Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9180

Foulquev .
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Iii , non opus fuifiet Luthero aut Caluino . Elench . Vitae Gul . For - beiii . p . penult . Diese letzten Worte gefallen den eifrigen und hitzigen Geistern nicht sehr : sie sind eine stillschweigende Bestrafung Luthers und Calvins ; sie scheinen , dieselben zu tadeln , daß sie so viele Dinge so hoch getrieben , welche solche gemäßigte Geister , als Cassander und Wi - celins , dem Frieden zu Liebe , erduldet haben würden . Man merke , daß er alle Rander der IV Bände BellarminS mit Noten angefüllet hatte : Diese Noten haben dem Robert Baron , Professor der Gottesgelahrt - heit , des Wilhelm Forbes Nachfolger , so gut geschienen ; daß er sie allen Schriften vorgezogen , die wider diesen Jesuiten erschienen waren . Er würde sie Mich herausgegeben haben , wenn ihm der Tod nicht zuvorge - kommen wäre . Uebrigens ist der Entschluß unsers Prälaten , nicht viel zu schreiben , sehr gut gewesen , und eben so gründlich , als der Rath , den er einem Menschen gegeben , der viel Papier verbrauchte . Leset mehr , sagte er zu ihm , und schreib : weniger . Pauca fcripfit , fcire enim ma - iuit quam fcribere , et hoc dickrium feripturienti cuidain , et ei
maenos labores oftentanti , lepide fed folide vfurpauit : Lege plura
* . . . . .
et Iribe pauciora . Ebendas . 'Die Anzahl vortrefflicher Schriftsteller würde noch viel größer seyn , als sie ist . wenn sich diejenigen , die endlich die Gabe , wohl zu schreiben , erlanget haben , entschließen könnten , nur alle 4 Jahre etwas herauszugeben : allein sie misbrauchen ihre erlang - te Fertigkeiten und ihren erhaltenen Ruhm ; sie thürmen Bände auf Bände , sie nehmen sich nicht die Mühe , etwas zu übersehen und wohl auszuputzen , und sie machen nichts rechtes mehr , oder was dem Ver - dienste ihrer ersten Geburten nahe käme . Uebrigens glaube ich , daß , wenn dieser Mensch , der so viel geschrieben halte , einige Zeit darauf wieder zum Wilhelm Forbes gekommen wäre und gesagct hätte : ich bin eurem Rarbe gefolget , ich habe fo und so viel Sucher sen , man ihm diesen andern Rath gegeben haben würde : in Zukunft leset nicht mehr so viel , und denket mehr nach . Ich habe sagen hören , daß Claude einem gelehrten Manne , der erstaunlich viel gelesen hatte , den Rath gegeben , z bis 4 Jahre nichts zu lesen , und nichts an - ders zu thun , als nachzudenken ; gleich als wenn er zu ihm hatte sagen wollen : ihr habet genug gegessen , iyo verdauet auch einmal . Diejenigen , welche man helluones übrorum nennet , haben dieser Crm - nerung sehr nöthig .
( C ) Man wird hier unten dasjenige sehen , was der Bischof von Salisburi von dem Verdienste dieses Prälaten bekannt ge , machr . i „ Wilhelm Forbes ist auch einer von den Lehrern zu Aber - dem , >m 1633 Jahre , gewesen , da König Carl in Schottland war . und „ zum Bischvsthume von Edimburg erhoben worden , welches dieser Prinz . . damals stiftete und ihm Anlaß gab , zu sagen : daß er einen so vortreff - „ lichenGeistlichen angetroffen , welcher verdiente , daß man für ihneinen „ neuen bischöflichen Sil» aufrichtete ; und in der That ist er auch ein „ großer und erhabener Gottesgelehrrer gewesen . - - - Er hat mit „ so vielem Eifer und einer so großen Begierde geprediget , daß er daß « , Maaß der Zeit vergessen ; zwo oder drey Stunden waren ihm gewöhn - „ lich Diese Arbeit mußte seine Kräfte sehr schwächen , zumal , da seine „ Fasten und seine ascerische Lebensart von einer so großen Schärfe ge - „ wesen ; daß er nur so viel Speise genommen , als er zur Abwendung „ des Todes nöthig hatte , welcher ein Jahr nach seiner Beförderung „ zum Bischosthume erfolgte . Er hatte dasselbe lange genug besessen , „ in seiner Person die Tugenden eines vortrefflichen Hirten zu zeigen ; „ allein allzukurz , dasjenige auszuführen , was man von einem längern „ Leben erwarten konnte . Die wenigen Bücher , die er herausgegeben , lassen die Stärke und den Umfang seiner Wissenschaften sehen , ob er „ gleich nach der großen Begierde , die er zum Frieden und zur Einigkeit „ unter allen Christen halte , bey den Verderbnissen der römischen Kir - „ che allzugelinde gewesen . Also verwickelt die Mildthätigkeit , die keine
„ Grenzen hat , attch große Männer in unvernünftige Meynungen : al - „ lein , da der Grund und die Bewegungsursache wahrhaftig gut ist , so „ muß man sie einigermaßen entschuldigen , oder doch wenigstens ohne „ Bitterkeit beurtheilen . „ Burnet in der Vorrede zu dem Leben Wil - Helm Bedells .
( D ) Arnauld hat seine Vortheile bey dieser Sache besser in Acht genommen . ] Er hatte in seinem großen Buche von der kehrung der Sittenlehre behauptet , daß die Unverlierbarkeit der Gnade bey den Calvinistcn ein Glaubensartikel wäre , der durch den SynoduS von Dordrecht entschieden worden . Le Fevre hat dieses bestritten , und sich bemühet , zu beweisen , daß es den Calvinistcn frey stünde , hiervon zu glauben , was sie wollten . Er hat auch verschiedene protestantische Scribenten angeführet , und namentlich den Wilhelm Forbes , welche die Unverlierbarkeit der Gnade behauptet haben . Man sehe , was ihm vom Arnauld , Calvinifme convaincu de nouveau , p . 120 . geantwortet worden : Der einzige Titel von dem 2>uche des Wilhelm des hatte dem le Fevre begreiflich machen sollen , daß es keines - rveges geschickt sey , mir entgegen gesent zu werden . Denn er ist der gcmaßigste und billigste von denjenigen friedfertigen £>it schoflichen gewesen , welche , da sie die XVidervereinigung Oer Prorestanten und Rarholiken gewünscher , dennoch nichr die ge - ringste Schwierigkeit gemacht , sich für die Rarholiken wider die Lalvinisten zu erklaren ; wenn sie geglauber , daß sie Calvi , nisten Unrecht hatten , wie dieser in verschiedenen streitigen pun - cten geglauber , die er abgehandelt hat . Dieserwegen ifi in dem Auszuge seines Gebens , der vor seinem Buche steht , gestu get worden , daß er ein anderer Tafländer gewesen . - - - , Seine Freunde haben sich nicht getrauet , sein 25ucb eher ans Licht treten zu lassen , als >6 ; 8 , - 0Jahre nach seinem Tode , und gleichwohl isi derselbe lange zuvor , che man das Buch gesehen , unter den ( Lalvinisten verschrieen gewesen , als wenn er die Lehre der Arminianer von der Vcrlierbarkeit des Glaubens wider sie behauptete , weil er vermuthlich in sei - nen predigten nicht davon schweigen können ; da sich die Pres - byrerianer unterstanden , durch Unterstützung der Rebellen des parlements , die bischöfliche rvürde zu Grunde zu richten . ner von den Vorwürfen , die dem unglücklichen ü . aud , itzrzbi - schofe von Tamerburi gemacht worden , ist gewesen , daß er die arminianische Lehre hegre ; und der Beweis , den sie deswegen angeführer , isi , daß er den Ronig vermocht , Leute zu Bischo - fen in Schottland zu ernennen , die fast keine andere Gabe ge - habt , als daß sie für eifrige Arminianer bekannt gewesen : der« gleichen , sagten sie , isi auch Fordes gewesen , der von diesem Ronige zum Bischöfe zu «Ldimburg erhoben worden . Eben dieselbe Freiheit , die er sich genommen , die genfer Meynungen zu Mlsbllligen , harre ihn unter den Anhängern Calvins in einen so bösen Ruf gesetzt , daß , da er nach Gdimburg , ehe es zum Bi - schofrhume gemacht worden , als Pastor berufen worden , ihn die Puritaner , welche die stärksten daselbst gewesen , nicht leiden können , sondern ihn mir Schimpfworten beleget , und ihn einen Papisten genennet . Dieses und noch andere Dinge , welche Ar - nault auskramet , setzen es in ein so großes Licht , daß die besondern Meynungen unsers Wilhelm ForbeS , über die Unverlierbarkeit derGna - de , nicht als ein Beweis angcführet werden können , als wenn es den Calvinistenftey stünde , diese Lehre zu verwerfen : so daß es sehr unnöthia ist , auf le Fevres Antwort zu achten ; denn man begreift von selbst , daß seine Antwort nicht gut seyn können . Sie ist so schlecht , daß ich sie hier nicht einmal anführen will . Siehe das XVII Cap . seiner Repli . que a Mr . Arnauld .
Foulques , Prior zu Deuil im XII Jahrhunderte , war ein guter Freund Peter Abälards . Er ist , wie ich denke , nicht anders bekannt , als durch den Trostbrief a , den er an diesen Freund , über den Verlust der natürlichen Glieder , geschrieben . Wir haben anderswo b die Heftigkeit erzählet , der man sich gegen den Abälard gebrauchet ; welcher , anstatt , daß er die ihm an - vertraute Schülerinn wohl unterrichten sollen , dieselbe geschwängert hatte . Die Anverwandten dieses Mägdchenö , um sie'
geschwänqe
rächen , qiengen bis auf die Wurzel des Hebels , und rissen sie solchergestalt aus , daß sie dem Schuldigen auch daö vermögen zum Rückfalle benahmen . Foulques , nachdem er erfahren , daß sich Abälard über dieser Verstümmelung nicht trösten konnte , schrieb ihm einen Brief , worinnen er ihm alle Vortheile vorstellte , die aus diesem Unalücke entstehen konnten ; er stellte ihm vor , daß ihn seine große Gaben , die Schärfe feines Geistes , seine Beredsamkeit , seine Gelehrsamkeit , die von allen Seiten eine un - glaubliche Mettae Schüler in seinen Hörsaal gezogen ( A ) , mit einer unerträglichen Eitelkeit angefüllet hatten . Man berühr - te eine andere Sache oben hin , die nicht wenig beygetragen , ihn so hochmüthig zu machen ; daß ihm nämlich das Frauen -
volk Verlust
nachgelaufen ( B ) , und sich eine Ehre daraus gemacht , ihn ins Netz zu ziehen . Man jaget ihm , daß ihn sein . lust voil diesem Hochmuthe heilen , und von den Fallstricken befreyen würden , die ihm die Weiber legten , und die i !
erlittener ihn zu ei -
ner äußersten Dürftigkeit brachteil ( C ) , ob ihm gleich seine Profeßion viel Geld eintrüge . Man verschert ihn , daß die behrung dieser Glieder , die er zu einem Übeln Gebrauche angewendet , viele Leidenschaften , die andere Mannspersonen martern , ersticken , und ihm die Freyheit geben würde , sich in sich selbst zu sammlen ; anstatt , daß sonst seine Seele über tausend geilen Ge - danken herum schwärmen möchte . Man setzet noch darzu , daß seine Betrachtungen , da sie nicht mehr von den Bewegungen des Fleisches unterbrochen wären , viel geschickter seyn würden , die Geheimnisse der Natur und die Ursachen eines jeden Dinges zu ergründen ; daß er sich auch nicht weiter mit Buhlereyen zu Grunde richten , und daß sein Beutel nicht mehr der Raub derjeni - gen elenden und raubgierigen Buhlschwestern seyn würde , die ihn so wohl zu rupfen gewußt c . Man rechnet es ihm als einen großen Vortheil an , daß er in Zukunft keinem Ehmanne ein Schrecken seyn ( D ) würde , und überall sicher wohnen könnte : deiln da er keinem Wirthe verdachtig wäre , so würde er in allen Häusern willkommen seyn , und voi , der Eifersucht nichts zu fürchten haben . Man vergißt auch nicht , daß er in Zukunft mitten zwischen den geputztesten Frauenspersonen wurde hin und wiedergehen , und dieallerschönsten Jungfern , ohne die geringste Gefahr und ohne Befürchtung derjenigen strafbaren chungen , würde ansehen können , welche in der Gegenwart diestr Gegenstände , auch die Greise selbst entzünden . Man wün - schet ihm Glück , daß er von denen unreinen Verblendungen befreyt seyn würde , die im wahrenden Schlafe entstehen ( E ) : eine Befreyung , saget man , welche eine große Gabe Gottes ist . Die ehlichen Pflichten , verfolget man , und die Versorgung einer Familie , werden euren Eifer , Gott zu gefallen , nicht verzögern rf . Und was für em Gluck ist es nicht , wenn man aus der Gefahr und in Sicherheit gefegt ist , nicht mehr zu sündigen ? Man führet das - öeyspiel des Ongenes und etlicher heiligen Märtyrer an welche sich im Himmel freuten , daß sie sich auf der Welt in dem Zustande befunden , darüber sich Abälard ve - klaget . Man stellet ihm vor , daß sein Uebel unheilbar sey ( F ) , und er es also geduldig ertragen muffe . Daß er diese Wunde nicht bey einer bösen Gelegenheit bekommen ( G ) , weil er allein in seinem Bette gewesen , sanft geschlafen , und niemand habe beleidigen wollen Man tröstet ihn hierauf noch durch andere Gründe : man stellet ihm den Antheil vor , den der Bischof , die Domherren und alle Geistlichen in Paris an seinem Unsterne nahmen ( tt ) ; die Klagen der Einwohner , und das Seuf - zen der Frauen ( D Man beschreibt dieses auf eine sehr lebhafte Art ; allem man berühret den letzten von diesen Trostarti - keln , ohne etwas von Heloisen zu sagen ( K ) . Und wie er Lust zu haben schien , bey dem Pabste , um Recht zu flehen , so sager II Vand . Uuu man

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