen protestirct . „ Mezerai , Abrege Chrono ! . Tom . IV , p . 631 , aufs i * 44 Man kann sich leicht ein -
bilden , daß der König von Frankreich damal« da« Schicksal vieler an» dern großen Prinzen gehabt ; daß er nämlich in seiner Familie »nglück« lich gewesen , daß er tausend Beneidunge» und Unruhen empfunden , die

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