Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9155

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Fontevraud .
man sich verbindlich gemacht , sich mit bloßen Rüssen und An - faflm zu begnügen . Er saget ebendas . im II Cap . 21 S . Saß sein Vater wunderliche Vertraulickkeiten , und namemlck die seini , < ? en , mit ehrbaren Frauenspersonen , erzählet , ohne den gering - tten Verdacht . Und er habe von sich , ( namlicb der Varer des ^Nontagne ) heilig geschworen , dafi er als ei» Jungeselle in den - , und zwar , da er lange Zeit im Rriege , senseit des Gebirges , gewesen , und sein drey und dreyßigstes Jahr bereits erreichet gehabt . Wenn man liederlichen Leuten glauben darf , so sind die Fälle , davon dieser Seribent redet , nicht eben die alleraußer - ordentlichsten . Wenn dergleichen Leute ihre Abentheuer zu erzählen ansangen , so versichern sie , daß sie welche gehabt , wo man sie stufen - weise gehen , aber endlich bis zum Genüsse kommen lassen ; nachdem man erst die Proben erhalten halte , daß sie ihre gerhane Versprechungen ge , halten , sich mit andern Gunstbezeugungen zu begnügen . Es haben ei - nige darunter erzählet , ohne jemand zu nennen , daß es nur an ihnen gelegen , die letzte Gunst zu genießen : daß sie sich aber derselben ten hätten , um sich nicht in verdrießliche Folgen zu verwickeln ; oder auch wohl dem geliebten und gefälligen Gegenstande , die Unruhe der befürch - telen Schande zu ersparen . Wir wollen ihnen zugeben , daß sie sich we - gen dieser Abentheuer einen Werth beylegen können , um den Sieg wahrscheinlich zu machen , den man gewissen Mönchen Key den gefähr - lichsten Gelegenheiten zueignet : wir wollen es ihnen zugeben , sage ich , daß die Leidenschaft unzüchtiger Leute nicht allezeit so hitzig sey , daß sie nicht von sich selbst , in Betrachtung gewisser Unistände , stille stehen soll - ten : »vaö wird man aber zur Rechtfertigung dieser Mönche für einen Nu - Ken daraus ziehen ? Enthalten sich dergleichen Unzüchtige , ohne daß sie Uneinigkeiten begehen , die , nach dem Urtheile der gelindesten Casuisten , zur Todsünde gereichen , ja manchmal gar , wie die meisten Casuisten sa - aen , so weit gehen , daß sie die Sünde des Genusses übertreffen ? Wenn die erdichteten Siege dieser Mönche etwas weniges von diesem an sich haben ; würden sie im Grunde nicht vielmehr der Triumph der Un - keufthheit , als der Triumph der Keuschheit seyn ? Wem , wir ihnen ren Proceß auf diese Art machen , so dörfen wir auch ihre Gefährtinnen nicht schonen . Derselben Verwegenheit wird noch weit unordentlicher seyn , als die ihrige : und wie man dergleichen Frauen , die sich so weit vergehen , in Ansehung der Keuschheit , nicht entschuldigen kann ; so wird man sie noch weniger , in Absicht auf die Klugheit , entschuldigen können . Sie würde ihnen vorher sagen , daß man sich weder aufVersprechungen , noch Eidschwüre verlassen dörse , sondern sich auf eine bessere Art vorse - hen müsse . Dieses erinnert mich einer Begebenheit , die ich in einem kleinen Buche gelesen habe , da« zu Paris und in Holland , im 168 - Iah - re , gedruckt worden . Hier ist der Auszug davon ; der Held redet selbst , cr nennet sich Pontignan : Ich befand mich auf dem Lande , sa - get er Acadeniie Galante , p . 160 . holländischer Ausgabe , mit zwoen liebenswürdigen Frauenspersonen , die ich alle beyde nach mei - ner Art liebte . Ich hatte ihnen allen beyden absonderlich meine Zuneigung gegen sie erkläret , und ich war mit ihren Anr - rvorten ( ehr vergnügt . An einem Abende , da ich mich in mei - ne Rammer beqeben hatte , und bereits in meinem Schlafrocke war , siehe , da^ besuchten mich diese zwo Damen , und sagten , daß sie mich einwindeln wollten , einem andern Menschen , der bey uns war , einen gewissen Possen zu spielen . Sie sagten mir , worinnen der Posten bestund . Ich fand ihn sehr kurz - weilig , und willigte mit Freuden darein , mich einwickeln zu lassen . Sie nahmen mich fd , wie ich im Schlafrocke war , und windelten micb , ich glaube , mit mehr als hundert iLllen Lein - wand ein , die sie wie Xvindelscknüre zerschnitten hatten . Ich glich einer von denen ägyptischen Mumien . - - - 2 ( ls ick nun wie eine Mumie angepunt war , so sagten sie zu mir : rvohl - ön , pontignan , ein braver Cavalier schlagt es nickt ab , mit Da - men zu Bette zu gehen , die ihn darum bitten . tt>ir haben dir bevde das N ? ort gegeben , dir bey Gelegenheit günstig zu seyn . * vir müssen demselben nachkommen . Ach ! chr leichtfertigen Voctel , schrie ich , schaffet mir erstlich alles dieses Leinengerathe vom Leibe , und dann machet mit mir , was ihr wollet . Nein , nein ! sagten sie , diefi wird nichts schaden ; und darauf ließen sie mich so ganz eingewickelt zu einer von ihnen ins Zimmer rraqen , mich in einbette legen , und die Heyden Schelme pflanz - ten ftcb auf meine zwo Seiten . Die Rammer war erleucktet . Ick sah sie in einem sehr artigen und galanten Nacktkleide , alle beyde sehr reizend . Ich hatte weder Arme noch - Hände , noch das geringste von der XDelt . Ick war in Leinwand begraben , und hatte nickts als meine Augen übrig , worüber ick hatte gen rasend werden . Stellet euck den Zustand vor , darinnen ick v ? ar . Bald barh ick sie , nur einen Arm , nur eine Hand , nur einen Finger loszugeben . Bald wendete ick entsittliche Gewalt an , mich von meinen Banden loszumacken : so gar , daß die Da - men einmal glaubten , ick hatte sie zerrissen , und mit den Xvor - ten wir sind verlohren ! aus dem Bette sprangen . Sie bauen Ur - iacke aenuct dazu ; denn wahrhaftigwenn ick Mick hätte in £ - n«nrnd ftfcot können , mich zu rächen ; so würde ick sie v Sleickr so weit gebracht haben , um gut Wetter zu bitten . Bald drohte ich ihnen , ihnen den Sck - mpf zu thun , und neben ihnen einzuschlafen , wobey es gleichwohl an Schwierigkeit nickt fehlte . Sie antworteten mirmckts , alsSpottereyen über mein gutes Glück , das ick aus den - Händen ließ ; und . erwiesen mir kleine Liebkosungen , die ich ihnen gerne mir Schlagen vcr - qolten hätte . Niemals habe ick eine solche Nackt gehabt . Dieß sind wohl ausgesonnene Vorsichtigkeiten . Man könnte auf diese Materie - ine Parodie der zween Verse des Horaz , im II Br . deS I B . anwenden :
Ira furor breiiis eft : anirnurn rege : qui nili paret ,
Iinperat : hunc fraenis , hunc tu compefce catena .
62 und 6z Vers .
Diese Damen , so unbescheiden man sie auch vorstellen möchte , sind noch viel klüger , als die Andächtigen von Frontevaux gewesen . Geseht , dasjenige ist wahr , was von ihnen gesager wird : so kann nian in die - fem Falle die Worte des Evangelisten Lucas XVI , 8 - auf sie deuten : Die Binder dieser Xvelt sind klüger , als die Rinder de« Lichtes .
( ? ) Menage verdienet , über die Beweise zu Rache ge , zogen zu werden , die der p . de la Mainferme verworfen har . Z „ BollanduS hat in feinen Anmerkungen über das Leben des „ R . von Arbrissel geschrieben , daß der P . Sirmond , der die Briese Gott - „ srieds von Vendome herausgegeben , bedauert habe , daß er denjenigen „ bekannt gemacht , davon wir erst geredet haben , weil er ihn , nach ge - „ nauer Untersuchung , für apokrvphisch gehalten ; und daß er Willens „ gewesen , ein öffentliches Zeugniß davon in der andern Ausgabe abju - „ legen . Allein ich kann versichern , daß der P . Sirmond diesen Vor - „ sah niemals gehabt , und daß es ihn niemals gereuer hat , diesen Brief „ herausgegeben zu haben . Ich habe ihn sehr vertraut und sehr lange , „ bis an seinen Tod , gekannt . - - - Pavillon saget in der Vorrede „ seiner Historie des R . von Arbrissel : daß dieser Brief Gottfrieds von „ Vendome , da er sich nicht in dem Manuskripte des Klosters Vendome „ finde , wie es der P . Sirmond gewußt , und deutlich genug zu verstehen „ gegeben habe , ihm verdächtig seyn müßte . , , Menage , Hift . deSable' , Livr . III . chap . XIX . p . 106 u . f . Nachdem Menage etliche andere Dinge , und namentlich die Bescheinigung des Vincenz von Marsolle an - geführet , so fährt er fort : „ Weil er bezeuget hat , daß sich dieser Brief „ nicht in dem besagten Manuskripte findet , so bin ich sehr überzeuget , „ daß cr sich damals nicht darinnen gesunden hat , da er dieses Zeugniß „ ert heilet Da aber gegentheils der P . Sirmond , der die Ausrichtig - „ keit selbst gewesen , und dieses Manuskript gesehen hatte , in seinen No - „ ten über diesen Brief nicht bemerket hat , daß er sich nicht in diesem „ Manuskripte befände ; auch mir es niemals gesaget hat : ob ich mich „ gleich mehr als einmal , wegen des Briefes , mit ihm befprochen habe ; „ so bin ich auch sehr überzeuget , daß er darinnen gewesen , da der P . „ Sirmond seinen Gottfried von Vendome hat drucken lassen . Er muß „ also seit dem , auf Vitren der Johanna Baptista von Bourbon , einer „ naturlichen Tochter von Frankreich , und Aebtißinn zu Frontevaux , „ herausgerissen worden , eyn ; auf deren Bitten sich auch Theophilus „ Nenaud in feinem 1 nas fortiurn Danid , von demjenigen losgesager , „ waö er vom R . von Arbrissel in seinem Buche , de fobria vtriusque fexus „ conuerfatione geschrieben hatte : welches mir von dem Jesuiten , P . „ Commire , gesaget werden . Und was es glaublich machen kann , daß „ er herausgerissen worden , ist : daß man dieses Manuskript in der Ab - „ tey Vendome nicht zeiget , sondern saget : man wisse nicht , wo es hin - „ gekommen wäre - - - Allein , was nichts destoweniger die Mey - „ nung des Bollandus , des Theophilus Renaud , des Cosnier , des Pa - „ villon und des P . de la Mainferme widerleget , ist : daß Marbodus , „ ein sehr tugendhafter Mann , der von einem Schulmeister bey der Kir - „ che zu Angers , zum Bischöfe von Rennes erhoben , und nach diesem „ ein Mönch des heil . Aubin von Angers geworden , einen dergleichen „ Brief an den R . von Arbrissel geschrieben hat ( * ) . Diesen Brief „ sieht man in der zu Rennes gedruckten Sammlung von den Briefen „ des Marbodus . Es ist wahr , daß in einem Manuskripte der Brief» „ Ildeberts , Bischofs zn Man« und ErzbischofS zu TourS , in der Bi - „ bliothek von St . Victor zu Paris , derselbe Brief demJldebertS eignet wird . Und Baluze , der uns eine Ausgabe von Ildeberts Wer - „ ken veriprocken hat , glaubet , daß er ehe vom Jldebert , als vom bodus ist . Allein , hierinnen bin ich nicht seiner Meynung : denn es „ wird mir sauer zu glauben , daß Jldebert , welcher beschuldiget wor - „ den , das zrauenvolk geliebt zu haben , den R . von Arbrissel , wegen eben „ dieser Sache , hatte beschuldigen sollen - - - Allein , wem , auch „ dieser Brief vom Jldebert wäre , so würde er doch eben dasjenige be - „ weisen , was ich zu beweisen Willens gewesen bin : daß nämlich R . «von Arbrissel für einen Mann gehalten worden , der dem Frauenvolke „ ergeben gewesen ; welches ich noch mit einem Petrus Salmiirienfis be< „ weise . Dieser Peter von Saumnr , der ein Mönch zu St . Florant „ gewesen , hatte eine Schrift gemacht , die dem Briefe Gottfrieds von „ Vendome gleich war . Diese Schrift ist zu unfern Zeiten in den Hän - „ den des P . Vignier vom Oratorio : welcher sie auf Bitten der Iohan - „ na Baptista von Bourbon , Aebtißinn von Frontevaux unterdruckt hat : „ welches ich vom Herouval , vom Dom Lucas von Acheri , vom Herrn „ wn <5euw , lauter glaubwürdigen Leuten , erfahren habe , welchen „ der P . Bignler alle diese besondern Umstände erzählet hat ( * * ) . Doch „ alles dieses sey der Ehre Arbrisseis ohne Schaden gesaget , gegen wel - „ chen ich alle erdenkliche Verehrung habe ; indem ich überzeuget bin , „ daß dasjenige Gerüchte , das von ihm herumgegangen , und weswegen „ Gottfried , Abt von Vendome , Marbodus , Bischof von Rennes , und „ Peter , der Mönch zn St . Florant , die Dinge geschrieben haben , da - „ von ich geredet , nicht den geringsten wahrhaften Grnnd gehabt . Weil „ Robert von Arbrissel ein Frauenkloster gestiftet , denver die Mannsklöster „ unterworfen ; welches Du Moulin in seinen Noten über das Decret , „ unter dem Worte , in m>I ! o Ioco 18 . Qnaeft . 2 . auf diese Art ausge« „ druckt hat : In Monafterio Fontis Ebraidi , adhiic praepoftere „ Monachi funt inferne , Monachae vero funt fliperne : und weil die , „ se Einsehung demjenigen zuwider geschienen , was der Apostel Paulus „ saget : daß die Weiber nicht über die Männer herrschen sollen ; so hat „ man geglaubet , daß er das Frauenzimmer geliebet : man hat darüber . . gespottet ; und diese Spottereyen haben Anlaß zu dergleichen Übeln Nach - „ reden gegeben^ . . In den Zusätzen , auf der 310 S . berichtet Menage : daß sick der Brief Gottfrieds , Abts von Vendome , an Rober - uVZn Arbristel , unter den geschriebenen Briefen dieses Abtes nIöcm ^uckervorrarhe der Franciscanerbarfüsscr , zum heiligenRrcuzein Florenz , sind ; welckes keinen weiter» Zweifel erlaubet , Saß er nickr von diesem Urheber seyn sollte ; Oenn er bat sich auch «n dem Manuskripte der Abrey , de la Cou - ture zw Man« , gefunden ; allein in einer andern Ordnung , als in dem florentimschen . Er ist der erste in diesem , und der 47 des IV B . in dem andern . Menage füget der Gültigkeit biefer Manuskripte Zwo Ursachen bey , die aus dem Briefe selbst genommen sind . Maglia - bechi hat ihm dasjenige zu wissen gethan , was das Manuskript zu ren ; betrifft .
( * ) Mulieriitn cohabitationem , in quo genere qiiondam peccafti , diceris plus amare : vt quafi antiquae iniquitatis contaginin , nouae religionis exemplo , circa eamdem materiam ftudeas expiare . Ha» ergo , non foluni , commimi menfa per diem , fed ^ comnumi ha . bitu per noäem , dignaiis , vt referunt ; aceubante finiul et difeipu - Iorum grege , vt inter vtrosque medius iacens , vtrique fexui vigi - liarnm et fomni leges praefigas . Has peregrinationis tuae loquun - tuf efle pediilequas ; et difputanti tibi iiigiter aflidere . Sed et diuer .
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