Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9216

524 Foulques .
erwischt , das Werkzeug ihres Verbrechens im Stiche gelassen haben .
Plaurus in Poenul . Sc . II , Art . IV , v . 40 , laßt seinen SyncerastuS also reden :
. . . Syn . Facio quod manifefto hi moechi haud ferme folent Mi . Quid id eit ? Syn , Refero vafa fälua ,
Das heißt : Ich thue etwas , was den Ehbrechem nicht gewöhnlich ist . ffii . En was ? S / n . Ich bringe meine Glieder in gutem Stande zu - rück . Ich bediene mich der Uebersetzung Dariers , welcher diese Stelle in seinerNote über eine Stelle des Horaz anführet , wo von eben dieser Gattung der Strafe geredet wird .
Quin etiam illud Accidit , vt ctiidam teftes , caudamque falacem Demeteret ferrum . Horat . Sat . II . Lib . I . v . 44 .
Der Pcriplectomenes desselben Plautus in Milit . glor . Seen . vlt . v . 5 , will nicht allein mit dem Rodomonr also »erfahren , sondern er will ihm auch die abgeschnittenen Stücke , als ein kindisches Spielwerk um den Hals hängen :
Vide , vt tibi iftic fit acutus , CARIO , culter probe .
CA . Quin iamdudum geftit nioecho hoc abdomen adimere ,
Vt faciam quafi puero , in collo pendeant crepundia
T E . Cur es aufus fubagitare alienam vxorem ? impudens ?
Terenz hat in Eunuch . A<ä . V , Sc . V , v . 3 , nur gesagt , daß man den Schuldigen bereits gebunden , und im Begriffe gestanden , die Strafe der Ehbrecher an ihm auszuüben ; allein , er jaget nicht , was eS ist ; entweder , weil er sittsamer als Plautus gewesen , oder , weil er eine Magd reden läßt . Man hat es aber wohl verstanden .
. . . Vt ne viderem , raifera huc effugi fora» .
Qiiae fiitura exempla dicunt in eum indigna - - . . . . Colligauit primum eum iniferis modis - - • . . . Nunc minatur porro feie id quod moechis folet :
Quod ego nunquain vidi fieri , neque velim .
Man sehe in dem Valerius Maximus Libr . VI , cap I , num . >z , zwey Erempel dieser Züchtigung . Nach den Gesetzen der Aegyptier ( Diod .
Siculus , Libr . I . cap , LXXVIII ) war eS die Strafe derjenigen , welche eine Frau norhzuchtigten . Zonaras erzählet , daß der Kaiser Jusiinianu« diejenigen zu der Strafe verdanimete , welche die Sünde wider die Na -
tur begiengen . In eos Iuftinianus poenam plane conuenientem fta - tiiit . Nam qua parte erant tam ignominiofi , hac eos priuari impe - rabat , vt Zonaras prodidit . Quid enim ? ( aiebat ) fi facrilegium
commififlent , nonne eis manus amputaflem ? Salmuth . in Pancirol - Juni Rerum Memorabil . Part . II , pag . m . 86 . Was , sagte er , wenn sie einen Kirchenralib begangen hatten , sollte ich sie nicht verdammet haben , die Hände zu verliehren 1 Die Strafe schickte sich gut zum Fehler . Ein Liebhaber , der mit heiler Haut davon kommen konnte , war im Stande , des andern Tages wieder zu kommen ; er machet es , wie jene flüchtige Soldaten , von welchen man gesagt , daß sie ein andermal wiederum fech , ten : diesem zu begegnen , so kam man auf das Abschneiden , i $r6ym riMv Vir , qui fugitrurfum integrabit praelium .
Demosthenes führet diesen Vers an , wenn man ihm seine Flucht vorwirft . Siebe im Aulus Gellius , XVII B . XXI Cap .
Salmuth . in Pancirol . Rerum Memor . Part . II , pag . 86 führet ein ffei * nes Sinngedichte Martials an , wo man eine« EhmannS spotter , der dem Buhler seiner Ehsrau die Nase hatte absckneiden lassen : dadurch hat er nichts verlohren , sagte man zu ihm , mit derNase hat er euch nicht beleidiget . Quis tibi perfuafit nares abfeindere nioecho I
Non hac peccatuin eft parte , rnarite , tibi .
Stulte , quid egifti ? nihil hie tua perdidit vxor ,
Cum fit fälua fui mentula Deiphobi .
Mart . Epigrani . LXXXV , Libri III .
Sin Poet des XVIJahrhunderts hat seine Muse über einen dergleichen Gedanken geübt ; aber cr verwechselt die Umstände der That - Dieses ist sein Sinngedichte :
De marito , cuius moeeba erat caniux .
Cum moecha fenfit moechum dormire maritui ,
Extemplo vxori conftniit ille dolos .
Nofte femel media repetens fua liinina , moechun» Cum moecha in tepido confpicit efle toro .
Diftringitgladium , moechae duo brachia feindit ,
Atqne duos moechi diflecat enfe pedes .
Non fic debuerat facimis pnnire nephandum :
Pars , qua peccatum eft , haec refecanda fuit .
Io . Vulteius , Epigram . Libr . II , p . m . > ; 6 .
( H ) Man bat dem Adälard den Antheil vorgestellt , welchen - - - alle Geistliche zu pari ! ? an seinem Unjkerne genommen . ] Nichts beweist die außerordentliche Hochachttmg mehr , worinnen dieser Philosoph gewesen . Ohne Zweifel ist in dem Briefe unseres Foulques viel Vergrößerung : denn wenn man ihm glauben will , so müßte man sich vorstellen , daß sich fast die ganze Stadt Paris über den Verlust der Schaniglieder Peter Abälards betrübt und gekränkt hat . Der Tröster zieht aus dieser öffentlichen Trauer einen seiner guten Gründe : als wenn dieses Zuneiguuqsmerkmaal der Pariser mehr Werth wäre , als alles , wasAbälard verlohren hatte . Tantus omnium luöus extitit , vt lius mihi videaris te debere velle periifle , quam feruafle quodperiit . Felix fe nefeit amari . Pene tota ciuitas in tuo dolore contabuit . Habes arrham verae dile & ionis in te ; quam fi prius agnouifle« , nullas , meo iudicio , diuitias illi comparabilts aeftimares . Ich glaube nicht , daß der Verschnittene eine große Befriedigung hieraus gezogen haben wird , und ohne Zweifel würde er lieber die Freundschaft seine ganze benszeit nicht haben wissen wollen , die man in Paris gegen ihn hatte , als daß er sie um solchen Preis erkaufen müssen . Dieses wäre solchen Leuten gut zu sagen gewesen , die diese« Glied unbrauchbar hätten liegen lassen : Allein Abälard pflegte e« tapser zu brauchen , und zog gute Ein - künste davon , und wollte dasselbe beständig gut aubnuqni . Dem sey wie ihm wolle , hier sind die Worte desTroster« . Plangit hoc tuuna
vulnus et damnum venerabilis Epifcopi benignitas , qui quantum Ii - cuit vacare iuftitiae ftiiduit . Plangit liberalium Caiionicorum ac nobilium Clericorum multitudo . Plangunt eines ciuitatis hoc dede - cus reputantes , et dolentes fuam vrbem tui sanguinis effufione vio - lari . Man sehe das übrige in der folgenden Anmerkung . Man sehe auch die Anmerkung ( N ) des Artikels - Hcloise . Ich habe daselbst jenige angeführet , was Abälard selbst von der Betrübniß gesagt hat , die ihm sein Zufall verursachte .
( S ) Und vas rvehklagen der Frauen ] Sie haben so heiße Thränen vergossen , als wenn jede davon in einer Schlacht einen Mann oder Liebhaber verlohren hätte . Es war kein Mann todtgeschlagen worden , das ist wahr ; allein , sie hatten ihren Ritter verlohren . Foul« ques redet aus diese Art : Quid fingulamm feminarum referam plan - öum , quae , fic hoc audito , lachrymis , more femineo , ora rigarunt propter teMlLiTEM swm , quem ainiferant , ac fi fingulae vi . mm fuum aut amicum forte belli reperifient extindhim ? Sie ten ihrenAdonis verlohren , ihreThränen mußten also viel kräftiger seyn , als jener Frauen des Alterthums ihre , welche alle Jahre das Gedächtnis der Trauer der Venus , über den Tod des Adonis , seyerten ; welchem nach einiger Meynung , eben dergleichen Unglück , als dem Peter Abälard be , gegnct war , plangentes Adonidem , Ezechiel VIII , 34 . Mir deucht , der Tröster hätte diese Sache nicht berühren sollen , dieß war ganz und gar nicht geschickt zu seinem Vorhaben , lind mußte das Misvergnügen des unglücklichen Abälards aus zwoen unüberwindlichen Ursachen vcrmeh - ren : denn erstlich sah er hieraus , auf eine ganz besondre Art , die Wich« tigkeit des Gutes , welches er verlohren hatte ; zum andern , erfuhr er eine Gewogenheit , dafür cr nicht mehr erkenntlich seyn konnte . Ich sage es und wiederhole es , unser Foulques ist ein allzuschwülstigee Redner , und verringert zwey Dinge , die von einander unterschieden wer« den sollten . Er will , daß die Thränen aller dieser Frauen , fingulamm foeminarum , daher entstanden , daß sie ihren Ritter verlohren , fuuin niilitem : allein dieses konnte nur von einer kleinen Anzahl wahr seyn , die Abälard bereits in der Nähe gekannt hatte ; oder , welche sich Hoff - nung gemacht , mit der Zeit , an seiner guten Neigung Theil zu haben . Er härte also sagen sollen , entweder , daß die andern »ickt geweint , oder , wenn sie geweint , daß solches nicht so wohl aus Freundschaft gegen den Abälard , als in Betrachtung nnd Befürchtung der Folgen geschehen sey : ich will sagen , sie haben gefürchtet , es möchte diese barbarische Art , di» Unkeuschheit zu bestrafen , in der Welt eingeführer , und das Beyspiel se« Domherrn ansteckend werden . Also haben einige geweint , weil man ihnen ihr Gut geraubt , und die andern , weil dieses eine Veranlassung war . auch das Ihrige zu verlieren . Dieß kömmt bey nahe mit demjenigen über - ein , was Horaz Epift . I , Lib . II in Ansehung der satirischen Stiche gejagt : Doluere cruento Dente Jacefliti : fuit intaöis quoque cura Conditione fuper communi , - - V . 150 . Diese Unterscheidung hat Foulque« zu ungelegener Zeit vergessen . Es findet sich in der allgemeinenBibliothek eine zu dieser Anmerkung so geschickte Go - schichte , daß ich sie entweder nicht wissen , oder auf eine außerordentliche Ar» die Regeln einer guten Wahl versäumen müßte , wenn ich sie nicht anführte . „ Die Griechen bekriegten den Herzog von Venevent , und giengen sehr übel „ mit ihm um . Da Thedbald , der Marquis von Spoleto , sein Bunds - „ genossener ihm zu Hülfe kam , einige Gefangene gemacht : so verordnet» „ er , daß man ihnen die männlichen Glieder abschneiden sollte , und schick« „ te sie in diesem Zustande dem griechischen Feldherrn zurücke , mit den» „ Befehle , ihm zu sagen ; er hätte es gethan , um sich den Kaiser zu ver» „ binden , weil er wüßte , daß cr die Verschnittenen sehr liebte , und er wür» „ de sich bemühen , ihm ehstens mehrere zu schicke» . Der Marquis „ machte Anstalt , sein Wort zu halten , als eine Frau , deren Mann gefan» „ gen worden , ganz trostlos ins Lager kam , und mit Thedbalden zu spre» „ chen verlangte . Nachdem sie der Marquis um Die Ursache ihrer trübniß gefragt , so gab sie ihm zur Antwort : Gnädiger Herr , ich er - „ staune , daß ein Hcld , wie ihr , die Weiber zu bekriegen , ' Lust hat ; da sich „ die Manner außer Stande finden , euch Widerstand zu thun . Nach , «dem Thedbald erwicdert , daß man seit den Zeiten der Amazonen nicht „ gehöret , daß wider das Frauenvolk Krieg gesühret worden ; so netzte die Griechinn : Gnädiger Herr , kann man einen grausamer» „ Krieg wider uns führen , als wenn man unfern Männern dasjenige rau - „ bet , was uns Gesundheit , Vergnügen und Kinder giebt . Wenn ihr „ sie zu Verschnittenen machet , so verstümmelt ihr nicht sie , sondern uns : „ ihr habet unlängst unser Vieh und Geräthe weggenommen , ohne daß „ ich mich darüber beklaget habe ; allein , da der Verlust eines Gutes uner - „ schlich ist , dessen ihr einige meiner Gespielinnen berauber , so habe ich „ mich nickt enthalten können , hieher zu kommen , und um das Mitlei - „ den des Ueberwinders zu bitten . Die Treuherzigkeit dieser Frau , hat „ dem ganzen Kriegsheere so ungemein gefallen , daß man ihr ihren „ Mann wiedergegeben , nebst allem , was man ihm genommen hatte ; und „ Thedbald ließ sie bey ihrem Abzüge fragen , was sie ihrem Manne ge - „ than haben wollte , wenn sich der Fall eräugete , daß cr noch einmal ge - „ fangen würde . Er hat Augen , sagte sie , eine Nase , Hände und Füssc : «dieß ist sein Gut , das ihr ihm nehmen könnet , wenn er desselben un - „ würdig ist ; allein , was mir zugehöret . das lasset ihm , wenn es euch be - „ liebt . „ Biblioth . Vniuerf . Tom . XI , p . 10 .
Man merke , daß die , e Frau allem Ansehen nach lieber gesehen haben wurde , wenn man ihrem Manne das Leben genommen hätte , als daß sie ihn als einen Verschnittenen bat wollen zurück kommen sehen , in einem Zustande , be» welchem sie die Beschwerlichkeiten des Witwenstandes ohne dessen . Gemächlichkeiten empfunden hätte : sie würde weder die Freiheit , sich wieder zu verheiraten , noch das Recht gehabt haben , die Ehe unter dem Vonvande des Unvermögens , zu brechen . Denn die Gerichtsstühle würden ihre Klagen nicht angenommen haben ; sie ziehen dasUiwermö« gen in keine Betrachtung , welches von derqleichen Zufällen herkömmt . Bevläufig wollen wir beobachten , daß die Römer den Gefchmack dieser Frau nicht getadelt haben würden . Sie selbst waren geneigter , lieber das Leben , als dieMannheit . zu verliehren . Dieses hat Cäsar den Gesandten des Pharnaccs vorgestellt , wenn er sich über die Grausam , feit beklagt , die sie gegen dieRömer bezeiget , die nach Pontus handelten . Se mapias et graues initirias ciuium Romanorum qui in Ponto ne - gotiati effoit , quoniam in integrum reftituere non pollet , concederc Pharnaci . Nam neque interfectis amifläm vitam , neque exeftis vi - rilitatem reftituere poflc , quod quidern fupplkium GRAVivs
MOR -

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