Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8971

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Ferner .
es würde doch ein wenig wunderlich seyn , wenn er sich den Namen ei - nc« noch lebenden und so bekannten Scribenten gegeben hätte , als mias Ferner war ; und überdieß eignet Pelisson , ttittoire de I'Acade - mie Fran^ . p . zo6 , 307 , welcher viele ungenannte und falschgenannte Stücke dieses Scribenten benennet , ihm den StaatSkatholiken nicht zu : da sie doch eine von den besten Schriften ist , die man in der lung des Du Chatelet sieht . Ungeachtet aller dieser Gründe , will ich dennoch den Ausspruch so lange verschieben , bis ich die Beweise gesehen habe , dieBailler zur Rechtfertigung seiner Meynung anfuhren wird .
( L ) Die Reformieren haben eil» häßliches Sild vom Iere - mias Lerrier gemacht ] Er erzählet selbst , daß er zwo heftige Verfol - gütigen von ihnen auszustehen gehabt ; eine , ehe er ein Katholike gewor - den , die andre nach seiner Abschwörung . ( Inder Vorrede zur AbHand - lung vom Widerchrist ) Die erste hat in der ausgestandenen Steini - gung . und der Plünderung seines Hauses , » , s . w . bestanden ; die andre ist ein Hagelwetter von Lästerschriften gewesen , die man wider ihn heraus , gegeben . Von den vielen Schmähschriften , die wider ihn herausgeae - den worden , saget er , habe er nicht mehr als zwe gelesen , eine vomS . Ce - sari , die andre von dem Synodo in Niederlangiiedoc . Man hat ihn beschuldiget : er wäre ei»» Söldling Oes Königes , unv ein Verrä - eher Oer Rirchen gewesen ; ^ er harte Zwiespalt in Oen lungen angerichtet ; er hatte Streitigkeiten unter den Großen . und Xvortgezänke unter dem Adel gesaet ; er hatte zu Nimes bleiben wollen , alle Rircken zu Grunde zu richten ; er wäre von Ihro Majestäten , wegen geheimer Diensse , begnadiget worden ; cr hätte sick vieler Mittel versickert , die Rircken zu verwüsten und auszurotten ; er wäre ein Gottesleugner geweftn ; erhärte abscheuliche Meynungei» wider das Geheimniß der Mensckwer - dung vertbeidiget ; und er hatte verdient , daß man ihn als ein VeUalskind aus der Synagoge gestoßen . Man sehe den Auszug von den Beschuldigungen wider den Ferner in der Historie des Edict« von Nantes , auf der >»4 S . des 2 DaiideS : und dieses findet man auf der 095 S . des 1 Bandes derselben Historie auf seiner Rechnung . Er » . hat alles in den politischen Versammlungen , wobey er sich befun» „ den verwirrt , weswegen ihm auch von den Synoden verbothen worden , sich nicht weiter darein zu mengen . Er hat sich in seiner sche und in seiner Provinz viel Handel gemacht , weswegen er verjagt » . worden ; und da er es überdrüßig gewesen , ein Prediger zu seyn , so bat „ er sich eine Rathsbedienung , bey dem Obergerichte zu NimeS geben las« „ sen , ob er gleich zu Paris versprochen hatte , sein Predigtamt an einmi „ andern Orr fortzusetzen . Hierauf hat man ihn als einen Ueberläufer „ abgesetzt ; endlich ist er aufrührisch geworden , und wenig Jahre darauf „ von dem Volke eben so sehr gehaßt , gestorben , als er zu Anfange seines „ Lebens von demselben geliebt worden . ( Ich habe <« bereits oben wi - der den Moreri gesagt , daß er «tflich dreyzehn Jahre nach seiner Ab - schwörung gestorben ist . ^ Der von mir angeführte Schriftsteller hat es
schändlichen Treulosigkeit verdächtig machen wird . Was wird mm» nicht erstlich zur Vermeidung einer Sache thun , die alle unsere Arbeiten und unsere Gaben unnützlich machet ?
Wie diese Betrachtung einigen Personen misfallen könnte , so will ich sie mit dem Beysalle eines sehr eifrigen Scribenten bestätigen . Er e» kennet , daß es manchmal sehr ehrliche Leute gegeben , die ihre Religion geliebt , da« iLvangelium lauter geglaubt , und nickt« destowenigcr ohne Gewissensangst Jabrgeld angenommen ha« den ; weil sie dasselbe vielmehr für Belohnungen ihrer Neigung ) ur öffentlichen Ruhe , als für Verbindungen angesehen , etwa» toiöer das Beste ihrer Rircken zu thun . Die Wahrheit zu sa - gen , fahrt er fort , so wäre es an Gertern , wo das hitzige und un - besonnene Volk sick leicht zu verwegenen und aufrühriscken Un« rernehmungen verleiten laße» konnte , ungemein gut , wenn die Pastoren weise und mäßig wären , ' damit sie »hren Schafe» durck ihre Reden und Äe^ spiele eben dieselben Regungen einblie - sen ; allein es würde viel rühmlicker seyn , ohne Anrührtmg der Begnadigungen des - Hofes , und wegen der Gerechtigkeit der Sacke silbst hieran einen Gefallen zu haben , als verdächtigere« lohnungen anzunehmen , Sie ihre Unsckuld und ihre Redlichkeit zweifelhaft macken können . Du Moulin iff vielmals von Leuten versuckt worden , die der - Hof an ihn geschickt , und die ihm große Iahrgeldcr angebothen , ohne etwas anders von ihm zu verlangen , als die Gemüther zum Frieden und zum Gehör - same anzuführen . Er hat , allezeit bezeugt , daß dieses eine Pflicht re , welclier er seine ganze Lebenszeit nackkommen würde : daß er aber die iLhre haben wolle , solckes für sick selbst und Gewip sens halben , und nickt , als ein zur Arbeit gedungener Lohn - kneckt zu thun ; so , daß er niemals das geringste von demseni - gen angenommen hat , was ihm angebothen worden . XPie schön wurde es gewesen seyn , wenn alle diesenigen , die einer glei , cken Versuckung ausgesetzt gewesen , sie auck mit gleicker ^exy hafngkeir zurückgetrieben hätten . S . Historie des EdictS von Nantes i Band 101 S Man kann nichts vernünftigerS noch billigers sagen . Alle Mirbrüder des Du Moulin hätten seine Aufführung haben sol» len : keiner darunter hätte für dasjenige Vergeltungen annehmen sol« len , was er nach seiner Pflicht thar ; allein , dem sey , wie ihm wolle , so sehen wir hier die Verdammung derjenigen verwegenen Geister , die durch die Heftigkeit des Temperaments hingerissen , unaufhörlich bereit sind , alle diejenigen , als falsche Brüder , und als Verräther auszuschreyen , welche die Geduld predigen . Der Verfasser bekennet , daß sehr ehrli» cke Leute , die ihre Religion geliebt , Jahrgelder von dem frauzöst» scheu Hofe erhalten haben , ohne daß sie willens gewesen wären , das ge» ringste wider das Wohl der Kirchen vorzunehmen , und die keinen andern Vorsatz gehabt , als eine Begnadigung anzunehmen , die sie der Sorge schuldig zu seyn geglaubt , welche sie angewendet , sich den kriegerische» Gemüthern zu widersetzen . Noch mit weit stärkerm Grunde bekennet
er , nach dem Aufstande zuNimeSgelebt . ) ^ Urtheilskraft , und zu Bettachtung dieser Jahrgelder auf eine boshafteundverhaßte Weise „ lich , herrschsüchtig , unbändig , unruhig , ^ ^ ^ unver - wn wollten , daß die Religionskriege die franzosische Monarchie in de»
„ den Händell^fthrungeschickt^wese^ ^ gustand versetzt , daraus sie Ludwig der XI , gerissen hätte : so verdienen sie
er , daß diejenigen , die ohne die geringste Begnadigung , Geduld predigen , ehrliche Leute seyn können . Die GlaubenSeiserer betreffend , welche in
„ stände verwickelt hat . Gleichwohl hat er Herzhaftigkeir genug gehabt , „ einen lebhaften Geist , eine feurige Einbildungskraft , eine große Fertig - „ keir zu reden , eine befehlerische Aissprache , und eine Heftigkeit in Thun „ und Reden , welche seine Zuhörer an sich riß , und ihnen keine Freyheit . . ließ , ihm zu widersprechen . Dieserwegen ist der Pöbel , der sich leicht - „ lich durch dergleichen Eigenschaften blenden läßt , jederzeit auf seiner „ Seite gewesen ; und er hat öfters , auch in den Synoden '»bst . über sei - » . neu Nebenbuhler , den Chauve , die Oberhand behalten . Dieser Chauve „ hatte vielmehr Redlichkeit und Urtheilskraft , und überhaupt eine rei -
Sde Ernsthaftigkeit , die ihn in den Versammlungen schätzbar gemacht .
ein das Feuer des einen , bat die Gelassenheit des andern überwo , „ gen ; nnd die Lebhaftigkeit beS Ferrier hat die Gründlichkeit des Chauve „ verdunkelt . „
XDie sehr die hitzigen Ropfe zu verwegenen Urcheilen geneigt sind .
Nicht« von der Welt steht mir im Wege , zu glauben , daß diese Abschil - derung nicht sehr treu sey ; allein ich will überhaupt sagen , und ohne die gerinqste Anwendung zu machen , daß es nicht schwer ist , zu gewissen ten , für einen falschen Bruder gehalten zu werden , ob man eck gleich nicht ist . Man darf die Sache nur auf eine andre Art ansehen , als diese hl - feigen . und von einer weitlauftigen Einbildung angesteckten Geister . Diese Leute kennen andre Leute kaum , und sich selbst kennen sie nicht viel besser . Sie bilden sich die meiste Zeit ein , sie thäten dasjenige bloß zuin Besten der Religion , was sie aus Heftigkeit und Eitelkeit vornehmen . Ihr Temperament lehret sie alle Rathschläge der Gelindigkeit und duld verabscheuen ; sie haben allein einen Geschmack an denjenigen be< herzten Anschlägen , die das Ansehen und da« zeitliche Wohl ihrer Partey erhalten ; und diese« nennen sie einen Eifer für die Sache Gottes . Doch dieß bey Seite gesetzt , so lassen sie sid> manchmal zu einer selrsa - wen Ungerechtigkeit gegen ihren Nächsten verleiten : sie glauben nicht , daß man eine andre Meynung annehmen könne , al«aus Berrätherey ; und gleichwohl giebt es Umstände , wobey man fast überzeugt seyn kann , baß es auch zum Besten des Zeitlichen , besser ist , nicht so steif zu seyn . Was thun dergleichen hitzige Geister ? Sie arbeiten aus allen ihren Kräften , ftiedfertige Leute verdächtig zu machen ; und darauf folgen diejenigen dem Sttome , die den Übeln Verdacht meiden wollen , und die« jeniqen , die sich zu widersetzen fortfahren , laufen Gefahr , sich alle Wider - wärtigkeiten de« cornpclle eiire zuzllziehen . Solcher Gestalt brauchet es in einer sehr zahlreichen Versammlung nur zween oder drey Starr - köpfe einen Beschluß zu erhalten . Man darf den ruhigen Gemüthern nur eine Furcht beybringen , daß man sich der Partey verhaßt , und einer
iücht , gehört zu werden * . Heinrich der IV und Ludwig der XIII haben e« zur Vermeidung der Religionskriege nicht nöthig gehabt , Friedensmitf ler unter ihnen und ihrem protestantischen Volke zu erkaufen . Wenn sie den Befehl hätten beobachten lassen , so hätte ihnen die Erhaltung de« Ruhstandes nicht einen Häller gekostet . Jurieu wird mir verzeihen , wenn ich mich mit seinem Bekenntnisse , welches er thut , nicht beruhige , daß M Zeit Ludwigs deS XIII , die Partei , der Huqonotten die schränkte Oberherrschaft untergraben gehabt : Der Cardinal von Ri» ckelieu , saget er Politique de Clergc p . m . 20 , hat ihnen ihre sicher» Städte weggenommen : allein dieß ist vielmehr aus einer Staarsklugheit , als aus Religionseifer gesckehen . ( * ) Man hat gesagt , daß er die Könige von Frankreich alles Zwange« befteyet . und einige Glaubenöeiferer sagen , daß der Cardinal von Riehe - lieu , der sie in den ersten Zustand verseht gefunden , sie dennoch durch dip Eroberung von Rochelle daraus gerissen hätte .
( M ) Der Cardinal Du Perron hat eine sehr boshafte Sack * wegen der Entschuldigungen gesagt , die sie wegen de» Aufstan , des zu Nimes gebraucht ] „ Die Reformirten haben ein Buch ge« „ macht , die Gewaltsamkeit zu entschuldigen , die sie gegen den Ferner ge» „ braucht haben ; sie bedienen sich der Stellen der Kirchenväter , und ui * „ ter andern des h . Bernhards , um zu beweisen , daß sie also hätten ver» „ fahren können ; weil er im Banne gewesen , und ein im Banne stehen - „ der Richter auf eine Zeitlang erlassen wäre . Nach diesem saget er ichend , der h . Bernhard redet von dem Banne , wie es seyn soll : allein „ der H . Bernhard hat alle Tage Messe gelesen ; sie bedienen sich derGe» „ setze sehr wohl^ die wir haben , wenn sie glauben , daß dieselben für sie . . sind , anders wollen sie nicht davon reden hören ; dieß ist eine pure Un - „ gerechtigkeit ihrer Sache : wenn sie sich stark genug zu seyu glaubten , „ und durch den Bann das Königreich einzunehmen , und den König ab - „ zusetzen gedächten ; ich weis nicht , was sie nicht thnn würden . „ Per . roiiiana unter dem Worte Ferner p . m . 141 . Hier ist eine Probe der Ungerechtigkeit , die man gemeiniglich den Secten S - vuld giebt , welche Man duldet . Man halt sie wegen böser Absichten in Verdacht ; man bil - det sich ein , wenn sie die Macht hätten , die Regierung zu verändern , daß sie selbe auch verändern würden , und daß sie die Grundsätze der Verfol - gung und den Umfang des Banne« nur so lange verdammten , bi« sie sich ' rselben nach ihrem Gefallen bedienen können .
Ferrier ^Iohann ) ein französischer Jesuit , gebürtig von Rouergue , folgte dem P . Annat in dem Amte des Beicht . Vaters deö Königes von Frankreich im 1670 Jahre . Er war im 1614 Jahre gebohren , und 1632 ein Jesuit geworden , rc« »««• Wo tmMfr ' " t / iKro h / p , und jwey Aahre die Moral gelehrt . Er
sehr aeschickt vorgestanden Eö ist niemand auf den
Er hatte vier
liftigen lvnatö 1674 gestov -

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