Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9040

Flacius . Flaminius .
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von Hareour die Philosophie gelehret hat , daß er im 1565 Jahre cker in der Theologie , und darauf Domherr zu Meaux geworden , und daß er im >6oz Jahre Dechant der theologischen Faeultät gewesen .
( F ) Ich werde einen Schriftsteller anführen , der ihn des ge , lehrten Diebstahls beschuldiget . ] Johann Baptista BenedictuS saget in der Vorrede seines Buckes von Sonnenuhren : daß er nichts von dem gesaget , was andere sehr wohl erkläret hätten , und daß er sich dieser Enthaltung beflissen , damit er sich das Gut eines andern zueignen , und niemand von dem Lesen anderer Bücher abwenden wol - len . Er setzet dazu , daß nicht alle Schriftsteller so gewissenhaft waren , und nennet den Münster und Fine . Quis enim Sebaftiani Munfteri , et Orontii Phinei horologiographias legit , qui non animaduerterit quam multa praeter neceflitatem de verbo ad verbum in pofterioris opere iint translata , quae poterant maiori cum vtriusque laude apud prioretn videnda relinqui , aut potius ab vtroque praetermitti , cum alter alterius imprudens calcaucrit veftigia , et quandoque eo -
dem crrore ambo dildfi eoecuticntes in eandem fotieam fefe praecL pites egerint , vt faöum eft praecipue , vbi agunt de defcriptione ho - rarii fiiper globo aut fphaerica fuperficie conuexa . Joannes Haftißa Benediltus , Patricius Venetus , in Praefat . Libri de Gnomonum Vm - braruinque Vfu . Dieses Buch ist zu Turin , >574 , in Folio gedruckt . Es sind hier zwey Dinge zu betrachten : eines ist eine Geschichte / nämlich daß des FineBuch viele AnmerkungenMünsterS . von Worte zu Worte ent - hält ; das andere ist des BenedictuS Vernunftfchiuß . Er setzet voraus , daß , wenn sie Fine nicht aus dem Münster genommen hätte , beyder Ruhm viel größer seyn wurde . Er hat gewissermaßen Recht : allein auf gewissen Seiten ist sein Gedanke falsch , und allenfalls würde er wohl gethan haben , wenn er denselben besser entwickelt hätte . Hierauf setzet er voraus , daß einer des andern Abschreiber gewesen , ohne daran zu denken . Er hatte also sagen sollen , daß Münster , der gelehrte Dieb , eben dieselben Schriftsteller bestohlen hätte , die Fine nach diesem ge , plündert hat : und er hatte uns auch sagen sollen , was dieses für Schriftsteller gewesen waren .
( Matthias ) siehe Illpricus .
seine Jerone im Telßier b , und noch wemaustlger im Moren . ^cy aver wm nur eine Vacye veruyren , vie sie beyde nicht qe - saget haben . Der Pabst harte ihn im 1545 Jahre zum Secretär der Kirchenversammlung erkiest f ; allein Flaminius schlug diese schöne Bedienung aus ; denn weil er von den neuen Meynungen eingenommen war , so wollte er seine Feder nicht zum Dienste einer Versammlung anwenden , die dieselben verfluchen würde . Dieß ist des Cardinals Pallavicini Muthmaßung . Dieser Cardinal tadelt den Fra - Paolo , wenn er von der Ehre redet , die der Pabst dem Flaminius erweisen wollen ( A ) . Er setzet auch noch dazu : daß Flaminius seit diesem das Glück gehabt , seine Jrrthümer durch den Umgang zu erkennen , den er mit dem Cardinale PoluS gepflogen , und daß er als ein guter Katholike geschrieben habe und gestorben sey . Thuanus hat die N - i - gung des Flaminius gegen die Partey der Glaubensverbesserer , gewisse Puncre betreffend , sehr wohl gewußt : er ninunt , unter andern , den Artikel vom Nachtmahle aus , und ich sehe nicht , daß Simler diese Ausnahme anficht ( B ) . Lonqolius hat dem Flaminius große Lobsprüche beygeleget ( C ) . Die Gottesfurcht dieses letztem hat nicht verhindert , daß er nicht eine große An - zahl verliebter und zwar höchsiverliebter Verse gen , acht , ob er gleich ein Geistlicher gewesen d .
Seine schwache Gesundheit hat ihn genöthiget , eine solche Diät ju beobachten , daß er es abgeschlagen , bey dem CorraduS die Abendmahlzeit zu halten , weil er befürchtet , es möchten noch andere dazu eingeladen seyn e .
a ) Siehe die Anmerkung ( C ) . b ) Lobsprüche aus dem Thuanus , Tom . I . p . Z6 u . f . nage Anti - Baillet , Tom . II . p . 337 . e ) Sebaft . Corradus , in Brutum Cicer . p . 43 .
0 Siehe die Anmerkung ( A ) . d ) Mc .
CA ) Der Cardinal pallavicini , wenn er vom Flaminius reder , hat dem Fra - Paolo critisiren nicht vergessen . ] Er beschuldiget ihn , Iftoria delConcilio diTrento , Lib . VI . c . I . num , 4 . falsch vorgegeben zu haben , daß der Pabst seinen Legaten zu wissen ge - than , es sey nicht nöthig , die Briefe im Namen der Kirchenversamm - lung auszufertigen ; sondern diejenigen wären schon zureichend , die er entweder selbst , oder die Legaten unter ihren eigenen Namen schreiben würden . Die Falschheit dieses Vorgeben« zu beweisen , beobachtet der Cardinal Pallavicini , daß der Pabst den Legaten die Formel der Unter - schriftcn und Zeichnungen der Briefe ausdrücklich bemerket habe , die im Namen der Kirchenversammlung geschrieben würden . Er sehet noch dazu : daß die Sorge , diese Briefe und die Schlüsse des Concilii aufzu - setzen , die Verrichtung des SeeretärS von der Versammlung seyn sollen , und daß der Pabst zu dieser Bedienung den Marcus Antonius Flami - niuS vorgeschlagen habe . Ebendas . Num . Adunque il Papa fe pro . porreal Concilio per Segretario Marcantonio Flaminio , chiaro fra gli Scrittori Latini di quell' eta , coine dünoftrano i fuoi verfi . Ma cgli fcufofli dal pefo , forfe perche gia covava ( * ) nella mcntc I'affezione ä quelle dottrinc in condannaiion delle quali gli farebbe convenuto d'efercitar quivi la penna : auvenga che ( Sta nella Vita del Polo fcritta dal Beccatello . ) in fine de gli anni fuoi la falutevol convcrfazione del Cardinal Polo in Viterbo lo faccfle rauuedere , e fcriver' e morir cattolicatncnte .
( * ) Dieser Ausdruck scheint mir falsch zu seyn ; denn Flaminius ist von 154 ? . bis an seinen Tod , >551 , im Lutherthume , mehr hinter sich , als vor sich gegangen .
Allein das stärkste , wider den Fra Paolo , in diesem Capitel des Car - > dinals , ist , daß man den Vätern der Versammlung , da sie sich beklaget : daß der Pabst selbst die Bedienten der Versammlung erkieste , eine voll - kommene Freyheit gelassen , zu ihrem Secretär zu erwählen , wen fle wollten , und daß sie darauf den Angelo Massarelli , erst nur bis auf weitern Be - scheid ; das heißt , bisPriuli , erwählter beständiger Secretär , Besitz von diesem Amte lähmen würde , der es aber ausgeschlagen ; und endlich zum beständigen Secretär erwählet haben . Ebendas . Num . 6 .
( B ) Ich sehe nickt , daß Simler diese Ausnahme anficht . ^ Auf die Art , wie Thuanus vom Flaminius redet , so hat er vielmehr einen Jan - ftnisten , als einen Protestanten aus ihm gemacht . Er saget : daß unter denen , die in Italien im rechten Ernste geglaubet , daß eine Verbesserung der Kirche nöthig sey , besondere Streitigkeiten über den Glauben , über die guten Werke , über die Gnade , über den fteyen Willen , über die Gna - denwahl , über den Beruf und über die Verherrlichung erhoben ; und daß die meisten über diese Materien ein Urtheil gefället , welches von demjenigen sehr weit entfernet gewesen , das damals im Schwange ge , gangen , und daß ue sich mir AugustinS Zeugnisse geschürt hätten . Die - »erwegcn , setzet Thuanus dazu , hat Augustin Fregoso Sosteneo im 1545 Jahre zu Venedig etliche aus Augnstins Büchern gezogene Werkchen drucken lassen . Flaminius hat diese Meynung angenommen , und ist , das übrige betreffend , den Lehren nicht gefolget , die man in Deutschland «m«gestreuet hatte : er hat in einem Briefe deutlich «ezeiget , daß seine Meynung , wegen des Nachtmahls , die Meynung der Kirche sey ; und er »st nicht aus seinem Lande gegangen , wie einige andere gethan , mit welch ? « er in Freundschaft zu leben , aus Neligionsurfachen , angetrieben worden war Galeaz Carracciol , Marquis von Vico , ist auch einer von dieser Zahl qeweien Cui fententiac accedebat Flaminms , cum in ce - teris fidei capitibus döchrinae per Gennaniam tunc difleminatae tni - nime adttipularetur Nam et luculentum lpfius exftat inter ris clarorun , virorum Epiftolas , de facrofanöo Euchariftiae myfte - rioex ecclefiae fenfu scripta - mandatum teftimonnmi , itaquccum alii , quibuscutn rdigionis caufa amiertiam coluerat , atque in pruxus if band . &
Galeacius Caraciolus Vici Marchio patriatn reliquifient etc . Thuan Libr . IX . P . m 177 . Teißicr hat diese Memiung bestritten , wcim man dem Iosias Si'mlcr glauben soll , faqet er Elog . aus dem Thuanus , Tom . I . p . 39 . so hat stck Thuanus betrogen , trenn er gesckrieben , daß Flaminio die L . ehrc nicht gebilliget , OicJlutbcv in Deutsckland ansgesaet hatte ; denn Simler ( in Vita P . Mar . tyr . ) setzet den Flaminio in die Zahl derer , welcke , da sie die JLefce der Protestanten angenommen haben , den Peter Marrye Vermil genorhiger , der nacl ? diesem Prediger ju Zürck den , ihrem Beispiele ; u folgen , und der Gemeinschaft der romi , scken Rircke abxnsage» . Ich habe da« ganze Leben Peter Martyr« in Melchior Adams Bande durchgegangen , welcher das von Postas Simlern verfertigte anführet , und den Flaminius betreffend , nicht * als dieses darinnen gefunden ; daß nämlich Peter Martyr der Prior eines Klosters m Neapolis gewesen , daß er durch das Lesen gewisser Bü , clM , von der Wahrheit Licht bekommen . und sich mir verschiedenen an - dächtigen und für die reine Religion eifernden Personen über allerlei , Religionsmaterien vielmal unterredet habe . Marcus Antonius Fla - miuius ist einer von den vornehmsten unter denen gewesen , welche sich wegen dieser Dinge mit Martyrn unterredet . Ich sehe hierinnen noch gar nichts , welches ThuanS Erzählung zuwider wäre , und allenfalls würde Simler vielmehr zu tadeln seyn , alS dieser große Geschichtschrei , ber , weil des Flaminius Brief glaubwürdig , und fein Aufenthalt und Tod in Italien unstreitiqe Dinge sind . Ich habe es tausendmal gesa - get : es könne em Mensch tausend MiSbrauche und tausend Unordnun - gen im Pabstthume , und viel vortteffliche Wahrheiten in Luthers Bü - chern erkennen , ohne daß er sich nothwendiger Weise verbunden halte , nach Deutschland zu reisen , und vorzugeben , daß die Papisten in allem demjenigen Unrecht haben , was die Lutheraner tadeln . Man sehe ter andern Stellen , auch die Anmerkung ( Qj . bey dem Art ke Ca - tt - llan . Teiß . er fttzet dem Thuanus das Sinngedichte des Flaminius , auf den Tod des Savomrola entgegen ; allein dieß ist kein Beweis : eine unzählige Menge Dominicaner und gute Papisten würden dieses Sinngedichte öffentlich nnterschreiben . Der in dem Leben des Galeaz Caracciol eingerückte Brief giebt viel Gottesfurcht zuerkennen ; allein man findet darinnen gar nichts , was die Annehmuna oder Billigung des Lutherthums umständlich bemerkte .
( C ) Äongtolius hat dem Flaminius grosse Lobsprücke bev , aelegct . 1 Teißier führet diese Worte des Longolius aus dem III D . seiner Briefe im II Bande seiner Zusätze , z ? 5 Seite an : Man rois - se , daß es feit verschiedenen Jabrbiin & cvten feine Person ben , die dem Flaminms am Verstände , an U ? issensckaft , an Tu , gend und an Frömmigkeit gleickgekommen . Gewiß , wenn ick von ihm rede , so bin ick gewohner 5» sagen , daß ich bis auf den beut igen Tag keinen LNenscken gekannt , der mehr Verdienst gehabt , und unglücklicker gewesen . Jch habe noch andere Stellen im II D . 190 Bl . und im HIB . 240 Bl . gefunden , wo Lonqolius eine besondere Hochachtung und Freundschaft gegen den Flaminius bezeuaet . Hier ist eine , die mir Teißiers seinen Worten eine Verwandtschaft hat : Ego nihil ad Flamtmum feripfi , quod neque feirem vt cum ipfo ageretur , neque certi qiucquam haberem , ad quod litteras meas accommodarem . Quin ingenio , induftria , vir tute aequales fuos omneis longe fuperarit , plane non dubito : nc fortuna tantae indoli maligne refponderit , etiam atque etiam timeo . Sed tarnen velim , vt animo maximo fit , optetque femper fecunda , cogitet aduerfa , ferat qualiacunque acciderint , neque libi praeftandum quiequam praeter culparn exiftimet : a qua fane tarn longe abeft quam ab ea aetate , quae vel culparn adhuc praeftare debeat . Ebend . II B . iSzBl . verfo . Flaminius ist nur noch ein junger Student gewesen , und folg - SS6 - ich

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