Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8927

Fem .
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bald sehen , was er mir hierauf geantwortet . Zuvor wollen wir aber einige Noten über die V Punct'e der Klage selbst machen :
I . Ich kann mit der äußersten Aufrichtigkeit versichern , daß ich nicht den Vorsah gehabt , meinen Lesern den geringsten Begriff des Vorzuges , oder der Niedrigkeit , in Ansehung dieser zween Prediger zu Metz , des Fcrri und Ancillon« , beyzubringen . Ich glaube auch nicht , daß der ehr - liche Mann , der mir die Nachrichten zugeschickt hat . an etwas derglei - «hen gedacht hatte . Ich habe sie noch einmal überlesen , seit mir die Klage bekannt geworden , und nichts darinnen gefunden , welches diesen Verdacht erwecken könnte . Die Sache ist darinnen ganz einfaltig vor - gerragen , wie ich sie gebe , und es erhellet ganz klärlich , daß er an nichts anders gedacht , als den Zeitpunct von einer nunöthigen Zäokerey zu be - merken , ivelche die Ketzerbekehrer den Reformirten gemacht haben . Es bat eine Zeit gegeben , da mein zufrieden gewesen , nur den reformir - teil Predigern , die den Titel der Pastoren annahmen , Verdrüßlichkeit zu machen ; man hat ihnen den Titel , der Diener des göttlichen Wor - res , nicht streitig gemacht : endlich aber ist man auf den Einfall gera - then , sie auch dieses Pttncts halber anzupacken . Dieses , glaube ich . ist derjenige , der mir die Nachrichten zugeschickt , in Ansehung de« Landes Meßin zu bemerken willens gewesen ; und bloß in dieser Absicht habe ich die Anmerkung angewendet , welche das Bildniß des Ferri betrifft . Wen» man mir gesaget hätte : es würden sich Leute finden , die vorge - ben wurden , daß ich dadurch den Ferri über den Antillen sehen wollte ; 1ö wurde ich geantwortet haben , daß mir dieß unmöglich vorkäme . Ich erinnere mich wenigstens ganz eigentlich , wie es mir niemals in die Ge - danken gekommen , daß jemand die Sache in diesem Verstände nehmen sollte , und wenn ich auf diesen Verdacht gefallen wäre , so würde ich die Absicht meiner Anmerkung ausdrücklich bemerket haben . Man ur - theue also , wie groß mein Erstaunen gewesen seyn müsse , da ich gesehen , baß man sich öffentlich beklaget , es wäre meine Absicht gewesen , den Ancillon zu erniedrigen und anzuschwärzen , und ich harte gesaget : man iKifcc auf seinem Kupferstiche den Titel . Prediger des Xvorrrs ( Bot ! tes , auslöschen lassen , weil man nickt eben so viel - Hochachtung gegen ihn gehabt , als gegen den andern . Dieß heißt nicht allem mir eine Absicht zueignen , die ich nicht gehabt habe ; sondern man mißt mir auch Worte bey , davon sich nicht die geringste Spur in meinem Wörterbuche findet . Ich habe tausendmal beobachtet , daß diejenigen , welche entweder das Leben oder das Lob berühmter Männer schreiben , sehr gerne sagen , daß dieser oder jener Gebrauch mit diesem oder jenem Professor angefangen , oder aufgehöret hat u . d . m . Dieß sind die Zeit - punete oder die besondern Umstände , die man merkwürdig findet , und auf diese Art hat der Verfasser der Nachricht mir anzeigen müssen , wo die Erlaubniß das Verbi Diuini Minifter auf die Kupferstiche der re - formirten Prediger Zu setzen , aufgehöret , und wo das Verboth augefan - gen hat ? Wenn er aber hierinnen einen vortheilhasten Unterschied , zum Nachruhme des Ferri , hatte finden wollen , so wäre er auch ver - dunden gewesen , die Umstände zu benennen , und deutlich zu beweisen , daß sie wirklich einen solchen Vorzug gemacht ; denn ohne dieß hätte er nicht da« geringste Vorzugsrecht einführen können . Diejenigen , che Überhaupt sagen : dieser ist der letzte gewesen , der diese laubnis ? gehabt : dieser iff der erste gewesen , dem man dieses Verboth gerhan , zeigen deutlich und eigentlich einen Zeitpunct an ; allein bis hierher sagen sie nichts , was den Unterschied des Verdienstes , jwischm dem letztem und dem erstern zu erkennen gäbe . Die benheit , davon sie reden , ist ein zweydeutiges Zeichen . Es können ja wohl Rotten entstehen , die eine Gewohnheit abschaffen wollen , und dennoch in den ersten dreyen oder vier Jahr« , die Macht nicht haben , dieselbe abzuschaffen . Ist nun ein Professor in dieser Zeit befördert worden , so genießt er die Vorrechte dieser Gewohnheit . Wenn sich aber in dem fünften Jahre die Rotten mächtig genug befinden , dies« Gewohnheit abzuschaffen : so wird ein Professor , den man erwählen sollte , von diesen Vorrechten ausgeschlossen seyn . Beweist nun diese« , daß sein Verdienst geringer fey , als das Verdienst deSandern ? im ge - ringsten nicht ! Dieß ist nur ein Beweis , daß die Macht einer Rotte in dem fünften Jahre größer gewesen . als in den vorhergehenden Iah - toi . Es kann sich auch zutragen , daß eine Rotte ihre Kräfte nicht ge - brauchen will , weil sie eine gewisse Person verachtet , und mit der Ein - führung ihrer Neuerung so langt wartet , bis sich ein Professor von er - habenern Eigenschaften zeiqet ; denn die Veränderung einer Gewohn , heit ist von ganz andern : Gewichte , wenn sie bey einer höchstänfehnlii chen Person ansängt . Es giebt tausend und aber tausend Fälle , wo die Zeitpuncte , die mir der Verfasser der Nachricht anzeigen wollen , ein Deweis de« Vorzuges für den Ancillon , und ein Beweis der Hindanse - itzung für den andern seyn würden . Allein die Wahrheit ist , daß man bey dieser Begebenheit nicht die geringste Art des Vorzugs weder für den einen , noch für den andern , bemerken wollen . Man hat nur den Amvachs der Zunöthigungen und Plackereyen bemerken wollen , die man den reformirten Predigern gemacht . Man merke , daß die Richter , entweder auf Verhetzung der Ketzerbekehrer , oder au« eigener Herrsch» sucht , lieber einem Prediger Verdrießlichkeiten gemacht , der große Ga« b ? n hakte , als einem andern , der von schlechter Wichtigkeit war . Dieß ist in Frankreich da« kürzeste und sicherste Mittel gewesen , sich bey Hofe beliebt zu machen , und von demselben Wohlthaten und Beförderungen * i« erhalten ; wenn man viel Eifer bezeuget hat , die reformirten 'Prediger weidlich herumzuzausen u . s . w . Sie hatten sich eingebildet , daß sie durch die Verfolgung desjenigen , den man als den Pfeiler einer calvi - nischen Kirche angesehen , den Untergang der ganzen Partey , weit eher befördern wurde , als wenn sie nur einen Prediger von schlechtem An - ftben verfolgten . All» kann man denn im geringsten nicht vorgeben , wie Ancillon , der Sohn , gcthan hat , daß man seinen Vater habe ernie - drigen wollen ; den - 'er wäre noch eher zu entschuldigen gewesen , wenn er sich eingebildet hatte , dap man ihn dadurch erheben wollen . Denn was kann wohl , so wohl nach demUrtheile der geflüchteten , als der gan - zen protestantischen Welt , für einen Prediger rühmlicher seyn , als wenn er da« erst ? Beyspiel der Plackcrey der Glaubenseiferer gewesen ist ? Es ist ein Ruhm , das erste Opfer einer Verfolgung zu seyn : dieß ist das schönste Kleinod in der Krvne de« heil . Stephans . Der Tod des Protesilas ist aus diese Art in dem berufenen trojanischen Kriege rühmt geworden :
tteätvi - en riuMVS fataliter hafta Piottfilje cadis
Ouid» Libr . VII . v . 6 ? »
Scheint eine solche Wahl der Verfolger nicht zu bezeugen , baß sie diejenigen verachten , bey denen sie nicht angefangen ; und daß sie die Beschimpfung für einen großen Streich angesehen , die sie demjenigen erwiesen , mit welchen , sie den Anfang gemacht haben ? Man kann sich erinnern , daß sich die Gevollmächtigten der Clerisey . ivelche den Dorfpredigern , oder Schriftstellern , von schlechtem Ansehen , den Titel eine« Pastors ließen , sich heftig geregt , als sie gesehen , daß sich die reformirren Prediger zu Paris , diesen Titel in einem vortrefflichen Werke gaben , welches Auberrin , ein Prediger derselben Kirche , geschrieben hatte . Siehe oben die Anmerkung ( L ) , ben dem Artikel Auberrin . Nach genauer Rechnung wird es sich fin^n , daß , wenn der Urheber der Nach - richt , und ich , das wunderliche Vorhaben gehabt hätten , welches man uns beymißt , wir ein schlechtes Mittel erkießt haben würden , es auszuführen ; so daß wir die allerungeschicktesten unter allen Menden gewesen seyn wurden : wir wurden uns dergestalt verstrickt haben , daß wir allen un . eigennützigen Lesern unsichtbar geblieben wären , und daß viele Leute aus unfern Worten gleich das Gegentheil unsrer Absicht hatten schließen können . Dieß betrifft . den ersten Puncr der Klage . Ich werde bey allen den andern viel kurzer seyn .
l l . Der Glaube , den ich der Nachricht beylege , ist keine unbillige Leichtgläubigkeit . Alle Arten der Vernunftschlüsse giengen dahin , mich zu überzeugen , daß sich ein Menfch . der ganz neulich an den Oettern die allenvichtiqsten und besondersten Erkundigungen eingezogen , die er nur gekonnt , sich in Absicht auf die Kupferstiche des Ferri und Ancillon« nicht bekriegen würde . Der ? lufentha ! t , den ich etliche Jahre in der Nachbarschaft von Metz gehabt , ohne daß ich jemals etwas von diesen Kupferplatten harte reden hören , konnte zu nichts anders dienen , als mich in dieser Ueberzengung zu bestarken . Ich bin gegen das Ende de * Augustmvnats 1675 , zu Sedan angekommen , und habe gefunden , daß die dasigen Reformirten eine viel größere FreyHeit genossen , als in andern Kirchen . A llein ich habe auch erfahren , daß sich die Sachen von Tage zu Tage verschlimmerten , und ich habe die Zungendreftherey , wider das Verdi diuini Minifter , entstehen sehen . Ein Eandidat , gebürtig von Sedan , der itzo ordentlicher Prediger der wallonischen Kirche z» Dordrecht , und »och am Leben ist , so daß er dasjenige bezeugen kann , was ich hier sage , sollte die Sätze vertheidigen , die er einigen Prediger» des Orts zugescimeben hatte . Er hatte ihnen den Titel Verdi dinini Minifter , nach der Gewohnheit gegeben , die zu allen Zeiten gebräuchlich , und ohne den geringsten Widerspruch üblich gewesen ; allein die katholi - schen Priester zu Sedan lehnten sich darwider auf . und erhielten , daß der Titel ausgestrichen werden mußte . Konnte ich nun wohl ziveifeln , da ich mich dessen erinnerte , daß dergleichen Neuerung zu Metz , einige Zeit nach dem Tode de« Ferri nicht auch geschehen seyn konn' . e / Die beson - dere Hochachtung , welche die Rathsvcrsonm gegen einen Prediger habt haben können , hat sie nicht verhindert , sich hierinnen dem Sinne der Glaubenseiferer gemäß zu bezeigen , die solches bey ihnen gesucht . Der Urheber der Klage muß dieses selbst zugestehen , da er erkennt , daß man den Kupferstecher von dem Bildnisse des Ferri , vor Gericht gefor - dert , und daß dieser Prediger in großem Ansehen gestanden hat . Dieß» wir der Hofgeist , und folglich der Weg , der über alle andere Wege weg war . II ! . Der Briefwechsel , den ich mit dem Ancillon unterhalten , ist mir fthr^angenehm gewesen , und ich habe mir eine Ehre daraus ge» ' ' was wir von Neuigkei«
ren . Ich war willens , in rnei»
macht . Wir haben einander alles _ ten aus der Republik der Gelehrten eif nein Werke von ihn , zu reden , und mich seiner Freuiidschäft ui Vühmen : und ich erwartete nur Nachrichten , oder ebenfalls die Gelegenheit , die mir der Artikel Farel , dessen Leben er aufgesetzet hatte , darbiethen wür . de . Allein dieser Artikel ist tn die Folge zweener Bände meines terbuchs verwiesen worden : Wie ich denn viele wichtige Artikel dahii» verwiesen habe . IV . Es heißt mich einer Ungerechtigkeit beschuldigen , wozu mich niemand vermögend halten kann , der mich kennet , wenn mai , mich im Verdachtehält , daß ich unter dem Vorwande , weil mir bis 'Anverwandten einer Person Verdruß gemacht , meine Empfindlichkeit gegen den Nachruhm dieser Person ausschütten würde . Man sehe den Artikel Ancillon , an seinem Orte ; er ist erst nach der unfteundli - chen Klage des Sohnes dieses Predigers , aufgesetzet worden , und gleich - wohl habe ich sehr vortheilhaft , und ohne die geringste Acht auf diele übelgegründete und ungerechte Klage zu haben , von diesem Prediaerae - redet . Ich bekenne hier , daß ich nicht die geringste Ursache habe , mich , weder über den verstorbenen Ancillon , noch über jemand aus feiner fou Milte , zu beklagen V . Wenn ich es nicht für rathsam gefunden hätte , m Ansehung de - Fem , von meiner Nachricht abzugehen , und von den» Verdienste feines Amtsgenossen zu reden : so ist die Ursache gewesen , weil rch gewiß versichert , var . daß es mir dazu an viel natürlicher» Ge - leget , Herten , als diese , nicht fehlen wurde . Ich habe bereit« gemeldet , daß ich das Register zu meinem Worterbuche , nicht selbst gemacht habe . Es ist von einem gefluchteten Prediger gemacht worden , der ohne fel dem Ancillon einet , Platz darinnen gegeben ; weil er die Zeitrechnung bemerken wollen , da die besondere Zänkerey wider den Titel , Verdi di . virn Minifter , angegangen ist : und ditß ist auch eine merkwürdige unt» besondere Sache .
Vl . Wir wollen endlich zum Hauptwerke kommen . Der Urheber der Nachricht hat mir geschrieben , daß er sieb in einem Puncte betro - am . Es i / i nicht wahr , daß man ans AnciüonS Kupferblatte Verbi diuini Minifter , gesekt , und also ist man auch nicht gezwungen worden , diesen Zusatz darauf auszukratzen . Allem über dieses hat er Grund ae - habt , zu sagen , daß dieser Zusab auf dem Kupfe , - stich« des Ferri , erlaubt gewesen . Er hat mir einen Abdruck davon geschickt , wo ich diese te gelesen habe : pavlvs ferri v . d . Minister ec
CLEI . P . R . MET ENSIS OBIIT ANNO 1669 AETATI»
anno 79 . Anfänglich Hat die Aufschrift enthalten , minister EGCI . es . REF . metensis5 allem Man ist genöthiget gewesen da« Wort REE . welches den Friedensbefehlen zuwider war , abzukratzen , und anstatt dieser drey Buchstaben , r r . m sehet , , welche« man auf allen Abdrücken sieht . Ancillon hat sich also betrogen , wenn er gesaqet , daß auf der Kupfertafel des Ferri ursprünglich r . r . gestanden , und daß Man , d« man dieselbe verbessern wollen , nur ei» p zwischen diesen zween Buchstaben setzen müssen . Der Schluß von allem diesem wird seyn . J , daß es nach der Schärfe wahr ist , daß der Titel . V . D . Minifter , an - Mglich auf dem Kupfer des Ferri erschienen , und auch so lange darauf geblieben , biö man den Kupferstecher vor Gerichte verklaget hat . 11 .
Daß

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