Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9063

futis natalis dies celebrarctur editionc ludorum , quos appellant Flo - ralia . Laclant . Diuin . Inftit . Libr . I . cap . XX . p . m . 60 . Weder Ar - nvbius im III B . auf der >> ? S . und im VII B . auf der - z8 S . noch im Augustin , von ver Stadt Gottes , in des II B . XXVII Cap . und hin und wieder ( siehe auch die Noten des Coqnäus über diese Stelle , ) sagen nichts dergleichen von der Flora , ob sie gleich den Heide» die Un , reinigkeiten der floralifclxn Spiele vorwerfen : allein in dem Gespräche des MinutiuS Felix , auf der szz und 234 Seite wird sie als eine Hure vorgestellet . Ohne Zweifel muß Augustin erkannt haben , daß diese Er - ? ahlung des Lactanz übel gegründet gewesen . Ich habe in dem Scho - liastcn Juvenals , über die VI Satire , 249 Vers , gelesen , daß die florali - schen Spiele , zur Ehre der Göttinn Flora , von derBuhlerinn Flora ge - stiftet worden . Dieß kömmt aber dennoch dem Lactanz nicht zu statten . Wir werden zwar in dem folgenden Artikel sehen , daß es eine berühmte Buhlerinn gegeben hat , welche Flora geheißen ; allein es ist falsch , daß sie die Stifterinn dieser Spiele gewesen wäre . Juvenals Scholiast berrie . get sich , und allenfalls saget er doch noch nicht , wie Lactanz , daß die Hu - re Flora die floralischen Spiele für sich selbst gestiftet hätte .
( B ) D>e floralischen Spiele sind auf eine fl hr ärgerliche Art ge - feyert worden . ) Hierinnen hat Lactanz vollkommen Recht : Cele - brantur ergo illi lud» cum omni lafciuia conuenientes memoriae meretricis . Nain praeter verborum licentiam , quibus obfcoenitas omnis eftiinditur , exuuntur ctiam veftibus , populo flagitante , Mere - trices , quae tunc mimprum funguntur officio , et in confpedtu po - puli vsque ad fatietatem impudicorum luminuiu cum pudendis mo - tibus detinentur . Laftant . Diuin . Inftitut . Libr . I . cap . XX . p . m . 60 . Augustin hat an verschiedenen Orte» wider diese Unverschämtheit gehö - rig losgedonnert . Ich will nur diese Stelle aus dem LLIl Br . auf der 86 ; S . anführen : Horum plane florum non terra fertilis , non ali - Nolles ioeofae dulce cum facrum Florae Feftosque lufus et licentiam vulgi .
Cur in theatrum Cato feuere venifti !
An ideo tantum veneras , vt exires ?
Mart . Epigr . III . Libri I .
Da« Beste aber vergißt er , nämlich , daß Cato sich gar nicht hätte wegbege» bcn sollen , weil er beobachtet , daß seine Gegenwart geschickt war , eine bose Gewohnheit zu verbessern . Juvenal giebt in vier Worten einen abscheulichen Entwurf von der Unmäßigkeit der floralischen Spiele :
Dignifilma prorfus Florali matrona tuba luuen . Sat . VI . Verf . «49 .
( C ) > $ » Sie waren - - - - das Lest Ver - Huren . Z Dieses erhellet aus denen Stellen , welche ich in der vorhergehenden An - »nerkung angeführet habe . Ich will nur noch die Verse des Ovidiuö hii^ufügen :
Turba quidem cur hos celebrent meretricia ludos ,
Non ex difficili caufla petenda fubeft .
Non eft de tetricis , non eft de magna profeffis ,
Vult fua plebeio facra patere choro .
Et monet aetatis fpecie , dum floreat , vti ,
Conteumi fpinam cum ceciderc rofae .
Ouid . Faftor . Libr . V . v . 349 ,
Dieß war ja wohl eine feine Sittenlehre . Die Göttinn Flora wollte , daß die Buhlschwestern ihr Fest feyern sollten : denn es ist billig , das tzraumvolk zu erinnern , daß es seine Schönheit nutze , wenn sie noch in ihrer Blnlhe ist ; denn wenn Man das schöne Alter vorbeygehen läßt , so kömmt man in Verachtung , wie eine Rose , an welcher nichts Mehr , al« die Domen sind . Allein , w abscheulich auch diese Sittenlehre seynmag , so singt man doch dieselbe öffentlich unter den Christen in den Versammlun - NM , die mit dem Schutze der höchsten Obrigkeit beehret werden . Die Cvmödien und Opern sind ja alle mir dergleichen Lehren angefüllet .
( v ) Der Rath hat es in solche Xvcgc gerichtet , daß die Er , kenmniß einer - * * f° schändlichen lLrnseyung dem gemei« nen Evesen entzogen worden . Z Ich führe die Worte des Lactanz an . Diuin . Inftit Lib . I . cap . XX . p . 60» Quod quia Senatui flagitio - fum videbatur ab iplo nomine argumentum fmni placuit , Vt puden . dae rci quaedam dienitas'adderctur . Deam finxerunt eile , quae ribus praefit , eamquc oportere placari , vt fruges cum arboribus , aut vitibus benc , profpereque florefeerent . Eum colorem fecutus m Faftis Poeta non ignobilem Nyinpham fuifle narrauit , quae fit Chlo -
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ris vocitata , eamque Zephyro nuptam , qnafi dotis Ioco id aeeepifle nnineris a marito , vt haberet omniuin florum poteftatem .
( E ) Man hat dieses Fest erstlich in 513 Jahre Roms , ju fey , crn angefangen . ^ Dieß ist des Voßius Meynung , de Orig . Idolol . Lib . I . cap . XII . p . 93 . Der vomP . Harduin verbesserte Plinius bestäti - get sie gleichfalls . Vor der Ausgabe dieses Jesuiten , las man im Pli - NiuS : Floralia quarto Kalendas eiusdem ( Mail ) inftituerunt Vrbis anno DXVI . ex oraculis Sibyllae , vt omnia bene deilorefeerent . Plin . Lib . XVIII . cap . XXIX . pag . m . 5 - 7 . Allein der P . Harduin hat entweder durch Hülfe der Manuscripte , oder durch chronologische Grün - de in dieser Stelle das 514 Jahr hergestellt . Prius DXVI . permutatis annorum numeris legebatur : nos tum ex veftigiis veterum codictun , tum ex indubitata temporum , ratione locum eum fanaidmus . Har - dum . Folgende Stelle des Vellejus Paternilus ist ihm sehr «üblich gewesen : Proximo anno Torquato Sempronioque Cofl " . Brundifium ( colon ! s occupatum ) et poft tnennium Spoletium : quo anno Flora , lium ludorum faöum eft initium . Libr . I . cap . XIV . Nach der rechnung des Titus LiviuS und des Plinius , fällt das Consulat des Tor - quatus uud Sempronius ins sio Jahr Roms . Incidit prior ille con . fulatus in annum Vrbis DX . ex Liuiana Plinianaque Chronologia , quo fit , vt triennio interieäo Floralium celebritas ludorum ineur - rat in annum DXIV . Harduin . in Emend . Lib . XVIII . Plinii , n . 40 Weil also die floralischen Spiele drey Jahre hernach angefangen , so muß man ihren Anfang ins ; iz Jahr setzen ; P . Harduin will lieber das 514 Jahr setzen , weil er sich vermutlich einbildet , daß «ach End , « gung dieses ConsulatS drey volle Jahre verflossen sind , che die Pflanz - stadt zu Spoicto gestiftet worden . Auf diese Art würde es wahr ftyn , daß die floralischen Spiele das vierte Jahr nach diesem Consulate , näm - lich 514 angefangen hätten . Nach meinem Bedünken aber , ist es viel natürlicher , zu sagen , daß eine Sache , die nach dem ; ic> Jahre geschehen , sich im 5>z eräuget hat . Man merke . daß die floralischen Spiele , nach dem Plinius , auf die Verordnung der Sibylle angefangen haben . Alfa ist es nicht zu Folge des letzten Willens einer Hure geschehen . Der P . Harduin hat Schaumünzen von der servilischen Familie gesehen , welche diese Aufschrift enthalte» , flora . frimvs , dieß heißt nach seiner Meynung . Floralia primus edidit ; ebendas . 557S . hieraus schlichter , daß der erste , der diese Spiele angestellet , aus dieser Familie gewesen . Allein »venn man dem OvidiuS , Faftor . Lib . V . nur ein wenig glaubet : so wird man sich überzeugen , daß die ersten , die sie geseyert , zween Bau - Herren aus der Familie der Publicier gewesen . Die Schaumünzen be - kräftigen dieses : ( siehe Volfius de Orig . Idolol . Lib . I . cap . XII p . 931 und Tacitus giebt dabey keinen geringen Aueschlag , wenn er versichert , daß Lucius und Marcus Publicius den Tempel der Flora unter ihren» Bauhcrrnamte bauen lassen . Tacit . Annal . Lib . II . cap . XLIX .
( F ) Die Art , . wie man die Unkosten Oa ; u bezahlet hat , ifJeirt neuer äcuhia rvider den iLactanj . ] Man hat diejenigen mit Geld« büßen beleget , die sich die Aecker der Republik zugeeignet , und diese Geldbußen zu den Unkosten der floraliscl ) e» Spiele verwendet . Non cx Florae vel meretricis cuiusquam liaereditate , fed ex pecunia multa . ticiaeorum , qui peculatus damnati forent , quia publicum populi Ro . mani agrum occupafl'ent . Volfius , de Orig . Idol , Libr . I . cap . XLL cx Ouia . Faftor . Lib . V .
( 0 ) In 5«o Jahre Roms hat man einen Befehl gegeben , kraft desten die floralischen Spiele alle Jahre gefeiert werden sollren . 1 Ovidius biethet den Beweis davon dar : denn er führet die Göttinn Flora ein . welche erzählet , daß sie , weil sie die Blüthen der Bäume unl> Weinstöcke verderben lassen , um sich an dem römischen Volke zu rächen , weil es die fioraliWn Spiele nicht alle Jahre gefeyert hätte , den Rath genöthiget , einen Schluß wegen dieser Jahrsfeyer zu machen , wenn die Erndte gut wäre . Sie hat es gethan , und also ist derRathsfchluß un - ter dem Consulate des Postumius , und des Länas zuerst zur AuSfüh» rung gebracht worden .
Lonuenere Patres , et fi benc floreat annus ,
Numinibus noftris annua fefta vouent .
Annuimus voto . ConfuI aim Confulc ludos Poftumio Laenas perfolucre mihi .
Ouid . Faft . Libr . V . v . 317 .
( H ) Die Betrachtung des Voßins über Sen Einwurf de» JU um > 'st mcht nach «edermanns Geschmackes Nachdem er die Beweise ausgekramt , die diesen Einwurf umstoßen , so erinnert er , daß die Wahrheit nicht nöthig habe , bey der Lügen um Beystand z> , betteln ; und daß man also auch nicht alles annehmen dörfe , was die Kir - chenvätet wider die Heiden geschrieben hatten . Cumverkas falfi minime fit indiga , non otmua alba fignari linea oportere , quae veter« aduer - fus pago deditos ediflerunt . Voflius , de Orig . Idolol . Lib . I . cap . XII . pag . 94 . Blonde ! hat sich über diesen Gedanken sehr srey heraus - gelassen : Man muß , saget er , von den Sibylle» im I iE» . XXVI Cap . eine gute Sache nicht Surcl ? übcl ansgelestne Vcrnunftschl^e vertheidigen , noch alles dasjenige annehmen , was für uns 5» fevn scheint , es mag herkonuncn , ' wober es aucb wolle . Gleich , rvohl bemerket man dieses bey Von Varern ; Venn die Äegierde , sich alles ; u Nutzen ; u maclien , au« allem Vortheile ; u ziehen , Sie U ? ahrbeit ver Jiügcn selbst aus Sem Munde M reißen , unv sich den Strome» ahnlich ju machen , die Vurch die - Hestiqkeic »hres Kaufes , alles mir fort reißen , was ibnen unterwegen» be - - gegnet , hat es verursacber , Vaß viele unter ihnen , um ihrem be , gierigen Gevachrnifle nicht« entwischen m lassen , die besten Ge« legenheiten verabsäumet , Beweise von ibrer Urthe>lskrafr bey - ^»bringen ; und hat sie geredet , nicht allein alle Gedanken See - Heiden , so wohl die gegründeten als ungegründeten , an sich 5» ziehen , wie Sieseingcn großen Flusse , d , e in ihren Ufern Golv« fand unv Schlamm miteinander vermischt fortflchren ; sondern sie haben sich auch aus dieser - Haushaltung einen Ziubm ge - macht , womit ; uwe»len ein wenig Betrug verknüpft gewesen , gleich als wenn es ihnen erlaubt gewesen wäre , mit Sem Aenea» tm Virgil yu fügen : Dolus an virtus q«is in hofte requirat ? Daher ist es denn gekommen , daß - Hieronymus , ( Apologiaai Pammachium pro libris aduerf . Iouinian . ; ver siel ) von der Gewalt
dieses wunderlichen Vorurtheils führen lasft " , keine Schwierig , S«s ; keit

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