Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9138

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Fontevraud .
Rennes , zugeeignet wird , und eben dieselben Erinnerungen enthält : Ebendas . ql S . I^ulierum cohabitationen» diceris plus ainare . Has ergo non folum communi menfa per diem , fed et communi accu - bitu per no<äein dianaris , vt referunt . Man tadelt den Robert , daß er die jungen Mägdchen das Nonnenkleid allzuleichtsinnig annehmen lassen , und man stellet ihm die Übeln Folgerungen eine« solchen Ver - fahren« vor . Einige , die ihre Geburtszeit gemerkt , hätten ihr Kloster» qelübde gebrochen , um anderswo in Wochen zu liegen , und andere wä - ren gar mitten in ihren Zellen nieder gekommen . Taceo de iuuencu - lis , quas fine examine Religionen ! pvofefläs nuitata vefte per diuer - fas cellulas protinus inclufifti . Huius igitur fa<3i temeritatem mi - ferabilis exitus probat . Aliae eniin vrgent« partu , fraäii ergaftu - li» eiapfae funt , aliae , in ipfis ergaftulis pepererunt . Ebendas . 69 0 . Man merke I , daß man in dem Briefe , der dem Gottfried von Ben - dome zugeeignet wird , den Robert von Arbrissel des Ansehens der Per - son beschuldiget . Es giebt einige Frauen , saget man , gegen welche ihr allezeit freundlich , hurtig , thatig , munter und so gefallig feyd , daß ihr nichts ersparet , was ihnen eure Höflichkeit zu erkennen geben kann : die andern betreffend , wenn ihr sie ja zuweilen einer Anrede würdiget ; so fahret ihr sie mir unfreundlichen Worten an ; ihr begegnet ihnen als ein strenger Richter , und überlasset sie dem Hunger , dem Durste , und der Kälte . Ulis fiquidem te feniper fermone iocundum oftendis , et alacrem adtione , omneque genns hunianitatis exhibes , nulla fer - v'ata parcitate . Et herum . Aliis vero , fi quando cum ipfis loque - ris , femper locutione niinis durus appares , nimis diftrickus corre - ftione • illas etiam fame , et fiti ac nuditate crucias omni rclitia pietate . Ebendas . 66 S Dieß heißt dasjenige vorbringen , was Theo - vhilus Raynaud unten in der Anmerkung ( L ) bejahet , ich will sagen , daß Robert alle die schönsten ausgelesen hat , wenn er sich der Versuchung aussehen wollen , bey einer Frauensperson zn schlafen . Zum II merke man , daß der P . de la Mainferme nicht die ganze Stelle aus dem vor - gegebenen Briefe des Marbodus anführet . Zch habe sie in dem Me - nage viel vollständiger gelesen , ( man sehe die Anmerkung ( ? ) ) und darinnen gesunden , daß man den Robert erinnert , er sey ehedem , in Absicht auf das Frauenzimmer ein Süider gewesen . Ich habe darin« Nen auch noch einen andern Borwurf gefunden , dessen ich in der merkung ( ? ) gedenken werde .
( Kl Man hat diesen Auftritt in ven Nouvellen der Republik der Gelehrten gesehen . ] Man sehe den andern Artikel des April - mvnats >686 : dieser Auszug ist aus dem ersten Bande des Clypeus nafeentis Fontebraldenfis Ordinis . Der Urheber des Auszugs hat einen Menschen , der sich eine solche Gattung von Kasteyen einfalle» licßc , wie man unserm Robert beygemessen hat , mit dem Tantalus glichen . Wie aber ein jedes Gleichniß hinket , so schicket sich auch des Tantalus seines in gewissen Stucken nicht auf den Gewiisensrath die - ser Nonnen . Er könnte zwar wohl Hunger und Durst bcy dem nahen Hülfsmittel leiden : e« würde nur ungewiß seyn , ob das Hülssmittel auch qewichen wäre , wenn man sich demselben nähern wollen . Die Berglei - chunq dieser neugierigen Naturkundiger , welche mit so vielem Eifer die Ursachen der Erscheinungen ausstudieren , wurde nur in gewissen cken richtig seyn . Ihre Betrachtungen lind ihre Unter , uchungen rühren die Natur nur von außen ; das Geheimniß , welches sie suchen , ist in einem Gefäße , davon sie nur den Rand berühren können : sie gen sich drehen , wie sie wollen , sie mögen hin und wieder gehen , so den sie überall den Umfang des Zirkels und kommen niemals zum Mit - telpnnete . Dieß ist Roberts Sinnbild , wen» er nicht , wie sie , in den Grund des Geheimnisses hat eindringen wollen . ht 5f>c b>äe * * m
iviffiv tjIi yvvaittüv , n«T0TE rijt svvijg lirißtipejon ijti iiiyfjvon .
Ich habe dasjenige nicht bejahen mögen , was man von ihm saget ; denn ich finde die Ursachen des Sciu>hschrc , berS sehr gründlich ; allein man kann nicht glauben , wie viel Ketzer sich gefunden haben , die sich nach ih - rer Meynung das . Heirathen und den völligen Genuß des weiblichen Geschlechts untersager haben , und nichts destoweniger bey Frauen ge - schlafen , sie umarmet und nickt die geringste Gattung von Vorspielen vergessen haben . Man sehe die Processe des Ketzergerichts von Tou - lviise auf der m u . f . S . zu Amsterdam im > 65 . 2 Jahre gedruckt . Ich habe etwas davon in dem Artikel Gnillimctte angeführt . Man sehe auch was der Bischof Bossuet wider die HenricianerauS dem St . hard im 69 Absätze des XI B . von der Historie der Veränderungen an - führet . Dieß ist eines von den guten Merkmaalen , woraus wir erteil - nen können , daß feine Verblendung und Hirngeburt so groß ist , die nicht in der mci , schlichen Seele einen Eingang findet . Die größte Gefahr , worein diejenigen fallen können , welche das Gelübde der Keuschheit ge - than haben , besteht in der Erinnerung derjenigen Gegenstände , denen sie abgesager , nämlich dieselben in gewissen Umständen zu sehen . Zum Zeugen dienet der Einsiedler , der den Brandimart in den Armen sei - ner lieben Fleurdelis gesehen : Siehe die Briese desMarigni .
Hör ftando inginochiato in oratione ,
Vide far' a color quel gioco ftrano :
E vennegli fi fatta tentatione ,
Ch'il Breviario gli cade di rnano .
Was würde ihm ben einem Vorspiele nicht begegnet seyn : Admifliu eirciim praecordia Indens ? Man wende diese zweenVerse hier an .
0mne vafer vitium ridenti Flacctis amico
Taneit , et adniiflüs circum praecordia ludit .
Perfius , Sat . II , Verf . 116 .
Würde er wohl die Stärke de« heil . Aldhelms gehabt haben ? Damit ich hier nicht allzuweitläuftig werde , so will ich ven diesem Heiligen in der Anmerkung ( C ) bey dem Artikel Franciscusvon Assisis , reden .
( L ) Man darf sieb die Lebhaftigkeit des Eifers nicht beftem - den lasten , den dieser Mönch rvidcr die Urheber dieser beschul - digung blicken läßt . Z Er wendet vermiedene Mittel an : er schilt die zween Briese für falsch ; er behauptet , daß Gottfried von Vendome den - jenigen nickt geschrieben , der unter seinem Namen herum geht ; und e« kömmt ihm sehr befremdlich vor , daß ihn der Jestiite Sirmond als recht - mäßia heransgegeben hat , und daß man in dem Register der Materien die Worte sieht , »>ira Roberti fimplicitas et confidentia . Er dispu - lin wider den P . Alexander , welcher behauptet hat , daß dieser Brief
vom Gottfried von Vendome ist , und er beschützet sich mit dem Bekennt» nisse dieses Dominicaners , daß der dem Marbodus zugeeignete Brief untergeschoben sey . Siehe den 8 Abschnitt der ersten Dissertation . Er giebt Tom . I , Differt . I , pag . 4 , 5 . vor , daß der Ketzer Roscellin , der ans einer Kirchenversammlung als ein Tritheite verdammt worden , der Urheber des Briefe« sey , »velchen der Jesuit Sirmond unter Gottsrieds von Vendome seinen herausgegeben hat . Dieses ist die Meynung des Cardinal« Bona , und der Jesuiten BolanduS und Henschenius , wie er bemerket . Ebendas . 14 S . Er füget dazu , daß der P . Sirmond , nachdem er alle Dinge wohl erwogen , zu dieser Meynung gleichfalls über getreten sey . BolanduS versichert es auf ein Höreiifagen . Ebendas . 15 S . Er füh , ret den Theophilus Raynaud an , der dieser Meynung gleichfalls beyge» treten ist , in Triade fortium Dauid . pag . 46 . Er tadelt den P . der , weil er geleugnet , daß Sirmond wiederrufen und Lust gehabt hätte , diesen Brief in einer neuem Ausgabe auszulassen . Er beklaget sich , daß dieser Jesuit dem seligen Robert von Arbrissel groß Unrecht gethan , und er führet eine Stelle aus des P . Theophilus Raynaud Tractate de fo - bria alterins fexiis frequentatione , auf der 1Z2 S . an , welcher auf nichts als auf den vom P . Sirmond herausgegebenen Brief gegründet ist . Hier sind die Worte , die er anführet : Fecifle hoc Robertum de Arbrufcellis legitur cum omni deteftatione apud Gottfridum Vindo - cinenfem ; nec fane potefl : vlla par efie deteftatio inconfultiflimi faöi quo dicitur ( ♦ ) cum fpeciofiffima quaque facrarum Virginum , cum nitda nudiis in eodem leflo eubuifle , vt nequicquam frendentem et adhinnientem appetitum in tarn illecebrofi obieäi praefentia nouo martyrii genere atficeret .
( * ) Der P . de la Mainferme maä ) et hier diese Note , Falfo fcribit Theophilus id legi apud Gottfridum Epift . XLVII , Libr . IV . Man sehe über diese falsche Anführung des Theophilus Raynaud , die Nouvellen von der Republik der Gelehrten , Aprilmonat 1636 , pag . Z91 .
Er zeiget , daß man die Zeit nicht würde bemerken können , da Gottfried von Bendome einen solchen Brief hätte schreiben können , und er führet eine große mächtige Anzahl Ursachen an , woraus man sehen könnte , daß dieser Abt niemals geglaubt hat , es hätte Robert dergleichen Erinne - rungen nöthig . Er behauptet , daß der andere weder vom Marbodus , Bischof von Renne« , noch vom Hildebert , Bischof von Mails , und nachmaligen Erzbischofe von Tours ist ; er findet sich unter den Briefen dieses Hildebert« in dem Mannscripte der Bibliothek St . Victors in Paris . Siehe Clypeum , Diflert . I , pag . 61 . sondern daß er vom Ros - cclin oder einem andern betrügerischen Geistlichen untergeschoben wor - den . Ebendas . 9» S . Ich habe vergessen , zu sagen , daß er auf der 59 S . ein ertheiltes Zeugniß anführet , des Inhalts , daß das Manuscript der Werke Gottfrieds von Beiidome , welches man als eine Urschrift in dem Kloster der heil . Dreyfaltigkeit zu Vendome bewahret , den Brief nicht enthalte , davon hier die Rede ist . Der Prior dieses Klosters . Vineen« von Marselle , welcher General der Congregation von S . Mauri ge« wesen , hat diese Beschreibung den z des HornungS 1652 gegeben . lich bringt der P . de la Mainferme noch eine große Anzahl Beweise zu Markte , die alle aus den Lobsprüchen und Wohlthaten hergenommen sind , die er von allen demjenigen erhalten , was damals in der Welt und in der Kirche erhabenes gewesen ist , und er rechtfertiget ihn noch von andern Fehlern , die man ihm Schuld geben könnte . Ich will mich nur bey demjenigen aufhalten , was die meiste Verwandtschaft mit dem Fehler hat , davon in dieser Stelle gehandelt wird .
Man will , daß er viel Frauensleute mit sich geführet , da er die Welt durchwandert , zu predigen . Der P . de la Mainferme aber leugnet die - feS ; er bekennet nur . daß dieser Mann manchmal bey seinen Reisen Petronellen , die Aebtißinn des Ordens , und die AngardiS Priorinn von Frontevaux mit sich genommen ; dieses habe die guten Seelen nicht geärgert : vielmehr habe man sie einsmals in der Abtey zu Dol mir al - ler Gasrfreyheit empfangen ; die Patres dieses Klosters hätten alles ge - than , um ihren Gästen Ehre zu erweisen . Cum iam coeptum iter ageret confociata fibi Petronilla , aliisque noiinullis , quadam die apud Dolenfem Abbatiam hofpitalitatis gratia peruenit . Quem Monachi eiiisdetn coenobii laeti fiifcipientes , hofpitalitatis iura ei honorifice praebucrunt , vt eorum animas praedicationis fanche pa - bulo refkere dignaretur , humillime poftulauerunt . De la Mainferme , Clyp . Diflert . I , pag . 161 . Di« Stelle aus dem Briefe des Marbodu« , die Menage anführet , und die man hier unten in der Anmerk . ( ? ) sehen wird , bezeigt , daß man dem Robert vorgeworfen : er habe sich von vielen Frauenspersonen bey seinen Reisen begleiten lassen , und eine große Zahl derselben in verschiedenen Landschaften in die Wirthshäuser und Hospi - taler , mit Mannspersonen vermengt , unter dem Verwände ausgetheilt , daß sie den Armen und Reisenden dienen sollten . Man fetzet darzu , daß diese schöne Haushaltung Kinder die Menge hervorgebrächt hätte ; daher man nicht mehr in Zweifel ziehen kann , daß Robert die Ehre sei - ner Anhängerinnen großer Gefahr ausgefetzet halte .
( M ) <£s ist gervifilicb eine sehr ; arte Sacke . ^ Die Sünden der Unreinigkeit sind nicht von der Art derjenigen , die man durch Angrei« fung . Zuvorkommung und Einfallungen in ihr Gebiethe überwinden kann . Im Zurückziehen fechten oder vielmehr die Flucht nehmen , dieß ist da« sicherste Mittel , allhier den Sieg zu erhalten . Ist denn dieses nichteine sehr seltsame Verwegenheit und eine strafbare Verachtung dieser weisen Warnung , quisquis amat pcriculum , peribit in illo ; wenn man die - fen gefährlichen Feind herausfordert , und ihn so gar in seiner Vestung angreift ? Arbrissel hätte ihm kaum ins Gesicht sehen sollen , und er ist so verwegen gewesen , saget man , ihn gar zu umhalsen , um mit demselben zu ringen .
Cerui , luporum praeda rapacium ,
Scdtaniur vitro , quos opimus
Fallere et eftugere eit triumphus .
Horat . Oda IV , Libri IV , VerC 50 .
Diejenigen , welche das Gelübde der Keuschheit gethan haben , müssen , wenn sie weise sind , mit Eifer die Gabe der Vergessenheit suchen , und deii Bildern der Unreinigkeit den Eingang verwehren : e« kann ihnen also um so viel weniger erlaubt seyn , bey lebendigen Gegenstanden zu schlafen . Wenn sie auch gleich des Sieges versichert wären , so wurden sie dennoch verbun - den seyn , diese Art de« Kampfes als die Pest zu fliehen : die Lieb« gegen den Nächsten befiehlt ihnen diese Flucht . Oder sind sie denn wegen ih -

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