Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9238

; 6»
Frachetta . Franc .
k> - 8 . zo» . Der P . THeophilus Raynüud , der so belesen war , hat wohl nicht gewußt , daß die Meuchelmörder unsers Mannes auf Befehl der Gerichten gestraft worden , woran nian nicht zweifeln kann , wenn inan dasjenige weis , was Foulques geschrieben hat . Dieser Jesuit hat sich dieses Briefes des Foulques nicht erinnert , weil er saget , daß die Strafe derjenigen , die denAbälard verstümmelt , eben so strafbar , als ihre That gewesen , wenn sie ohne obrigkeitlich Gewalt gestraft worden Petrus Abaelardus - - - priuata aucforitate eft euiratus , quam fuifle vindickam illicitam eft nianifeftum . Et aeque nefaria fuit , fi priuata autoritate faöa eft , repenfa executoribus trucis illius vltio - nisexoculatio fimul et exfeöio . Theophil . Raynatidus , de Eunuchis , pag . m . 75 . Vielleicht werde ich an einem andern One von der Strafe reden , wozu die Buhler der drey Schwiegertöchter des Königes Philipps des schönen verdammt worden . Man hat ihnen dieGeburtsglieder abge - schnitten , und sie nach diesem geschunden . Guaguin , Lib . VII . fol . in . 129 . * - « - Ich kann nicht unterlassen , bey diesen und einigen vorhergehen - den Artikeln , auch dem bald folgenden , theils meine Verwunderung , theils auch meinen Ekel und Abscheu zu bezeugen ; daß Herr Bayle sich nicht geschämet , so viele Unflätereyen , aus alten und neuen Schriftstellern , mühsam zu sammlen . und sie bey einer Gelegenheit , die er bey den Haaren herzuziehen müssen , so verschwenderisch an - zubringen , daß auch ein mittelmäßig ehrbarer und tugendhafter Leser es nicht ohne Greuel und Aergerniß ansehen kann . Man darf nämlich von keiner verstellten Heiligkeit oder Heucheley sein Handwerk machen , um an allen den Abschenlichkeiten einen Ekel zu empfinden , die in diesen Artikeln so häufig verkommen : und so ge - neigt man auch ist , von andern , zumal Verstorbenen , ein gelindes Urtheil wegen ihrer Sitten zu fällen , sowenig kann man sich ent - halten , zu glauben ; ein Schristeller , der alle diese schlüpfrigen und geilen Untersuchungen so mühsam anstellet , müsse ein besonderes Wohlgefallen an solchen Leckerbissen gehabt haben . Wir gründen uns auf das gemeine Sprüchworr : Wessen das Herz voll ist , dessen geht der Mund über . Will uns Herr Bayle mit der kahlen Ent - schuldigung Catulls begegnen :
Caftum decet efie pium Poetam ,
Verficulos , nihil necefie eft .
So werde ich ihm aus ftinem eigenen Landsmanns dem Boilea» antworten :
Que votre ame et vos mceiir» , peints dam tous vo« ouvrages ,
N'otFrent jatnais de vous , que de nobles itnages !
Je ne puis eftimer ces dangereux Auteurs ,
Qui del'honneur - - infames defcrteurs .
Trahiflänt la vertu fur un papier coupable
Aux yeux de leurs Ledteurs rendent le vice abnable .
Da nun dieser gewissenhafte Poet , auch von den theatralischen Dichtern , denen er in seiner Art poetique diese Vorschrift giebr , nicht erlaubt , Possen zu reiße« / und Unfläcereyen zu sagen , indem er ihnen zuruft :
J'aime fur le Theatre un agreable Auteur Qlii , fans fe diffamer aux yeux du Speftateur ,
Plait par la Raifon feule , et jamais ne la choque .
Mais , pour un faux Plaifant , a grofliere equivoque Qiii pour nie divertir n'a que la falete' :
Qii'il s'en aille s'il veut , fur deux tretaux monte , Amufant le pont - neuf de fes fornettes fades AuxLaquais aflemble's jouer fes Mafquerades .
Wie vielmehr wird man nicht einem Weltweiscn undGeschichtkun - digen , diese Regel geben können ? Die Geschichte Abälards was uns schon in dem Artikel desselben bekannt genug geworden , und wir hätten uns also ohne alle die schmutzigen Untersuchungen dieses Artikels Foulques behelfen können ; deiin was lernet man daraus mißliches , a ! s daß Herr Bayle , den allerverderbtestenGemüthernzu gefallen , Zoten gerissen , nnd alles garstige Zeug gelesen , was in weit« lichen und geistlichenScribenten nur anzutreffen ist . Der Kirchenrath zu Rotterdam , der wider den Artikel David einen billigen Ernst bewie - sen . daß ihn Herr Bayle ändern müssen , hat seine Pflicht nur halb be - obachtet , da er ihn nicht genöthiget , auch diesen abscheulichen Artikel Foulques ganz auszulassen . Eine Kehcrey wider Cic guten Sitten , schadet oft der Seligkeit der Menschen weit mehr , a . 6 eine Ketzere ? wider die Glaubenslehren . G .
machet
Könige „ rr WWW _ . . . . . . . . . . . . . .
er sehr wohl ausgerichtet hat ; allein , bey allem diesem hat es sehr wenig gefehler , daß er nicht durch die Verfolgungen , die man wider ihn gemacht , gar in Lebensgefahr gekommen wäre . Er flüchtete nach Neapolis ; lind gab seine Unschuld , der eö nicht an Beschützern fehlte , an dem spanischen Hose zu erkennen , welcher dem Grafen von Benevento , Unterkönige von Neapolis , Befehl gab , ihn als einen sehr getreuen Diener bey Gelegenheit zu befordern . Dieses wurde solcher gestalt auSgeführet , daß Frachetta sehr rühmlich und mit einem anstandigen Gehalte ju Neapolis gelebt hat fl . Ich weis nicht , worauf man sich in dem Moreri gründet , daß fein unbesonnener Eifer »hm verdrußliche Händel zugezogen ; denn Ghilini , der einzige Schrift fiel« ler , den man anführet , saget nichtö davon .
« ) Ghilini , Tom . I , p . 120 , 121 .
( A ) hat sich durch seine rverke von Oer Staatskunst be - rühmt gcnrachr . ] Das wichtigste unter allen ist dasjenige , welches den Titel hat : il Seminario de' Governi di Stato , et di Guerra . Er hat darinnen unter no Caplteln ungefehr achttausend Staats - nnd Kriegsmaximen zusammen getragen , die aus den besten Schriftstellern gezogen sind ; und er hat jedem Capitel einen DiseurS beygefügt , der ihm statt der Auslegung dienet . Die Ausgabe dieses Werkes ist wenigstens »weymal von seinem Urheber besorget worden . Es «stauch im 1647 Jahre zu Venedig , und im 1648 Jahre zu Genua in 4 wiedergedruckt worden , und man hat il Principe eben dieses Scribenten dazu gefügt , nel quäle fi confidera il Principe et quanto al Governo dello Stato , et quanto al manegio della Guerra . Dieses letztere Werk war zu Vene - big appreffo Gio . Battifta Ciotti im 1599 Jahre in g gedruckt worden ,
und ist eine von dem Urheber verbesserte und vermehrte Ausgabe qcws - sen . Die erste Ausgabe davon war ohne Zweifel im 1597 Jahre gemacht worden ; denn die Zueignungsschrift ist zu Rem den 7 des Wintermo» natS in demselben Jahre unterschrieben . Sie belehret uns , daß Fra - chetta die Verfertigung dieses Buches . wegen einer Unterredung nommen , in welcher der Herzog von Sesia unter andern Dingen gesagt hatte : eö wäre eben so wichtig , als schwer , den Fürsten die Wahrheit von demjenigen zu erkennen zn geben , was in ihren Staaten vorgienge . Wir wollen bemerken , daß er , ehe er il Seminario de Governi herausgegeben , einen allgemeinen Begriff davon im 1592 Jahre bekannt gemachet hat . Seine andern Schriften sind : Difeorfo della Ragione di Stato : feorfo della ragione di Guerra : Efpofizione di tutta l'Opera di Liu crezio , Theatre de Ghilini , Part . I , p . 121 .
Franc ( Martin ) Probst und Domherr zu Lausanne , und Secretar des Pabstes Felix des V , und des PabsteS Nico - laus des V , blühte gegen die Mitte des XV Jahrhunderts . Er war einer von den oesten französischen Poereil derselben Zeit . Er hat ein Gedichte wider den Roman von der Rose geschrieben , lind ihn Le Champion des Dames betitelt . Man findet viel Verse darin , , eil , die Päbstiim Johanna betreffend ( A ) . Mich dünkt nicht , daß David Blondel diesen Schriftsteller in das Verzeichnis derjenigen Scribenten gesetzt hat , welche die Geschichte dieser Pabstinn bejahet haben . Dieses wäre nicht der erste , den er vergessen hätte ( B ) . Man ist wegen des Vaterlandes des Martin Franc nicht einig ( C ) . Sein Efirif de fortune et de vertu » , zu Paris im 1505 Jahre gedruckt , ist theils in Prosa , theils in Versen .
< * ) La Croix du Maine p . 314 .
( A ) Man findet in feinem Champion desDanies viele Verse , die üäbfiinn Johanna betreffend . ] Ich will hier einige abschreiben , in der Versicherung , daß ich vielen Leuren einen Gefallen erweisen werde . Allein ick muß erinnern , daß das Werk ein Gespräche zwischen den Wi - dersächern der Damen nnd ihrem Verfechter . st 2^ , emae . was hier lesen wird , ist ein Einwurf , der aus der Historie der Pabstinn & ums " mmm ift , »»»
Jo -
Tu fcais qu elle feeut tant de lettre , . Du weist daß sie gelehrt gewesen , H Daß man sie diexfals Werth geacht
Zur Oberpriesterinn gemacht . Wie trefflich wohl har sie studiert ! O was für Lob bar sie gegiert !
Que pour fon fens on la crea Papetie et Preftrefle des Preftres O comme bien eftudia' . O grande loiiange fi a !
Femme fe diflimula homrne Et fa nature regnia ,
Pour devenir Pape de Roine .
ObcnoiftDieu ! comme oft femme O Gott , ein Weib ist Tb verwegen , Veltir chafublc et chanter Meffe : Daß sie als Prieiter Messe l est : O femme ultrageufe et infame 5 Ö arger Schandbalg der du bist , Commenteuft eile la hardieffe , Wie kömmt dir diese Tollheit ein . De fe faire Pape et Papefle ? DaS du willst Pabst Ulid Pabstinn
Lomment endura Dieu , comment , fcpil ?
Que femme ribaulde et Preftrefle Wie duldet ©Ott , wie giebt er zu , Luft I'Lglife en Louvcrncnicnt ? Daß eine Priesterinn und Hure Die Kirche so regiert in Ruh ?
O 2>u Verdier Vau Privas bemerket das - 5 , 9 Jahr .
Lors le monde eftoit bien nouvel : DieWelt war damals in derJugeud , Vire l'on peut qii'il ne tenoit Man konnte sagen , daß ihr Gut Siiion a la queiie d un vel , Auf einem Schleyer bloß beruht , Pm« que femme le gouvernoit . Weil damals sie ein Weib regiert . Merveille eftoit que ne tonrncüt Zu wundern , daß man nicht gespürt , nf™ qi . 'e pour venge , ncnt Wie sich der Himmel umgekehrt . D«eu für la terre ne venoit Und Gott zur wohlverdienten Rache Ten . r fon crue , ugement . Sein Strafgerichte vorgekehrt .
v P " " ir , Allein er eilt nicht mit der Strafe , F ? nmnH nn , ° " " ^nde , Er wartet auf die Besserung . Lt quand on nc peut revenir Und wenn er endlich lang gciung A raifon , combien qu' , attende , Auf selbige umsonst gehofft , wertes e eft loree qu'ft entende So ist es mehr , als allzuoft .
Daß er mir Zwang zur Strafe eilt , lind sich zu dem Gerichte wei det , Mit den , er langer nicht verweilt .
EinWeib vezstellt sich als einMann , Und leugnet ihr natürlich Wesen , Daß sie inRom Pabst werden kann
A donner fa punition ,
Ft qu'a juitice fon droit rendc Sans plus longiie remiffion .
Ainli tousjours pas n endura Que TEglife fuft abufe'e De celle qui trop y dura ? Car fa fraude tut eneufee ; Ovengeance bien advife'e ! I . a faii'cte Papefle enfanta , Nonques plus la putain rufee A l'autel iaüict Pierre chanta .
Er wird also nicht immer leiden , Daß d>e die Kirche so bekriegt . Die mehr als allzulang gesiegt , Denn ihr Betrug wird offenbar ; O Rache , die höchst „ othjg war ! Die he . lge Pöbstinn kriegt ein Kind , Daj ; man die H „ re beym Altare ««cht mehr die Messe singend fjndt .

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