Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9074

510 Flora .
feit gemacht , * u feiner Entschuldigung anzuführen , daß die ter gezwungen gewesen , nicht dasjenige zu sagen , was ihre eige - ne Meinung gewesen , sondern was wider die L . ehre nsrhig gewesen , die Sie Heiden verrheidiget Härten . Er bemüher sich auch , sie mit dem Verspiele des Apost . Paulus zu rechtfertigen ; allein sehr ungerecht , weil der Apostel diesen Misbrauch nie - mal« durch sein Erempel gebilliger , noch alle Mittel für gleich - gültig , geschweige denn für loblich gehalten hat , wenn sie nur dem Irrrhume Schaden zu chun dienen konnten , u . s . w .
( I ) Voßius hat eine Stelle des JLactan ? nidn verstanden . ^
Dieser Varcr wirft den Römern , in des l B . XX Cap . die Vergötterung einer gemeinen Hure vor , deren Fest Larcntinalia geheißen . Cr setzet dazu , daß sie einem andern liederlichen Weibsstücke , nämlich der Lanla , göttliche Ehre erwiesen , die nach dem Verrius Herkuls Hure gewesen .
Hierauf redet er von derFlora mit den obigen Worten . Voßius giebt vor , e6 hätte Laetanz die Faul« nicht von der Flora unterschieden , und man müsse Flanra anstatt Faula lesen . Allein Llaura wäre nach der alten Rechtschreibung Flora gewesen , eben so wie caudex oder co - äex , und so viele andre Wörter verwandelt worden . Sufpicior prifco more Flauram fcripfifie ( Laxantium ) id eft Floram , quod ex altera fa6hun . Voflius , de Orig . Idolol . Lib . I . cap . XII . p . 92 . Alle« ses fallt zu Boden , wenn man bedenket , daß die Faula beym Laetanz Herkuls Beyschläferinn gewesen , und daß die Flora , von der er redet , alle ihre Güter dem römischen Volke vermacht hat . So fallen die al - lerberiihmtesten Schriftsteller aus Mangel der Aufmerksamkeit in grobe Jrrthümer ! . . .
( K ) Mau wird hier unten die Schnitter des Moreri sehen . Z I . Saget er , daß man der Flora , zu Anfange des Mays , Feste gehalten .
Dieß heißt , den IV Kalendas Maii , den ersten Tag ihrer Feste , ganz an - ders nehmen , als ihn diejenigen verstehen , die auch nur die Anfangs - gründe der schönen Wissenschaften wissen . Der IV Kaiencia ; Maii ist der 28 des Aprils . Man sage mir nicht , daß die Festtage bis zu An - fange des May gedauert hätten ; dein , die Gesetze der Erzählung leiden nicht , daß man die Feste durch die lebten Tage vorzugsweise vor dem ersten bemerket . Der gute RosinuS hat sich , Antiqu . Rom . Libr . V . cap . XV . eingebildet , daß die floralischen Spiele anfanglich im Aprilmo - nate gefeyerr worden , und daß man selbige nach diesen : in den folgen - den Monat verleget hatte . Er hat die Verse des Ovidius , die er an -
Flora ,
führet , nicht verstanden ; nichts destoweniger bedeuten sie ganz klärlich , daß diese Spiele die letzten Tage des Aprils , und die ersten des Man ? » eingenommen haben :
Incipis Aprili , tranfis in tempora Maii ,
Alter te fiigiens , cum vcnit alter , habet .
Cum tua lint cedantque tibi confinia menfuia ,
Conuenit in laudes ille vel ifte tuas .
Ouidius , Faftor . Lib . V . v . >85 . Rosin hat die zween letztern nicht angeführet .
II . Saget kein einziger von denen vom Moreri angeführten Schrift steilem , daß unter währenden floralischen Spielen , die Bauherren die Ü ) ege mit 2Mumen , Dohnen und iLrbsen bestreuet hatten . Er hat dieses aus irgend einem Neuern genommen , und vielleicht aus dem Jesuiten Pomey , welcher saget : daß die Bauherren unter dieser Fever - lichkeit dem Volke Bohnen und Erbsen , und andre dergleichen Hülsen - fruchte auSgetheilet . Pomey , Panth . Mythic . pag . m . 218 . und 219 . Er führet den Valerius Maximus Lib . Ii . cap . V . an . Man suche aber daselbst so lange , als man will , so wird man nicht die geringste Svur da« von finden . Pomey yat außer Zweifel Tiraquells Auslegung über des Alexanders ab Alexandro VI B . VIII Cap . 5>z S . getrauet , wo man eben diese falsche Anführung findet . Ich glaube nicht , daß er bey An - führung Plutarchs glücklicher gewesen ist : er saget auf eine wunderliche und im Anführen unerlaubte Art , ( ich will sagen , daß er weder de>» Band , noch das Buch , noch das geringste nennet , ) es berichte uns die» fer Schriftsteller , daß das Götzenbild dieser Göttinn Flora , in dem Tem - pel Castors und Pollnx , mit einem langen Rocke bekleidet gewesen , und Bohnen , und Erbsenblüthen in der rechten Hand gehabt habe . Pomey Panth . Mythic . p . 218 . 219 . Ich müßte mich gewaltig bekriegen , wenn Plutarch etwas anders gesaget hätte , als daß Cäcilius Metellus dem Tempel Castors und Pollnx , das Bildniß der Flora gewidmet , der Beyschläferinn des großen Pompejus , einer der ichönsten Frauen , die in Rom gewesen . III . Alle vom Moreri angeführte Schriftsteller sind übel angeführet . Er führet den Laetanz an , ohne das Bllch zu bemer« ken , den Valerius Maximus aber im Lib . II . cap . V . wo gar nichts von den floralischen Spielen gesaget wird , und den Üvidius im IV B . Fafto - ruro , wo er das V hätte anführen sollen .
Flora , eine berufene Hure iu Rom , hat den Pompejus zärtlich in sich verliebt gemacht , und so viel Hochachtung gegen ihn gehabt , daß sie niemals eher die eiftigen Birten eines andern Liebhabers vergnügen wollen alö bis sie den Pompejus selbst
Schechen hat , darein zu willigen . Pompejus verfuhr auf diese Art , weil ihn dieser andre Liebhaber , der sein guter Freund war , ga - ethen hatte , bey der Flora ein gut Wort für ihn einzulegen h . Ohne Zweifel hat es den Pompejus nach diesem verdrossen , daß er bey ihr in so großem Ansehen gestanden , und so viel Gefälligkeit gefunden hatte : denn er besuchte diese Beyschläferinn nicht weiter ; welches sie in eine solche Schwermuth stürzte , daran sie lange Zeit krank gelegen c , Bey ihrem betagten Altec empfand sie ein ganz besonderes Vergnügen , an die angenehmen Minuten zu gedenken , dle sie mit dem Pompejus zugebracht , und bemerkte so gar , daß sie niemals aus seinen Annen gekommen wäre , ohne daß er sie gebissen ( A ) . Plutarch beobachtet , daß Pompejus eine ganz besondre Gabe gehabt , sich bey dem Frauenzimmer beliebt zu macheu ( B ) ; und daß Flora so schön gewesen , daß Cäcilius Metellus sie abmalen lassen , um ihr Bildniß , nebst einigen andern , in des Castors und Pollnx Tempel ausstelle ! , zu lassen d . Dieß ist weder das erste - noch das lchtemal gewesen , daß das Bildniß einer Buhlschwester derglei - chen Ehre erhalten hat ( 0 ) . Ich weis nicht , ob man nicht sagen könnte , daß diese That des Cäcilius Metellus den Irrthum veranlasset , davon ich in dem vorhergehenden Artikel gereder habe ; da ich bewiesen , daß Laetanz keinen Grund gehabt , zu sagen , daß die floralischen Spiele einer Hure zu Ehren gefeyert worden . Ein neuerer Schriftsteller , dem ohne Zweifel des Lactanz Irrthum nicht unbekanntgewesen , hat denselben dennoch nur halb vermieden ( D ) . Ich werde bemerken , woher esMontagne genommen hat , dasi die Duhlcrinn Flora keinen geringer» , als einen Dictaror , oder Consul , oder Eensor , ihrer Umac« »nung gervürdiger , und daß sie sich an der U ) ür8c ihrer Duhler erholet e ( E ) . Brantome hat den Montagne nych stiegen , und viel Dinge vorgegeben ( F ) , die gar nicht den geringsten Grund haben .
a ) Er hat Geminins geheißen . b~ ) Plutarch . in Pompeio zu Anfange 619 S . e ) TSri aärijv tirai^niSt hsyxtiv k ) ka iroÄto v * o Mimt * sl 5ts5« vorjtoy . Id fe non nieretricia Ieuitate tulille , verum er moerore et defiderio perdiu aegrotafle . Plutarch . in Pompeio , p . 619 . d~ ) Ebendaselbst , e ) Montagne Elläis , Liv . III . chap . III . p - m . 71 .
( A ) Ohne daß sie einen 2bi$ von ihm erhalten . ] Girac hauptet , Amiot hätte diese Worte im Plutarch nicht verstanden . W -
fxv le Ttjv irctigcej tfyctatrj tfStf irfießvHfM prav iiriuxSt uh rijj
yevonbnts «irj1 ttfot rov ne / iXt ) iey »\h ? auz , Aiyvtxv ii ( d>i tjv cuv« -
vaxaueanhw , uiijwt : «weaSSv . Hier ist Amiots Uebersetzung : Man sagct auch , Saß Sie - Hure Flora , da sie alt geworden , den Um - gang ungemein gern erzahlet , Ven sie in ihre» jungen Jahren mit dem pompejus gehabt , und daß sie gesaget , es fty ihr lich gewesen , wenn sie bey ilim geschlafen , daß sie von ihm ge , hen rönnen , ohne ihn ju beißen . Dieß heißt nicht , den Sinn des Originals treffen : der lateinische Uebersetzer hat es aber nicht viel besser getroffen : rloram meretriccm ahmt , natu iam grandiorem , fere fem - per commemorantem fnam cum Pompeio confuctudinein , dicere fo - litani : non potuifle fe ab illius concubitu fine aculeo difeedere . Ich bin nicht der erste , der diese Anmerkung wider den Amiot gemacht hat ; ich habe sie in der Gegenantwort des Girac , an dem Orte gelesen , wo tv seinen Gegner tadelt , daß er seine Zahne mir derienigen schonen Römerin» , ihren verglichen , die den Pompejus geliebt , und ihn niemals verlasien , ohne ihn aus guter Freundschaft zu beißen . Folg . ''dermaßen fertigt man den Costar ab . „ Diese Anwendung ist „ mit vieler Unwissenheit angefüllet ; denn es ist nicht Flora gewesm , „ die den Pompejus gebissen ; es ist Pompejus gewesen , der die Flora ge - „ bissen hat ; wie der griechische Text mit ausdrücklichen und ganz ver - , . ständlichen Worten saget . Wenn Costar kein Griechisch versteht , lind „ wenn ihn sein Amiot betrogen hat , so hätte ihn doch die Folge der „ Rede wieder zurechte bringen sollen . Zu »velchem Ende sollte ein so „ scharfsinniger Schriftsteller , als Plutarch , in der Person der Flora » . eine Geilheit bemerket haben , die dergleichen Weibspersonen , ganz ge - „ wohnlich ist ? Es war bloß nötkig , die Abschilderung des Pompe - „ jus zu machen , in sein Geheinizimmer zu gehen , und die Nachkommen - . . schaft auch von den allergeheimsten Regungen . eines fo großen Feld - „ Herrn zu unterrichten . „ Girac . Repl . Seft . VIII . pag . m . 73 . Girac hat nicht geglaubet , daß man sich an dieser Critik begnügen müsse , und er hat Recht : es war noch viel nöthiger , auch den moralischen Fehler zu zeigen , worein sein Gegner gefallen war . t Er wirft ihm auch mit terkeit vor , daß er sich nicht geschämt habe , sich mit einer
Metze 5» vergleichen , die in der romischen - Historie durch ihre - Hurereien so bekannt ist . Er hält es für etwas seltsames , daß ein Archidiakon , ein Pfarrer , von dieser Unmenschen die schöne Runsk gelerner hat , auf eine feine Art zu beißen . Seine Person betref - ftnd , so schätzet er sich glücklich , daß er den Dienstbarkeiten der^ie - be niclit unrerrvorfen siy , weil sie eine Gebietherinn wäre , die voller XPuch und Raserey ist . Ebendas . 72 Seite . Diese XVatb , verfolget er , wie ^ . ucrez saget ( * ) > erscheint nirgend mit mehre , rer - Heftigkeit , als bey dem Genüsse der unzüchtigen Ergeylich , feiten ; sie zwingt , dasjenige zu verwunden und zu beißen , was man am meisten liebet . Die Dichter reden nur immer vom Beißen ; Unmittelbar darauf redet er von der Flora und dem Pompejus
( * ) Quod petiere prettiunt ar & e , faciuntqtie dolorem Corporis , et dentes inlidunt faepe labellis ,
Ofculaque adfigunt , quia non eft pura voluptas ;
Et ftimuli fubfunt , qui inftigant laedere id ipfuin Quodcumque eft , rabies vnde illa haec germina furgunt Lucret . Libr . IV . v . 1072 .
Von diesen Dissen reden nicht nur die Poeten ; Cieero unterhalt so Hür die Richterstube , in einer von seinen Anklagen wider den Verree , auch damit : er saget , daß man an dem Angeklagten , wenn er seine Brust zeigen sollte , keine rühmliche Narben darauf sehen würde , welche die Beherzten in Schlachten erhielten ; sondern unkeusche Denkzeichen , welche geile Böcke in der Hebung unflätiger Wollüste gewinnen : Hic fcilicet eft metuendum , ne ad exituui defenfionis tuae , ( Eieero richtet die Rede an den Hortensius , des Verres Sachwalter , ) vetus illa An . toniana dicendi ratio atque autoritas proferatur , ne excitetur Ver . res , ne demidetur a pectore , ne cicatrices populus Romamis afpiciat , ex mulierum morfu veftigia libidinis atque nequitiae . Cicero iiz Verrem Libr . V . cap . XIII . Diejenigen , welche verschiedene Stellen der Poeten , diese Gattung von Bissen betreffend , zu sehen verlangen , dürfen nur , wenn es ihnen beliebt , die Auslegung des Dionysius Lam - bin , über diese Worte der XIII Ode , im I Buche de« Horaz , zu Rathe ziehen :
8iue

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.