Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8903

Fern .
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Fern , ( Paul ) lateinisch , Ferrius , ist ein sehr starker Gotteögelehrter im XVI ! Jahrhunderte gewesen . Er war den 24 Hvrnung , 1591 , zu Meß gebohren , wo seine Familie ansehnlich gewesen ( A ) . Er brachte es zu Montauban , wohin man ihn geschickt hatte , die GottcSgelahrtheit zu studieren , so weit , daß er im 161 ? Jahre , im iq Jahre seines Alters , zum Prediqer in Meß angenommen worden . Er hatte bereits ein Buch herausgegeben ( B ) . Der Candidatenstand war in seiner $etv jon mit dem Titel eines Schriftstellers vereiniget . Die Schriften , weiche er seit dem zu verschiedenen Zeiten herausqege -
reformirten Predigern wäre , die der Cardina ! Richelieu , zur Vereinigung der zwoen Religionen , gewonnen halte . Man sieht diese Unwahrheit in Veit Patinö Briefen ( D ) . So vi . - ist gewiß , daß er über die Spaltung'der Protestan - ten geftufzet , und fest gehofft , er würde etwas zur Erstickung derselben bey ! ragen . Ohne Zweifel hat er nur deswegen ei - nen starken Briefwechsi'l mit dem Duraus unterhalten - - ( , weicher in Deutschland die Eintracht der Protestanten unterhandelte , und ein ehrlicher , eiserner und gottesfürchtiger Mann war , aber endlich cin Schwärmer wurde ( F ) . Paul Ferri ist den 27 des Christmonats , 1669 gestorben . Er hatte niemals eine Pr>t ausaefetzt . Man hat bey ihm in der Blase über 24 Steine gefunden : dieß hat seinen Tod verursachet . Er hatte . : >>en schönen Büchervorrath , und schrieb gerne viele Anmer» klmgeN'auf das weilie Papier , das man zu Anfange und zu Ende dcr Lucher laßt ; und weil feine Schrift si'br klein und nette war , so hat er viele Dinge auf diese Blätter gescht , die mail ohne Müh leset , kann . Man sieht in der Auffchnft seines Kupfer»
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sehen wird .
<0 Siehe seinen Artikel , b ) Dieses und die meisten Sachen , die man in den Anmerkungen sehen wird , sind aus einer Nachricht genommen , welche mir der höfliche , gelehrte und neugierige Urheber der Anmerkungen über das katholische GlaubenSbckenntniß von San , cy , »69z zu Amsterdam gedruckt , mirgetheilet hat .
. ( A ) Er war ; u Men gebohren , tro seine Familie ansehnlich war . Z Das Bucherverzeichniß von Oxford hätte ihn Metenfis , und nicht Mctrenfis nennen sollen . Jacob Fern , sein Vater , ist qi Jahre , nach und nach , durch alle Staffeln der alten Gerichtsbarkeit dieier Stadt gegangen , und nicht eher ohne Bedienung gewesen , als nach der Unterdrückung , welche im 164z Jahre mit der Gerichtsbarkeit derjeni - gen Richter geschehen , die man Drey5ehner nennet . Elisabeth Jolli , seine Ebfrau , die Mutter unsers Paul Fcrri , ist des berühmten Peter Jolli , königlichen AnwaldS * u Metz , Thul und Verdun , Tochter sen , an welchem bevde Barilli und Boissard in ihren lateinischen Poe - sie» viele Sinngedichte gerichtet haben .
( B ) Er hatte im 19 Jahre bereits ein Buch herausgegeben . ] Hier ist der Titel davon : Les premieres Oeuvres Poetiques de Paul Ferri Meflin , oü fous la doucc diverfite de fes conceptions fe ren - contrent les honeftes libertez d une jeunefle . Er hat eck zu Montau - ban '610 drucken lassen . Er ist damals noch Candidate gewesen ; wie er . sich aber anschickte , bald ins Predigtamt befördert zu werden , so digte er seinen Vorbericht an die Leser , mit diesen Worten : Lot ludo «ugisque datum . Wenn diese Sammlung' von . Gedichten lateinisch wäre , so würde man sie Iuuenilia Pauli Ferrii nennen können . Hier ist cin neuer Schriftsteller , der den berühmten Kindern beyzufügen ist . wenn Bailletsie wieder drucken laßt . Das erste Stück , welches man irvbie - feil Gedichten antrifft , ist ein Schafergedicht : Jfabelle , over sie X>ccadv tung der Hiebe betitelt . Hierauf sieht man verschiedene Sonette und Stanzen , mit« dem Titel : die Lobsprüche verJsäbelle , und endlich verschiedene Stanzen und Sonette auf die Prediger und andere Personen zu Montauban , Metz und Rochelle .
( C ) Diejenigen , die er seit dem * u verschiedenen Zeiten Heraus * gegeben , haben ihm viel Ruhm erworben . ] Dasjenige , welches er im 1616 Jahre unter dem Titel : Scholaftici orthodoxi Specimen , drucken lassen , zeiget , daß die protestantische Lehre von den Materien der Gnade schon von den Scholastikern gelchret worden . Es ist ein Sctavband von 559 Seiten ; auf dem Titel steht , daß es zu Gotstadt , Gotftadii , gedruckt ist , Vermuthlich ist dieses ein zum Scherz erdach - ter Name , welcher im Deutschen die Stadt Gottes bedeutet , wodurch man Genf angezeiget . Dieser Tractat hat ihm die Hochachtung des berühmten du Pleßiö Mornai erworben , der ihm deswegen einen Brief , unter dem 19 des Brachmonats , 1617 , geschrieben ; worinnen er ihm sei - ue Erinnerungen über ein anderes Werk giebt , welches Paul Ferri , wie er gehöret hatte , verfertigte . Diese« anddre Werk ist zu Sedan , bey Johann Jannon , im >618 Jahre , gedruckt worden , und hat zum Titel : Le dernier Defefpoir de la Tradition contre l'Ecriture , ou tion du Livre de Francis Veron . Hier ist der Titel eine« andern Buckcs , da« im 1630 Jahre zu Leiden herausgekommen : Pauli Fer . rii Vindiciae pro Scholaftico orthodoxo aduerfus Leonardum Peri - num Iefuitam , Doäorem Theologum , et Vniuerfatis Muffiponta - naeCancellarium , iuftae , plenae , amicae , in quibus agitur de prae - deftinatione et annexis , de gratia et libero arbitrio , de caufa pec - cati , et iuftificatione . Dieser Jesuit hatte im 1619 Jahre ein Buch herausgegeben , da« er betittelt hatte : Thrafonica Pauli Ferrii Laim , niftae . Ak'gambe , Kiblioth . Societat . Iefu , p . Z05 . Sein Fortsetzer hat Verrü , anstarr Ferrii gesaget . Fem hat >6^4 einen allgemeinen Catechismum gemacht , um zu zeigen , daß es nöthig gewesen , die römi - sche Kirche zu verbessern . Er hat ihn das folgende Jahr , unter dem Titel : Catechisme general de la Reformation herausgegeben . Bvs - fuet , der damals Domherr uud Archidiaconns zu Metz war , und der sich nach diesem unter dem Titel de« Bischofs von Condom und des Bischofs von Meaur , so berühmt gemacht , hat wider diesen Tractat des Ferri geschrieben . Ich darf nicht vergessen , daß dieser reformirte diger erkiest worden , Ludwigen dem XIII und der königlichen Frau Mutter , Annen von Oesterreich , die Leichenpredigten zu halten . Diese Zwo Predigten sind gedruckt . Er hat auch bey einigen Vorfällen Gebe - the für die Genesung ihrer Majestäten geniachr . Diese Gebethe sind auch gedruckt worden , und lehr lchön .
Wir wollen allem diesem eine Stelle au« dem Ancillon beyfügen : Melange Critique , Tom . IL p . 269 . . . Ferri hat noch ein ander Buch «gemacht , ( man hatte zuvor von demiScholafha» Orthodoxus gere - „ der , ' ) welches den Titel hat : Le dernier Defefpoir de la tion , und welche« ein sehr gutes Werk in seiner Art ist . Er hat „ auch im 1624 Jahre ein Büchelchen verfertiget , welches betitelt ist : „ Remarques d'Hiftoires für le difcoiirs de la vie et de Ja mort de M . „ Livier , et le redt de fes mirades nouveltacjlt pubhes par lc vr>
„ de Ratnberviller , Lieutenant General au Bailliage de l'Eveche de „ Metz , avec diverfcs approbations des Dofleurs . Ferri wollte nicht „ für den Urheber diese« kleinen Stück« bekannt seyn , weil er ei wider „ einen ansehnlichen Mann , der sein Landsmann war , geschrieben hatte , „ mit welchem er nicht gerne in Zwist gerathen wollen ; allein , seit dem „ ich sein AmtSgehülfe gewesen , Haler mir ein Exemplar von diesem Bü - „ chelchen geschenkt , und ich habe es noch wirklich , auf welches er diese „ Worte mit seiner eigenen Hand unter dem Titel gesetzt hat : Par Paul „ Ferry . „
J> ) L17an sieht diese Unwahrheit , 'n Veit Parins Briefen . ' ! Man sehe d . e , e Stelle im D1X Briefe , vom 14 Marz , 1670 , im III Bai . de , nur der 49 ? Seite , genfer Ausgabe , 169 . . „ Ferri , reformirter Prediger „ zu Vieh , ist daselbjr vor einem Monate gestorben . Er war einer von „ den gelehrtesten Geistlichen seiner Art . Wenn der Cardinal von Ni - , , chelleu nicht so zeitig gestorben wäre , so würde er die zwo Religionen „ noch vereiniget haben . Er hatte verschiedene reformirte Prediger hier - „ zu gewonnen . Dieser Ferri auch eincr davon gewesen , und hat „ deswegen jahrlich cin Gehalt von 500Thalern bekommen . So reden „ hier die Hugenotten darvon . „ Die Feinde diese« Predigers hairen diejes falsche Gerücht bey Gelegenheit seines gemeinen Cateci'ismus wieder erneuert ; wobei , sie vorgaben , daß er sich gegen seinen Widers« - cher , ich will sagen , den Archidiaconns zu Metz , den Abt Do>iuet , der wider ihn geschrieben hatte , bloß gegeben .
( E ) Er hat einen starken Briefwechsel mit dem DurZns tute terhalrcn . ] Dieser Briefwechsel hat über - 5 bis 26 Jahre gedauert Ich will doch hiervon ein Histörchen anführen , das mir mitgetlxilet worden . Duräus , da er sich im Monate Avril , 166 - , auf der Messe zu Hrankstirt befunden , bezeigte gegen einige Herren von Metz feine im - gemeine Begierde , den Ferri zu sehen , Als sie schon bereit waren , wie , der nach Hause zu reisen , so haben sie ihn gefraaet : ob er auch mirwoll - te ' } und ihn zu dieser Reise ausgemuntett , und sich erborhen , bis auf den andern Tag zu warten . Er hätte gerne gewollt , daß ma» ihm längere Zeit gelassen , sich zu entschließen ; allem er mußte seine Berath , schlagunq bald zum Ende bringen . Er entschloß sich , nach Metz zu rei - sen . Hieruber haben sich folgende zwo Hindernisse dargebothen ; ee mußte sich entschließen , sich auf französisch , als ein Landmann , zu kleiden , und sid ) seinen großen und viereckigen weißen Bart abscheeren zu las - sen . Vor dem ersten von diesen beyden Stücken Halle er einen Ab , scheu , und das andere war ihm eine große Kränkung ; allein , die Be» gierde , den Fern zusehen , hat auch diese Schwierigkeit überstieaen Sie kamen so spät zu Metz an , daß sich Duräus genöthiget gefunden' feinen Besuch bis des andern Tage« zu verschieben . Allein , jemand von denen , die mit ihm gekommen waren , ist sehr früh zum Ferri ae - gangen , und hat dem , elben gemeldet , daß Duräus des vorigen TaaeS angekommen , und es billig wäre , ihm mit dem Besuche zuvorzukom . wen . Fern hat über diese Zeimng vor Freude» gezittert , und ein großes Vergnügen empfunden , diesen ehrlichen Doctor unvermalich - u umarmen ; , 0 , daß er auch feine Schuh zuzuschnallen vergessen , und Laib angekleidet aus dem Haufe gegangen . Ihre Besprechung ist mit tau - send Merkmaalen eines gleichen Eifer« und einer gegenseitigen tung begleitet gewesen . Man glaubet , daß Ferri , zu fiotoe ihrer terredung , eine Schrift gemacht , die er an die Gette« . ielehrtcn zu Straßburg gerichtet . Einer darunter , der vermuthlich nicht für den Syncretismus gewesen , hat wider den Ferri gesd ) rieben . Man merke im Vorbeygehen , wie sehr sich Amyrald betrogen hat , wenn er im 1647 Jahre von diesem Duräu« , al« von einem Manne geredet hat , der nicht mehr gekbet . Andrea« Rivet hat ihm diesen Fehler aufgedeckt : Seri . pfit in fua Praefatione ( das heißt in der Vorrede 8peciminis Animad . uerfionum , wider den Spanheim , ) Raier . Duraeunj piae memoria» non depofuijje nlfi cum vita ftudium concordiae inter Relbrmatos et Lurfieranos farciendae , oui ctiamnum viuit Dei gratia et vaiet Andr . Riuetus , Epift . Apologet , ad Guil . Fratrem , den 14 des Heu« monatS , 1648 , unterschrieben . Oper . Tom . III . p . zzs . 887 .
Wir wollen hier noch dasjenige hersetzen , was Ancillon , des Ferri Amtsgenosse , vom DuränS gesaget hat . Melange Critique , Tom . II . p . - 44 . 245 . »Er kam nach Metz , wo er sich an einem dritten Orte , „ mir dem Ferri und mir unterredet bar . Es sagte un« im Vertrauen „ alles dasjenige , wa« er bisher gechan hatte , und was er fernerhin zu „ thun willen« war , und verlangte unfern Ratb . Wir bemerkten , „ daß er ein ehrlicher und gelehrter Mann war . daß er sehr fähig und geschickt wäre , eine Sache von dieser Wichtiakeit zu unterhandeln ; er „ hatte sie bereits damals in fluten Stand gesetzt ; er hatte schon da« Ctqq 3 „ Worr

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