Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8885

Ferrariensis .
491
Alenson der - Herzogin» von Fcrrara zu verstehen , daß Mon - targi« ( ihr gewöhnlicher Ausscnthalr ) den prorefianren zum Schukplane diente : und Saß man daselbst raglich Ronen wi - der Sr . iNajesiar anspönne , rveswcgcn er sie bäthe , dieselben nebst den Predigern und der Uebung der protestantischen ligion , zu welcher sie sich bekannten , zu versagen , oder eine an - dere tVobnung zu nehmen . Sie hat geantwortet , daß sie der Rrone allzunahe verwandt wäre , als daß sie so übelgesinnt ge< gen dieselbe feyn solle . Imgleichen , daß in der Stadt nichts als ein armes und einfältiges Volk wäre , das sich in nichts mengte , woran dem Staate des Königes nur das geringste ge« legen styn könnte . Uebrigens daß sie einen Ort , der ihr ge , hörte , nicht verlasien könne , und daselbst , auch in derselben Re - ligion leben und sterben wolle , die ihr von dem Ronige erlaubt worden , und zu welcher sie sich bis hieher bekannt hatte . Je - doch zu lLnde des - Herbskmonars ist sie durch die Bedrohung einer baldigen Äesayung gezwungen gewesen , die meisten von denen zu erlassin , die dahin geflüchtet waren . Und weil sich viele Familien , viele v ? eibcr und viele junge und alte Jictite darunter befunden , die nicht geschickt waren , lange Reisen zu thun , die sie unternahmen , oder nach dem " willen derer leben mußten , die ihnen nur an die - Haut gewollt ; so hat sie ihre Rutschen , N>agen und Rarreil hergegeben , ihnen zu helfen und für die Fuhrleute gut gesaget / Sie den Ueberrest und ihre Ge - rathschaft geführt .
Wenn ich bedenke , daß Thuanus im XXX B . auf der 608 S , dem Mezerai und VarillaS dasjenige dargeborhen ; was sie von der Auf - fährung de« Malieorne unter dcm 1562 . Jahre , und von der beherzten Antwort der Prinzeßinn sagen , und daß er diese Begebenheit in eben dasselbe Jahr setzet : So weis ich nicht , auf welche Seite ich mich wen - den soll . Und vielleicht muß man sagen , daß die Herzoginn zweymal zu Montargis beunruhiget worden , im 1562 und im 1569 Zahre : vielleicht ist dem Malieorne die Verrichtung das anderemal nicht aufgetragen ge> wese» , ob es gleich Aubigne saget .
CH ) Sic hat allezeit eine ungemeine Neigung blicken lassen , ihre Freigebigkeit über lLlende auszuschütten . ^ Wenn diesePrin - zeßinn , saget er Vie de Dames Illuftr . pag . 302 . geschickt , weise , reich und tugendhaft gewesen , so hat sie'auch so viele Gütigkelten be - festen , die sie über die Unterthanen ihres Gemahls erstrecket , daß ich keinen einzigen Menschen in Ferrara gesehen habe , der nicht vergnügt darüber gewesen M^re , und nicht alles Gutes von der Welt von ihr gesaget halte ; denn sie empfunden überall ihre Mildthätigkeit , die sie allezeit hoch geschätzet , und vornehmlich gegen die Franzosen : denn sie hat dieses Gute an sich gehabt , daß sie ihre Nation niemals vergessen , und dieselbe , ob sie gleich weit von ihr gewesen , allezeit sehr geliebt hat . Niemals ist ein Franzose , der durch Ferrara gegangen , und sich bey feinerBe - dürfniß zu ihr gewendet hat , von ihr weggereiset , daß sie ihm nicht ein reich - liches Allmosen und gut Geld gegeben hätte , sein Land und Haus wie , der zu erreichen : und wenn er vor Krankheit nicht gehen können , so hat sie ihn verpflegen und sorgfältig warten lassen , und dann Geld gegeben , der nach Frankreich zu kommen . Brantvme hatte sagen hören , daß sie bey der Reis« des Herrn von Guise nach Italien nach seiner Zurückkunft über ivooo Seelen armer Franzosen , so wohl Soldaten als andere tet habe , die ohne ihre Hülfe alle vor Hunger und Elend hätten sterben müs , sen , und welchen allen sie auf der Reise durch Ferrara mit Arzneyen und mit allem ihrem Gelde beygestanden : und wenn ihr die Aufseher ihres Hauses den übermäßigen Aufwand vorgestellt , so hat sie nichts anders gesaget , als ; was wollet ihr ? Es sind arme Franzosen von meiner Na - tion , und welche , wenn mir Gott einen Bart ums Kinn gegeben hatte , und ich eine Mannsperson geworden , itzo meine Unterthanen wären . Gewiß wären sie solches , wenn das böse sälische Gesetze mir nicht so hart gewesen . Es sind dem Brantome die Mildthätigkeiten zu Montargis nicht unbekannt gewesen . Mir wollen ihn auf der 30 ; S . weiter hören : , , ^ch habe von einigen ihrer Leute sagen hören , daß sich , nach ihrer Zu - „ rückkunft nach Frankreich , und da sie sich in ihre Stadt und Haus be - „ geben gehabt , bey entstandenen bürgerlichen Kriegen , so lange als sie ^gelebt , unzählige Leute und die Reformirten zu ihr gerettet , die von „ ihren Hänsern und Gütern verbannt und verjagt worden , und daß sie „ denselben geholfen , beygestanden , und sie mit allem erhalten , was siege - „ könnt . Zch selbst habe sie bey den andern Unruhen wohl gesehen , da „ die Soldaten aus Gascogne unter der Anführung der Herren von Ter - „ rides und von Monsales , die sich auf 8000 Mann beliefen , und dem „ Konige zugiengen , wir , die Anführer und vornehmsten Edelleute durch , . Montargis gegangen , und derselben unsere Aufwartung gemacht , wie „ es unsere Schuldigkeit erfordert : wir haben in dem Schlosse , ich glau - , , be über 300 reformirte Personen gesehen , die von allen Orten des Law „ des dahin geflüchtet waren . Ein alter Haushofmeister , den sie hatte , „ ein sehr ehrlicher Edelmann , den ich zu Ferrara und in Frankreich ae - „ kannt hatte , hat mir geschworen , daß sie alle Tage über zoo Mau - „ ler von diesen armen geflüchteten Personen speiste . „
( l ) Sie hat nachdrücklich für den Prinzen vonConde chen . ] Zch will meine» Beweis nochmals eben demselben Schriftsteller auf der zc>6 S - abborgen . „ Ich habe sagen hören und habe es von „ guter Hand , daß , als der Prinz von Conds zu Orleans zur Zeit des ^kleinen Königes Franciseus gefangen gesetzt worden , und sie zweene „ Tage darauf von ferrara angekommen , wobey ihr der König und der „ ganze Hof entgegen gegangen , und sie mir sehr großen Ehren empfan - „ gen , wie es für sie gebort ; sie sehr betrübt über diese Gefangenschaft ge - «wesen , und zu dem Herrn von Guise , ihrem Schwiegersohne , gesaget , »und »hm vorgestellt , daß derjenige , wer es auch fty , der dem Könige
„ diesen Streich gerathen hätte , schändlich gefehlt hätte , und daß es keine „ kleine Sache wäre , mit einem Prinzen vom Geblüte auf solche Art . „ zu verfahren . , , Thuanus läßt sie eine noch viel erhabenere Sprache fuhren . Aurclianum regis falutandi gratia venit , deploratoque praefenti rerum statu , generum acerbe increpuit , et fi quidem ante captiun Condaeum adueniflet , id fe impedituram teftata monuit , vt ab iniuria erga regiae ftirpis principe , in pofteriim temperaret , nam plagam eam diu fangiiinem mifliiram , nec ciiiquam vnquam bene vertifle , qui regis confanguineos prineipes prior lacefiiuiftet . Thuan . Libr . XXVI , pag . $n , 522 . aufs is6o Jahr .
CK ) Man kann die Standhaftigkeit nicht genugsam dern , welche sie den Maschinen entgegen gestnr , deren sich Hein« rich der II , und ihr Gemahl bedienet , sie von demjenigen abzu - ziehen , was sie Renerey nennten . ] LeLaboureur hat in den Zusäken zum Castelnau im l Bande auf der 747 S . eine sehr merkwürdige Nachricht bekannt gemacht . Es ist ein Verhaltungsbefehl , der dem Doctor Oritz gegeben worden , da er im Namen Heinrich - de - II , nach Ferrara gegangen . Dieser Doctor ist einer von den Bußpredigern de * Pabsts gewesen , und hat in Frankreich da - Ketzerrichteramt verwaltet . Er ist ausdrücklich nach Ferrara geschickt worden , um daselbst der Be - kehrer der Herzoginn zu seyn . Es ist ihm aufgetragen worden , derselben zu sagen , I , es hätte der König mit unglaublicher Betrübniß erfahren , Saß sie sich in vas Labyrinth Serjenigcn unglücklichen und vcv - dämmten Meinungen stürzen lassen , die unserm heiligen Glau« ben entgegen und zuwider waren II , Daß . wenn er ihre Ver - söhnung und Zurückkehr zu dem wahren Gehorsam der Rirche er« fahren würde , die Freude und da« Vergnügen , welches er darüber empfinden würde , nicht geringer seyn sollten , als wenn er sie wieder von dem Tode erweckt hätte . III , Daß aber , wenn diese Prinzeßinn , anstatt denFußrapfcn ihrer Vorfahren zu folgen , welche aus einem sonderbaren Eifer die Seschülzung unstrs heiligen katholische» Glaubens beständig ergriffen , bey einer lLigensinnigkeit und - Hals - starrigkeit verbleiben wollte , so würde diese» dem Könige mehr al» etwas inderXVelrmisfallen und Ucfkdx seyn , daß er die Freund» schaft nebst aller Beobachtung und Bezeugung eines gütigen Neffen vergäße , weil ihm nichts verhaßter sey , als alle solche verdammte Secten , deren Todfeind er wäre . Wenn diese Vor - stellungen keine Wirkungen thäten , so hat Doctor Oritz Controverspredig« ten halten , und die - Herzogin» nöthigen sollen , denselben mir ihrer ganzen Familie beyzuwohnen , so viel Schwierigkeiten und Xveigerungen sie auch dargegen machen möchte : wenn er dieses etliche Tage fortgeseget , und gesehen hätte , daß solches Hey dieser Dame nichts fruchtete , so sollte er ihr in Gegenwart des - Herzoqs , ihres Gemahls erklaren , daß Sr . Maj . wolle und erwarte , und besagten - Herrn - Herzog sehr inständig bitten und ermahnen lasse , besagte Prinzeßinn an einen von aller Gesellschaft und Umgang« abgesonderten P . a6 - 97 - Der Umgang mit diesem Frauenzimmer hat der Prinzeßum Anna wegen der Religion viel Licht gegeben . Man saaet auch , daß sie sich sehr über die Todesstrafen betrübt , damit man die Re« formirten nach dem Handel von Ambosse belegt , und daß sie Catharinen von Medicis ermahnet , kein Unschuldiges Blut zu vergießen Tbuanu - belehret mich dieses im XXIV B . auf der 496 , 497 S Äh ? e -
Lola Anna Atettina Guifii vxor miti ingenio femina , et quae a te - neris annis Ferrariae fub Renata parente ei dodrinae , quae tune exagitabatur , innutrita fuerat , Olympiae Moratae leäiffimae et eru - ditiffimae feniinae coafuetudine ad id vfa , lacrimas non tenuille di - citur , vltroque Catharinam monuifle , vt ( i regem ac regnum faluum vellet , ab innocentum fupplieiis abftineri iuberet . Zur Zeit der Ligue ist sie sehr geneigt gegen die Reformirren gewesen . Vielleicht hat da - Familieninteresse , und da - Andenken de - Pollrot , der den Herzog von Guise , ihren Gemahl , ermordet , sie zur Veränderung der Gedanken bewo - gen . Uebrigens hatte sich der Herzog von Ferrara vor Heinrichs des II Regierung mit Renaten entzweyet ; denn folgendes hat Rabelais in isiS Jahre von Rom geschrieben . „ Es ist zu befürchten , daß die Fürstinn „ Renata deswegen Verdrüßlichkeiten habe ; der besagte Herzog hat ihr „ die Frau von Soubife , ihre Hofmeisterinn , genommen , und läßt sie „ von Italienerinnen bedienen , welches kein gutes Zeichen ist Epitres de Rabelais , pag . >8 . ' "
FermrienstA . Unter diesem Namen führet man gemeiniglich einen scholastischen Weltweisen an , der Franciscug Spl . vesicr geheißen bat ( A ) . Er ist von Ferrara , lind bey seinem Orden « in solchem Ansehen gewesen , daß er bey dem zu Rom im 1525 Jahre aebaltenen Capitel , zum General erwählet worden . Seine «Schwerfälligkeit hat ihn nicht verhindert , die vinzen seines Ordens zu besuchen , um daselbst , so viel als er konnte , die Kirchenzucht herzustellen K Er ist zu Rennes in Bre«
II Ä - nd .
qqq s
Ich

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.