Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4324

Camillus .
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hat das Parlament zweeue Schiffsleute zum Tode verurtheilet , welche wegen Seet'äuberey angeklaget gewesen . Sie waren reformirt und verlangten die Verschickung des Spruches an die halbgetheilte Kam , mer : allein das Parlement lachte über ihr Begehren , unter üem Vorwande , daß sich das Vorrecht des Edicts nicht auf die See , rauber erstreckte . Historie des Ediets von Nantes , II Tv . 19s Sei , re Sie giengen mir solclier Standbaftigreit und so vielen Renn , yeicbcn einer christlichen Gelassenheit zun^ Tode , daß es ron für eine Schuldigkeit hielt , ihr Gedachmiß mir einer klej , nen Nachricht von demjenigen 5» beehren , was bey ihrem To , de vorgegangen war . Die» ; hieß das parlement auf eine ver , deckte Ä ? eife radeln , da man ein Auch 511m Ä . obe derer machte , Sie 5» einem schimpflichen Tode waren verdammet worden . ! Ls befanden sich auch einige Züge darinnen . die gerades Xücs ges auf dasselbe giengen , weil die Reformirten glaubten , daß es wider ihre Vorreite gehandelt hatte . Dieserwegen rackete es sich an dem XVert ? e , bis sich eine Gelegenheit ereignete , sich an dem Verfasser * » rächen ; und es verdammte dieses Buch , auf öffentlichem platze von Sem - Henker verbrannt zu werden . Der französische Mercur erzählet viele Umstände von dieser Sache . Diese zween Hauptleute wurden den - 0 des Brachmonats lebendig ge - rädert , und hatten ein jeder eine Krone von Papiere auf dem Kopfe , worauf geschrieben stund , - Hauptleute der Seeräuber , Verrather
und Rebellen gegen de» Ronig , und ihre Köpft wurden an den Thürmen , langst den Hafen zu Bourdeaux , aufgesteckt « - - Der Hof hatte dem Prediger Cameron Erlaubniß gegeben , sie in dem Ge - fängnisse zu trösten , ehe sie herausgebracht wurden , und bey der Voll - streckung der Todesstrafe , aber nicht den der Ausführung zu seyn ; also ließ dieser Prediger nach diesem eine Schmähschrift , in Forme eines Brieses , an den Herrn Palinier , Predigern zuMornac , den er den 21 de« Brachmonats . 1617 , geschrieben , unter dem Titel herausgehen : Conftan - ce , Foy et Refolution a la Mort de» Capitaines Blanquet et Gaillard . So bald das Parlement von Bourdeaux Nachricht davon erhalten , so stellte man eine genaue Untersuchung dieser Schmähschrift oder dieses Briefes an , und es erfolgte ein Spruch , kraft dessen derselbe durch die Hände des Scharfrichters verbrannt wurde . Der ParlementSspruch vcrborh und untersagte dem Camcron , dergleichen Briefe zu schreiben und drucken zu lassen ; welche auf nichts , als Aufruhr und Lästerungen wider die Befehle des HoseS , zur Aufwieglung der Unterthanen des Kö , niges , wider die obersten Gerichtskammern und Verachtung ihrer Bedienten abzielten : nnter der Verwarnung exemplarischer Strafe , und daß wider ihn , als einen Störer der öffentlichen Ruhe , verfahren werden sollte . Xlercure Francis , Tom . V . p . m . 39 und 40 . Man sehe in der Historie des Ediets von Nantes , II Th . 199 S . das Ver , fahren , welches von eben diesem Parlemente wider den Cameron , und ftinm Amtsgenossin Primerose , im Jahre 1615 , angestellet worden .
ElttNllluö , ( Marcus Furiuö ) ist der erste gewesen , welcher der Familie Furia viel Glanz beygelegt hat ; er hat viermal trium - phirt , ist fünfmal Dictator gewesen ; und ist mit dem Lobspruche des andern Stifters von Rom beehret worden : mit einem Wörte , er hat sich allen Ruhm erworben , den er in seinem Vaterlande erwerben konnte . Unter seinem Censoramte machte er solche Einrichtung , daß diejenigen , die sich verheirathen wollten , die Witwen derer heiratheten , die im Kriege geblieben waren . Er wendete deswegen freundliche Ermahnungen an , und wenn solche nichts helfen wollten , die Drohung einer Geldbuße . Er wurde im zehnten Jahre der Belagerung von Vejos zum Dictator ernennet und hatte die Ehre , solche Belagerung durch Einnehmung dieser Stadt , der alten Nebenbuhlerinn Roms , zu endigen . Dasjenige , was er sagte , als er die Verwüstung von Vejos sah , ist merk - würdig ( A ) . Er kam siegreich in sein Vaterland zurück ; allein sein Triumphwagen , vor welchen vier weiße Pferde gespannt waren^ schien eine allzuhochmüthige Neuerung zu seyn ( B ) ; und da er kurz darauf das Anhalten des Volkes zu Wasser mach - te , daß ein Theil der Einwohner nach Veioö geschickt wurde , so wurde er verhaßt . Dieser Haß fand gar bald eine Gelegen - heic auszubrechen . Er hatte dem Apollo den zehnten Theil von der vejischen Beute versprochen ; und er hatte eö vergessen , denselben absonderlich zu legen . Der Rath , , welcher von den Wahrsagern die Nachricht erhallen , daß der Himmel darüber erzürnet wäre , gab Befehl , daß ein jeder Soldat den zehnten Theil von seiner erhaltenen Beut ? hergeven sollte . Dieses gab Anlaß zum Murren wider den Camillus . Das römische Frauenzimmer verrichtete bey dieser Gelegenheit eine sehr anf'hnliche That ( C ) . Der Krieg der Faliöcer entstund einige Zeit darauf b\ und damals ist diejenige großmürhige That vom Camil - lus geschehen , davon Moren redet Die Feinde wurden von dieser That dermaßen eingenommen , daß sie sich den mern sreywllllg unterwarfen . Der Soldate wurde hierdurch der Beute beraubt , dazu er sich Hoffnung gemacht hatte ; und war eine neue Gelegenheit , wider den Camillus zu murren . Endlich verlohr der Haß des Volks die Geduld , da Ca -
dem er freywilllg ins Elend gieng d . Man verdammte ihn zu einer sehr großen Geldbuße . In wahrendem seinem Elende ist «6 geschehen , daß Camillus die schönste That verrichtet hat , die jemals geschehen ist : denn an statt , daß er eine Freude darüber haben sollte , daß die Gallier Rom ausplünderten , und daß er auf ihre «veite treten sollte , sich wegen der Beschimpfung Recht zu schaffen , die ihm sein Vaterland erwiesen hatte ; so wendete er alle seine Klugheit und alle seine Herzhaftigkeit an , dte de iu verjagen , und zwar mir einer so genauen Beobachtung der geheiligten Gesetze Roms , daß er den Befehl nicht annehmen wollte , den ihm verschiedene Privatpersonen anbothen Er erwartete die Verordnungen des Volks , "
. . „ , welches durch die Ein -
wohner vorgestellt wurde , die sich in dem Capitol annoch wohl hielten . Allein zuvor hatte er an dem Orte seiner Verbannung Volk Zusammen aebrackt f . und über die Feinde einige Vortheile erhalten . Die in dem Capitol belagerten Römer emennten
. . . . . e . - . . _ a . . - / • - - « M * • den Landern der
vor den Belei»
wv . . V / W - UVIIW »tu / » . . . Wlvyuyvilj villi . uuk V« et jQy «JIVIUIVI ll>Ul , IlCßl'U ihn durch einen
fordern , welcher Hand an ihn legen wollte . Er erschien ln Begleitung des ganzen Raths ; und da die Sache , da - «V . . v . . . ^ede war , nach vielen Wortstreiten , zum Vorurtheile des Volkes , ihre Endschaft erreichte s , so wurde Camillus mit allen Arten des Frohlockens wieder in seine Wohnung geführet . Er starb im folgenden Jahre an der Pest h . Man hat eine sehr vortheilhafte Sache von ihm gejaget ; nämlich , dak man , um Rom zu finden , den Ort seines Aufenthalts suchen muffen . Dte von mir angeführten lateinischen Worte stellen es mit viel mehrerm Nachdrucke vor . Er hat Söhne hint ? r - " " * * " " ' • ) . allein nach diesem haben seine Nachkommen bis wrZeit desTi -
daß Tacitus bey dieser Beobachtung nicht allzurichtig gewesen * . nymiiß gedauert ( F ) ' ' " ' in Ansehung dieses Geschlechts , bis auf die Zeiten des h . Hiero -
- ) DießistnachdemCalvisiuS im ; 5 ? Jahre Rems gewesen , i ) Im z5 . Jahre Roms , c ) Er schickte den Belagerten ibreKin - der zurück , welche ihm >h« Schulmeister uberliefett hatten , d ) Im z6 ; Jahre Roms . < ) Siehe des Valerius Marimus . IV Buch . I Cap . Num . 2 . / ) Er begab sich nach Ardea . g ) Das Volk wollte , daß ein Bürgermeister aus der plebejischen Familie seyn sollte . b ) Aus dem PlutarchuS in dem Leben des Camillus . i ) Tarpeia fede perufta Galiorum focibus , Veiosque babitante QumüJo , Iilic Roma fuit . Lucan . Pharf . Libr . V . vers . 27 . k ) Siehe die Anmerkung ( E ) .
CA ) Dasjenige , was er sagte , als er die Verwüstung von Vejos sähe , i ( ? merkwürdig . ^ Es erhellet aus unzähligen Stellen der alten Schriftsteller , dasi sich die Heiden eingebildet , esäabe Gottheiten , welche auf die menschliche Glückseligkeit eifersüchtig wären . und welche nicht ermangelten , denen über kurz oder lang ein großes Unglück zu zuschi - «cken , welche große Vortheile erhalten hätten . Camillus konnte bev derglei - chen Gec«nken das Glücke Roms , bey der Plünderung von Vejos , nicht ohne Befürchtung der Wiedervergeltung ansehen , welche diese Arten der Gottheiten unter den guten und bösen auszinheilen Gefallen haben . Dieserwegen bath er , daß wenn der gegenwärtige Wohlstand der Rö - mer , durch einigen Unstern vergolten werden müßte , derselbe ins dre auf ihn , und nicht auf fein Vaterland , fallen möchte . Was kann man heldcnmucdiqers sehen ? Was für eine Hoheit der Seele ist die - ses nicht ? Diciatoi * Camillus , capta Vciorum vrbe praecones edice - re iubet , vt ab inermi turba abftineatur : is finis fangninis fiiit , dedi inde inermes coepti , et ad praedam miles permilT» Diftatoris difeur - rit ; quae aim ante oculos eins aliquanto fpe atque opinione maior maiorisque pretii rerum ferretur , dicitur manus ad coelum tollen» precatus cfle Diflator , vt fi cui hominum Deorumque , nimia fua fortuna populique Romani videretur , vt eam imiidiam lenire fuo priuato incommodo , quam minimo publico populique Romani li - ceret . Liuius , Libr . V . cap . XXl . Siehe auch ? I „ tarcb . in Camillo , Pag - iz> . F . et Valer . Maxim . Libr . I . cap . V . num . 2 . PlutarchUS devbachte^^aß Camillus bey Erblickung dieser Verwüstung einer fi»
blühenden Stadt , Thränen vergossen habe , ehe er sein Gebeth angefan - gen habe . XAsff»ic Si r * < K ? ÜT0t »V r£v W«<«V äyovttn
Ufff ( pejovrm iirttflv tihx icAare» , ilpofüv 6 * >r°
XTlcfieva , «rgirov ftiv fr«C lS & K<>vtlv , ( Tr« hu * * ( kVK9 Kafiv - r«v , avs gnata , militibusque ingentem egerentibus praedam , contemplans ex arce cunäa Camillus , priinum illacrymauit : deinde quuin celebra - retur a circumftantibus felicifas eius , manus ad coelum tollen» catus eft . Plutarch . in Camillo , pag . >Z>
CB ) Sein Triumphwagen , roc welckcm vier weifte PftrSe qefpannt waren , fdyieti eine ftUjuoothmutbige Neuerung ju feyn . ] Nach dem Plutarchu« . hatte kein Feldherr weder vor chm , noch nach seinen Zeiten ein solches Siegesqepränge gehalten ; so sehr war man überzeuget , daß man dem obersten Herm der Götter und Menschen dergleichen Wagen , als sein Eigenthum , allem lassen miißw . t * re ixiia ccßxfßf iäf' & IjStvci , Yjpj rirfinrcv biunoTätov Mßti ,
w ) l> «fit« , «i£vä ? riro KoiiomTOQ i\yt / jj»io ( * f»rtfov «i
Iif#v tiycV - jTai 10 TOtHTQV , rw ßxri^ü rjrf raTfl Tfiv
imittVwHTirfvcv . Triumphum duxit cum alias fuperbum , tum quod curru quatuor iunöo equis albis fit inuc6tus , nullo exemplo vel priorum Vel infequentium Imperatorum . Sacrum enim currum habent Deorum Regi et Patri dicatum . Ebendas . 132 S . C .
i C " ) 2 ) 06 cortiiscbe Frauenzimmer verrichtete bev dieser ( Sei legmpeik ein« ansehnliche That . ) Ungeachtet alles Murren« S 2 mußte

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