Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9358

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Francisais der I .
„ daran gedacht , dem Kaiser die Oberherrschaft dieses Staats vorzubehal - „ ten ; vielmehr hat man wegen der Städte und ihrer Weichbilder sol - „ che Verordnungen gemacht , als wenn sie den Kammergütern der Re - „ publik und der französischen Monarchie einverleibt werden sollten , die „ niemanden als Lehnsherrn erkennen . Der dem Rineon beigemessene „ Verhaltungsbefehl ist darinnen noch schlimmer gewesen , daß er die „ Gottlosigkeit mit der Bosheit verknüpfet . Man hat darinnen dem „ Solimann den Vorschlag gethan , mit Frankreich einzustimmen , um das „ Haus Oesterreich zu gleicher Zeit an zween Orten anzugreifen ; und » . um diese Uebereinstimmung desto nothwendiger zu machen , so hat man „ ihn in geheim gewarner , daß Ungarn , welches er kürzlich erobert , ihn „ den folgenden Sommer , ohne Zweifel , wieder aus den Händen gehen „ würde : wenn er dem Kaiser Zeit ließe , seine Kriegsmacht aus Sicilien , „ Neapolis , Mayland und den Niederlanden zu ziehen , und sie mit der „ furchtbaren Armee zu vereinigen , welche ihm der Reichstag zu Regen - „ spurg unfehlbar verwilligen würde . Wenn hingegen seine Hoheit „ sich verbindlich machen wollte , im Frühlinge mir dreymal hundert „ tausend Mann in Person aufzubrechen , um einen Einfall in Deutsch« „ land zu thun , so wollte der König das Herzogthum Mayland mit „ foooo Mann angreifen , und durch diese Abwendung , die Macht des „ Kaisers befchäfftiget halten , daß unterdessen seine Hoheit die entblöstm »»und die wegen der Religion gelheilten Deutschen bezwingen , und eben „ so leichten Kaufs haben würde , als er die Ungarn im vorigen Feldzuge „ gehabt hätte . Der Betrug der Kaiserlichen ist so grob gewesen , daß „ man nur ein kleineSLichl gebraucht , denselben zu entdecken ; denn sie „ haben sich nicht allein nicht erbothen , die Urschriften vorzulegen , son< „ dern auch Anlaß zum Argwohne gegeben , daß sie den Mord begangen , . . indem sie bey einer so kühlichen Begebenheit bekannt , sie Härten sich „ dasselbe zu Nutze gemacht . Unterdessen Har er auf dem Reichstage zu „ Regenspurg allen Eindruck gethan , den man sich davon versprochen „ hatte ; und FranciseuS der I ist daselbst für einen Prinzen schalten „ worden , der bereit wäre , seiner Religion und seiner Ehre Abschied zu ge - „ ben , wenn man ihm nur Beystand leistete , dem Reiche das Herzogthum »Mayland zu entreißen . Sein Abgesandter , Olivier , wurde mit einem „ solchen Vorurtheile angehöret , daß alle seine Worte in einem widrigen »Sinne angenommen worden , und dieser Staatsmann hat das Misver - „ gnügen gehabt , daß er , ohne etwas zu erhalten , wegreisen müssen ; nach , » . dem er gesehen , daß inan bey nahe dem Kaiser goooo Mann verwilli - „ get hatte , selbige nach seinem Gutbefinden zu gebrauchen . „ Siehe Varillas Hift . de Frarnjoi« 1409 u . f . S .
Ich verweise alle diejenigen zudem Wiequefort . ( oben in der Anmer - kung ( G ) bey dem Artikel Brun ( Anton ) ) welche recht von dieser Auf - führung urtheilen lernen wollen ; allein , ich weis nicht , wohin ich dieje - »igen verweisen soll , welche zu seufzen geneigt seyn sollten , wenn sie be - trachten , daß solche teuflische und grob ? Lästerungen ihren Erfindern so vortheilhaft gewesen sind : Dieß ist freylich ein großes Acrgeriiiß : allein so machets die Welt . Man muß diese großen und tiefen Geheimnisse der Vorsehung bewundern , ohne darüber zu murren . Wir wollen mit die - ser kleinen Bettachtung beschließen . Unsre Zeit bierhet uns kein Krempel von solchen Betrügereyen dar , als Varillas erzählet ; denn unter so vie , len Schmähschriften , darinnen die ungenannten Urheber alles vorgeben , was ihnen gefällt , sieht man keine becrügliche Vorgebungen , die mit ge« richrlichen Zeugnissen versehen sind , wie diejenigen gewesen , die der Hof Larls des V zu ersinnen gewußt .
( l ) Ich finde in dem Verfahren dieses Scnbenten zweyerley zu tadeln , das eine ist , daß er niemand anführet , das andre , daß er die angefühtte Eidesformel tiid ) t in die Landessprache übersetzt hat . Da er nur ü - berhaupt gesagt , daß Franeiscus der I ein Bündniß mit der Pforte ge - macht hatte , so hat unser Ungenannter nicht vergessen , die Nachrichten des Ribier einzuführen . Woher kömmt es denn , daß er keinen einzigen Schriftsteller anführet , da von einem weit abscheulichem Umstände die Rede ist ? Hätte er recht verfahren wollen , so hätte er entweder einen
französischen , oder einen zwischen dem Hause Oesterreich und Frankreich , ganz unparteyischen Schriftsteller anführen sollen , oder wenigstens hätte er uns sagen sollen , daß dieser oder jener spanische , niederländische oder deutsche Seribent diesen Schwur seinem Werke einverleibet , und die Wege angezeigt hätte , wodurch man dieses schöne Geheimniß entdeckt' hätte . Da nun aber unser Ungenannter dieses nicht gethan , so giebt er zu erkennen , daß er sich nicht getraut , heraus zu sagen , woher er diese For - mel genommen , und daß er erkannt , er würde durch diese Erklärung sein Zeugniß nur in einen Übeln Ruf bringen . Er scheint auch , eine Ärglist gebraucht zu haben , da er keine ftanzöstW Übersetzung der Formel giebt , vielleicht hat er befürchtet , die Unrichtigkeit allzuvielen Leuten begreiflich zu machen . Dem seu wie ihm wolle , so ist dieß die Bedeutung der von ihm herausgegebenen Worte . „ Ich verspreche und schwöre bey dem große» „ und allmächtigen , barmherzigen und gütigen Gott , dem Schöpfer „ Himmels und der Erde , und aller Dinge , die in demselben sind , und bey „ diesen heiligen Evangelien , bey der h . Tauft , bey dem h . Johannes dem „ Täufer , und bey dem christlichen Glanben , daß ich alles , , vas ich ersah - „ ren werde , dem erhabenen Herrn Solimann kundmachen will , dessen „ Reich Gott bestätigen wolle . Ich will einzig sein Freund und seiner „ Feinde Feind seyn . Ich will die gefangenen Türken aus den Ketten „ seiner Feinde erlösen . Es soll nichts betrügliches auf meiner Seite „ seyn . Wann ich wider dieses handele , so will ich ein Abtrünniger „ und ein boshafter Uebertreter derGefctze dcs Evangelii und des christli« „ chen Glaubens seyn . Ich will das Evangelium falsch nennen ; ich „ will leugnen , daß Christus lebe , und daß deinen Mutter Jungfrau gewe - „ sen ; ich will über dem Taussteine ein Schwein Wachten , und die Prie - „ ster des Altars verfluchen ; ich will auf dem ? sltare voller Ueppigkeik „ hurenund die Vermaledeyungen der heil . Väter über mich nehmen . »Also sehe mich Gott von oben herab an ! , , Ich weis nicht , ob eine einzige vernunftige Person , und die eine Kenntniß der Sachen hat , vermö« gend seyn könnte , sich einzubilden , daß diese Formel jemals von den Mi» nistern Frankreichs und der Pforte aufgeseilt worden . ( Es scheint , daß man dergleichen Eidschwur von Ludwigen dem IX fordern wollen . Siehe des Paul Aemilius VII B . auf der Gegenseite des 271 Blats . ) Es streitet darinnen alles wider die Wahrscheinlichkeit , nichts ist darin - nen der Ernsthaftigkeit des Solimanns und Franeiseus des I anständig . Der Großsultan würde sich wohl mit den ordentlichen Formeln begnügt haben : er ist ein allzuerfahrner Mann gewesen , als daß er nicht gewußt haben sollte , wie vortheilhaft ihm ein solcher Bundesgenosse seyn würde .
Vielleicht wird man mir einwenden , daß diese« die Gewohnheit von den Nachfolgern des Mahomets ist , dergleichen Eidesformel vorzuschrei» den : und ich bekenne , daß man es den Venetianern vorgeworfen hat , eine dergleichen in der Person des Bastards von Cypem geleistet zu haben . Aber dieses würde zum höchsten nnr dazu dienen , die zufällige Anmer» kung zu vernichten , die ich im Vorbeygehen gemacht habe , lleberdieß ist es noch eine Frage , ob auch die Venetianer bey dem Formulare geblieben sind , und ob eS möglich ist , gute Beweise davon zu geben . Dem sey . wie ihm wolle , so will ich den Inhalt dieses Eidschwurs hersetzen , weil das Werk sehr selten ist , worinnen man ihnen den Vorwurf gemacht , da sie mit Ludwigen dem Xll im Kriege verwickelt waren . „ Besagter „ Bastard har gemeldetem Sultan einen abscheulichen , verfluchten juni» „ höchst verdammlichen Eid geleistet : Derselbe ist nach diesem aus dev . »arabischen Sprache ins Latein überseht , und dem Pabste Pius durch ei - „ nige rhodiser Ritter überbracht worden , aus welcher Ursache er auch „ die Gesandte« , des besagten Jacobs , niemals als Gesandten eitles christ» „ liehen Königes annehmen wollen ; Vielmehr hat er ihnen denselben „ sehr hart vorgeworfen . Weil nun die Venetianer seine Erben gewor» „ den ; ist es denn nicht nörhig gewesen , daß sie eben denselben Eid abge . « „ legt hatte» , den besagter Jacob auf folgende Art geleistet hatte ?
„ Erstlich hat er den Namen des allmächtigen Gottes vierzigmal an» „ gerufen , und dann also gesagt : Ich verspreche und schwöre be» „ dem großen , allmächtigen , barmherngcn und gütigen Gott , „ dem Schopfer - Himmels und der Erde und aller Dinge , die „ darmnen sind : und bey liefen h . Evangelien : bey der H . Tau» „ fe : bey dem heil . Johann dem Täufer , und allen den - Heiligen , „ und bey dem christlichen Glauben : Daß alle Dinge , die ich tu» „ fahren werde , meinem allein gebierhenden - Herrn Alleserapl» „ Asnal , Sulran vonAegypren undRaiser von gan ; Arabien , ern * «decket werden sollen , dessen Königreich Gott bestätigen wolle , . . und daß ich ein Freund seiner Freunde , und Feind seinerFeinde „ seyn und ihm nicht« verheelen will . Ich will kcineSeeräuber „ in meinem Königreiche dulden , noch ihnen Lebensmittel , noch „ Hülfe zukommen lassen . Ich will alle die Aegyprier , welche „ in meinem Ronigreiche Sklaven sind , loskaufen , und sie in voU „ lige Freyheir setzen . Ich will alle Jahre , den ersten Tag des „ iVeinmonars , oder des N ? inrermonars , dci» obersten Tempeln „ Jerusalem und Meccha , die Summe von 5ooc>Ducaten in Gol» „ de , als einen Tribut überliefern . Ich xoitt verhüten , daß die „ Rhodiser den Seeräubern mir keinen Waffen helfen . Alle« „ dasjenige , was sich neues eräugen wird , und wissen« würdig „ ist , will ich dem Sultan , nach der rechten Wahrheit , ohne den „ geringsten betrug , ; u wissen thun . Und , wenn ich in einem „ von oben besagten Dingen falsch handle , so will ich ein Abtrün - „ Niger des chrijrlicken Glaubens und der Gebothe des h lLvan - . . gel« ftyn : Ick will leugnen , daß Jesus Christus lebet , und daß
„ femeMutter Jungfrau gewesen ; ich will über dem Taufsteine " «n Ramel schlachten , und die Priester der Rirche verfluchen ; »Jw ttmloie wottbeit verleugnen , und die Menschheit anbe , „ then ; Ich will auf dem großen Altare mir einer Jüdinn - Hure , „ rey treiben , und will alle die Vermaledeyungen der h . Vater „ über m , ch nehmen . Ist Marcus Corrano ein Venetianer , dessen „ Tochter besagter Bastardkönig nach diesem bey seinem männlichen AI« „ ter geheü - athet hat , nicht gegenwärtig qewescu , als besagter Eid und „ Huldigung geleistet worden ? Daher ist es ohne allen Zweifel scheinlich , daß sie Typen , unter eben diesen Bedingungen erhalten ha« „ ben , weil sie den Titel unrechtmäßiger weife gefiihrt häbm . „ Jean lc Maire de Beiges , Legende des Venitiens , pag . 75 . Ausgabe von Lion 1549 .
( K ) Es ist eine Lügen herumgegangen - - « die eine Kv - findung betroffen , die Geiseln wieder ; u erhalten , die Franciscus pfflgtgtbeo hartes Kranciscus der I überlieferte den Spanier» , da

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