Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9337

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Frmiciscusder Ii
„ einen Edelmann und ehrlichen Herrn aus Perigord , mit einander " vereiniget ; welcher Key der Königinn Anna Hofjunker gewesen war , ' wie wir qesaget haben , und es noch bey der Königinn Maria war . ' . Dieser hat , als er gesehen , wo dasGeheimniß hinaus gewollt , meinem
steller in seinem chronologischen Auszuge das meiste von den Sachen gesaget , die man gesehen , so will ich dennoch dasjenige noch hierher sehen , was er wiederholet : man wird darinnen noch was neues finden . «Drey Monate darauf ist der König an einem bösen Geschwüre gefähr - „ lich krank geworden , welches er an dem Glicde bekam , das die Arzney - „ kundigen Perinäum nennen . Diese Krankheit , hat man gesaget , ist „ die Wirkung eines bösen Zufalls gewesen , den er mit der schö , ne» Fer - „ ronniere , einer von seinen Beyschlaserinnen , gehabt . Der Ehmann „ dieser Frau , welcher über einen Schimpf in die Verzweiflung gerieth , „ den die Hofleute eine Galanterie nennen , war auf den Einfall gekom , „ men , in ein Hurenhaus zu gehen , sich selbst anzustecken , um sie' beyd ? „ zu verderben , und ftineRache bis auf seinen Nebenbuhler fortzuführen . „ Die Unglückliche ist davon gestorben , und ihr Ehmann hat sich durch schleu - „ nige Hülssmittel geholfen . Der König hat alle die verdrießlichen Zufälle „ davon bekommen . Und wie dieAerzte vielmehr nach seinem Stande , „ als nach seiner . Krankheit , mit ihm umgegangen ; so ist ihm seine ganze „ Lebenszeit etwas davon zurück geblieben , dessen böses Wesen sein gutes „ Temperament sehr verändert , und ihn verdrießlich , argwohnisch und „ unumgänglich gemacht hat . , . Abrege Chronol . Toni . IV . pag . foö . unterm 1538 Jahre . Varillas , ob er gleich wider seine Gewohnheit bey einer Materie , wie diese , sehr kurz ist , unterläßt nicht , dem Leser alle nöthige Zusätze der Einbildungskraft abzuschneiden . Mm , kann nicht zweifeln , daß die verliebten Ausschweifungen Heinrichs des VIII ,
„ nicht , daß diese Frau , die fein und verschmitzt ist , euch an sich ziehen „ will , damit ihr sie nur schwängern sollet ; und wenn , sie einen Sohn zur „ Welt bringen wird , siehe da , so seyd ihr ein schlechter Graf von An - „ gouleme , und niemals König von Frankreich , wie ihr hoffet ! Der Kö - „ »ig , ihr Gemahl , ist alt , und kann ihr iho keine Kinder mehr schaffen ;
„ ihr werdet sie berühren , und euch derselben so wohl nähern , ihr , der ihr „ jung und hitzig seyd , sie jung und hitzig , beym Teufel ! sie wird wie „ Zunder fangen , und euch ein Kind zur Welt bringen , hernach habet ihr es „ wohl getroffen ! Alsdann könnet ihr wohl sagen , gute Nacht mein Thcil „ an dem Königreiche Frankreich ! deswegen denket , was ihr thut ! Diese Kö - „ niginn wollte gern das spanische Spruchwort , und den Schlußvers aus - „ üben und probiren ; que nunca inugeragudamiirio fin herederos , eine „ geschickte Frau ist niemals ohne Erben gestorben : das heißt , wen» ihr „ ihr Ehmann keine schaffet , so nimmt sie einen Gehülfen an , der ihr zu „ einigen Hilst . Der Herr vonAugouleme hat der Sache nachgedacht , und „ versprochen , klug zu ftyn , und sich ihrer zu enthalten : allein da er von „ den Liebkosungen und verliebten Schmeicheleien dieser schönen Eng - Königs von England , sein Ende nicht befördert haben , und daß Fran - „ länderinn immer mehr und mehr versucht worden , >0 hat er sich mehr ciscus die Annäherung seines Todes nicht empfunden hat . welcher durch „ als jemals in die Gefahr gestürzt . Was vermag die Hitze der Liebe , - - - - - - ' ■ • ri . >
„ und ein so kleines Stückchen Fleisch nicht ! nach welchem man sich seh - »et , und um welches man Königreiche und Kaisertümer verläßt , und , jfie verliehet ! wie die Historien damit angefüllet sind . Endlich da der „ Herr von Grigneaur gesehen , daß dieser junge Mensch in sein Ver - „ derben rennte , und seine Liebeshändel fortsetzte , so hat er es der Mutter «des von Angouleme gesagt , die ihn deswegen so wohl bestraft uud aus - „ gescholten , daß er nicht wieder hingegangen . „ Man halte diese drey Berichte gegen einander , so wird man einige Unterschiede darinnen den ; allein dieß ist der vornehmste Punct , worinnen Brantome , vom Mezerai und Varillas abgeht . Er saget , daß die junge Königinn , als sie Wirwegewesen , sich bemüht habe , ein Kind unterzuschieben , um Francisens den I , auszuschließen . Die zween andern aber entledigen sie von diesem Verbrechen . dem Code Ludwigs Oes XII , hat
man geglaubet , Saß Maria von England schwanger gewesen ; allein man wurde gar balS Oes Gegentheils durch ihren eigne , »
Bericht versickert . Dieß sind die Worte des Mezerai , Hiftoire de France , Tom . IL pag . 894 . und hier sind des Varillas seine Hiftoire de Francis I , Liv . I . pag . 20 . Die Roniginn iß mit gleicher merksamkeit , als zuvor , beobackter worden , so viel Ursache hat - fe man , ) » zweifeln , daß sie sckwanger wäre . Allein nachdem sie sich erkläret hatte , daß sie es nicht wäre , und da man chende Seweise hatte , zu urtheilen , daß sie die Wahrheit gesagt : so iß der Graf von Angouleme Ronig geworden , u . s . weiter .
Brantome wird eine ganz andre Sprache führen , van , es Galan , es Toni . II . pag . 118 . 11 ? . „ Gleichwohl saget man , daß besagte Köiiigiim „ Maria kurz vor und nachdem Tode des Königes , ihres Gemahls , alles „ gethan , was sie nur gekonnt , um als königliche Mutter zu leben und „ zu regieren : allein er ist ihr allzuzeitig gestorben , und sie hat nicht „ Zeit genug gehabt , diese Sache zu besorgen ; dennoch hat sie nach dem „ Tode des Königes , alle Tage das Gerüchte aussprengen lassen , daß sie „ schwanger wäre . Ob eö gleich nicht wahr war , so hat sie sich doch , saget „ man , nach und nach von außen mit Tüchern üirte gemacht , und da „ die Zeit heran kam . ein untergeschoben Kind gehabt , welches eine an - „ dre schwangre Frau haben , und zur Zeit der Niederkunft hervorbringen „ sollte . Allein die Negentinn , eine Savoyerinn , welche wohl wußte ,
„ was Kindergebahren war , und sattsam sah , daß alles sehr gut für sie und „ und ihren Sohn gieng , hat dieselbe von den Aerzten und Wehmüttern „ so . fchcicf besehen und besuchen lassen , daß sie durch die Erblickmia „ und Entdeckung ihrer Leinen und Tücher verrathen worden ; und ist ,
„ da sie in ihrem Anschlage gefehlt , keine königliche Mutter , sondern in „ ihr Land zurück geschickt gewordenDieses widerleget diejenigen »mwidersprechlich , die zum besten Jacobs des II , des vom Throne ge - stoßeneu Königs von England , sägen : daß es sich eine Person , mitten in einer großen Hofstadt , wo sie beständig mit unzähligen Bedienten umgeben ist , niemals in die Gedanken kommen lassen könne , ein Kind unterzuschieben . Hier ist Brantome , der den Hof und die Welt unver - gleichlich wohl gekannt ; hier ist er , sage ich , der uns einen gleichen An - schlag angiebt , als weim er wirklich an dem ftanzösischen Hofe gemacht worden , Dieß ist ein Beweis , daß eS witzige Leute giebt , die sich ein - bilden tonnen , daß es möglich fei ; , damit zu Stande zu kommen .
( D ) Man giebr vor , daß es ihm das Leben gekostet . ^ Die französischen Schriftsteller reden sehr ftey hiervon . Einer darunter , nachdem er eines Geschwüres gedacht , oas Viesen Prinzen , im <559 ^ , ahre , aufs Todtbene gebracht , füget noch dazu , ick habe etliche , mal sagen horcn , daß er diese Rrankheit von der sckonen Fe - ronniere , einer von seinen Beischläferinnen , bekommen hat , de - ren Bildniß sick annock in einigen Cabinetten findet ; und daß Oer Ehmann dieser Frau , aus einer seltsamen und thörichten Rache , dieses Gift an einem verdacktigen Grte gesuckt hat , um be^ - de damit anzustecken . 57ach ubersiandener Gefahr , hat ihm diese Krankheit nock lange Zeit Schmerzen gemackt . Mezerai ,
Hirt , de France , p . 1005 . Also redet Mezerai unter dem 1539 Zahre .
Wir wollen sehen , was er von der letzten Krrntfheitbieses Monarchen saget : Dieses bose Geschwüre . das er im > ; zy Jahre bekommen hatte , und von seinen Aerzten nickt harre geheilet werden nen , welche sick nickt getrauet , dafielbc nack der sckarfen tXla thode anzugreifen , die man btv dergleichen Rrankheit den muß , Hatte sich bis in den Älasenhals gezogen , und mir un< ertraglicker - Hitze zu fressen angefangen : so daß dieser Sckmei ? und dieses Gift , welches sick durck den ganzen Rorper ausgc - breit« , ihm ein verzehrend Fieber verursachet , und einen solcken Verdruß zugezogen , der ihn zu der geringsten Unternehmung umücktig gemacht . Ebendaselbst 1059 Seite , unterm 15^7 Jahre .
Dieses schleichende Fieber , welches sich bald in ein anhaltendes verwan - delt , hat ihn den jo Marz U47 weggerückt . Obgleich dieser Schrift -
die Krankheit verursachet worden , davon maii im vierten Buche gcre - dct hat . Varillas , Hift . de Franeois I , Liv . XII . p . 264 . Ich glaube , daß es anstatt des vierten das achte Buch heißen soll , und daß Varillas von dieser Stelle des VIII B auf der 359 Seite hat reden wollen . Zwcen merkwürdige Zufälle haben das i ; z» Jahr beschlossen . Der eine ist die langwierige Rrankbeit des Röniges zu Compie - gne gewesen , welcke von einem Gesckwüre an denen Theilen entstanden , welcke die Sckaam zu nennen , verbiethet . tEr ist damals davon genesen , aber neun Jahre Hernack daran ben . Ich habe in dem Brantome gelesen , daß der König , der K» , niginn Claudia , das Übel auch mitgetheilet , welches er sich zugezogen gehabt . Mau sehe den Kalender des P . l'Enfant , unter dem z> Marz , auf der 197 Seite , so wird mau diese Franzosen FranciscuS des ersten , finden , die er sich in dem Bette der schönen Feromüere geholt . Die - ser Schriftsteller führet den Du Verdier in dem Leben dieses Mona ? - chen an .
Ich habe sagen hören , daß diese Bcyschläserinn deswegen la Fcron , niere genennet worden , weil ihrMann ein Eisenhändler gewesen . Ich würde noch weniger daran zweifeln , wenn ich nicht in dem Ludwig Guion gelesen hatte , daß die>enige , die von ihrem Ehmanne aufstecket worden , und den König augestecket hat , eines Sachwalters Frau geivesen wäre . Hier sind die Worte dieses Seribenren , Tom . II . seiner diver . fes Lecons , I B . 109 S . Franeileus der I , „ hat bey der Frau eines „ Sachwalters zu Paris feinen Liebesantraq gethan , die sehr schön und „ annehmlich war , und die ich nicht nennen will : denn er hat Kinder „ verlassen , die mit großen Mitteln versehen sind , und in einem guten „ Rufe stehen : welchem diese Frau niemals etwas zugefallen thun wollen ; „ so daß sie ihn mit vielen harten Worten zurück gewiesen , darüber sich „ der König betrübet . Sobald dieses einige Hosschranze» , und königliche „ Gelegenheitsmacher erfahren , haben sie zu dem Könige gesagt , daß er „ sie mit Gewalt , und vermöge seiner königlichen Würde holen lassen „ könne . Und sogleich ist einer hingegangen , es dieser Frau zu sagen , die „ es ihrem Manne eröffnet . __ Der Sachwalter sah wohl , daß er und „ seine Frau das Königreich räumen mußten , und bey ihrer Fluckt noch „ große Hindernisse finden würden , wenn sie nicht gehorchten . Endlich „ hat der Sachwalter seiner Frau erlaubet , sich nach deS Königes Willen . . zu bequeme» ; und damtt dieser Sache kein Hinderniß im Wege ste - „ hen sollte , sich gestellt , als wenn er acht oder zehn Tage auf dem Lande „ Geschaffte hatte . Unternien hat er sich heimlich in der Stadt Pa - „ ris aufgehalten , die Hurenhäuser fleißig besucht , die Franzosen zu ho - „ len , und seine Frau damit anzustecken , damit sie der König gleichfalls „ von ihr bekommen sollte ; und er hat ohne Anstand gesunden , was er ge - „ sucht , und seine Frau damit begaber , welche daraus den König damitange - „ stecket hat . Dieser hat sie noch verschiedenen andern Frauen zugeschanzet , „ die er unterhielt , und hat niemals daran recht geheiler werden t onnen ; „ denn er ist feine Übrige Lebenszeit ungesund , verdrießlich , ärgerlich und „ nicht umgänglich gewesen . „ Es wundertmich , daß Bramome feine einzige Frauensperjon ins besondere in der Stelle benennet , die ich ans den , Eloge de Henri II , im II Bande seiner Nachrichten 5 Seite an - führen will , wo er von dieser garstigen Krankheit redet . Francistus der I , saget er , ist auck stark und sehr verliebt gewesen denn weil er sung und ftey war , so hat er ohne Unterschied bald diese bald jene umarmet ; wie denn derjenige zur damaliger Zeit nickt galant war , der nickt überall ohne Unterschied herum hurte : davon hat er die Franzosen bekomme» , welcke seine Tage verkürzet haben ; und er ist nickt sehr alt geworden , denn er ist nur drey und fünfzig Jahre gewesen , welckes gar nickts heißt : und er hat . nackdem er von dieser Rrankheit ausgemergelt und übel gewartet gewesen , fieb besonnen , daß , rreim er Oiefe hcruni - schweifende Liebe fortsente , er nock einmal davon überfallen werden mockte , und da ihn das vergangene klüger gemackt , sick vorgenommen , manierlicher zu lieben ; weswegen cr auck ver - ordnet , daß sein schöner - Hof von so sckonen und ehrbarenprin , zeßinncn , großen Frauen und Fräuleins fleißig besuchet den sollte ; welchen Fehler er bloß darum begangen damit er sick vor den vergangenen häßlichen Krankheiten bewahren , und sei - nen Leib nickr weiter mit den vorigen Nnflathereyen besudeln , sondern sick zu einer weniger unflätigen , hingegen einer manier - liehen , netten und reinen Liebe gewöhnen wollen . Gleich dar - auf redet er von der Liebe dieses Prinzen , gegen die Fräulein von Hell« : und dieß heißt vorgeben , daß die garstige Krankheit vor seiner Gesan - genschaft hergegangen ist . Mai , darf nicht zweifeln , daß dieser Scn - beut solches nicht vorgiebt , weil er an einem andern Orte ( * ) chert , daß der König die Königinn Claudia mit dieser Rrankheit an» gef fecket habe , Sic ihr Leben verkürzer hat . Nun ist diese Kö - niainn im Heumonate 1524 gestorben .
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