Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9293

Franciscus .
532
Antworten würden erbärmlich gewesen seyn , und zu nichts gedienet ha - ben , als ihn der Halsstarrigkeit zu überzeugen , und uns eine gerechte Ursache zu geben , ihm zu trotzen und zu sagen , daß er die Strafe , we - an , der Fehler seiner Vorfahren , nicht unjchuldiger Weift trüge : man hätte also nicht sagen können , was Horaz , Od . IV . Libr . III . zu den Römern gesaget :
Deli & a maiorum immeritus Ines , Romane ;
«Hein als ein Mitschuldiger , da er sie als seine eigenen annimmt , kann er dieselben rechtfertigen . so gut , als es ihm möglich ist . Man merke , daß Seddins , der Verrheidiger des Bartholomäus von Pisa , beobach - ter : es hätten sich Ketzer gesunden , die den Franeiseanern vorgeworfen , daß sie sich dieses Werks geschämet ; und andere , die ihnen vorgeworfen , daß sie keine Schamröthe deswegen gehabt . Siehe die Anmerkung ( I ) . Hieß dieses nicht , sich der Beschimpfung aussetzen , man Mochte die Gleich - förmigkeiten billigen , oder mißbilligen ?
Dieses wird das beständige Schicksal derer bleiben , die sich in solchen Posten zu vertheidigen haben . Der berühmte Bischof von Bellai , Ca - mus , hat es nicht vorhergesehen , da er sich mit deM Drelincourt , wegen der Verehrung der Jungfrau Maria , auf den Kampfplatz begeben , daß man ihn in diesen engen Weg führen würde . Drelincourt hat ei , um großen Haufen von den allerabgeschmacktesten' Ausdrückungen zu - sammen gebracht , die er in den Büchern der Papisten , von der Macht der Jungfrau Maria , angetroffen , und den Le Camus gebethen , ihm feine Meynnng darüber zu sagen . Dieser Prälat ist dadurch gefangen worden : er hat alle Erfindungen seines Wil ; e6 angewendet ; er hat ge - antwortet : daß er sich auf dem Lande befände , und nicht alle die Stel - len untersuchen könne , die von dem resormirten Prediger angesühret worden ; er hat gekurzweilet , und eine scherzhafte Mine angenommen ; allein am Ende dennoch nichts förmlich verdammet . Er hat sich nicht getrauet , weder den Bissen zu verschlucken , noch ihn auszuspeyen : er hat ihn nur gekaut , und sogar zu einer niederträchtigen und lacherlichen Wieder - beschuldigung Zuflucht genommen . Man sehe oben das Ende der An - merkung ( A ) , bey dem Artikel Arodon . Dieß sind lauter Beweise der unglaublichen Verwirrung , darinnen er sich befunden . Diese Ge - Kenbeschuldigung , so schlecht sie auch gewesen , ist doch noch erträglicher , als diejenige , deren sich der Franeiseaner Feuardent bey gleichen Umstanden bedienet hat . Er warf den reformirten Predigern vor , daß Theodor za , seine Candida , als eine Göttinn angerufen hätte . Hier sind feine Worte : „ allein , was werdet ihr antworten , wenn ich euch zeige , daß „ die Schriften eurer vornehmsten Kirchendiener und Prediger , welcke „ ihre - Huren anrufen und anberhen . ( der Ehrerbiethung aller ehrli - „ chen Leute unbeschadet , ) indem sie dieselben für Gottinnen hal - „ ten * Heißt dieß nicht den lebendigen und wahren Gott verleug - „ nen ? Hier sind die eigenen Berse Theodors Beza , seinen Hurenbalg , „ Candida , betreffend :
„ Lt tarnen hanc audes macnlare , et'dicere nigram ?
„ Veline , habet certe Numen et ifta fuum .
„ Qiiae nifi fit precibus noftris lenita , veremur difcas laefae quam grauis ira deae :
„ und kurz darauf :
„ ksrce , rogo , quaeciinque dea es :
„ und wiederum :
„ Ecce fugain fateor , veniam ne , Diua , negabo .
„ worauf er ihr seine Seele , als einer Göttinn giebt und weihet :
„ Ipfam nempe animam tibi dicatani , Amorisque tui ignibus „ pcruftam , Qiiae pridem tua lit licet , fiianiqueTe pridemDo - „ minam vocetque araetque , Se rurfus tibi datque dedi - „ catque :
„ Und abermals :
„ Ergo Fac alium te , Candida , dicere Solem ,
„ Vtpote quae fatias aeftnm hyememque mihi .
„ Ist es euren Urhebern und Erzpredigern wohl anständig , daß sie ihre „ Schandbälge , Dame» , Gebietherinnen , Sonnen und Göttinnen „ nennen : und ist e6 bey den Katholiken eine Abgötter« ) , die aller - „ heiligste Jungfrau und die Mutter Gottes , nur den Stern des „ Meers , die Fürsprecherinn der Sünder , das . Leben , die Anmuth und die „ Königinn der Barmherzigkeit zu nennen ? „ Feuardent , Examen des Confeffions , Priercs , Sacremens , et Cathechifmes des Calviniftes , fol . 9 * . Er führet die VI Elegie an : quae eft de fua Candida , ad quendam Lodoicum . Ich habe eine Ausgabe der luuenilium ? oelnaturn , Theodors Beza , wo weder die Zeit und der Ort des Druckes , noch der Name des Buchdruckers bemerket ift . Die 6 ersten von Feuardent geführten Berse sind daselbst in der V Elegie : die folgenden , welche dieser Mönch mit einander vermenget , als wenn sie Prosa »vären , sind in et - nem Sinngedichte , das den Titel hat : Xenium Candidae : die zween letzten sind in einem andern Sinngedichte . Man nrtheile hieraus , ob Feuardent anzuführen gewußt . Jedermann siebt das Läcl>erliche dieser Vergleichung ; denn I - ist ein entsetzlicher Unterschied unter den Redens - arren eines Poeten , und den Redensarten der Andacht ; jene sind ein Spiel de« Verstandes , und enthalten nichts ernsthaftes : die andern werden im Ernste , und als eine Religionsverrichtung gebrauchet . Zum II . ist Beza kein Prediger gewesen , da er diese Verse geschrieben . III . Leugnet er sie , er verfluchet sie , so bald er sich öffentlich zur tischen Religion bekannt hat . . _
( L ) Die Jesuiten unternehmen auch Sie Vertheidigung dieser Schrift des Bartholomaus von Pisa , wenn sie dieselbe von den Protestanten angegrifftn gesehen . ] Du PleßiS Momay hat in dem Myftere d'Iniquite' , p . 334 . und noch weitlauftiger in seinem 'I'raite de l'Euchariftie , Livr . III . chap . XVII . die Vergleichungen ausgeleget , die der Urheber der Gleichförmigkeiten , zwischen Jesu Christo und dem Stifter der Franeiseaner gemacht hat . Man merke , daß Hein - rich Stephan eben dieselbe Seite , im XXV Cap . der Schutzschrift He - rodots , berühret . Der Jesuit Gretser , Examen Myfter . cap . LIII . wie ihn Rivet in den Anmerkungen über die Antwort des Geheimnisses der Bosheit , Tom . II . p - 35' / anführet , hat geantwortet : daß sich nichts
in diesem Buche der Gleichförmigkeiten befinde , welches der Lrom nickt zum besten anwenden könne , und viele Dinge , welche -
«fromme
jiim - vesten anwenpen rönne , uns viete Dinge , welche der Boshafte übel erklären könne : daß verschiedene Dinge , t ehe die Redlichkeit und Einfalt die U ? elr verlassen harren , einfallig und von Herzen weggesager worden waren , welche doppele herzige Leute itzo verdrehen und verleumden . „ Auf diese Art , so redet River auf der 352 Seite , ebendaselbst : „ könnte jedermann , „ wer e6 unternehmen wollte , auch Mahomets Alcoran vertheidi ? „ gen , und eine jede Gotteslästerung , könnte von denjenigen in ei - „ nen qöttlichen Ausspruch verkehret werden , denen . es leicht ist , ihre gu - „ ten Seelen zu besänftigen , ohne daß sie sich um die Ehre Christi viel „ bekümmern . , , Coeffeteau , der ein Dominicaner gewesen , hat in sei , ner Antwort auf dieses Werk des DuPleßis den Nutzen des Bartholo - mäus von Pisa , noch ein wenig mehr in die Schanze geschlagen . TDas da« Buch der Gleichförmigkeiten des heil . Franciscus mir Jesu Lhristo betrifft , so har es d , e romische Rircke niemals gebilli - get . Dieß ist das Xverk einer Privatperson , welche , da sie , in Ansehung ihres Patriarchen , von einem all ; uunbedacktsamen Ei - fer getrieben worden , mit gutem Rechte , wegen ihrer chen Urtheilskraft , geradelt werden kann ; weil er . da sie sich all - ; ufthr bey seinen Lobeserhebungen aufhalten wollen , Dinge gesager hat . die ohne Zweifel in einem bessern Verstände genom - men werden können . Diejenigen , von feinem Orden , die es in ih - rem Generalcapitel gebillig« , haben sich nicht vorgesteller , daß man die rvorre so grob erklären sollte : und ich bin versichert , es wird keiner unter ihnen glauben , daß Franciscus Jesu Christo geglichen , oder denselben übertroffen habe ; ob sie ihn gleich für einen von den vornehmsten - Heiligen des Paradieses gehalten» Coeffeteau , Reponfe au Myftere d'Iniquite' , p . 870 . Wir wollen mir Rivers Gegenantwvrt beschließen : „ Wenn die römische Kirche „ diese Gotteslästerungen nichr billiget ; warum hat sie denn dieselben so „ lange Zeit aeduldet ? Warum haben dieBücherbeurtheiler , Magiftri „ Palätii apoftolici und alle Ketzerrichter hierbey geschlafen ' ! Haben sie „ nicht durch ihr zweyhundertjähriges Stillschweigen alles gebilligkt , was „ dieser ehrlose Bartholomäus von Pisa geschrieben hat ? Haben sie „ nicht noch im , 590 Jahre Erlaubniß gegeben , daß es ohne die gering - „ ste Beurtheilung und ohne einiges Gegengift zu Bononien gedruckt „ worden ? Kann also Coeffeteau dieses auf eine Privatperson „ schieben , die von einem unbedachrsamen Eifer gerrieben wor - „ den'l - - - Er ist guten Kaufes losgekommen , wenn er damit durch - „ gewischt ist . Und wie ? ist denn sein General und das Capitel eine „ Privatperson gewesen ? Sie haben sich nickt vorgestellt , saget „ er , daß man seine Xvorteso plump auslegen sollte . Allein , koun - „ ten sie nach genauer Prüfung mir gutem Gewissen sagen : daß sie „ nickrs gefunden harren , was eine Verbesierung verdiente i Ist - „ es nicht zum wenigsten ein Zeugniß einer handgreiflichen Dummheit » . und Unwissenheit ? „ Rivet , Remarques für la Reponfe au My - fte're d'Iniquite' , p . 351 . Dieses ist mir als ein Beweis dessen nöthigge - wesen , was ich hier oben in der unauflöslichen Verwirrung gesaget habe ; worein die Protestanten ihre Widersacher versetzet , da sie den Urheber der Gleichförmigkeiten angegriffen haben . Und so weit erstrecken sich die Einflüsse der Thorheit einer Privatperson : sie setzen den ganzen Kör - per , die ganze Gemeinschaft dem Sturme aus , wie ehmals das Verbre - chen des Ajax dieganze griechische Flotte demselben aussetzte :
Vnius ob noxara et fiirias Aiacis Oilei .
Virgil . Aeneid . Libr . I . v . 41 .
Will man lieber eine andere Vergleichung haben , so sehe man folgende :
Sicut grex totus in agris ,
Vnius feabie cadit et porrigine porci .
Iuuenal . Sat . II . v . 79 ,
( M ) Man hat so gar Layen für eine solche Sache , die Leder wider den reformirten Prediger , Du Moulin , ergreifen fthen . 1 Wilhelm Cacherat , Sachwalter und Anwald des Königes bey der Admi - ralität von Frankreich , bey dem Stuhle zuQuilleboeuf , hat ein Buch ge - macht , welches im 1642 Jahre zu Paris gedruckt worden , und den Ti - tel hat : Der vertheidigte Capuciner , wider die Lästerungen Peters Du Moulin , reformirten Predigers , oder Sckunsckrift , welcke die gereckten Ursacken enthalt , warum das Parlement ; u Bourdeaux durck die ^and des Vollstreckers der peinlicken Urrheile , das pasquil , wider die Capuciner , verbrennen lasten , welches durch diesen Prediger , wider die Friedensbefehle ge« macht , ; u Sedan ans L . ickt gegeben , und in dem Ronigrciche ausgestreuet worden . Nebst einer summarischen Widerlegung der Lästerungen und Gottlosigkeiten , die darinnen enthalten sind . Ich habe bereits in der Anmerkung ( H ) von diesem Werke de« Du Moulin gereder . und setze hier noch dazu : daß Cacherat so viel Ei - fer bey der Vertheidigung der Capuciner blicken lassen , als wenn er selbst von ihrem Orden gewejen wäre ; seine Schuhschrift aber tauget nichts . Hier ist eine Probe davon ; er rechnet auf der 72 S . statt der neunten Lästerung des Du Moulin , diese Stelle : „ Die Capuciner , „ welche angeloben , die ganze Regel des heil . Franciscus zu beobachten , „ thun es nickt ; denn die Regel besiehler den LMnoritenbrü , „ dern . mn ihren Händen ; u arbeiten , welches die Capuciner „ nickt thun . „ Wir wollen sehen , wie er sich bemühet , zu beweisen , daß dieses eine Verleumdung fep . Die Generale des Ordens , saget er ebendaselbst , welcke für alle Verrichtungen ihrer Mönche vor dem CarSinale , ihrem Beschüner , stehen , und dieser vor dem pab - ste , und denen , welchen am meisten daran gelegen ist , Saß der Regel in allen Punctcn nachgelebet werde , und welcke sorgfältig dafür wacken , beklagen sick über diese Verabsäumung nicht . Der re - formirre Prediger , Du Moulin , aber , der nicht im Stande ist , sich deswegen ; u erkundigen , nock jemals in den Rlostern dieses Ordens gewesen , umzu sehen , ob sie der Deobacktung ihrer Regel auck nachkommen , oder nickt , muß , als ein Verleumder angesehen werden , der dasjenige nickt verstanden , was der h . Franciscus durck dieses XVoct , mit seinen Händen arbeiten , verstanden bar , welcke» nickt so genommen werden nmß , als es der reformiere Prediger verstehen will : sondern wie es die Rircke und die Obern des Ordens verstanden haben , und wie sie es

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.