Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-9017

504 Fevre .
Schauplatz dies« ! Zufalls ist der Hof des Königes vonNavarra gewesen : viele Gelehrte , die mit der Königinn gespeist , haben Zeugen davon seyn müssen ; die meisten von ihnen sind gut refornnrt gewe , en : vermöge was für einer seltsamen Verschwörung sollten sie sich denn verbindlich gemacht haben , ihre ganze Lebenszeit über nicht davon zu reden ? Ver - möge was für eines Schicklals , sollte ein öffentlicher Zufall von solcher Art , die Zeugen eines ganzen HofeS länger als fünfzig Jahre gebunden gehalten haben ? Man hat gewußt , daß der ehrliche Mann bey seinem Absterben gesagt , er vermache sein Vermögen den Armen , und man har auch nicht ermangelt . di«se Sache in Versen auszubreiten :
Corpus humo mentemque Deo , bona cunda relinquo
Pauperibus : Faber haec cum moreretur , ait . Verheiden , p . ioj .
Wir werden unten sagen , daß dieß seine Grabschrift gewesen . Woher wäre es denn gekommen , daß das übrige unbekannt geblieben , welches viel würdiger war . ausposaunt zu werden ? Man setze dazu , wie unwahrscheinlich es ist , daß le Fevre ein ganzes Jahrhundert gelebet hätte : denn wenn er hun - dert und ein Jahr all gewesen wäre , da er gestorben ist , so müßte er im 1436 Jahre gebohren worden seyn . Er müßte über 86 Jahre alt gewesen seyn , da er vonMeaux entflohen ; er würde ungefähr 96 Jahre alt ge - wefen seyn , da ihm Calvin zu Nerac seine Aufwartung gemacht har .
Sollte man einen solchen Umstand wohl vergessen ? Sollte man sich bey dergleichen Greisen an unbestimmten Ausdrücken ihres Alters be - qnügen . wie Beza , VerHeiden , und die andern Männer von dieser Par - tey , in Ansehung dieses Doctors gethan ? Mit einem Worte , es giebt in die - sen letzten Jahrhunderten kein Beysplel , daß ein berühmter Mann über hundert Jahre gelebt hätte , und daß diese« gleichwohl von keinem einzi - gen Schriftsteller bemerket worden wäre .
( B " ) Man sieht im Sleivan den Inhalt dieses Briefe« . ) Er ist nach seiner Art in schönen Ausdrückungen , im 5 B . zu Ende . Allein er hat nicht gewußt . daß le Fevre sich nach Nerac geflüchtet . Per ab - fentiam quoque regis captiui Parifienfes Theologi lacobum Fabrura Stapulenferp - - - cxagitabant , ita quidem vt ill ? defena Gal - lia migraret alio . Ebendas . Spondanus aufs 1J23 Jahr ( und nicht im , wie Moreri saget ) Num . hat nur mit wenig Worten von die - fem Manne und seiner Absetzung geredet .
( C ) ( Sc hat eine Reise nach Gtrafiburg gethan - - - sich mitBucern 5» unterreden . ] Ich habe diesen besondern Umstand in Eapitons Leben erfahren . Tanta ftatim Capitonis et Bucen fama fuit , vt Iacobus Faber Stapulenfis , et Gerardus Rufus dam e Gallia profe - öi , Capitonem et Bucerum audierint , atque de omnibus doctrinae praecipuis locis cum ipfis differuerint , mifli a Margaretha Francifci Regis forore Nauarrae regina . Melch . Adain . in Vita Capiton . p . 90 . Er führet den Johann Sturm , Antipappo q , pag . ü an . Erasmus , der diesen letzten Umstand nicht gewußt , hat sich eingebildet . leFevre sey als «IN Flüchtiger in Straßburg gewesen ; Faber Stapulenfis Gallia profu - eus , saget er in einem den Märzmonat 15 - 6 unterschriebenen Br . agil Areentorati , fed mutato nomine quemadmodum Comicus die fenex , Athen' , s Cbremes erat , tu Umno Sülpbo . Es ist der 26 Br . des >8 B . - in einem andern , voii Basel den 17 May 1527 geschriebenen Briese , fa - gel er . daß le Fevre mir Ehren nach Frankreich zurückgerufen worden .
Hinc honorifice reuocatus eft in Galliam , ceflerat emm metu et eft regi chariflimus . Fpift . 13 , Lib . XIX . Dieß ist allezeit die Folge voi , der falschen Voraussetzung , als wenn dieser Doctor die Flucht gegen den Rhein genommen hätte . Es hat nicht jedermann die wahre Ursache dieser Reise , nämlich , die geheime Abschickung von der Königinn Marga - retha gewußt .
( D ) Seine natürliche Mäßigung hat ihn verlassen , da er vov der den Erasmus , seinen alten Freund , schrieb . j Er ist der fänger gewesen , und hat keine andre Ursache gehabt , als daß Erasmus , da er Noten über das neue Testament herausgab , nicht alle seine Mey , nunaen über gewisse Stellen der h . Schrift angenommen tjatte Erafm .
Eoift LI Lib . III . Er hat den Erajmus hart angefallen , und ihn be - schuldiget ! daß er Gottlosigkeiten vorgebracht hätte . Ebend . zz Br . z B . Erasmus hat sich verrheidiget : allein , nachdem er seiner Ehre dasjenige ge - leistet , was er ihr schuldig war , seinen Gegner gebethen . in leiner schaft fortzufahren , und ihn versichert , daß er niemals aufhören wurde , ihn zu lieben und hoch zu halten . Man sehe den Brief , dm er im Aprilmonate > ; >7 an ihn geschrieben ; es ist der 9 des 3 B . Er hat den fol - genden Herbstmonar deswegen noch einen andern an ihn geichrieben : es ist der zz desselben B . Die Complimente , die man wegen seines er - halten« , Sieges an ihn schrieb , sind ihm nicht angenehm gewesen , und «r hat seine Freunde ersucht , ihre Meynung gegen den le Fevre wegen diese« Zwiste« nicht zu ändern . Qyae fcribis de noftra ad Fabrum apologia , quanquam fcio animo abs te fcribi amiciflimo , mihi rnen bis molefta fuerunt , vel quod veterem animi dolorem refri - cant , vel quod tu hac occafione minus aliquanto quam vellem videris tribuere Fabro , viro quo vix in multis millibus reperias vel integriorem vel humaniorem . Hac vna in re fui diffiimlis fuit , quod amicum immerentein tarn atrociter impetiit . Quis autem omnibus horis fapuit vnquam ? Atque vtinam mihi Iicuiffet aduerfario parcere .
Nunc duobus criicior nomimbus , et quod cum tah amico coadus f , m manus conferere , et quod intelhgam quosdam de Fabro minus candide fentire de quo cupiam omnes quam optime fentire . Erafm .
Epift Y Ub HL P . 74 . Er ist an den Tonstal , englischen Abgesandten zuParis im , 5 . 7 Jahre geschrieben . Man findet viele dergleichen Stel - len in seinen Briefen . Kann man auch w»bl heldenmax . gere Gedan - ken sehen , als diese ? Le Fevre hat sich seinen Angriff bald reuen lassen ( Epift . 28 , Libr . VII , p . 398 ) und ist deswegen Nicht zur Gegenabferti - gung geschritten .
( E ) Sr hat behauptet , daß die Sünderin» - - « Maria Magdalena - - - und Maria des Lnarus Schwester , drey unterschiedene Frauen sind . Man hat diesen Zank vor einiger Zeit wieder aufgewärmer . ] Als Jacob le Fevre gegen den Anfang des XVI Jahrhundert« ein Buch über diese Materie herausgab , so ha - den Gelehrte und Ungelehrte , da« Volk und die Lehrer einHallig gesaget , daß Maria , der Martha und des Lazarus Schwester , weder von der Sünderinn im VII Cap . Lucä . noch von derjenigen unterschieden wäre , die von sieben Teufeln besessen gewesen , davon sie Christus befteyet . Die Lobgesänge nnd das Anit der Maria Magdalena in der römischen Kirchenagende sind dieser Meynung gemäß . Dieses har dennoch un -
sern le Fevre nicht abgehalten , sie zu bestreiten . Sein Buch ist im i und 1519 Jahre durch Vorsorge des Jost Clichthou wieder gedruckt wer !
15 ! »
_ I . . kt worden ,
der dessen^ Meynung folgte' , und sie zweymal wider die Anfälle des Marcus Grandivel , Domherrns zu St . Victor vertheidiger hat . Das Buch , welches Johann Fischer , Bischof zu Rochester , zum Beweise der Einheit dieser dreyen Personen wider den le Fevre geschrieben , ist »u Paris im 1519 Jahre gedruckt worden . Diese Streitigkeit hat die Ge - müther abscheulich erhitzt , theils weil die geringsten Neuerungen den Katholiken , bey Anfange des Lutherthums verdächtig schienen ; theils , weil man von der Rechrgläubigkeir des le Fevre nicht sehr überzeuget war . Allein nachdem die persönlichen Feindseligkeiten aufgehört hat , ten , so hat man angefangen , einen solchen Geschmack an seiner Mev - nung zu bekommen , daß sie zu Ende des XVI Jahrhunderts , und lange Zeit darauf , dem Glauben und der Vernunft gemäß gehalten worden . Es ist auch gar erlaubt gewesen , sie in der Sorbonne öffentlich zu ver - theidigen , in so fern man nur eine kleine Unterscheidung dazu setzte , welche in der That den ganzen Beschluß umwarf , den man zum Be - sten derselben erfunden hatte . Man war verbunden , zu sagen , daß man keine dreyfache Frau erkenne : dieß hieß eben dasjenige behaupten , was der Beschluß der Facultär verdammt hatte ; sondern drey unterschiedene Frauen , davon die eine Magdalena geheißen . Negabant a fe agnofci triplicem , fed tres diuerfas mulieres , quarum vna diceretur lena . Lami de vnica Maria Magdalena . Die Sache gierig so weit , daß sich die allergefchickteilen geschämt haben würden , bey der gemeinen Meynung zu bleiben ; da die Verbesserer des Breviars zu Paris , leans und Vienne , den Unterschied zwischen des Lazarus Schwester , der Sünderinn und der Maria Magdalena hinein gesetzt . Bey so gestal - ten Sachen haben einige Doctoren mit der Lehre ein Mitleiden gehabt , welche in die Rapuse gegeben war , und von derjenigen im Triumphe gefuhret ward , die so verdächtig geschienen hatte , da sich Jacob leFevre wider den Strom zu schwimmen erkühnte . Aus der Dissertation des P . Lami de vnica Maria Magdalena : sie steht in dem Anhange sei - ner Auslegung in Harmoniam quatuor Euangeliftarum , zu Paris 1699 gedruckt . Man sehe das Journal von Utrecht im Heu - und Au - gustmonate 1699 , aus der 448» . f . S - Der P . Alexander , welch« seit der Verbesserung der Agende zu Paris , ( nachdem er laiige ange - standen , - - - die Zeugnisse und Gründe der beyden Parteyen drucken zu lassm , ) hat in der Kirchenhistorie - - - des ersten Jahr - Hunderts Tom . II , Folio 120 . sich zu der Meynung derer gewandt , die nur eine Person daraus machet . Nach diesem hat auch der P . Lami , Priester des Oratorii , der sich nicht damit begnügt , daß er an der Her - stellung dieser Meynung in seiner neuen evangelischen Uebereinstim - mung gearbeitet hatte , die er 1689 lateinisch herausgegeben ; noch eine absonderliche Dissertation in einem französischen Traclate darüber ge - macht , der in Forme eines Briefe 1691 gedruckt worden ist . Endlich ha , ben ganz neulich der P . Mauduit , Analize de 1' Evangile , - - - 169s gedruckt , auch ein Priester des Oratorii , und Dom Pezron , in der evangelischen Historie - - - 1696 gedruckt , jeder eine Dissertation in einem Werke gemacht , das sie französisch über da« Evangelium her - ausgegeben , worinnen sie die gemeine Meymmg vertheidigen . - - - Du Hamel , Theol . Cleric . Fund . Tom II , Libr . IV . ein Mitglied von der Akademie der Wissenschaften , hat eben diese Meynung behalten . Ich entlehne dieses aus einem Buche , welches Anquetin , Pfarrer zu Lion , zu Rouen 1699 unter dem Titel drucken lassen , Difl'ertation für Sainte Marie Magdeleine , pour prouvcr que Marie Magdeleine , Marie foeur de Lazare , et la Femme pecherefle , font trois femmes , differentes . Man merke , daß Erasmus an den Bischof von Rochester geschrieben , es lege ihm alle Welt den Sieg bey ; daß es aber auch Leute gäbe , die e« übel nahmen , daß er einem Manne so hart begegnet hätte , der den Wissenschaften so viele Dienste geleistet , ai« Jacob le Fevre . Erasmus , Epift . VIII , Lib . VI , p . 352 . von Antwerpen den 2 April 1519 ge - schrieben . Wir finden in eben diesem Briefe des Erasmus , daß Sre - phan Poncher , Bischof zu Paris , den englischen Bischof angeftischt , die Feder wider diesen Doctor zu ergreifen .
( F ) <£v hat eine französische Uebersenung der vier Evangelien , und eine lateinische Dolmetschung der Äriefe des Apostels lus mir Noten - - - gemacht , worinnen er die Vulgata sehr oft tadelt . ] Diese französische Übersetzung ist mit Befteyung durch Simon von Colines 1523 gedruckt worden . Der Urheber hat seinen Namen nicht darunter gesetzt ; „ allein wir erfahren aus einem Briefe „ des Erasmus , an den Pirkheimer >5 - 6 geschrieben : daß es Jacob le „ Fevre ist , welcher wegen Herausgebung dieses Werks die Flucht nehmen „ müssen ; als wenn man damals diejenigen in Paris gestraft hätte , „ welche die Bibel ins Französische übersetzten , wegen der Unruhen , die „ diese neue Ueberfetzunqen in Europa verursachten . Jacob le Fevre , „ ( saget Erasmus im XLl V Briefe des XXX B . ) welcher aus Furcht „ entwichen war , ohne einige andere Ursache , als rveil er die „ Evangelien ins Französische übersetzt harre , ist nach Hofe zu - „ rück gerufen worden . Iacobus Faber , qui metu profugerat , non „ ob aliud nifi quod verterat Euangelia Gallice , reuocatus eft in au - „ lam . „ Simon , Nouvelles Obferuat . für le Texte et für les Ver - fion« du N . T . pag . 146 . Der P . Simon , dem ich diese Worte ab - borge , führet verschiedene Stellen au« dieser Uebersekuna an , und giebt sein Unheil davon . Dasjenige , was er aus dem vom Melchior Adam zusammen getragenen Leben Capitons , auf der 150 S . ebendas . zieht , ist
keincsweges geschickt , dasjenige zu bestätigen , was Erasmus gesaget : daß Jacob le Fevre wegen seiner neuen französischen Uebersenung von Pans gefluchtet sey ; denn es erhellet aus dieser Stelle Mel - chlor Adamö , daß dieser Doctor al6 Abgeordneter der Koniginn Mar - garetha zu Basel gewesen . Siehe oben die Anmerkung ( L ) .
. . Er hat im 1512 Jahre eine Übersetzung der Briefe des Apostel« „ Paulus mir einer Auslegung herausgegeben . Diese erste Ausgabe „ ist in dem Bucherschabe des Königes von Frankreich auf schönem Per - „ gamente . Er hat sich nicht erkühnt , die Vulgata ganz und gar zu ver - „ werfen , welche er seinem Werke ganz eingerückt nnd seiner neuen lieber * „ letzung an die Seite gefügt hat , worinnen er nicht viel von der alten „ abgebt : allein er hat seiner Auslegung critische Beobachtungen bey - „ gcfüget , welche zum Titel haben , Examinatio nonnullorum circa „ litteram ; und in diesen Beobachtungen har er sich hauptsächlich die „ Freyheir genommen , den alten lateinilchen Dolmetscher zu unrersu - „ chen , und zu verbessern . Ob er gleich darinnen viel Gelehrsamkeit
sehen

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