Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9274

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«orpiu , nec foliim extrinfecns , verum etiam intrinfecus vindicat , to - tumque commouet hominem , animi fimul affedhi cum carnis appe - titu coniun & o atque permix to , vt ea vohiptas fequatur , qua maior in corporis voluptatibus nulla eft ; ita vt momento ipfo temporis , quo ad eius peruenitur extremum . pene omnis acies et quafi vigilia cogitationis obruatur . Qiiis auteni amicus fapientiae fanctorumque gaudioruni , coniugalem agens vitam , et ficut Apoftolus inonuit , ( 1 ThelKIV . ) fciens vas fuum pojfidere in fanflificatione et honore , non in morbo deßderii , ßcut et gentes , quse Ignorant Deum , non tet , fi poflet , fine hac libidine lilios procreare : vt etiam in hoc fe - rendae prolis officio , fie eius menti , ea quae ad hoc opus creata funt , quemadmodiim caetera , fuis qiiaeque operibus diftributa mem - bra feruirent , nutu voluntatis aäa , non aeftu Iibidinis incitata ?
( E ) Die Mönche seines Ordens haben vre Freiheit erhalten , diesen heil . Nagelmaalen ein Fest zu fcyetn , uno Otts Amt da - bey ? u halten . ] Ma» sehe den Älcvran der Franciscaner , IB . 4 S . genfer Ausgabe , i ; 6o , in 8 . bey Conrad Badius , und die § © . Der fer Ausgabe 1578 , in 12 . bey Wilhelm von Laimaric : man wird darin - nen folgende sehr satirische Randglosse finden : die heil . Nägeln , aale dieses Abgottes betreffend , so sagen die Jacobiner , Saß ihm Gt . Dommicus , da ein Streit unter ihnen entstanden , dieselben mir einem Bratspieße gemacht , da er unter einem 2Mte verbor - gen war . Und auf diese Art lästern diese verfluchenswürdige Secren , eine die andere . Der Urheber dieser Note ist wenigstens we - gen einer Auslassungssünde strafbar . Er führet niemand an , welcher sagte , daß die Jacobiner dieses erzählen . Allein es ist so umvahrschem - lich , daß sie dieses jemals erzählet hätten , daß zwanzig Zeugen nicht über - flüßiq seyn würden , sie deswegen verdächtig zu machen .
Man merke , daß Jacob Faber von Etaples das Fest der Nägel - maale des Franciscus von Aßisis , als einen Aberglauben sehr frei ; dammet . Man sehe feine Auslegung über den 17 Vers des VI Cap . des Briefes Pauli an die Galater . Simon , Hiftoirc Critique des Comrnentat . du N . Teftam . ch . XXXIV , pag . 494 und 49s . führet die Worte Jacob Fabers an . Der Aberglaube dieses Festes hat etwas an - steckendes : er ist überaus vermögend , andächtige Seelen in eine Verbleit - dung zu stürzen , die Prediger werden an diesem Tage so entzückt , und brin - gen so schwülstige Erfindungen vor , daß sie in vieler Gehirne Entzückung und Schwärmerey säen ; und wenn sich ein gewisser Zufluß von Zwi - schensällen äußert , so kömmt dieser Saame zum keimen . Ich erin - nere mich einer Stelle Balzacs , die man gern lesen wird . ( Bs hat sich vor einiger 'Seit in einer Stadt in Spanien eine Gesellschaft An - - dächtige gefunden , welche so viele Stunden des Tages in tiefem Nachsenken stunden , und die Sorge für geringe Dinge fahren ließen , um in einem Hähern Leben , wie sie sagten , zuleben . Al , lein , was meiner ihr wohl , was daraus entstanden ist 1 Tausend häusliche Unordnungen , und tausend öffentliche Ausschweift»» , gen . Die leichtgläubigsten hielten Nadelstiche für heil . XVun - denzeichcn ; die demüthigsten hielten ihre Ehmänner für welt - lich ; die klügsten redeten mit ihren Gedanken , und machten aufhörlich wunderliche Geberden . Ja es kam so weit , daß , da im Monate May nur drev oder viere rasend geworden , man dasselbe Jahr für gut gehalten hat . Im III Buche seiner Briefe .
( ? ) Sie haben so viele unvernünftige Dinge von ihrem p & triarchen vorgegeben , daß sie ihn einem ungestümen - ter - - - von Spottereyen ausgescyr . ) Man darf nur das Buch ansehen , welches betitelt ist : Les Conformitez de la Vie de St . ' Francis a la vie de IESV - CHRIST , so wird man nicht nöthig haben , den Text dieser Anmerkung zu beweisen . Diejenigen , welche im XVI Jahrhunderte den Alcoran der Franciscaner zusammen getragen , haben ihre Materialien daraus genommen , und weiter nichts als Aus - züge desselben mit etlichen Noten herausgegeben . Sie haben sich der mayländischen Ausgabe von i ; io bedienet . Bermuthlich würden die Franciscaner ein wenig klüger gewesen seyn , wen» sie dasjenige voraus gesehen hatte» , was sich durch Luthers und Calvins Vermittelung eräu , get hat . Allein es waren diejenigen , welche sich wider die römische Kirche zu schreyen unterstanden hatten , schon vor so langer Zeit von der Macht des weltlichen Arms unterdrückt worden , daß man sich gar leicht überredete , es würden alle ihre Nachfolger ein gleiches Schicksal haben . Man hat sich be - trogen . Es erhob sich mitten im XVI Jahrh . eine große Kirchenqemein - schast . Diese große Gemeinschaft hat sich erhalten , und besteht noch ges Tages meinem so starken Zustande , daß sie sich furchtbar machen kann . Sie hat alle Gattungen von Federn im Ueberflusse gehabt , so daß man alle begangene Thvrheiten mit Geduld verschlucken müssen . Man hat - te den Unverstand begangen , den Druck des Buches von den Gleichförmig , keit^ zuzulassen , und also hat man auch die Strafe ausstehen müssen . Dieß ist keine Wunde , die so bald vorüber geht , als wenn man eine ganze Secte mit ihren Büchern ausrottet . Diejenigen , die diese Wun - de geschlagen , haben Schriftsteller wie Heu , und eine unendliche Menge von Büchervorräthen und Druckereyen .
( G ) Es ist außer Zweifel ein wenig Bosheit bey einigen von diesen Spöttereien . ^ In diesen Rang setze ich dasjenige , was ich oben von den Nägelmaalen des Franciscus von Aßisis gesaget habe . Man darf diese Stiche mit dem Bratspieße , die er von dem heil . DvminicuS empfangen , für nichts als ein boshaftiges und poßierliches Mährchen halten . Es hat jemand sich einen kurzweiligen Begriff von diesen zween Ordensstistern gemacht , indem er dichtet , daß sie sich eines Ta - ges bis aufs Schlagen gezankt , und da Franciscus sich unter ein Bette versteckt , der andere ihn , mit einem Bratspieße fünf bis sechsmal in den Leib gestochen : und hierauf hat einer die Spötterey sv weit getrieben , daß er gesager , es wären die Nägelmaale des Franciscus aus diesem Zanke entstanden . Gleichfalls fei ; e ich in diesen Rang folgende Spot - rerey des Aubigne in dem katholischen Glaubensbekenntnisse von Sanci I B . II Cap . „ Wenn irgend ein Bischof , oder ein Cardinal in seinen „ Edelknaben verliebt wird , so tröste er sich , nach dem Vorspiele des „ Franciscus , der seine Liebeshändel mit dem Bruder MaceuS heilig hält , „ und in der That haben sie ihreWuth vor dem Altarc gezeigt . Dasje - „ nige betreffend , was gemeldetes Buch saget , daß Franciscus , wenn er den „ Bruder Maceus angesehen , ganz im Feüer gestanden und öfters geseuf - „ >et : so hat er eines Tages , da er den Kelch , und der andere die Spühl - „ kännchen gehalten , für Liebeswuth entzückt ausgerufen , Praebe mihi „ te lpfum . , , Endlich setze ich in eben di»selbe Elasse , die Glossen Cor ? -
rads Badius , die ich anführen will . Ich will sie , so wie er , absonderlich fe> tzen : was den Text betrifft , der aus dem Buche der Gleichförmigkeiten ge - zogen ist , so wird man denselbm in dem Inhalte dieser Columne sehen . Man muß wissen , wie die heil . Clara Christo gewidmer undge« weihet worden ( * ) . Allein die Nacht nach dem Palmsonntage , da sie in einer erbaren Gesellschaft war , ist sie aus der Stadl Aßisis gegangen , und nach S . Maria der Engel , in das Kloster der Drüder gekommen , wo sie Franciscus und seine Gefährte» erwartet . Nachdem sie daselbst von dem heil . Franciscus und sei - nen Gefährten mit Ehren empfangen worden , so hat man sie vor den Altar der Jungfrau Maria geführt , und daselbst lich beschoren ; dann ihre weltlichen Rleider ausgesogen , und sie mir den Vrdenskleidern gepuyt : nachdem dieses geschehen , hat sie der h . Franciscus mit seinen Gefährten in das Rlostcrpaino geführt , welches iyo von seinem Orden , vormals aber von dem Äenedictinerorden gewesen ist . , - - Einsmals , da die heil . Clara , zum heil . Franciscus gesaget , daß sie üust mir ihm zu speisen hatte , so hat der beil . Franciscus durchaus nicht gewollt : weswegen er von seinen Ärüdern einen Verweis bekommen , und deswegen endlich darein gewilliger hat ( * * ) . Nachdem sie also in Begleitung einer ihrer Gespielinnen und zweener Ge - fährten des heil . Franciscus nach S . Maria der Engel gehom - mm , und ihreEhrerbierhung gegen den Altar der Jungfrau Ma - ria bezeuget , vor welchem sie dem - Herrn Christo vermählt wor - den : so ist sie an den Orr gegangen zu speisen , wo der heil . Fran« cistus die Mahlzeit aufder^Erde hatte zubereiten lassn . Starr des ersten Gerichts hat der heil . Franciscus so lieblich und hei» ! ig , so göttlich und erhaben , von Gott zu reden angefangen , daß er selbst , der gute - Heilige , sie beilige Clara und ihre Gespielinn , nebst den andern Vrüdern alle entzückt worden . Sogleich , da sie in diesem Zustande waren , und die Augen und - Hände gegen den - Himmel gekehrt hatten , ist ein großes Feuer über dem Rio« stcr dcr25rüder erschienen , und es Smchrerc sie , al» wenn der Or» nebst dein Ubalde in vollen Flammen stünde . Als die Einwoh« ner von Aßisis dieß gesehen , sind sie fleißig nach diesem Rloste» gelaufen , das Heuer zu loschen , und haben gefunden , daß nicht» darinnen beschädiget war , und daß die Brüder , und Sie h . Clara entzückt waren . - Hieraus haben sie erkannt , daß dieses Feuev göttlich gewesen , welches sichtbarlich erschienen war , diejenige» zu troffen , welche daselbff versammlet waren . - Hierdurch sinS sie hochlich erbauet worden . Allein Sa sie wieder zu sich selbst gekommen , fragten sie weiter nach keiner andern Speise , und die heil . Clara ist mir ihrer Gefahrrinn wieder in ihr Rloste» zurück gegangen . Alcoran des Lordeliers , Livr . II , p . 224 . der genfe» Ausgabe , von 1560 . Wenn man die Sachen ohne Vomrtheil nur cii» wenig untersuchet , so findet man in der letzten Glosse des Badius di» Allei frostigst» Unverschämtheit : es ist ein großes Feuer über dem Rloster erschienen , das heißt , es ist ein Gerücht entstanden , daß sich die Mönche in dem Aloster mit etlichen Nonnen ergetzten . Was ist dieß für eine Auslegung ? Heißt dieses nicht die Grundsätze der Na - turlehre des Anaragoras , in die Sittenlehre übertragen ' ! Quodlibet ex quolibet , quia quidlibet in quolibet . Auf solche Art kann man überall alles finden , was man will .
( * ) Hier ist die alte Wölfin» , die so viele andere geworfen hat ; al - lein es ist zu glauben , daß dieses murhwillige Weibesstück , mit diesem Hurenjäger Franciscus eine große Vertraulichkeit gehabt , welcher ( wie sie selbst in ihrem Buche sagen ) im äußersten Grade lüderlich , in allen Arte» der Liederlichkeit gewesen ist , im Tanzen , Spielen , Fressen und Sausen : und ich lasse jedem zu überlegen , ob die Hurerey nach geblie - ben , und zwar zuvor , ehe ihn der Satan erwäblt , das Zlerqerniß zu voll - bringen , welches die Christenheit verkehrt hat . Denn was ist dieß für eine Art , für ein Mägdchen von einem ehrbaren Hause , daß sie ohne Vorbewußc ihrer Aeltern des Nachts aus dem Hause geht , und gewisse mwerchlichte Mönche besucht , die hitziger , als unbändige Schscn , sind , und sich mit deissel - ben in solche Vertraulichkeit einläßt , daß sie alles mit ihr machen kön - nen , was sie wollen ? Scheren , nackend ausziehen , wieder ankleiden , hier ? auf zu ihrer Lust führen , und dieses alles unter dem Scheine der Heilig« keit ? Alcoran des Cordeliers , Livr . II , pag . 220 . der genfer Ausgabe von 1560 .
( * * ) Er hat hier oben gesaget , daß sie zwey und vierzig Jahre einge« schlössen gewesen , ohne aus dem Kloster zukommen . Das reime man nun zusammen ? Unterdessen erinnere man sich desjenigen , was ich an , gemerkt habe , daß , wenn diese Dinge alle wahr wären , man große Much - maßungen habe , es müsse Hurerey bey dieser Heiligkeit mir untergelau - fen seyn : denn was ist dieß für Ordnung , daß zwo Frauenspersonen , in der Rapuse mit zween Mönchen , von einem Orte zum andern , wegen einer Mahlzeit gehen ? Und woher ist dieser heil . Nonne die Lust ange - kommen , mit diesem lieben Pater zu schmausen , als daß sie zur Erneue , rung der vorigen Bekanntschaft mit ihm eines trinken wollen . Ebenda - selbst Seite .
( tt ) Er hat bey seinem Leben so viele Merkniaale der Aus - fchrveifung gegeben . ^ „ Derjenige , welcher Schnee zu seiner Frau „ und Töchtern gehabt , konnte wohl Schwalben nnd Heuschrecken zu sei - „ nen Schwestern , Hasen und Lämmer zu seinen Brüdern , haben . AI - „ so hat er diese Thiere genennt . Meine Schwestern , ihr Schmal« „ ben , ihr habet genug geschwant . Mein Äruder . du Hase , „ warum hast du dich so bekriegen lastend Singe , mcmeSchwe . „ sker , dn - Heuschrecke , und lobenden Schopfer . Er sagte zu einem „ Bauer , welcher zwey Lämmer aus seiner Achsel zu Markte getragen , „ warum marterst du meine Brüdet also ? Seine Barmherzigkeit har sich „ sogar auf die Läuse und Würmer erstreckt , die er zu tobten nicht erlauben „ wollte , weil im 21 Psalm geschrieben steht : Ich bin ein U ? urm und „ kein Mensch . - - . . Er selbst hat a» einem Orte Nuceria ge - „ nannt , den ältesten Sohn eines Arztes getödtet , damit er das Ber« „ gnügen haben wollen , ihn wieder zu erwecken . „ Jinrieu , Apologie poiir les Reformateurs , chap . I , pag - 52 , 53 - der Ouartausgabe . Man vergleiche diese Stelle des Jurieu mit derjenigen , die ich aus dem Fer - rand anführen will , so wird man sehen , welche Geschichte man für streitig halten kann . Es sind diejenigen , welche Ferrand nicht leugnen darf . Ich übergehe hier , so redet er , Rcponfe a 1' Apologie poiir la Re'formation , pag . ? 5<5 , Z57 - diejenigen Dinge , die nichts ztir Sache dienen oder offenbar falsch sind , als zum E . rempcl sie
Karm>

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