Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9148

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tet Gefihttinn versichert ? Ist es nicht sittlicher weise unstreitig , daß eine Frau , die einer Mannsperson bey ihr zu schlafen erlaubt , sehr ge - ne> ? t ist , derselben nichts abzuschlagen ? Würde sie sich nicht durch die Nahe eines Mannskörpers in dieser Neigung bestätigen . Würde diese Nachbarschaft nicht Gedanken und Begierden bey ihr erwecken , davon sie befreyt geblieben wäre , wenn man sie ganz allein hätte schlafen las - sw ? Sie würde sagen können :
Qui nie coinraorit , melius non tangere , clamo .
Horat . Sat . I , Libri II , Verf . 45 .
Man sehe nur , was Montagne von denjenigen Frauen saget , die an Greise verheirathet sind . Sie sind , saget er Efiais , Livre III , chap . V , pag . m . 12z , 124 . mitten im Ehstande in einem ärgern Zustande , als sie Jungfern und tvitrven . Xvir halten sie für wobl ver - sorgt , weil sie einen Mann bey sich haben . - - - Allem man überhäufet dadurch vielmehr ihre Bedürftnß , da die Äe , rührunz und Sie Gesellschaft eines Mannes , wer es auct ) feyn mag , ihre - Hiye reixet , welche in der Einsamkeit viel rnhi - ger bleiben wurde . Also gießen diese andächtigen Ritter , diese Su - cher hitziger Gelegenheiten , diese Einsiedler , welche mit der Herzhaftig - keit , ihre Enthaltung berühmt zu machen , sich in das Bette eines jungen Mägdchens Bleichen , nur Oel in ein Feuer , welches schon in der Asche verborgen liegt . Fällt aber die Verantwortung der geilen Begierden nicht auf sie , die sie bey derselben entzünden ? Es ist sehr wahrscheinlich , daß die meisten von diesen Leuten keinen vollkommenen Sieg suchen . Vollbringen sie ja nichts , so kützeln sie doch wenigstens ihre unkeusche Leidenschaft . Sie setzen sich aus den Fuß derer , welche sagen : Amare liceat , fi potiri non licet . Eft quodam prodire tenus , fi non datur »ltra . Man mache sich immer ein kleines Vergnügen , man genieße immer den Borschmack . Sie machen es wie diejenigen Männer , davon in den Streitschriften des Seneca geredet wird . Nouimus , inquit , iftam maritorum abftinentiam , qui etiamfi primam virginibus timi - dis reniifere noctem , vidnis tarnen locis ludunt . Seneca , Controu . II , Libr . I , pag . m . 95 . Also ist die Sache sehr zart , und der P . de la Mainserme ist zu loben , daß er an der Schutzschrift des Stifters seines Ordens gearbeitet hat .
( N ) Der wabrhaste Sieg besieht darinnen , daß man sich , so viel als möglich , von einem solchen Leinde entfernt . ] Ich be dieses bereits zu Anfange der vorhergehenden Anmerkung berührt . Ich komme wieder darauf zurück , um diese heilsame Lehre mir gen Zeugnissen zu bestätigen . Wir wollen dasjenige zu erst besehen , was Sokrates seinen Schülern gerathen hat . Du denkest , Unver - nünftiger ! saget er , dasi die verliebten Rüste nicht vergifter sind , weil du das Gift derselben nicht stehest : wisse , daß ein schone» Frauenzimmer viel gefährlicher ist , als die Scorpionen sind , weil diese uns nicht verletzen können , wann wir sie nicht anrüh , ren ; allein die Schönheit rührer uns auch , ohne daß wir der - > selben 5» nahe kommen . U ? ir mögen sie an einem ( vrte wahr - nehmen , wo wir wollen , so schießt sie ihren Gift auf uns und verkehrt unsere Vernunft ; vielleicht sind die Liebesgötter des - wegen mir Bogen und pftilen vorgestellt worden , weil uns ein schönes Gesicht schon von weitem verwundet . Ich räche dir also Tenophon , wenn du irgend eine Schönheit entdecken soll , test , die Flucht 5» nehmen , ohne hinter dich zu sehen : und für Sich , Rritobulus , deucht mir , wird es am diensilichsien seyn , Sich ein ganzes Jahr zu entfernen ; denn diese Zeit wird nicht zulang sern , dich an deiner tvunde zu heilen . Xenophon in den merkwürdigen Dingeil des Sokrates I B . 58 S . bey mir . Ich bediene mich Charpentiers Uebersehuna . Man füge dasjenige bey , was Hie - ronymus zu denen gesaget , welche nicht billigten , daß man sich in die Wüsten begäbe , und vorgaben , daß dieses das Laster nicht bestreiten , son - der» fliehe» hieße , und daß nur diejenigen die Krone verdienten , die das - selbe bestritten und überwänden . Er hat unter andern Dingen wortet , daß man allezeit den sicherst« , Weg envählen müsse , und daßeö also besser wäre , die Flucht zu nehmen , als auf dem Kampfplätze zu bleiben , wo man fo wohl überwinden , als von dem andern überwunden werden könne . Man ist nicht sicher , hat er dazu gesetzt , wenn man nahe bey einer Schlange schläft : es kann zwar geschehen , daß sie nicht sticht ; es kann aber auch geschehen , daß sie sticht . Er drücket sich über alles dieses so wohl aus , daß ich mich nicht enthalten kann , seine Worte selbst abzuschreiben : es sind lauter Donnerschläge in Ansehung der Aus , führung , die man dem Arbrissel zugeeignet hat . Qui fciens imbecilli - tatem fuain , et vas fragile , quod portat , timet olFendere : ne iinpin gat , corruat , atque frangatur . Vnde et mulierum , maximeque ado - lefeentularum vitatafpe & um et in tantumcaftigator fui eft : vtetiam quae tuta funt , pertiinefcat . Cur , inquies , pergis ad ereinum ? vi - delicet vt te non audiarn , non videarn , vt tuo furore non rnouear , vt tua bella non patiar , ne rne capiat oculus meretricis : ne ine ma pulcherrima ad illicitos ducat amplexus . Refpondebis : hoc non eft pugnare , fed fugere ; fta in acie : aduerfariis armatus obfifte , vt poftquam viceris , coroneris . Fateor imbecillitatem meam . Nolo fpe pugnare vi & oriae , ne perdam aliquando viäoriam . Si fugero , gladium deuitaui : fi ftetero , aut vincendum mihi , aut cadendum . Quid autem necelTe eft certa dimittere , et incerta fcftari ? Autfcuto , aut pedibus mors vitanda eft . Tu , qui pugnas , et fuperari potes , et vincere ; cgc» cum fugero , non vinco in eo , quod fugio : fed ideo fugio , ne vincar . Nulla fecuritas eft , vicino lerpente , dornii - re . Poteft ficri , vt me non mordeat : tarnen fieri poteft , vt do me mordeat . Hicronym . Epift . aduerf . Vigilant : Eö ist der XIII des in B . in der Ausgabe , welcher ich mich bediene , 56z S . Der Ur - Heber eines Buches , welches zu Paris im >6zo Jahre gedruckt wordeil , und den Titel hat : Le Miroir des Chanoines , hat eine große Anzahl Sprüche gesammiet , welche die Aufführung derjenigen Tollkühnen ver - dämmen , die sich der Gefahr nähern , so viel als sie können . Joseph , saget er , hat seinen Mantel fahren lassen , ohne daß er sich mit Potiphars Frau nur in einen Wortwechsel einlassen wollen , weil dieAnrührung einer Frau , als ansteckend und giftige so sebr als der Viß eines wütenden Hundes , , ufürchten isi . Vital Lernard , Chanoine de 1 Eglife Cathedrale du Puy , Miroir des Chanoines , pag . 240 . Diese Vergleichung ist aus dem Hieronymus , Ubr . I , contra lornan . vom Vital Bernhard ebendaselbst angeführt . Ipfc muUeru contathis quafi
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contagiofus et venenatus eft viro fugiendus , non minus quam ra - bidiffimi canis morfus . Unser Schriftsteller sehet dazu , daß der heil . Jordan , beym heil . Antonin , p . z . tit . 23 . c . 9 . § . einem Mönche einen derben Verweis gegebeil , weil er nur die Hand einer Frauensper - son angerührt . Ja , allein vieß ili eine andächtige Frau , hat der Mönch geantwortet : das thut nichts : ( versetzet der heil . Jordan , ) denn die Erde und das A ? asicr sind auch gut ; allein wenn sich diese zwey Elemente mit einander vermischen , so wird nicht« , als Unflath daraus . - - - „ I ) . Hieron . Ep . ad Nepot . fubfin . „ Hieronymus hat wohl erkannt , wie 1 , achtheilig der Umgang mir Frau - „ enspersonen den Geistlichen ist , ob sie gleich nicht verdächtig , und nicht „ im Übeln Rufe sind : Hofpitiolum tuum , saget er , aut raro , autnun - „ quam mulierum pedes terant ; quia non poteft toto corde cum „ Deo habitare , qui foeminarum accellibus copulatur : foemina fecuin „ pariter habitantis confcientiam exurit , foeniinae nomen tuum no - „ verint , vultum nefeiant . Die Füße der Frauen müssen den Fußbo - „ den deiner Kammer entweder niemals , oder sehr selten betrete ! , : weil „ derjenige , der an dem Gespräche der Frauen ein Gefallen hat , sich nicht „ von ganzem Herzen mit Gott beipreche» kann . Das Weib entzündet „ das Gewissen desjenigen , mit dem sie umgeht : die Weiber mögen wohl „ deinen Namen , aber nicht dein Gesichte kennen . Kenne du auch das „ ihrige nicht . - - - Cyprianus de fingul . Cler . widerlegt gen kühnen Beherzten auf eine seine und gelehrte Art , welche sich so „ viel von ihrer Frömmigkeit einbilden , daß sie nicht das geringste von „ den Frauenspersonen s»rchcen , in der großmuthigen Hoffnung , sie hat - „ ten so viel Kräfte , daß sie sich ohne Nachtheil ihrer heiligen Neigun - „ gen , glücklich von ihnen loswickeln würden . Hier ist sein Begriff : Es „ ist unmöglich , mit Flammen nmgeben zu seyn , ohne zu brennen ; es ist „ dienlicher , was gutes zu befürchten , als was böses zu vermuthen . Es „ ist nützlicher , daß sich der Mensch schwach erkennt , damit er stark wird ; „ als daß er schwach wird , wenn er stark zu seyn scheinen will . Jener „ betriegt sich , der etwas zu seyn glaubet , und in der That nichts ist . „ Wer kann wohl Feuer im Busen tragen , und seine Kleider nicht ver - „ brennen ? Ja ! allein ich will etwas zu überwinden haben , damit ich „ siegen könne . Hast du denn nicht dein eigen Fleisch zu bestreiten , und „ zu überwinden ? Warum willst du , daß dir ein ander Land Lorbern ^verschaffen soll ? Das Fleisch gelüstet wider den Geist , und der Geist „ wider das Fleisch . Dieß sey ein - für allemal gesaget : der Umgang „ mit Frauenspersonen , ist der Vogelleim des Teufels , die Menschen zu „ fangen , und in die Dienstbarkeit zubringen . - - - Ebendas . - ^zS . „ 0 eine schändliche Blindheit ! wenn man an einem Orte wohnen will , „ wo man nothwendiger weise alle Tage entweder umkommen oder über« „ winden muß , oder wenn man bey einer Otter in Sicherheit zu schla - „ sei , vermeynet . Quid tibi necefle , ( saget der heil . Hieronymus 1 . 2 . „ Ep . 9> ) in ea verläri domo , in qua necefle habeas quotidie aut „ perire , aut vincere Z quis vnquam mortalium , iuxta viperam fecu - „ ros fomnos capit ? „ Wenn wisser Schriftsteller hierauf einige Hülst - mittel wider die Bewegungen des Fleisches gegeben , so setzet er die haltung in den ersten Rang , die Besuchung guter Gesellschaften in den andern , und daraus saget er auf der - ? z S . daß der dritte wäre , sich dem Lrauenvolke ganz und gar nicht zu nähern , und sie nur von weitem zu schen ; wie Lacides ( im L . acrrius ) zum Rönige Attalus gesager , dem er die Bildnisse zeigen mußte . - - t , Augustin ferm . 250 . de tem . über diese xvorte des Apostels vaulua , l - ugite firmeationem , bemerket : daß Paulus nicht saget , widerste - her , sondern fliehet ; weil der Sieg viel gewisser in der Flucht , als im U ? iderskande ist . Contra libidinis impetum apprehende fugam , fi vis obtinere viöoriam , nee tibi verecundum fit fugere , fi eaftita - tis palmam defideras obtinere .
Tu fugiendo fuga , quem fuga fola fugat .
Ergreife nur geschwind die Flucht :
So flieht die Sünde , die dich sucht .
Diese an sich selbst so gewissen und so wichtigen Gmnd> ? tze , die 56m dieß wegen der Ehrfurcht , die man gegen die großen Heiligen heget , so schätzbar sind , welche sie in ihren Schriften einführen , sind denen Per - sonen sehr öfters eingepräget worden , die derselben am nöthigsten habe» . Man prediget ihnen dieses alle Tage ; man leget es ihnen in unzähligen Büchern vor , und gleichwohl beharren diese Personen freywillig bey der Gewohnheit , sich der Gefahr zu Unterwersen . Sollte man nicht sagen , daß sie sich einen Ruhm aus der Herzhaftigkeit machen , und daß ihnen die Flucht eine Zaghaftigkeit zu seyn scheint , die ihnen eben so schimpflich ist , als den Kriegsleuten ? Sie gehen kiibn und freudig ins Feuer : das weibliche Geschlechte , welches die Tapferkeit nicht zu seinem Loose be - kommen hat . bezeiget in diesem Punete viel Unerschrockenheit ; es nimmt nicht unwilliger in seinen Klostermauern Besuche an , als andere dieselben abstatten : man bettägt sich von Heyden Theilen , als wenn man nicht die geringste Furcht hätte , überwunden zu werden ; und es ist sehr wahr - scheinlich , daß diese Sicherheit nicht so wohl auf die Erkenntniß der ei - genen Kräfte gegründet ist , als darauf , daß man eben kein großes langen hat , sieghaft aus diesem Kampfe zu komme» ; und daß , wenn es am schlimmsten geht , der AuSaang mag auch seyn , wie er wolle , der Kampf selbst doch nicht ohne Ailnehmlichkeiteil ist . Erhält man den Sieg ; so ist es ei» Gewinn für die Natur : wird man uberwunden , so ist der Gewinn eben für sie . Dieß sey aber dennoch ohne Nachtheil der wahrhaftigen Anhänger der Keuschheit gesaget , welche dieselbe gelobt haben , und ohne Zweifel , wenn es ihnen begegnet , daß sie die Rath - schlage des heil . Hieronymus nicht ausüben können , versichert sind , daß ihre Besuche , ihre langen Unterredungen und d . gl . keine bösen Begier , den erregen werden . Allein sie würden außer allem Zweifel nicht die letzten sey» , die übermäßige Verwegenheit zu verdammen , wegen wel - cher einige den Stifter von Frontevaux strafbar halten .
( O ) Es bar Leute in der Welt gegeben , die ganze Nachte mit Frauenspersonen m e , nem Bette gelcqcn , ohne dieselben zu de« rühren . ^ Montagne versichert dieses , Eflais , Livr . II , chap . XI , p . m . 172 . ' - 7Z . Ich j>alte es für kein rvunderwerk , saget er , wie die Ronigmn vonNavarra in einem von den Mäbrchen ihres ^ep tameron thut , welches in seiner Art ein artig 2M , ch ist ; noch für eine außerordentlich schwere Sache , ganze Nachte in aller mächlichkeit und Frevheit , bev einer lange Zeit gewünschten Ge , liebten , zuzubringen , und sein N ? orr zu halten , vermöge dessen T t t z man

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