Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
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Ferner .
( A " ) Dieses ist Ursache an vielen Bewegungm gewesen . ] Das Parlement zu Toulouse hat die personliche Haft wegen dieser Disputation wider ihn beschlossen . Bey der Kammer zuCastres ist der Schluß wegen der Form des Verfahrens getheilet gewesen ; endlich hat König Heinrich der IV , einen Spruch gethan , der allen Personen von allen Ständen verbothen , diesen Prediger wegen dieses Satzes vor Gericht zu ziehen . ( Ferrier in der Vorrede der Abhandlung vom Wi - derchrist : ) Die Provineial - und Nationalsynvden haben sich des Fer - rier eifrig angenommen , ( ebendaselbst , ) welcher so listig gewesen war . die ganze Gemeinschaft in diese Sache zu mengen , bis der NationalsynoduS zu Gap , wobey er des Aufsehers Gehülfe gewesen , ( Historie des fehls von Nantes , Tom . I . pag . zy6 . ) im 1603 Jahre verordnet , daß man in das Glaudensbekenntniß einen neuen Artikel einschalten sollte , des Inhalts : Saß Oer pabs ? der eigentliche Antichrist , und ver Sohn des Verderbens fey , der in Öcm XDorce Gottes vorher verkündiget worden . Man sehe in dem Leben des Du PleßisMor - nai , auf der 296 » . f . Seite , wie Heinrich der IV sich wider diese Neue - rung gesetzet ; und man merke , in was für Bewegung die Streiche und der Eigennutz einer Privatperson , die ganze Gemeinschaft gesetzet haben .
( L ) Er ist einer von den ersten gewesen , die 5» wanke» fangen . ^ Man versichert in der Historie des Ediets von Nantes , Tom . I . pag . 595 . daß er sich durch die Liebkosungen des - Hofes verführen lassen , und daß sich die Jesuiten gerühmet , es habe ihr p . Conon , da er im 1600 Jahre zuNimes gewesen - - , einige Freundschaft mir dem Ferrier gestiftet , welckem er von dieser Zeit an die Neigungen eingeblasen , seine Brüder zu ver - rächen . Dem fey wie ihm wolle , verfolget dieser Geschichtschreiber : so hat er in den polirischen Versammlungen , wobey ersickbefun , den , alles verwirret ; weswegen es ihm auch durch die Syno - den verbothen worden , sich darein zu mengen . Der französische Mercur , Tom . II . pag . 203 . cöllnischer Ausgabe , belehret uns , daß unter den Abgeordneten der Versammlung zu Saumur , des >6» Jahres eine Eifersucht entstanden , und daß auch der Prediger Ferrier , wegen SerRrankheir seines Sohnes , und seiner Schwiegermutter , Ge - legenheit genommen , wegzugehen . Es sind in dieser Versammlung zweyerley Meynungen gewesen , ( ebendaselbst , Tom . III . pag . 156 . ) ( Eis mge haben behauptet , daß man den Genuß des Friedenbefehls , so bald derselbe ausgeftrtiget worden , haben müsie , und die an - dern . ( unter deren ? ahl Ferrier gewesen , ) daß sie ( dem niglichen Avillen zu Folge , ) beiden Xvorten des Befehls nach der Bestätigung bleiben müßten , die davon in den Parlementern ge , maclit worden . Siehe auch den II Band 496 <0 . wo gesaget wird , daß Chamier das Haupt der ersten Meynung , nämlich der eiftigen Hu - gonotten gewesen , und Ferrier das andre Haupt von den Staatshu - gonotten .
( L ) Der Synodus zu Privas hat verbothen , ih XTimes zu vredigen . 'I Der Geschichtschreiber des Ediets von Names , beschreibt diese Sache weitläustig . Es ist wegen des Ferrier geschehen , saget er im andern Bande 84 »• f . Seite , daß man auf dem Synodo zu PrivaS eine Acte aufgeseyet , wodurch die Professoren der lahrtheit von den politischen Versammlungen ausgeschlossen worden ; allein in Ansehung seiner , man nicht dabey ben , man hat ihm seinen proceß auf eine sehr schimpfliche Art gemackr . Die Mittel , die er sich erdacht hatte , diesen Streich ab - zuwenden , haben zu nichts gedienet , als demselben unvermeid -
seyet feyn sollte , wenn er ihr nicht gehorchte . Nichts destoweni - ger hat ihn der Svnodus , weil man die Sache nicht aufs äußerste trei - ben wollen , nach ? ) ? vntelimar an Chamiers Stelle geschickt , welcher als Professor der Gottesgelahrtheit nach Montauban gieng . Damals hat Ferrier sich ander ? aufgeführt , ( ebendaselbst , Tora . II . p . 122 . ) fr hat sich eine Rathsbedienunq bey dem Obergerichte zu Nimes verscl ) affr , und ist , ungeachtet der Widersetzungen des Kirchengerichts , darinnen ein - geführet worden , welches ihn hieraus den 14 des HeumonatS >6iz , nach verschiedenen Verfahren in den Bann gethan . Wir werden in der foi - genden Amnerkung die Unordnungen sehen , welche deswegen durch ei - nen Aufstand des Volkes erreget wordm .
( D ) ( Ein Aufruhr des pobels hat Anlaß zu seinerReligions - Veränderung gegeben . ^ Der Urheber des ftanzösischen MercurS hat die Umstände dieses AuftuhrS beschrieben . Ferriers Widersacher saget er im II Bande 156 . 157 Seite , da sie ihn zum Narbe beydemOberqerich - te aufgenommen sahen , haben ihn nach ihrer Mode in den Bann gethan , und den pobel zu Nimes gereizet , ihn anzufallen , wenn er ins Gbergerichr gehen , oder daraus zurück kommen würde . Du Ferrier , welcher von diesem Vorhaben Nachricht erhalten , hat nicht unterlassen , sich den 14 des HeumonatS >6iz , nebst dem Prevot ins Obergericht zu begeben : beyin - Hingehen hat er keinen Menschen angetroffen , allein bcym Weggehen , da er nach seinem Hause zurück kehren wollen , hat er seine IVidersacher mir dem pobel gefunden , welcke mir der Hand auf ihn gewiesen , und zu einan ? ver gesager : Siehe den Wolf , siehe den Wolf , den verräterischen Wols Judas : worauf sie mit Steinen nach ihm zuwerfen , unv ihn zu verfolgen angefangen , in der Absicht , ihn zu ergreiftn ; allein er har sich zu dem Lieutenant Rozel gererter . Aus Ver , druß , daß er ihnen entwischt war , sind sie nach seinem Hause gelaufen , sie haben dasselbe geplündert , und vieles von seinen , Hausrarhe und seinen Büchern vor der Thüre verbrannt . Den 15 und >6 deöHeumonatS haben sie auch alles verheeren lassen , was er auf dem Felde hatte , und seine rveinstocke ausgerissen , unv nachdem solches geschehe«» , so sind sie alle mit Lveinreben und Baumasken von Ferriers Landguts nach Nimes zurück ge - kehrt . Er hatte Mittel gefunden , sich nach Beaucaire zu retten ; nachdem er sich drey Tage in einem Begräbnisse versteckt hatte . Eben» daselbst im XII Bande 49^496 Seite . Ferrier saget es auch in der Vor - rede zur Abhandlung voni Widerehrtst . Ich bin drey Tage begraben , und wahrhaftig in ein Grab gesetzet worden . Ferrier versichert eben - daselbst , daß er von Sreinwürfen halb erschlagen worden , unv nicht anders , als durch ein Wunderwerk , aus den Händen von öreyßig Schergen des Rirckengerichrs entkommen , die sich mir einem Äoschwure verbindlich gemacht , ihn zu todten ; daß sei - ne stchzigiabrige Mutter , die Wittwe und Lockrer eines Pres Sigers , vor Schrecken über diesen klaglichen Anblick gestorben ; in währender Zeit sie von diesen Meuchelmordern hundertmal bedrohet worden , lebendig verbrannt zu werden ; daß zwey kleine Rinder durck die weise Aufführung der Rarbspersönen aus dem Feuer gerissen worden , welche von diesen rasenden Ei - ftrern mit dem Tode bedrohet worden ; Saß seine arme im neunten Monate schwangere Frau mit Hellebarden geschlagen worden ; daß man seiner fast achtzigjährigen Schwiegermutter mir glei - chcr Unmenschlichkeit begegnet , alle sein Hausgerarhe vor ihrer Rirche verbrannt ; änd der größte Theil von seinen papieren und Büchern geraubt und verbrannt , das Belke von seinem Vermögen gestohlen und verwüstet worden ; daß die von See Rammer ves Sdicrs zu Castres , und mit Beyfall aller Richter
angeborhen worden , und auch die Vorwürfe mir großen Merk - 17 " SN Siefen armen uns elenden Ik^rockenen Urtheile ,
maalen der Reue angehört , die man ihn , wegen^seiner Fehler ö'e f , c< getfan : allem nachdem er versprochen , seine Profeßion nicht zu 'b«r Religion , und mir der Ver»pc ? ckun / ^^ -
verlassen , und sie in Paris zu treiben ; so har er sich derselben ^lst eines so abscheulichen Urtl , e^ , „ ^U Paradiese« , vermir -
auf eine üble Art entlediget , und ist in seine Provinz zurück ge - hat gänzlich das Ansehen 5ÄS '' ( J : mocbt * Die - m figi ^sterung . Di , ÄLÄ« ; und einer heftigen
Die andern können durch dieses Mittel gleichfalls verdächtig werden ( * ) , und allenfalls kann alles dieses nicht zur geringsten Fol - gerung wider die Lehre und den Sinn der ganzen Partey dienen . Man weis zur Genüge , daß der aufrührifche Pöbel in keinem Lande , und bey keiner Gattung der Religion , Maße hält . Ferrier hat selbst erkannt .
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gangen , ohne einmal von den preSigern in Paris Abschied zu nehmen . Alles dieses is ? zu privas in Betrachtung gezogen worden ; und Du Moulin , welcher darauf Rechenschaft von dcmienigen abgelegt , was zu Paris vorgegangen war , wo Fer - rier «inen so hochrnürhigen als flüchtigen unSunreSlichen Geis ?
blicken lassen , gab Anlaß , Saß man seine Aufführung für sehr a» , vir unordenrlich gehalten . Man hat noch verschiedene Beschuldi - ^ 3 ^st'wmt . Die Auelegling meines Textes zu vollenden muß gungen darzu gefüget , die sein vorhergehendem Leben betrafen , " °^ 'aqen , daß Ferrier vorgiebt , es hätten alle diese Gewalttliätia - und dieselben scharf untersucht . Man hat ihm vorgeworfen , ^ " / 'e Widerschlichkeituberstieqen , mit welcher er der Erleucktuna - 5^ " J'a ? puoftßion der Gottesgelahrtheit verabsäumet ; widerstanden . Dieses ist , saget er in der Vorrede der Abhandln»» Daß crL - ehren geprcdiget , die gar nicht rechtqlaubig waren , daß vom Anriehrist , der gewöhnliche Vorwurf von Sen feinden meu «r s^ - n S»e Verwaltung der Gelder gemisckt , und eine große »es - Heils , daß ich ein gezwungener Katholike bin . itt aan ? «^ . Stimme davon ungetreuer weise zurück bcbalten , vavon er keine U " ß : und , ch bekenne es . Gott hat mir diese^Gnade wider Rechnuna ablegen wollen ; daß er gewisse Briefe entweder selbst Millen gethan , da'ch - hm widerstände . , da ich a ?
untergeschoben , oder doch , n die Untersckiebunz gewilliget , stehen , und da ich einen Abscheu vor der PfefaVrfJf
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er mir angebothen . Mein Beruf ist gewaltsam gewesen , weil meine Halsstarrigkeit - n Ser Retzerey sehr groß war Also hat Gott die allerheftigl ? en Verfolger und Fetnde der Rirche , mit seinem Donner und Blin vom Himmel zur Erde schlagen , und sie durck seine macktige Hand verblenden müsse»» . Er giedt also vor , daß die ihm begegneten Widerwärtigkeiten die Bande zerrissen , die ihn au die Ketzerey gefesselt hatten , und zu einem andern Anamas leitet , nämlich zu dem Cardinale Du Perron , der ihn in den der
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Sie ihn in fdrimpflicbe Händel und unehrliche Verstellungen verwickelt . Man hat ihm über alle diese Artikel scharfe Ver - weise gegeben ; allein außer diesem mündlichen Verweise , hat ihm der Svnodus noch befohlen , an die Rirche zu Paris , zu derselben Genugthuung , zu schreiben ; er hat ihm atich verbo - then , sich in zehn Jahren bey keinen politischen Versammlungen einzufinden ; und ihm auferlegt , sein Predigtamt außerhalb der
Provinz Languedoc zu üben . Die Kirche und die Stadt NimeS . - . .
haben Abgeordnete an den Synodus geschickt , welche nichts vergessen , Kir^ emgefuhrek . Dieser war der groß^Bekebrer derselben Zelt
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zw errennengegebcn , er sähe es sehr ungerne , daß man zum Bc - ( tcn eines Mensilicn eine so ansehnliche Abordnung abgefertiqer , der die gememe Saclie verrathen . Die Prediger , welche sich dazu geftigt hatten , bekamen wegen ihrer Gefälligkeit einen Ver - weis ; unS die Schriften , welche sie zu seiner Rechtfertigung z» übergeben ubcr sick genommen , sind für - Lasterschrifren ange , sehen worden . XTeil man aber wohl gesehen , daß Ferrier es
hierbev nicht bewenden lassen würde , und sich , da er obrigkeit - liebe Personen auf feinet Seite hatte , bey seinem Predigtamte erhalten würSe , Sessen Verrichtung man ihm nicht untersaget harte : so hat man ihm noch ftrner erklarer , Saß er Serselben ent -
dieses Ediets von Nantes , im II Bande ,
auf der 12z und 124 Seite bekennet , daß der Pöbel ohne die geringste Ehrerbierhung , weder gegen die Büraermeister , noch Richter , noch Pasto - ren , die Thüren von des Ferrier Hause erbrochen , den Hausrath ver - brannt , und alles gethan hat , was ein aufgebrachtes Volk nur thun kann , daß er alle mögliche Verwüstung in einem iandhause angerichtet , »velches dem Ferrier zugehört , und die Gefängnisse aufgesprengt , etliche Auftviegler daraus zu befreyen , welche die Richter dahin hatten setzen lassen .
Betrachtung über Sie Maxime , tompolle intrsre , nothü ge sie herein zu kon»n , ei» .
Ich will hier , ohne die geringste Absicht auf eine besondre Sache , so« gen , daß es eben so wohl ein Compclle eure , nochige sie hinaus zu : gehen ,

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