Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9103

Fönte . Fontevraud . 513
überzeugt , erNärt , weil er wider die Verordnungen Sr . Majestät aus läge nach England geflüchtet . Am Grunde ist dasjenige , wa« der Kö -
dem Königreiche gegangen war , und dieserwegen verurrheilt , den Kopf «ig gesagt , viel wahrscheinlicher ; und dieß mag nicht die einzige Begeben -
auf den» Platze Greve zu verlieren , wenn man ihn ergreifen konnte : eder heit gewesen seyn , wcbev der Haß , den man gegen den Cardinal hatte ,
im Bildnisse , wem , er nicht ergriffen werden könnte zuerst dem Verluste dem Könige den Verlust der Schlachten zugezogen hatte . Es ist kein
aller semerBedienungen , und Einziehung aller seinerGüter . Hiftoire meuchelmörderischer Streich gewesen , dessen die Feinde dieses Cardinal«
du Cardinal de Richelieu , zu Amsterdam 1694 gedruckt , Tom . II . pag . sich nicht bedient hätten . Sie haben den Spaniern die Siege ge -
364 , 365 . ^ch bemerke , daß ihn der König , in Ansehung der Zaghaftig - wünscht , und ihnen dieselben manchmal verschafft , in der bloßen Absicht .
keit , für unschuldig erklärt . Es ist nicht die Frage gewesen , saget er auf den Cardmal zu stürzen , der sich ohne die glücklichen Erfolge der königl , -
der 5'4 S weder von der Zaghaftigkeit , noch Ungeschicklichkeit des Her - chen Waffen nicht erhalten konnte . Allein hier ist noch eine andre Un ,
Ms de >a Valette , weil ich weis , daß es ihm weder an Herzhaftigkeit orduunq Seine Creatnren haben manchmal Schlachten aus Gefällig -
noch Fähigkeit gemangelt ; allein er hat Fontarabien nicht einnehmen keit gegen ihn , vetlvhren . Wenigstens hat man den Marschall von
wollen . Die ganze Welt hat nicht so davon geurtheilet , wie Ludwig Grammont im Perdachte haben müssen , daß er sich bey Honneeour fchla -
der Xlll . Man sebe folgende Stelle der Menagianen , nach der ersten gen lassen , bloß »m ibm einen großen Vortheil zu verschaffen . Wenn
holländischen Ausgabe auf der 259 S . „ Zur Zeit , da der Herr von man in den Denkschriften des Puysegur die Stelle liest , wo die Schlacht
„ Espcrnon nach England flüchtete , welcher beschuldiget war , daß er nicht bey Honnecour beschrieben wird , ( dieß ist auf der 234 u . f . S , bey mir )
„ Stand in einer Schlacht gehalten hatte , hat Peiresc an den großen so kann man sich nicht enthalten , zu glauben , daß der Marschall von
» , Bignon geschrieben , und ihn gefragt : ob man zum Tode verdammt wer - Grammont nicht Befehl gehabt hätte , sich schlagen zu lassen . Der Car»
„ den könnte , weil man kein Herz gehabt ? Bignon hat ihm geantwor - dinal haue den Hof verlassen : und , was hätte man wohl bequemers zu
„ tet : daß man deswegen kein Gesetze hätte , worauf man sich gründen seinem Besten thun können , als die Sachen des Königreichs in einen
. . könnte . Wenigstens verdammen dieGesetze den ersten nur zum Tode , Übeln Stand zu sehen ? Wa ? dieß nicht eben da« Mittel , das Gerüchte
„ der die Flucht nimmt , um andern zum Beyfpiele zu dienen . , , An die - zu erregen , daß alles übel gienge , seit dem er das Ruder nicht mebr führ -
fem Orte ist dem Menage sein Gedächtniß nicht wohl zu statten gekom - te ? War diese« nicht auch da« Mittel , seine Zurückrufung zu befordern ,
men , so gut , al« es auch sonsten gewesen : denn Peiresc war 5 Vierthel - damit er denen unter seiner Ablvesenheit entstandenen Unordnungen wie -
jähr , mehr oder weniger , vor der Niederlage bey Fontarabien gestorben , der abhülfe ? Auf diese Art wird das Glück der Volker , und der Ruhm
nämlich , den - 4Jun . l6z7 , siehe Gassendi in seinem Leben p . n> . Z47 , Z4y> der Fürsten , selbst den Absichten eine« einzigen Staarsbedienten , auf -
und es ist gewiß , daß der Herzog von Valette bloß wegen dieser Nieder , geopfert .
$OntC ( Moderata ) . Unter diesem Namen , hat eine venetianische Dame , ihre Werke herausgegeben : Ihr wahrer Name ist N7odcsta Pozzo gewesen a . Sie ist die Urheberinn eines Gedichtes , ilFloridoro , betitelt , und eines andern enischen Gedichtes über das Leiden und die Auferstehung Jesu Christi . Außer diesen und verschiedenen andern Gedichten , hat sie noch ein Buch herausgegeben , de Meriti delle Donne , worinnen sie behauptet , daß das weibliche Geschlecht nicht geringer sey , als das männliche . Ich habe dieses aus einem Buche genommen , welches den Titel hat : Le Coie notabili et inara - vigliofe della Citta di Veneria , gia riforniate et accommodate da Leonico Goldigni , et hora grandemente ainpliate da Zuanne Zittio . Man sehe daselbst die zu S . der venetiamschen Ausgabe von 1655 . Ich habe mich verwundert , daß man darinnen weder das Jahr der Geburt , noch das Jahr des Todes dieser Dame , noch sonst einigen andern Umstand ihres Lebens bt' merket ; allein ich habe anderswo etwas gefunden , dieses zu ersetzen . Man sehe die Anmerkung ( A ) . Moreri hat unter dem Worte Puy etwas von dieser berühmten Frauen vorgebracht .
a ) Sie hat den Verstand dich« Worte« unter dem Worte Fönte erhalten , welcher mit Pozzo übereinkommt , und unter moderst» der mit anodefta übereinkömmt . '
( ä ) Man bemerket - - - nicht den geringsten Umstand sterben , daß ihr Ehmann ihr ein Grabmahl aufrichten lassen , aufwel
ihres Leben« . Icl ? habe anderswo etwas gefunven , dieses ; u chetn diese Grabschrift eingegraben ist : „ Modeftae a Puteo , foeminac
ersetzen / Z Der P . Hilarion von Coste belehret mich , daß diese Dame , „ do & iflimae , quae varios virtutis partus , Moderatae Fontis nomine
die cvtTToöcffftpo^o Öi3cc ? i nennet , im > ; ; 5 Zahre zu Venedig ge - „ rkxtmü Ltruicis ( quikus Memoranda cecinil ) er fermone continuo
bohren gewesen ; daß sie ihren Vater und ihre Mutter im ersten Jahre „ feliciter enixa , natura« partum dum ederet , puellae vitam , fibi vero
ihres Löbens verlohrcn ; daß sie in ihren jungen Jahren in da« St . „ mortem ( prot , dolor ) afciuit . Philippus de Georgiis Petri in of -
Ntarthenkloster zu Venedig gegeben worden ; daß sie daselbst mit gro - „ ficio fuper aquis , pro ferenifl : Do . publici iura defendens , amantif .
ßcr Fertigkeit die Poesie und lateinische Sprache gelernet ; daß sie ein so „ fimae coniugi P . Obiit annoDomini 159a , Kai . Nouemb . Daß Jo«
glückliche« Gedächtiuß gehabt , daß sie eine Predigt , die sie einmal ge - Hann Nicolas Doglioni im 159Z Jahre das Leben dieser Dame Italic -
höret , von Worte zu Worte wieder hersage» können ; daß ihr Buch , nisch beschrieben hat ; daß der Pater Peter Paul Ribera dieser gelehr -
von dem Verdienste der Frauen , gleich nach ihrem Absterben ans Licht ten Heldinn in seinem Schauplätze der gelehrten Frauen eine Lobrede ge -
gegeben worden ; daß sie eine ansehnliche Heirarh mit Philippen von halten , und daß N . di Zorzi ihre Tochter , eine Vorrede zu ihren Werken
Georgiis getroffen , und daß sie - 0 Jahre mit ihm in großer Einigkeit gemacht hat . Hilarion de Cofte , Eloges des Daines illuftres , Tom ,
gelebet , bis sie den ersten de« Wintermonats >5 ? - im Wochenbette ge - II . p - 7'7 » . f .
Fontevraud , oder vielmehr Frontevaux ( A ) , eine berühmte Abtey des Kirchsprengels von Poitiers , und der Pro . vinz Anjou , erkennet Roberten von Arbrissel für ihren Stifter . Wir haben versprocheil , hier von ihm zu reden , und wir wollen dieses Versprechen halten . Er war ungefähr im 1047 Jahre , in dem Dorfe Arbrissel " , sieben Meilen von Renneö , gebohren . Er gieng in 1074 Jahre nach Paris , und ward daselbst Doctor der Gottesgelahrcheit . Ein Bischof von Reimes , der nichts verstund , und gleichwohl die Gelehrten liebte ( B ) , und ihnen was zu thun gab , ließ ihn ungefähr im 1085 Jahre nach Bretagne kommen , und trug ihm die Würde eines ErzpriesterS , und Officials auf , und hatte die Freude , zu sehen , daß er wi° der die Unordnungen zu Feldezog , die seinen Kirchsprengel verheerten . Die Zankereyen , die Simonie , die Kebsweibetty der Geistlichen , richtereu seltsame Verwüstungen darinnen an . Nachdem er vier Jahre an derAuSrottung dieser Unordnungen gear - bettet , so wendete sich Robert , der durch den Tod seines Bischofs , dem Widerwillen der Domherren ausgesetzt ward , denen seil , Verbesserungsgeist nicht gefiel b , auf eine andere Seite : er gieng nach Angers , daselbst m der Gottesgelahrcheit zu un - terweisen ; allein , er bekam einen solchen Ekel vor der Welt , da er die Verderbniß der Sitten erblickte , die darinnen herrsch , te , daß er sich in eine Wüsten begab DaS strenge Leben , daß er daselbst führte , machte viel Aufsehen ; viele Leute begaben sich zu ibm . um ihn , als einen Heiligen , zu sehen und zu hören . Er behielt einige bey sich , mit welchen er ums 1094Jahr un - aefähr die Art eines Collegii von regulären Domherren aufzurichten anfing . Urban der II , welcher zwey Jahre darauf nach Frankreich kam , horte fo viel Gutes von ihm , daß er ihn zu sich forderte ; und , weil er ihn gern predigen hören wollte , ihn die Einweihungspredigt einer Kirche halten ließ d . Er that dieselbe so erbaulich , daß er ihn zum apostolischen Prediger machte . Der Baron von Eraon ward durch diese Predigt solchergestalt gerühret , daß er den folgenden Tag sogleich eine Abrey stiftete , und sie Roberten gab c . Der neue Abt verwaltete die Verrichtungen dieses Amts bis ins 1098 Jahr . Damals überlegte er , daß sein Amt eines apostolischen Predigers nicht verstattete , daß er beständig an einem Orte mit seinen Domherren einge - schlössen bliebe . Er sagte also seiner Abtey ab , und gieng von einem Orte zum andern , seine Gabe , als Prediger , anzuwenden . Nachdem er diese Handthierung zwey Jahre , in Begleitung einer großen Menge Manner und Weiber getrieben ; so beschloß er , sich zur Ruhe zu begeben , und seine Hütten in dem Walde bey Frontevaux , aufzuschlagen . Es fehlte ihm daselbst an nichts : man bemühte sich von allen Seiten , ihm dasjenige zuzuschicken , was er zum Unterhalte derer andächtigen Seelen nöthig hatte , die sich bey ihm aufhielten ; und er fand sich gar bald im Stande , von seinem Ueberflusse , Allmosen auszuthei - len . Man muß nicht vergessen / daß es zu eben derselben Zeit »och zween andre berühmte Prediger gab , die mit ihm einig wurden , die zwey Geschlechter zu theilen , uild ihm die Sorge für das Frauenvolk zu lassen ; mittlerweile sie es über sich nahmen , für die Mannspersonen zu sorgen ( L ) . So bald er gute Gesetze in seinem Kloster Fronrevaur eingeführt ! harre , so ergriff er das Amt eines wandernden Predigers wieder . Er durchwanderte verschiedene Landschaften Frankreichs , und vornehmlich Bretagne und die Normandie . Er führte zu Ronen einen von den größten Streichen aus , den ein Mensch von seiner A dens , art nur thun konnte ; denn er bekehrte , durch eine einzige Ermähnung , alle die unzuchtigen Dirnen , die sich in einem Huren - hause befanden ( D ) , in welches er zur Verkündigung des Worees Gottes , gegangen war . Er wohnte , im 1104 Jahre , der Kirchenversammlung inBeaugenci bey , und hatte darauf unter den Prälaten Sitz , jn wahrendem 1107 und 1108 Jahre durchwanderte er Anjou , Poitou und Touraine , zu Folge seines apostolischen Predigeramre . Wenigstens brachten diese Wall - derschasten diese ame Wirkung zuwege , daß sich der Orden von Frontevaux m diesen Landschaften ausbreitete ( E ) , und die Wirksamkeit der Ermahnungen des Pabstes , Paschalis des II . empfand . Der Bischof von Poitiers , war in , 1 . 06 Jahre nach Rom gereiset bey dem Pabste die Bestätigung dieses Ordens zu bitten . Er erhielt eine Bulle vcin Paschal dem II , kraft welcher diese / Pabst sich erklärte , daß er besondere Sorge für denselben fragen , und ihn der unmittelbaren Gewalt des rönii -
II Band . Ttt schen

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.