Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9360

< * tx »ciscus , da »r
er seine Gefangenschaft verließ , seine zween Söhne : er konnte dieselben Vicht anders , als unter einer Bedingung , wiederbekommen , die ihm nach - theilig gewesen ; denn man hat sie nicht eher zurückgeben wollen , als bis der madritische Vertrag erfüllet war . Es hat Leute gegeben , die entwe - der so thöricht oder so boshaft gewesen , in der Welt auszusprengen , daß er einen Hexenmeister aus Deutschland härte kommen lassender die zwo Geiseln aus Spanien nach Frankreich , ohne daß es jemand gewahr würde , führen , und unzählige andre Wunderwerke thun sollen . Man findet diese Thorheit in einem Briefe des Agrippa ; denn er hat diesen Brief geschrieben , obgleich in derOctavausgabe der Titel saget : Amicus ad Agrippam . Dieß ist eine Versetzung der Wörter , man muß lesen : Agrippa ad Amicum . Er ist unter diesem Titel mit den dreyen Bü - chern der geheimen Philosophie im 15ZZ Jahre gedruckt worden , wie Ga - briel Naude auf der 410 S . der Vertheidigungsschrift berühmter Män - ncr bemerket . Dieß sind die Worte des Agrippa : Accerfitus eft e Germania non modicis futntibus vir quidam daemoniorum , hoc eft Magus , in quo poteftas daemonum inhabitat , vt , ficut Iamnes et Mambres reftiterunt Moyfi , fic ifte refiftat Caefari . Perfuafum enim eft illis a patre mendaciorum , illum futurorum omnium prae - fciuni , arcanorum quorumcunque confiliorum confcium , ac delibe - ratarum cogitationum interprctem : tanta praeterea praeditum po - teftate , vt pofiit regios pueros reducere per aera , quemadmodum le - gitur Abakuk cum fuo pulmento tradu Johann Wier , ein Schüler des Zlgripva , erzählet einen Theil von die - sen schönen Mährchen , ich will sagen , dasjenige , was die Entführung der Geiseln betrifft . Quemadmodum dicitur , quo tempore Francifci pri - mi Regis Galliae filii detinebantur obfides in Hifpania , Maginn in Galliain vocatum e Germania fuifie , qui tanta credebatur praeditus poteftate , vt poflet regios pueros per aera reducere , thefaurosque in - ueftigare et transferre . lo Wierius , de Lamiis , Lib . III , c . 12 , num . 7 , p . m . I Y5 . Der Graf dt la Roca , in feiner Historie Carls des V , 171 S brüßler Ausgabe von i66z , hat diese Stelle des Johann Wier ge - wüßt : nicht , daß er die Bücher dieses Schriftstellers gelesen hätte , er hatte nur gesehen , daß Bodin diese Stelle daraus angesühret hat ; allein , er hat Unrecht , wenn er nichts mehr saget , als , daß Bodin davon geredet , er hatte auch noch dazu seken sollen , daß es Bodin als eine Fabel verwirft . Ks ist mir genug , dieß sind die Worte dieses französischen Rechtsgelehr - ten BodinS , in seiner Refutation desOpinions de Jean Wier , p . iii . ; >z , den XViev durch seinen eignen Vortrag und durch seine J & ticbev ? u widerlegen . Denn er selbst jebrribt in des - J & . 12 ( La . p . de Praeftigiis , p . 6 , daß er Menschen , von den Teufeln , durch die L . ust führen gesehen , und daß nichts abgeschmacktes Oabey fty ; und an eben demselben ( L ) Ich habe noch eine andre sehr grobe Lügen gelesen , die sich auf« 1 ; 44 Jahre bezieht . ] Johann Saxo , Rector der Akademie zu Wittenberg , hat in einer Einladungsschrift , die er den 12 des Weinmo - natS 1544 anschlagen lassen , unter andern Dingen gesaget : es sey kein bloßer Zufall , sondern ein Gerichte Gottes Ursache an den Drangsa - len gewesen , die Frankreich betroffenihätten . Der Kaiser , saget er , hat sich Paris genähert ; die Königin» und der Dauphin sind ihm entgegen ge - «angen , um denselben auf das demüthigste zu bitten . Non cafu iani Gallia miferabiliter vaftatur , et Rex potens venit in tantum diferi - menjVtcumCaroIus Imperator accefierit ad Lutetiam vsque , fuppli - ces occurrerint Regina etDelphinus , vt ante paueos annos ad Caro - lum Biirgunduin venit fupplex Rex Franciae Ludouicus , cui induit Dux Carolus Burgundicum Thoracem , cui confelfio viftoriae inferi * pta eratjvivat dvx bvrgvndiae . Man sehe das Buch , Ivel - thes den Titel hat : 8criptorum publice projiotitorum a Profefloribus in Acadeinia Witebergenfi , ab anno 1540 , ad annum 1553 , Tom . I , fol . 96 , verfo . Diese in Begleichung gestellte» ! zwo Sachen sind falsch ; die erste durchaus und ohne die geringste Vermischung des Wahren ; die andre in ihren Hauptumständen : denn da Ludwig der Xl gezwungen war , dem Hmoge von Burgund nach Lüttich zu folgen , so hat er ihn nicht als ein Bittender besucht ; sondern , er hat eine Unterredung verlan - Zet , weil er ihn zu hintergehen gehofft . Es ist eine Schande , daß der Reeror einer berühmten hohen Schule , in einer Einladungsschrisc eine Unwahrheit vorgebracht ( » ) , die auch einemZeitnngsblatte unanständig seyn würde .
* Herr Bäyle irret sich hier , aus Mangel der Kenntniß un - srer hohen Schulen . Diese öffentlichen Einladungsschriften wer - den zwar im Namen des Nectors der Universität gedruckt , aber nicht von ihm selbst geschrieben . Der Fehler fällt also auf den Programmatisten , der interne in der Professor der Beredsamkeit zu leyn pflege So weis ich , daß hier in Leipzig , vor ei ls oder zwölfJahren , ln einem Programmate , dem hochseligen Könige , August , ein dop - Zeltes Reichs , vicariat . beygelegt worden , welches gewiß der damalige Neetor nicht glaubte . G .
( M ) Dieß ist nicht die einzige Label , die man inAnsehung die - II »W> - viel smd mchl «a d , m
Francistus der I . 539
„ Könige FraneiscuS dem I gemacht worden ? Hat man nicht gar gesa« „ get , daß er sich in einem Zweykampfe mit dem Kaiser geschlagen , und „ daß ihm der Konig . da dieser Pr » ; durch Frankreich gereiset , aus einer „ Großmuch ohne Exempel , sein Königreich augebothen hätte ? daßCarl „ einen Tag den Thron des Francistus besessen , daß er einen Missethärer „ verurtheilet und denselben darauf begnadiget hätte , um seine Gewalt „ anzuzeigen ? Chappuzeau , Dellfein d'un nouveau Diöionaire Hifto - rique p . >1 .
( t>l ) Gr isk Urhebep t t - der Gewohnheit gewesen , die da« Frauenzimmer angenommen , nach 'Hofe zu gehend Man wird ohne Zweifel mit Vergnügen lesen , was ich davon anführen will . Eines Tages , saget Brantome , in den Mernoires Tom . I , p . 277 , da ich mich mit einem vor aller rvelt großen Prinzen , von den großen Tugenden Francistus des I unterhielt - > - « sagre er mir lauter Gutes davon : allein , wegen zwever Dinge radelte er ihn sehr , welche an seinem - Hofe und in Frankreich nicht allein be ) 7 seiner , sondern auch bey der andern Ronige , seiner Nachfolger , Regierung , viel Sösts gestiftet ; das eine , daß er be , - Hofe die großen Versammlungen , den Zugang und die ordenrli» che rvohnung der Damen eingeführt ; und das andre , daß er tv nen so großen Zufluß von Geistlichen dahin berufen , und daselbst eingeführt und unterhalten habe . Die Damen betreffend , so muß man gewißlich bekennen , daß sie vor ihm , wenig und in sehr kleiner Anzahl dahin gekommen , und denselben besucht haben . f£s ist wahr , Saß Sie RöniginnAnna angefangen har , ihre - Hos - statt von Damen viel großer zu machen , als die andern vorher - gegangenen Königinnen , und daß sich , ohne sie , der Ronig , ihr Gemahl , nicht viel darum bekümmert haben würde : allein , d»
denselben mehr , als vor dem gewöhnlich war , damit bevölkern wollen Brantome belehret uns , was der tadelnde Priuz . für Gründe ange - führt hat . N>enn es nur diese Hofdamen gewesen waren , sagteer , ( ebendas . - 80 S - ) die in Unkeuschheir gelebt , so wäre es noch hin - gegangen ; allein sie haben den andern in Frankreich ein solche« Ve / spiel gegeben , daß , da sie sich in ihrer Rleidung , in ihren Mi - nen , in ihren Girren , in ihren Tanzen , und in ihrer Lebensart nach denselben gerichtet , sie sich auch im sieben und - Huren nach ihnen richten wollen , gleich als wenn sie dadurch sagen wollen : bey - Hofe kleidet man sich so , man ranzet so , man huret so ; wir können es auch so machen . In Ansehung der Prälaten sagte er , ( ebendas . S . ) Daß , da sie damals angefangen , unkcusch und unordentlich zu leben , sieden andern in Frankreich dadurch ein Vorbild gegeben , dergleichen zu thun ; und daß es besser gewesen wäre , wenn man sie in ihren Rirchensprengeln gelassen hatte , ihren - Heerde» vorzupre^ digen . Ebend . - 85 . Brantome widerleget alle diese Gründe : er behauptet , daß vor Franciseus des I Regierung , die Verderbniß weder unter den Frau - en , noch Geistlichen geringer gewesen , < * ) und daß man nichts , als Re« «ereyen und Zänkereien in Frankreich gesehen , seitdem die Predigten üblich geworden wären . Ebend . - 85 S . Man sehe des Jurieu gen über alles dieses , Apologie pour les Reformateurs ch 7 , 121 u . f . S .
( » ) Ich habe weder sagen hören , noch gelesen , daß zuvor mehr ehrli - che und frömmere Leute gewesen wären ; denn sie sind in ihren Bischof - thümern und Abteyen so liederlich gewesen , als die Soldaten . me Memoires Tom . I , p . 282 .
( O ) Man hat ihn mit Unrecht beschuldiget , daß er zu viek Nachsiclit gegen die Lutheraner gehabt . Z Man wird diese Be - schuldigung in folgenden Worten deS Mezerai sehr förmlich widerleget se - hen . „ Da sich die Pest der Jrrthümcr vermehrte , so hat der König , , die Scheiterhausen wieder anstecken lassen , um Frankreich davon zu reini - „ gen . Es war noch einiger Sauerteig zu Meaux übrig geblieben , nachdem «der Bischof Brieonnet den le Fevre und die Roussess von da wegge - Wommen hatte . Es sind daselbst mehr als 60 ergriffen worden , die
. . überzeugen diesen italienischen Schriftsteller offenbarlich der Lügen , wel - „ cher unsre bürgerliche Kriege wegen der Religion und der Ligue beschrieben „ hat , ( ^ - ) und der aus einer großen Vergessenheit , od« aus einer besondern „ Bosheit in seinem ersten Buche saget : Daß sich zur Zeit dieses Rom - „ ges der calvinische Glaube auszubreiten angefangen habe ; entwe - , . der , weil er es erlaubt , oder weil er nicht Acht daraufgehabt , uns „ daß man vielmehr Verdruß und Verachtung gegen denselben , als „ Furcht und Sorgfalt gehabt , sich gegen denselben zu verrheidi -
„ gen . Wie aber ? 6 bis 7 scharfe Befehle herauszugeben , denselben zu er - „ sticken ; die Clerisey etlichemal zusammen zu rufen ; eine Provincialkir - „ chenversammlung zu halten ; alle Stunden Abgesandten an alle Prin - , . zen der Christenheit zu schicken ; eine allgemeine Kirchenversammlung zu „ berufen ; die Ketzer Dutzendweise zu verbrennen ; als zu viel Grund , diesen Italiener der Verleumdung zu beschuldigen : wa - rum muß ich ihn doch derselben durch so viele Beweise überfuhren können ?
O vtinam arguerem 6c , vt non vincere poffem ;
Me miferum ! quare tarn bona caufa niea eft .
Ouid . Amor . Lib . II , bieg . V , v . 7 .
2 ) pp t 3eder>

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