Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9086

Flora .
Siiie puer furens Impreflit memorem dente labris notara .
Non , fi me fatis audias ,
Speres perpetuum , dulcia barbarc Laedentem ofcida , quae Venus Quinta parte fui neftaris imbuit .
Nicht , daß dieser Schriftsteller alles zusammen getragen hätte , was die Poeten von dieser Materie gesaget haben : vielleicht hat er mehr zu - rück gelassen , als mitgenommen . Ich bemerke nur , daß er unter an - dem Stellen des AusoniuS seine vergessen hat , welche die verliebte Wnth gewisser Verschnittenen betrifft . Der Jesuit Theophilus Ray - naud hat sich derselben in Traft , de Eunuchis . cap . V . § . 2 . num . 12 . pag . m . 143 . sehr wohl erinnert : S . Bafilius L . de vera virgin . fuh fi . nem diftinguit duplicem eunuchismum faöitium . Vnuni , quo exfcin - ditur tota virilitas alium quo foli didymi auferuntur .
Priores Eunuchos negat S . Bafilius . . . ( Die Ergänzung dieser Lücke , findet man oben bey dem Artikel Tombabus . ) De pofteriori - bus ait , eos acrius atque ardentius inflammari libidine , et impatien - tilTinie ferri ad complexum . Et cum obftruöis per excifionein fu - perioribus meatibue , non poflint huniorem in lurabis inflaminatuin emittere : non alleniantur per complexum , vt ii , qiribus vafa funt integra et expedita ; et emiflione concupifcentiae flagrantis reniittunt ardorem ; fed pruritu affiduo ftimulati , aguntur in rabiem , nec de - fiftunt , donec fatigatio caflos conatus difturbet . Probat hoc S . lius , gernino fuae actatis exemplo , quorutn alterum eft de faflä inge - nue Virgine facra , fpurcum Eiinuchum totum toti affufum , cum nonhaberet , qui oellrum concupifcentiae fedaret , ardentetn rabiem , morfibus ac infixis dentibus indicafi'e . Annuit Aufonius epigr . 160 . ( in der amsterdamer Ausgabe vom »671 . sind diese Verse das LVIIl Sinngedichte , ) fic canens .
OefeÄos fic fama viros , vbi calTa Iibido Foemineos coetus , et non fua bella lacefcit ,
Irrita vexato confumere gaudia lefto ;
Titillata breui cum iam fub fine voluptas Feruet , et ingefto peragit ludibria morfu .
Man sehe , was oben in der Anmerkung ( D ) des Artikels Adonis» und in der Anmerkung ( A ) des Artikels £«mi« , die Buhlerinn , ger wird .
Ein Arzt in Pari« , der viel geschickter in der griechischen Sprache ge - wescn , als Costar , hat sich nicht weniger , als er , bey der Stelle Plu - tarchs betrogen : 8ic Flora , saget Petrus Petitus , de Natura et Morib . Anthropophag . pag . 107 . nobile apud Romanos fcortum , et forma egregia , cum ardentius Pompeium Magnum , tum adolefcentem , depe - riret , dicere folebat ( vt quidem refert Plutarchus ) nunquam fe ab fcius amplexibus difcedere potuifle , nifi corpore eiusdem dcmorfo . Man merke . daß er sehr merkwürdige Dinge von dem viehischen Ver - fahren der Liebe beobachtet , und vorgiebt , daß eS nicht allein reizet , den geliebten Gegenstand zu beißen , sondern gar aufzufressen . Er zieht hierauf eine Stelle des Plato an , wo die Liebe dem Hunger und der Begierde verglichen wird , mit welcher die Wölfe die Lämmer suchen .
Tmv h , cri a per tävoixs yiyveToti , AAkä ciria tzqxq - i ,
, etc . Amatoris amicitiam , non beiieuolentia vlla , fed Suiditate quadain expletionis velut cibi conftare , etc . Plato , in Phae * dro , beym Petit ebendas . 108 S .
( B ) pompejus hatte tine gan ; besondre Gabe , sich bey dem Lrauen ; imnier beliebt n» machen . ] Er beweist es so wohl durch das Zeugniß der Flora , als durch die Aufführung der Julia , des Pom - pejus Gemahlinn . Dieß war eine junge Frau , die an einen , zwar nicht jungen Mann , verheiratet war , den sie doch aber brünstig geliebet hat . Pompcjus hatte sich diese Zärtlichkeit zugezogm , nicht allein durch die genaue Beobachtung der ehelichen Treue . sondern auch durch seine vtt - dinglichen Manieren , gegen das schöne Geschlecht . > k« } yitg 1t5to
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T«» flofiWiiioy , utTicv " owtv t / Tif ruflforfai tS kv3go$ «ivixf , ftovtjv yt -
vvfxnTOt rtjv T - tyaftijufvtjv , ijra etpvorit ; , a'x «KfiTov & Ä . ' tvjjaf <» rtfv ej * Af«v , Uff n & Md yjjMxS - j kyoiyov , « 9S * t>Aägov aAävut t^k trerft * * ^«usomftvfifiv . Nam ea quoque fama eft , celebratusqire fuit ülius in virum amor : non quod propter actatis florein Pompeii de - fiderio flagraret , verum in caufa videtur illius continentia fuifle vnam cognofcentis vxorem : et feueritas non cum aiiftera , fed iu - cunda coniimcia conuerfatione , quae duceret imprimis mulieres 5 niii meretrix damnanda Flora falli teftimonii fit . Plutarch . in Pom * peio , p . 647 . B .
( C ) Zvicß iff weder das erste - - nocl ) das leNtemal gewesen , daß das Äildniß einer Vuhlerin» dergleicbe» Ehre erhalren . Z Die aus dem Wasser entsprossene Venus , ist das Bildmß der Campaspe , Alexanders des großen Beyschläferinn . ( Plin . Lib . XXXV . cav . X . ) oder der Hure PKryne ihres gewesen . Atbenaeus , Lib . XIII . Man sehe den Artikel Apelleg , in den Anmerkungen ( C ) und ( l ? ) . Da Phry - ne noch jung gewesen , hat sie denen zum Vorbilde geditnt , welche die Göttinn Venus malten . Ar , 10b . Lib . Vi . p . 199 . Die Venus zu Eni - du ? , ist nach dem Gesichte einer Buhlerinn gemalt worden' , die Praxi - teles sterblich geliebt . Ebendaselbst 19z Seite . Pliniuö gedenket in des XXXV B . VIII Cap . eine« Malers , der die Göttinnen beständig nach einer von seinen Beyschläserinnen geschildert hat . Fuit Arellius» saget rr , Romac celeber , paulo ante diuuin Auguftum , nifi flagitio inligni eorrupiflet artem , femper alieuius foeminae amore flagrans , et ob »d Deas pingens , fed dileftarum imagine . Das Christenthum selbst ist nicht von dieser Unordnung ausgenommen . Man sehe die Disputa - tionen des Voetius , Tom . IV . pag . 429 . wo man diese Worte findet ; ( ich weis nicht , ob die ganze Stelle vom Molanus ist : ick vermuthe , daß alles , was nach pafeerent oculos , steht , vom Voetius ist ; ) Ql'id faftum fit aperit Molanus i ( er führet am Rande , wie Voetius saget : - >n : . Fridericus Schenckius a Tautenburg vltimus Epifcooiis Vltra - »eftmus Libro de imaginibus , cap . XII . XIII . ) in libro de Piftiins fa - cris , cap . XXIX Vifae inquit quandoque in locis vbi non deeuit aiuon . m' imagines " viuentium adhuc hominum ora vultusque referre , vt hoc vmbratico velamento illonim , quos amabant efhgie pafeerent oculn . Ad quas felcfla» et procacitcr venultas tvrms«
5h
pingi folcre imagines deiparae Virginis probe norunt piftores . Ich will mit einer Stelle au« den Nouvellen der Republik der Gelehrten beschließen . „ Herr Spon führet inMifcellaneis eruditae Antiquitatis , s . p . 13 . die Erklärung einer Münze Julian« des Abtrünnigen an , auf „ welcher man auf der einen Seite den Serapis sieht , der dem Ju - „ Ikm vollkommen gleicht ; und auf der andern die Figur eines Her . „ manubis . Es ist nicht« seltnes gewesen , Bildsaulen von Menschen zu „ sehen , die einem oder dem andern Gotte ähnlich gesehen . Die Schwei - „ cheley oder die Eitelkeit haben zuweilen diese Unordnung hervorge - „ bracht . Plinius gedenket eines Malers , der die Göttinnen allezeit »nach denen Buhlerinnen geschildert hat , in die er verliebt gewesen . „ Dieses kann dem Justin Martyr Anlaß gegeben haben , zu sagen , da „ er der . Heiden spottet , daß sie die Bildnisse von den Beyschläfenimen , , ihrer Maler anbethen . Allein ich weis nicht , ob nicht ein wenig Be , „ trug dabey seyn sollte , wenn man die Heiden wegen der Erfindungen „ des ZeuxiS oder eines Lysippus zur Verantwortung zieht . Was sollte „ man von einem Menschen sagen , der vorgäbe , daß diejenigen , die die „ Bildnisse St . Carl« Bonomäus zu verehren glauben , nur ein zur „ Lust , und nach dem Einfalle des Malers verfertigtes Bildniß verehr , „ ten ? Ich sage dieses dämm , weil man diesen Heiligen schr schon „ malet , ob er gleich ungemein garstig gewesen . ( Vauafior de forma „ Chrifti , pag . 200 . ) Dieß ist bey allen Bilderreligionen eine unver - „ meidliche Sache ; man muß sich entschließen , die Freyheit der Werk» „ meisier zu erdulden , und sich im Absehen auf die Figur und Gestalk „ der Gegenstände unserer Andacht auf sie zu verlassen . ( Cicero , de „ Nat . Deor . I . ) Deos ea facie nouhnus , qua pi & ores et fidlores vo» „ luerunt . XPir kennen die Götter von Gcsicble nur in fo weit , »als es den Malern und Äildftbnitzern gefällt , haben die ehrli - „ chen Heiden gesagt . Dieß verhindert nicht , daß man nicht auf guter „ Huth seyn müßte , damit keine Misbräuche vorgingen ; 5 . E . man sollte , , nicht zugeben , daß in Rom ein Bildniß der Jungftau Maria , nach „ dem Gemälde und der Aelmlichkeit , von der Schwester des PabsteS „ Alexanders des VI , geschildert wird , < Rabelais , Epitre XV . ) welch» „ zwar sehr schön . aber nicht schr tugendhaft gewesen . Man sehe die Anmerkung i . E ) des Artikels Dürer .
( D ) Tin neuerer Schriftsteller , , , hat den Irrthun» vea / Uuan ; nur halb vermieden^ Der Neuere , davon ich rede , ist la Mothe le Bayer : hier sind seine Worte ; sie wollen beweisen , da« alles in der Einbildung besteht , und daß das Laster nur hierdurch , und> nicht durch ein natürliche« und unveränderliches Gesehe von der Tugen» unterschieden sey . Es sind nur , saget er , Dialogue I . d'Orafius Tu - bero , pag . m . 46 . 47 . die gemeinen Huren und Metzen des - Hör - tacw unrer uns unehrlich : eine Lais , eine Rhodope , eine Acc» ^ . aurentia , welche von ihrem Geroinnste so viel hintcrlasf - n , Saß sie das romische Volk ; um Erben einsnen können , einc Flo , ra , eine Lanstina verdienen Tempel und Altäre . Die berülim» teste umcc den ägyptischenSpirzsäulcn ist der Tochter einen Ho * niges Ehren erbauet worden , die nat ron >edem einen ( Stein verlangt , 0er sich mit ihr gemejfen hatte ; davon gleichwol'l dieses erstaunliche Gedaude aufgefübrer worden , nachdem sie den Ronig Aethiops ihren Vater , mir Siesem artigen 5eitver - treibe bereichert harre . Man sieht hier handgreiflich , daß er nicht geglaubet , die Hure Flora hätte das römische Volk zu ihrem Erben ein - gesetzt ; denn er eignet diese That bloß der Laurentia zu . Nichts desto - weniger glaubet er , daß Flora , eine von dm römischen Göttinnen . eine vortreffliche Buhlschwester gewesen : dieses ist eine sehr große Verblen - ^ , ng ; dieß heißt ein Gebäude erhalten wollen , wenn man erstlich den Grund umgerissen hat . Es «st keine andre Buhlerinn Flora , als diejenige , von welcher Lattanzredet , und diejenige , welche den Pompcjus gelieber hat . Diese aber ist erstlich nach der Einführung der slorischen Spiele geboheen worden ; und wir haben in den Anmerkungen des vorhergehenden Ar - tikels gesehen , daß sie die andre lnicht gestiftet hat . Unser Neuerer giebt nicht vor , daß sie alle ihre Güter der Republik Rom vermacht hac . Woher hat er denn die Vergötterung einer Hure , Namens Flora , ge» nommen ?
( E ) Ich werde bemerken , woher es Montagne genommen har - - - Saß sie ihre Deluskigung in der XvKrde ihrer Kühler geftinden . Z Horaz tadelt geivisie Unzüchtige , die . eben diesem Grundsatze gefolget sind .
Huic fi Mutonis verbis mala tanta videntis
Diceret haec animus , quid vis tibi ? nunquiJ ego a te
Magno prognatum depofco confule cunnum ,
Velatumque ftola , mca cum conferbuit ira ?
Horat . Satir . H . Libr . I . verf . 6f .
Man sehe auch das patriciae immeiat vuluae de« Persius , zu Ende der letzten Satire . Man wird in der folgenden Anmerkung feben , daß ein neugebackner Schriftsteller , Antonius von Guevara , dem Monta . gne diesen schönen Umstand dargebothen hat .
( F ) Vranrome hat - - - - viel Dittge vorgegeben , die nicht den geringsten Grund Habens Er saget in dem Leben der ga - lanlen Damen , im ersten Bande ziz « . f . Seite , daß diese . SuhUrmft von großem ^ause gewestn , und dieses vor der £ . ais ^um aus gehabt , die sich jederinami als ein Tommißnickel , Llovahitt - gegen nur den Großen überlassen , so daß sie über ihre Thüre diese Schrift gesetzet - Königen , Prinzen , Dietatdren , Confuln , Sittenrichtern , Oberpriestern , Schatzmeistern . Gesandten , und andern großen Herren , ist der Eingang erlaubt , und sonst keinem . Lais har sich allezeit vor der 'Hand befahlen lasicn , und Flora nicht : sie sagte , daß sie also mir den Großen umgienge . damit sie auch mir ihr , als Große und Vornehme umgehen sollten ; und daß auch ein rveib von großer Schönheit und hohem Stamme , allexeir hoher gejchayer würde , wenn sie so verführe : wenn sie nicht» nähme 1 als was man ihr gäbe , weil eine sede artiqe Dame ih - ren Liebhabern aus Liebe , und nicht aus Gei ; , Verqnügen Macken sollte ; um so viel mehr , da alle Dinge ihren preis hat - ren , nur die Liebe nicht . Endlich har sie die Liebe xn ihrer 2»ett auf sehr manierliche Art getrieben , und sich so brav bedie - nen lassen , daß , wenn sie manchmal aus ihrem Hause in die Stttvt spateren gegangen , sie auf einen Monat genug von sich

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