Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9202

Foulques .
ri coniugaretur : fed etfi forte contingat ad bonos mores ab errore migrare , paucorum eil incipere de niaximis : et eos , qui diu totum indulferint libi protinus totum et pariter incidere . Sidon . Apollin . Ep . VI . Lib . IX . p . in . 571 . Man sehe die Noten deSRigault , und des GudiuS über diese Worte der II Fabel im II Buche des Phadrus ,
A foeminis vtcumque fpoliari viros
Ament , amentur , nempc exemplis difcimus ;
Man wird darinnen viele Sprüche über die Arglist finden , mit welcher ein ehrloses Weib ihre Buhler an den Bettelstab bringt . Foulques hat diese Wahrheit wohl gewußt und geglaubet , daß sie Abälard auch erfahren hätte . Er hatte sich nicht starker ausdrucken können , wenn er auch iin Stande gewesen wäre , den Signoro Stefano Guazzo zu lesen , welcher folgendes gesaget hat : Sono piu damnofe le donne vecchie che le giovanni , perche fecondo il volgar detto , la capra giovane mangia il fale , et la vccchia mangia il fale , e'l facco . . . coli alla fine vi rifolverete , che fiamo pofti al mondo dalle donne , per efler rui - nati dalle donne : Et percio diceva un mefchino , che fe ne moriva di mal francefe : Donna m'ha fatto , et donna m'ha disfatto § ( « ) . Et ccrto che disfanno in due modi , fe crediamo a quel gentil Poeta , che diile
Succia Lesbia la borfa , et fiicca il core ,
Pazzo e chi compra con due fangui amore .
Stefano Guazzo , la civil Converfatione , Libr . II .
pag . m . 261 .
§ ( - - ) Aus dem Foret nuptiale des Johann Ncvisan , II B . Num . »00 . Crir . Anmerk .
( v ) Reinem Ebmanne kein Strecken seyn . Z Ich habe es nicht nach dem Buchstaben übersetzet , aus Furcht , ich möchte in einen allzulächerlichen Ausdruck fallen : denn hier sind Foulques Worte : Hoc quoque magni exiftimare debcs , quod nulli Aifpedhit ab omni hofpite hofpes tutiflime recipiaris . Maritus vxoris violationem ex te vel ledhili concullionem minime formidabit .
( E ) Die schönsten Iungfern ohne einzige Gefahr ansehen < - , von Ven unreinenVerblenVungei» befreit , Sie in rvahrenSem Schla - fe entstehen . ^ Damit man sehen möge , daß ich nichts vergrößere , so soll man hier die eignen Worte des Urhebers sehen : Decentiflime orna - tarum turmas matronartiin inuiolabiliter pertranfibis , virginum choros flore iuuentutis fplendentium , quae etiam fenes iam calore carnisdeftitutos , fuis motibus in feruorem libidinis inflammare con - fueuerunt , non tiinens earum incefliis et laqueos , fecurus et fine peccato miraberis . - . . Omnino poft hos huius fragililTunac fragilitatis fluxus , quod magnum Dei gratiae niunus in hoc ordine aeftiino , noäurnas fomniorum illufiones te minime fentire ita cer - tum eft , ficut certiun eil , quoniam voluntatem fi forte aderit , nullus fequetur effeöus . Es ist nicht nöthig , zu beweisen , daß Foulques Recht gehabt ; dieses ist unter die größten Vortheile zu setzen , damit das ben eines Geistlichen beseliget seyn kann . Jedermann begreift , daß eine Person , die sich der Keuschheit gewidmet hat , sich glücklich schätzen muß , wem» sie das Herz mit einem so starken Bleche , in Ansehung der Schön - heit , umgeben hat , daß alle Pfeile des Liebesgottes davon zurückprallen . Sie muß sich in Ansehung dieses Feuers , die Eigenlasten wünschen , welche die Hirpen in Ansehung des ordentlichen Feuers besaßen . ( Siehe die Anmerkung ( M ) zu dem Artikel Loyola . ) Dich ist nicht allein der bequemste Weg zur Keuschheit , sondern auch der allersicherste : denn diejenigen , die sich auf diesem Wege nicht anders , als durch viele Kämpfe , erhalten können , sind sehr zu beklagen : sie leben in Bewegung und Un - ruhe : ihr Zustand ist allezeit zweifelhaft . Der Sieg ist manchmal un - gewiß ; ( siehe die Anmerkung ( N ) des Artikels Lonrevraud , ) er er , kläret sich wohl gar wider sie ; sie erfahren nur allzuoft , daß die Waffen abwechselnd sind , und sie kommen fast niemals ohne Wunden aus die - ftn Kämpfen . Man hat Ursache , zu urtheilen , daß diejenigen , die ihr Leben unter den Händen der Aerzte zubringen , elend sind ! Viucre niedice eft mifere viucre . Dieß ist in Ansehung derer eben so wahr , die ein auftührisches Temperament zu bestreiten haben , und gezwungen sind , den Einbrüchen des Fleisches , beständig einige Schanzen entgegen zu stellen . Dieser Zustand ist beweinenswürdig : man wird in dem - selben öfters hinter feinen Verfchanzungen selbst überwältiget ; das Ge - wissen ächzet und seufzet darüber : wie weit hätte man eö nicht auf dem Wege der Vollkommenheit bringen können , wenn man ohne dergleichen Fußangeln fortgehen können , und wenn man nicht so viel Zeit verlieren müssen , um sich bey jedem Schritte mit dem Feinde herum zu schlagen ? Den andern Punct betreffend , ich will sagen , die Unreinigkeiten des Schlafes , fo wird uns Augustin sagen , was es für ein Vortheil ge - wcsen ; darüber unser Foulques seinem Freunde Glück gewünschet hat : Augustin , sage ich , welcher Gott um die Gnade bitter , von der Schwachheit befceyet zu seyn , die er in diesem Stücke noch empfindet . Er hat in seinen Träumen den Unordnungen Platz gegeben , in die er wachend nicht gewilliget , und er hat über diesen großen Ueberrest der Gebrech - lichkeit geseufzet . Adhuc viuunt in memoria mea , saget er , Auguft . Confelf . Lib . X . cap . XXX . pag . m . 217 . 21z . talium renn» imagincs , quas ibi confuetudo mea fixit : et occurfant mihi vigilanti quidem carentes viribus , in fomnis autem non folum vsque ad delectatio - nem , fed etiam vsque ad confenfionem fadhimque fimillimum . Et tantum valet imaginis illufio in anima mea et in earne mea , vt der - micnti falfa vifa perfuadeant , quod vigilanti vera non polTiint . - - Kumquid non potcns cß manus tua Deus omnipotens , fanare omnes languores animae meae , atque abundantiore gratia tua lafciuos mo - tu« etiam mei foporisextinguere ? Augebis , Domine , magis magisque in mc munera tua , vt anima inea fequatur mea ad te , concupifcentiae vifco expedita vt non fit rebellis fibi : atque vt in fomnis etiam , non folum non perpetret iftas corruptelarmn turpitudines per gincs animales vsque ad carnis fluxum , fed ne confentiat quidem .
CF ) Ort stellet dem Abalard vor , daß sein Uebel unerseylich
^ Z Die Sache ist gewiß : es geschieht hier dasjenige nicht , was dem Baume der Sibylle geschehen ist ; wenn man einen goldnen Ast abge , hauen , so ist sogleich ein andrer gewachsen» il Sand .
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Primo auulfo non deficit alter Aureus , et fiinili lrondefcit virga metallo .
Virgil . Aen . Lib . VI . verf . 143 .
Derjenige , welcher von der Jungftrschaft gesaget hat , daß man sie nur einmal verliehren könne , und daß keine Kunst vermögend sey , sie wieder zu bringen ;
Nulla reparabilis arte Laefa pudicitia eft , deperit illa femel .
Ouid . Epift . V . v . ioj . Heroid .
hat im Grunde recht gehabt ; allein vermutlich hat er gewußt , daß , wenn man gleich das Original durch keinen Fleiß und keine Kunst wieder herstellen kann , man doch wenigstens eine Copie herstellen könne . Es giebt Unverschämte , die sich für Herstellerinnen der Jungftrschaft aus , geben . Siehe den Furetiere unter den , Worte Puceiage . " So geht e6 mit AbälardS Wunde nicht : sie ist keiner Wiederzurechtmachuug fähig ; es giebt keine Ausbesserer hieriunen , und keine unächte Stücke zu kau , fen : eS ist eine Cypresse . Cuprefli mortuorum domibus ponebantur ideo quia huius generis arborexcifa non renafeitur , ficut ex mor - ' tuo nihil eft iam fperandum . Feftus . Die Folgerung , die FoulqueS daraus zieht , ist fo gewiß nicht : betrübet euch nicht , saget er , über den Verlust eures Gliedes ; denn es wird nimmermehr wieder kommen , die Natur erlaubet es nicht , daß es sich wieder finde . Ergo frater ne do - leas , nec contrifteris , nec perturbatione huius incommodi quatiaris , praefertim cum hoc tarn plures , vt didhiin eft , vtilitatis alierat fru6his , et quod hoc modo factum eft femper et irreparabile per . maneat et euulfum . Sic hoc tibi folamen aflidue quod redintegrari natura non patitur , leuius poteft tolerari . Man könnte sagen , daß Foulques in diesen letzten Worten seine Absicht auf diesen Spruch des Horaz gehabt , Leuius fit patientia , quidquid corrigere eft nefas . Ho - rat . Od . 24 . Lib . I . verf . 19 . 20 . allein er bringt den Sinn nicht wohl vor ; dieser Poete will nicht sagen , daß man eher einen nnwiederbring - lichen als wiederbringlichen Verlust verschmerzen kann : er will nur sa , gen , daß die Last eines unwiederbringlichen Verlustes viel leichter wird / , wenn man sich entschließt , denselben mit Geduld zu ertragen .
Untersuchung einiger Trostgründe .
Man muß gestehen , daß die meisten Gründe zwo Gestalten haben , und links und rechts dienen können . Sie haben den Fehler , daß sie zurück geschoben werden können : denn , zum Exempel , was ist wohl vernünftiger , als wenn man nichts unnützliches thut ? Auf diese Art wird man wider eine über den Tod ihres lieben Sohnes betrübte Mut - ter sehr wohl schließen , wenn man ihr sagte ; daß ihre Thränen zu nichts dienen , und daß ihr Sohn nicht wieder lebendig werden würde , sie möch - - te nun auch sagen und thun , was sie wolle : allein eben dieses ist es , kann man antworten , was mich untröstlich machet , denn wenn ich mei - nen Verlust ersetzen könnte , so wollreich ihn viel geduldiger ertragen : wenn ich , wie bey der Handlung , hoffen könnte , dasjenige mit einem Schisse wieder zu gewinnen , was ich mit einem andern verlohren , s» würde ich keinen großen Trost nöthig haben . Ich weis nicht , ob Fonl - ques nicht mir seinem Tröste glücklicher gewesen jeyn wurde , wenn Abä , lard nur schien Bart verlohren gehabt : worüber betrübt ihr euch , hätte man sagen können , man hat euch den Bart abgeschnitten ; gewiß ein groß Unglücke ! wartet nur etliche Monate , so werdet ihr einen andern haben . Hierinnen würde er gewiß einen großen Trostgrund gefunden haben : allein der einzige Gedanke , daß sein Uebel unheilbar , und eben so , und noch mehr , der harten Regel der Philosophie , a priuatione ad habitum non datur regrefiüs , unterworfen wäre : dieser einzige danke , sage ich , den ihm sein Tröster , als einen mächtigen Grund zur Geduld anführte , machte eben feine vornehmste Verzweiflung . Und dieß heißt die Sache nicht verstehen , wenn man ihm sagen will , daß dies» Regel falsch seyn würde , nämlich bey dcrAuftrstehung am jüngsten Tage , loh . XI , 24 . denn er köimteantworten , daß eres alsdann auch nicht nöthig Hätte , denn in Oer Auferstehung rverven sie u ? ever freien noch sich freven lasten , sondern sie sind gleich wie die ( Enge ! Gorres im Gimmel . Matth . XXII , 30 .
Man merke , daß dasjenige , durch das Zeugniß des Vornehmsten von den sieben Weisen Griechenlandes bestätiget werden kann , was kl ) von der Unersetzlichkeit eines Verlustes gesaget habe , daß sie nämlich geschickt ist , die Leute untröstlicher zu machen . Solon beweinte den Tod seines Sohnes : man stellte ihm vor , daß die Thränen zu nichts dienten : eben darum , hat er geantwortet , weine ich . Arf™ aioiku^ h
üzonvm^sünaeiv inih tov nstiSz TMevTijcmTx . . . n ? ot
rov Hito / ra , «äk . ' «v itvvrlui , htHv , Si aäro Se tSto luxt>6u , Sri üii * Infolu . Ipfum refert Diofcorides in commentariis cum lacrymare - tur ac lugeret defunöum filium . . . dicereturque a quodam , at nihil proficis ! refpondifle , et propter hoc ipfum illacrymor , quia nihil proficio . Diogen . Laert . in Solone , Libr . I . n . 6z . Man sehe in der Anmerkung ( Ii ) des Artikels Aniphiaraus , wie KarneadeS einige Trostgründe widerleget har .
CG ) Daß er diese N>nnde bey keiner Gelegenheit erhalten . ^ Man will sagen , daß er nicht über der That mit ^ " ^V " son errappct worden , welches manchen eben dieselben Gneoer gekostet hat , die er verlohren . Fer et haec , vt ait ille , folatia tccum , quoniam tempore huius diminutionis vel thorura violando , vel in aliquo for - nicationis veneno minime deprehenfus es . Dieser Trost ist besser ge - wesen , als der erste , ob man gleich gestehen muß , daß sich Abälard seine Widerwärtigkeit durch einen Fehler zugezogen hatte , der eben so ver - dammlich war , als der Ehbruch . Er hat also nicht mit derselben Stand - hastigkeit , wie ein andrer Verschnittener , sagen können :
Quid fortunae , ftmte , deli & um argitis ?
Id demum eft homini turpe , quod meruit pati .
Phaedr . Fab . XI . Libr . III .
Mein kurz , sein Fehler war vorbey , und da man ihn verstümmelt , so hat er niemanden Leid zu thun gedacht . Ueberhaupt ist der Grundsatz gut > Quae vönit ex merifo poena , dolenda venit . Abälard mag die Äentnng desselben auf sich haben machen können oder nicht . Uebri - aens hat man gute Zcugniiie , daß diejenigen , die man aus frischer That Uuu 3 erwischt ,

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