Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9194

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Foulques .
man ihm , daß er es ja nicht chun solle , und daß er viel Geld brauchen würde , in diesem Lande etwas zu erhalten ( L ) ; daß die Thater schon gestraft worden f M ) ; daß er sich mit Unrecht über die Kathedralkirche beklage ; und daß er als ein Mönch , der Rache absagen , dieselbe Gott allein überlassen , und auch seine ärgsten Feinde lieben müsse . Endlich ermahnet man ihn , das verlohrne Glück nicht zu betrauren , weil dieses eingebildete Glück allezeit mit tausenderley Beschwerlichkeiten begleitet ist ; und man versichert ihn , daß , wenn er bis ans Ende beharret , er am jüngsten Tage dasjenige wiederfinden würde , was man ihmge - raubet hätte ; und daß alsdann dieser Grundsatz der Vernunftlehre , inhabitum nunquam redire poteli privativ , falsch seyn würde . Es ist Schade , daß wir Abä'ards Antwort auf dieses Trostschreiben nicht haben . ES ist sehr wahrscheinlich , daß man darinnen ein Bild von dem Streite Hiobs , mit seinen Freunden sehen würde ; ich will sagen , daß Abalard Antworten und Ge - genantworten finden , und daß ihm Foulques in gewissen Dingen eilt leidiger Tröster zu seyn scheinen würde .
Uebrigens ist das Priorat Deuil , damit unser Foulques versehen gewesen , drey Meilen von Paris , bey Montmorenci gel« - gen . Man sehe hierüber das Genus illustre D . Bernardi aflcrtum , des Jesuiten Peter Chifflets , wv er von einem Eudes von Deuil redet ; und den ValesiuS in seiner Notiz von Gallien , unter dem Worte Parifii « .
Er ist in den Werken AbälardS 217 S . pariser Ausgabe 1616 . i> ) In dem Artikel Abälard und Helolse . c> Siehe die Anmer - kung ( L ) . Blanditiac vxoris corporumque contacltis , fine quo vxor naberi non poteft , ac liberoruni cura Angularis quouiinu» Deo placeas minime retardabunt . e ) Aus einer geschriebenen Nachricht , die mir aus der mazarinischen Bibliothek zugekommen ist .
( A ) 2 ) te großen GabenAdalards haben eine unzählige Mcn - ge Schüler in seinen Hörsaal gc ; ogcn . Z Es sind Leure von Rom , aus Spanien , England , Deutschland , den Niederlanden , und aus den allerentlegensten Landschaften Frankreichs gekommen . Unser Foulques drücket dieses sehr lebhaft aus . obgleich seine Schreibart nach dem Schwulste der barbarischen Zeiten schmecket . Roma fuos tibi docen - dos transmittebat aluninos , et quae olim oinnium artium fcientiam auditoribus folebat infundere , fapientiorem te le fapicnte transmis - fis niiolaribus monftrabat . Nulla terrarnm fpatia , nulla montium cacumina , nulla concaua vallium , nulla via dimcili licet oblita peri - ctilo et latrone quoniinus ad te properarent retinebat . Anglorum turbam iuuenum mare interiacens , et vndamm procella terribilis non terrebat , ied omni periculo contemto , audito tuo nomine ad te confluebat : Reniota Britannia fua aninialia erudienda deftinabat . Andegaueniis eorum edomita feritate tibi famulabantur in fuis . Piöaui , Wafcones , et Hiberi : Normannia , Flandria , Theutoniciw , et Sueuius tuum colere ingenium , Iaudare et praedicare alüdue ftu - debat . Praeterea cun & os Parifiorum ciuitatem habitantes , et intra Galliarum proximal et rcmotiflimas partes , qui fic a te doceri fitie - bant , ac fi nihil difciplinac non apud te inueniri potuiifet . ques ist nicht der einzige , welcher von diesem großen Zulaufe der Sckü - ler geredet hat . Es ist ein Chronikenschreiber . ( Autor Chronici Mo - riniacenfis , bn ) M Andreas Du Chesne , Not . in Hiftor . Calamit . Abae - lardi , p . 1155 . ) welcher versichert , daß derselben fast aus dem qanzen La - leinerlande gekommen . Petrus Abailardus Monachus et Abbas , vir erat religiofus , exccllentiffimariim Reftor fcholarum , ad quas pene de tota Latinitate viri litterati confluebant . Man kann nicht leug - nen , daß , einige jenseit des Gebirges hergekommen , weil St . Bernhard geschrieben , daß Peter Abälard sich vor nichts gefürchtet , weil er an dem Hofezn Rom , in der Person der Cmdinäle , und anderer Geistlichen Beschützer gehabt , die unter ihm studiert hatten . Securus tarnen eft quoniam Cardinales et Clericos Curiac fe difcipulos habuille gloria - . tur . Epift . CXCIII . Der Cardinal Veit Du Chatel , wclcl ) er nach die - fem Pabst Cölestin der II gewesen , war einer von diesen Gönnern . Siehe den Brief , den St . Bernhard an ihn geschrieben , in den Werken AbälardS , aus der 3^9 Seite . Will man dcnAbälard selbst , wegen der Anzahl seiner Schüler , zu Rache ziehen , so wird er uns berichten , daß er , da er einstmals aufs Land gereist , vo» einer solchen Menge Schüler dabin begleitet worden , daß sie weder Hauser noch Lebensmittel genug gesunden : Ad quas { fcho / as } tanta fcholarium multitudo confluxit , vt nec locus hofpitiis , nec terra fufficeret alimentis . Abelardi Oper . pag . 19 .
( B ) Die Frauen sind ihm nachgelaufen . ^ Hier sind die Worte , deren sich Foulques bedienet . Man wird darinnen bemerken , daß er nur ein Hörensagen vorgiebt : Nam illud quod fic te , vt aiunt , praecipi . tem dedit , iingularum fcilicet foeminarum amorem et laqueos libi - dinis earum , quibus fuos capiunt fcortatores , melius mihi videor praeterire , quam aliquid dicere quod ordini noftro et regulae noftrae religionis non concordet .
( C ) - - T»'e Frauen hatten ihn 5» einer äußersten tigkeit gebracht . ] Foulques , welcher hatte sagen hören , es wäre lard so arm gewesen , da ihm dieses Unglück begegnet , daß er nichts als alte Lumven'nbrig gehabt , bittet ihn , den großen Schaden zu betrachten , deil ihm diese« abgeschnittene Glied seines Leibes zugefüget , und daß der Hanptstamm seiner Einkünfte durch desselben Verlust , viel gewonnen hätte . Ihr hättet ench , saget er zu ihm , durch eure unkeuschen Händel an den B'ttelstab gebracht , und alle euer Gut wäre in diesem schändli - che» Schlünde verschlungen worden . Haec corporis particula quam omnipotentis Dei iudicio et benefkio perdidifti , quantum tibi no - cuerat ac nocere quamdiu permanfit non cWiftebat , melius tuarum diminutiv reriiin , quam mea poflit monftrare oratio , docet . Qiiic - quid vere fcientiae tuae venditione perorando praeter cotidianum viftum et vfuin neccfl'arium , ficut relatione didici , adquirere pote - ras in voraginem fornicariae confumtionis demergere non ceAä - bas ! Auara meretricum rapacitas cun & a tibi rapuerat . Nulla audie - runt fccula meretricein Velle alteri mifereri , vel pepercifle rebus appctitorum , quas quoquo modo auferre potuerunt . Videfur hoc probare tua profunda paupertas , qui nihil , vt dicitur , praeter pan - nos ex tanto quaeftu habebas , cum his primnm cafibus fubiacuifti fortunae - - - Adde quod pecunia tua , ii quam tibi habere Ii» cuerit ( non eniin eft Monachorum fine licentia proprium quid ha - bcre , " ) vexationi diftrahentium non erit obnoxia . A modo incipies poflidere , quod multis paulo ante diftrahebatur eiiifceratiohibus . Der Ruf hat ohne Zweifel die Sachen vergrößert : mir deucht nicht , daß Abälard zur Zeit feines Unsterns sich in dem Umständen des ver - lohrnen Sohns befunden , welcher , da er fein Gut mit Huren det hatte ; o KxrucpxytSv s« ßien utrii itop'jwv . Qui abliguriuit viftum fiiutn cum meretricibus . Lucae , cap . XV . verf 30 . fast gers starb . eV«' & nun . Ego vero fame pereo . Ebendas .
17 . Ich bekenne , daß ihn sein Tröster nicht eigentlich vorstellt , als sty er so weit gebracht worden . daß er kein Stück Brodt gehabt ; er steiler ihn nur überhaupt mit alten Lumpen vor . Man könnte mir
auch einwenden , es sey viel wahrscheinlicher , baß es ein Unzüchtiger so weit bringen kann , daß er kein Kleid mehr habe , als es wahrscheinlich seyn sollte , daß er gar nichts zu essen haben sollte : denn eben dieselben Blutegeln , die ihn um alles sein Geld bringen , sehen es sehr gern , wenn er sich wohl befindet ; es ist ihr Nutzen , wenn er gute Speisen genießt , es liegt ihnen wenig daran , was er für Kleider trägt ; allein das wur - de ihnen nachtheilig seyn , wenn er keine starke Leibeskräfte hätte , und sie würden lieber von dem ilmaen hergeben , ihn zu füttern , als daß sie ihn hungern lallen sollten . Dieses hält mich nicht ab , zu glauben , daß Foul - ques nicht hatten sagen hören ; es hätte sich Abälard dergestalt nur den Weibsbildern zu Grunde gerichtet , daß es ihm auch an dem Nothwen - diczen sowohl was die Nahrung als Kleidung betrifft , gemangelt . Mich blinket , daß sich Foulques nicht um dergleichen schlaue Unterscheidung» , unter Esse» und Kleidern bekümmert hat ; diese Unterscheidungen kenn - ten zwar statt haben , wenn man voraus sehte , daß man keineAbwech , selnng haben könnte : allein Abälard war in Paris . wo Man einen Liebhaber , wenn sein Beutel geleeret ist , laufen läßt , er sep wer er wolle ; man suchet andre , - die im Stande sind . Unterhalt zu verschaffen , und man bekümmert sich wenig um die Nahrung und Kleidung der ersten , . Allein ich bin versichert , daß er den fallchen Erzählungen allzuviel ge« trauet ; denn wenn man auch nicht voraus fetzen wollte , daß AbälardS Profeßion , und seine Heirarh mir Helmsen , ihn in gewissen Schränke , ; gehalten hätten ; so ist es doch schwer , sich einzubilden , daß ein so schöner Junggeselle , wie er war , ein guter Redner , ein subtiler Vernünftler , der berühmt gewe'en , dem die Weibsbilder nachgelaufen sind , mit demsel» ben sein Geld bis auf den letzten Heller sollte verschwendet haben . Ware ein schlauer Mensch an seiner'Steile gewesen , der die Welt ge» kannt hätte , so wurde er vielleicht bey diesem Umgange mehr Geld ge« wonnen als verlohren haben . Allein dieß ist eine Sache , die dem Abä - lard gefehlt hat ; er wußte den Lauf der verbuhlten Welt nicht , er war ein studierter Mann : und also hat er , ob er gleich bey de» Franensper - fönen eben so viel Liebe erweckt , als sie bey ihm erweckte» , sich den - noch derselben nicht znr Linderung seiner Einkünfte zu bedienen ge - wüßt . Er ist ein Mann gewesen , der sich von allen Seiren hat aus« saugen lassen .
Ich bilde mir ein , man könne , ohne ein verwegenes Uttheil zu fällen , versichern , daß unser Foulques den alten Poeten Archilochus schlecht ge - kannt hat , und daß er im Aelian nicht sehr bewandert gewesen seyn muß . Unterdessen hat er sich doch eines Gedankens bedienet , welcher ei , nem Ausdrucke des Archilochus ähnlich ist , der vom Aelian angeführet worden . noikäxiq >urr' c^oAov H6T« TOÄ . WV TOvuv Xfyiucrz , karte raj A ? %Uojiov , « ? yvwiKOf Ivrsgov Karalrn Aelian . Hiftor . diu . Lib . IV . cap . XIV . p . m . 276 . Hier ist die Ueber - setzung des Vultejuö . Saepe pecuniae , quas multo cum labore quis figillatim per obolos vix comparferit , iuxta Archilochum , vniuer - fae femel in frorti tnarfupium etfunduntur . Der Uebcrseher hat den ganzen^Gedanken de ? griechischen Poete» nicht wohl vorgestellt : das Wort barf an diesem Orte nicht anders , als im metaphorischen Verstände , für den Beutel genommen werden : der gelehrte KühniuS ist nicht darinnen betrogen worden : rev , saget er über eben diese
Stelle AeliauS , etfenfus turpiculus fubeft voci ilvTsjev . Ita Stoici rijv cuvHtieev pro fua tvävpfa [ zormii definiunt / »rsglu , etc .
Nicetas Choniares deutet diesen Gedanken des ? lrchilochus auf die Regie - rung des Alexis Manuel Comnenus , Nicetas Choniates , in Alexi Man . Comneno , pag . 253 . genfer Ausgabe von 159z , in qto . To tS a ? xi * °x *
«vtikji , ; imiguhtto , 0 , «« «tffov it - ovl«
tu xgcv * KfJ tv & eyhrz ( / ax ? « . Vt plane id fieret , quod lochus feribit , ea faepe in fcorti pudenda confluere , quae longo bore et tempore fint congefta . Man kann auch den Ausdruck des Foulques in voraginem fornicariae confumptionis demergere non cefläbas , mit einer Stelle des Sidonius Apollinaris vergleichen , wo eine gleiche Unordnung fuinptuoiitas domefticae Charybdis gmennet wird . Die Stelle ist gut , und enthält die Aufführung eines jungen Acenschen , welcher , nachdem er sich durch eine schändliche Keb - weiberey um das seine gebracht hatte , endlich die Augen ausgethan , diesem schändlichen ®Cr £^' U l ' '^r vortheilhast verheirathet hatte . Der Schriftsteller hätte gewünscht , daß die Lebensveranderung heiliger qe * wesen , und daß man von der Kebsweiberen zur Enthaltung geschritten wäre ; allein es gießt sehr wenig Leure , fenct er dazu , die von großen Dingen den Anfang machen , und die sich auf einmal alles abschneiden , nachdem sie sich vorher alles erlaubt hatten . Hic proxime abrupto contubernio ancillae propudiofifTimae , cui fe totum confuetudinc obfeaena iunftus addixeraf , patrimonio , pofteris , famae fubita ful correftione confuluit . Namque per rei familiaris dainna vacuatus , vt primum intelligere coepit , et retraftare , quantum de bonufeulis auitis paternisque fumtuoiitas domefticae charybdii abliguriflet , quamquam fero refipil'cens , attamen tandem veluti fraenos momor - dit , excuffitque ceruices , atque Vlyxeas ( vt ferunt ) ceras auribus gens . fugit aduerfum vitia furdus , meretricii blandimenta naiifragii : puellanique ( prout deeuit ) inta & am vir laudandus in matrimoniutn afliimfit , tarn moribus natalibusque lummatem , quam facultatis prin - cipali» . Eilet quidejn gloria , fi voluptates fic reüqiriflct , vt necvxo .
ri c»n .

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