Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9252

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Franciscus .
mitäten vorwirst . Sie sind nicht die einzigen ^ die nicht Unrecht haben wollen : die Jesuiten unternehmen gleichfalls die Venheidigung von der Schrift des Bartholomaus von Pisa , wenn dieselbe von den Protestanten angegriffen wird ( L ) . Man hat so gar die Layen für eine solche Sache die Feder wider den resormirten Prediger Du Moulin ergreifen sehen ( M ) ; «6 ist ihnen gegangen , wie sie es verdienet haben . Dem sey , wie ihm wolle , so fahren^ die Francifcaner fort , abgeschmackte Dinge von ihrem Stifter zu predigen . Man würde alles dieses viel umständlicher wissen , wenn alle Prälaten so wachsam und so standhaft waren , als der Erzbischof von Reims ( ^ ) . Ich will noch von einer andern Sache reden . Franciscus von Aßisis hat einen Orden gestiftet , der in weniger Zeit sehr ansehnlich geworden , und dem Pabstthume sehr große Dienste geleistet hat . Es hat darinnen einige Päbste , viel Cardinäle , und eine gute Anzahl Prälaten und berühmte Schriftsteller gegchen . Man sieht hiervon eine umständliche Beschreibung in der Auslegung des Heinrich Sedulius , eines flamändischen Franciscaners , über das Leben des heil . Franciscus , vom heil . Bonaventura aufgesetzt s , und eine sehr große umständliche bung in den Jahrbüchern des Ordens , vom Lucas Waddingus , einem inländischen Francifcaner verfertiget , der auch einen Band von den Schriftstellern der Francifcaner gemacht hat . Dieser Orden ist in verschiedene Gemeinen eingetheilt , da - von einige strenger , als die andern sind^ und alle vollkommene Erben des alten Nacheifers , der sich gar bald unter den Kindern des he«l . Franciscus , und den Söhnen des heil . Dominicus blicken ließ . Dieser Nacheifer hat sie nicht allein über etliche Religionsmaterien , als , z . E . der Streit wegen der unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria ist , sondern auch über unzählige philosophische Fragen getheilet . Der Widerspruch unter den Scotisten und Thomisten , deren jene^Francis - caner , und diese Dominicaner sind , ist so groß , als ehmals der Platoniker und Periparetiker ihrer gewesen . Ich über - gehe die Streitigkeit , ivelche lange Zeit unter den Franciscanermönchen geherrschet , und ihren Obern und Pabsten viel zu schaffen gemacht hat ; ob er gleich nur eine Alsanzerey , nämlich die Form der Kappen u . d . g . betraf . Gentillet erzählet die - ses sehr kurzweilig A . Nicolle redet in einem von seinen erdichteren Briefen auch davon . Uebrigens ist der Heilige , von dem ich in diesem Artikel rede , Francojo , Franciscus darum genennt worden , weil sein Vater nach Frankreich gehandelt harte
« ) Spondanus aufs ItOgJahr , Num . ? . b~ ) Bonaucntiira , in Vita Sanctt Francifci . <7 ) Spondanus , aufs IZ2Z Jahr , Num . II . d~ ) Ebenders . aufs 1226 Jahr , Num . il . e ) Siehe die Stelle des Rivet in der Anmerkung ( I ) . / ) Der Urheber des Buches von den Consormiräte» , als dem Grundezu der Satire , der Alcoran der Francifcaner betitelt . Zu Antwerpen im >597 Jahre in» gedruckt . In der Borrede des II Buches seiner Staatsdiscurse wider den Nicolaus Machiavell . / ' ) Volaterr . Libr . XXi , pag . ro . 761 .
( A ) Franciscus hat alles , was er am JLeibe trug , aucl ) das - Hemde nicht davon ausgenommen , ausgezogen . ^ Man sehe , auf was für Art sich Fcrrand bemüht hat , auf Unkosten des Propheten Davids diesen neuen Heiligen zu rechtfettigen : Micbal , Davids ( Sa mahlinn , saget er Deponie ! > 1 Apologie pour la Reformation , pag .
364 , 36s . da sie ihren Gemahl durchs Fenster gesehen , welcher aus einem h . Eifer getrieben , vor Oer Ä . ade des ÄunVes gchüpfet unv getankt , bar ihn in ihrem - Herzen Venselben verachtet , - - - und sponweise zu ihmgesagcr : wie groß ist die Ehre , die sich der König von Israel beute erworben , da er sich vor den Mägden seiner Unrerchanen entblößet , und sich wie ein Unzüchtiger nackend ausgezogen .
Diese letzten rvorte Vcs Textes scheinen zu zeigen , daß sich Da« vid ganz nackend ausgezogen : wie aber eben dieser Text ( 23 . 14 . )
Sa er von des Davids Tanze vor der ÄunOeslade redet , sager : daß er mir einem leinenen ^ . eibrocke bekleidet geroesen , so deucht mir nicht , daß er sich ganz nackend ausgezogen hat . Allein er hat sich in so weit ausgezogen , daß er wie nackend geschienen ; und daß dieses der Srnstbaftigt'eit und Majestät eines Romge» zuwider gewesen : um so vielmehr , da solches öffentlich und vor einer großen Menqe von Leuten geschehen . Die Thar Da - vids mir allen diesen Umständen begleitet , ist nicht viel besser , als des heil . Franciscus seine , die nicht viel Zuschauer gehabt : so daß wenn die eine Thal Tadel verdienet , die andere gleichfalls nicht davon abgenommen feyrt kann ; wir lesen auch , daß Michal darüber gespottet . Allein wir wollen sehen , ob auch der heil .
Geist darüber gespottet hat , und dann wollen wir urrheilen , ob man die Thal des heil . Franciscus verspolten muß . Hierauf er -
e
. . hlet er dasjenige , was David der Michal geantwvrrel , und was die ■eil . Schrift wegen der Unfruchtbarkeit dieser Frau beobachtet . Ich werde mich gleichfalls Ferrands Worte bedienen , die Blöße des Fran - cifcu« von Aßisis zu erklären , und solchergestalt werde ich nicht Ursache liaben , den Vorwurf ju befurchten , den er seinem Gegner gemacht bat Er beschuldiget den Jurieu , er habe bey Erzählung der Thaten
desFrancifcus von Aßisis unredlich gehandelt , und ihm einige Unrich , tigkeiten , außer den zwoen beygemessen , die man in der Anmerkung ( H ) fehen wird . Fcrrand , Reponfe a 1'Apologie pour la Reformation , pag . . 361 , 362 , 363 . „ Dasjenige betreffend , was der Veitheidiger von ' em Ausziehen bemerket , welches der heil . Franciscus mit seinen Klei -
„ dem Ausziehen bemerket , . . .
„ dem vorgenommen , so will ich die Sache auf die Art erzählen , wie „ sie der heil . Bonaventura beschreibt . - - - - Dieser indische und „ fleischliche Vater ( Tentabat deinde pater carnis , etc . saget der heil . Bonaventura , wenn er von dem Barer des heil . Franciscus redet , ) „ nachdem er dem Sohne der Gnaden das Geld genommen hatte , hat sich „ angelegen seyn lassen , ihn vor den Bischof der Stadt zu führen , damit „ er in seine Hände sich von allen väterlichen Gütern lossagen , und alles „ was er hatte wieder geben möchte . Franciscus hat dieses gerhan , und „ hat auch seinem Vater seine Kleider wieder gegeben , unter welchen , man ein härnes Hemde gefunden . womit er sein Fleisch gekasteyet . Hierauf ( infuper ex admirando feruore . ) hat er aus Antrieb eine« " wunderbaren Eifers des Geistes , davon er berauscht gewesen , sich ganz " nackend vor allen Anwesenden ausgezogen , und seinen Vater also an - " aeredet - bis hieber habe ich euch meinen Vater auf der Welt genennt ; " allein in Zukunft werde ich mitSicherheit sagen können , ( Matth . am " vi 9 ~ ) unser Vater ist in dem - Himmel , weil ich allen meinen »Reichthum , und alles mein Vertrauen auf ihngesetzt habe . Als der ' . Bischof einen so vortrefflichen Eifer in dem Manne Gottes gesehen „ und bewundert , so ist er von seinem Stuhle ausgestanden , und Halden „ Franciscus nach seiner Gottesfurcht und Gütigkeir mit thränenden „ Augen in feine Arme genommen , und mit seinem Mantel bedeckt . . ,
( B ) Da« Feuer der unreinen - L . iebe zu dampfen , hat er sich auf dem iLise und im Schnee herum gewalzr . ^^Wir wollen uns noch Ferrands Übersetzung bedienen . „ Der selige Franciscus ( säget „ der heil . Bonaventura ) hat sich zu Anfange seiner Bekehrung im „ Winter öfters in einen mit Eis angefüllten Graben gestürzt , den „ Hallsfeind völlig zu überwinden ; «nd das weiße Kleid der Keuschheit „ vor dem Brande der Wollust zu verwahren . Er bat versichert , daß „ ein geistlicher Mensch eine große Kälte an seinem Fleische unvergleich - „ lich lieber ausstünde , als daß er die geringste Hitze der fleischlichen „ Wollust in seiner Seele empfände . Als er eines Tages von einer „ großen Versuchung de« Fleische« angegriffen worden , so hat er sich
„ entkleidet , und sich eine scharfe Disciplin gegeben . Hierauf hat er „ von einem unvergleichlichen Eifer des Geistes aufgemuntert , feine Zelle „ eröffnet , und ist in einen Gatten gegangen , allwo er , nachdem er feinen „ ganz nackenden Körper in einem großen Schnee herum gewalzt , sieben „ Bälle davon gemacht , und seinen äußerlichen Mensel , en , mit Ansehung „ derselben , also angeredet . Der größte von diesen Bällen ist deine Eh» „ ftau : die andern vier sind deine zweene Sohne und zwo Töchter . „ Andere zweene sind dein Knecht , und deine Magd , die du zu deinem „ Dienste nöthighast . Eile also , sie zu kleiden ; denn sie sterben vor Kälte . „ Machet dir die große Beschwerlichkeit , die sie dir verursache» ! , Verdruß , „ so diene einem einzigen Gott sorgfältig^ DerTeufet , welcher den heil . „ Franciscus versucht' , hat so gleich , als überwunden , die Flucht genom« „ mm , unv der heil . Mann ist sieghaft in feine Zelle zurück gekehrt . „ Denn iveil er äußerlich eine große Kälte erlitten , so hat er innerlich die „ Flammen der bösen Lust dermaßen ausgelöscht , daß er seit diesem nicht „ den geringsten Anfall davon gehabt . , . Ebendaf . 368S
( C ) i nee glacialem in hyeme rigorem , nec aeftate nebulas ex locis paluftribus halantes , curans : noctes durabat inof . fenfus . Finis duntaxat percantati Pfalterii terminum imponebat la - bori . . . . Inter haec praedarani hominis confcicntiam deferi . bere pene verecundaretnr oratio ; nifi eilet in faäo gloriofae viöo - riae occafio . Si quando enim ftimulo corporis amnioneretiir ; non fokim illecebrae denegabaf effedhim , fed alias infolitum reportabat triumphum . Neque tunc confortium foeminarum repudiabat ; vt caeteri , qui ex opportunitate tiinent prolabi . Immo vero vel afli - dens vel eubitans aliquant detinebat ; quoad carnis tepefeente lubri - co , quieto et inmioto difeederet animo . Derideri fe videtnr Dia - bolus , cernens adhaerentem foeniinam , virumque alias auocato mo infiftenteni cantando Plälterio . Valefaciebat ille mtilieri faluo pudore , illaela caftitate . Refidebat carnis incommodum : dolebat nequam fpiritns , defe agitari Iudibrium . VVilhelmiis Malmesbur . in Vita Aldhelmi , apiid Angliam Sacram , Part . II , pag . iz . Allein hier ist eine Umschreibung des TexlS voller uiu , achahmlichen Annehmlichkeiten . „ Der heil . Aldhelm ist ein englischer Mönch im VlIIJahrhundertege - „ wesen , den seine Wissenschaft und Gottesfurcht zur bischöflichen Wurde „ erhoben haben . Der größte Glanz seiner Heiligkeit ist eine unver - „ letzliche Keuschheit gewesen , die um so vielmehr zu bewundern war , weil „ sie ihm bitzige Kämpfe gekoster hatte : denn der Verfasser seine« Le . „ bens erzählet , daß er sich ins Wasser oder in den Schnee getaucht , um die „ Flamm« , der bösen Lust zu dämpfen ; das Uebel muß sehr hästig ge - „ wejen seyn . daß er zu einem so gewaltsamen Hnlssmittel Zufluchr ge , „ nommen . Nichts destoweniger hat er dieses aufrührische Fleisch dermaßen „ gedam pftr , daß auch die Gegeiiwatt der allerschönsten Mägdchen fein Ge - „ wissen nicht mehr beunruhiget . Er hat seinen Sieg noch viel weiter getrie» „ ben , indem er bep einem jungen Magdchen geschlafen : damit er über „ die allergefährlichsten Versuchungen den Sieg erhalten wollen , ben wel« „ chen sich die allergrößten Heiligen vielleicht verwirrt finden würden . „ Alle andern würden bey einem so kützlichen Umstände vielen Zerstreu , „ ungen unterworfen gewesen seyn : er hingegen hat den ganzen Psalter „ nach der Ordnung hergesaget . und sein - Herz bat lauter himmlische Be - „ wegungen empftinden . Hier , saget er , babe der Teufel vor Wiith mik „ den Zähnen geknirscht , da er ihn der Gefahr Trotz bicthen , und seine „ Tugend bey einer Gelegenheit bekräftiget gesehen , wo sie gemeiniglich „ unterliegt . Gleichwohl hat der P . Henfcheniu« den Heiligen von „ beyderley Geschlecht ? unserer Zeit nicht rächen wollen , die Tugend in „ dergleichen Versuchungen zu wagen . Er hält daft'lr , daß dieses ein
Erempe

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