Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
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Femara .
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den Elenden ihre Freygebigkeit mi / zutheilen ( tt ) . Sie hat für den Prinzen von Conde , als man ihn gefangen gesetzt hatte , nachdrücklich geredet ( I ) : allein seit dem ist sie uneins mit ihm geworden , weil weder sie , noch ihre Prediger , die Ergreifung der Waffen an den Protestanten billigten f\ Man kann die Sündhaftigkeit nicht genugsam bewundern , die sie den Ma^ schinen entgegen gesetzt , deren sich Heinrich der II , und ihr Gemahl bedienet , sie von demjenigen abzuziehen , was sie Ketzerey nennten ( K ) . Sie ist zu Montargiö den 12 des Brachmonats 1575 in dem Glaubensbekenntnisse der Reformirten ge - storben . solchergestalt hat sie ein Jesuit h aus einer groben Unwissenheit in das Verzeichniß derer Personen gesetzt , welche die Irtthümer der Protestanten abgeschworen haben . Die Aufführung , welche sie in Ansehring der Buhlereyen ihres mahls gehabt , ist nicht das kleineste Merkmaal ihrer Geduld bey den Widerwärtigkeiten dieser Welt gewesen . Man will , daß'sie sich , nachdem sie ihn mit drey Söhnen und drey Töchtern beschenkt , aus eigner Bewegung in ein PrivathauS begeben , damir sie das Vergnügen , das er sich mit andern Frauenspersonen gemacht , nicht sehen und hindern wollen . Man setzet darzu , es habe diese arme Prinzeßinn den Beyschlaserinnen ihres Gemahls viel Freundschaft erwiesen K
a ) Le Pere Anfdme , Hiftoire Genealog , pag . 1Z2 . b ) Siehe die Anmerkung ( A ) . c ) Welcher nach diesem Kaiser Carl der V , gewesen . ä ) Anselme , Hift . Genealog , pag . IZZ . e ) Le Pere du Londel , Faftes des Rois , pag . 32 . / ) Siehe die Anmerkung ( < ? . ) .
^ ' - - b ) Ioannes Francifcus Hacki , in Libro cui titulus Via Regia , elc .
g ) Le Laboureur , Addit . au Caftelnait^ TToin . I , . 749 . 5 ) Louis Guyon , Diverfes Le^ons , Tom . III , pag . 136 .
( A ) Sie war eine Tochter Ludwigs des Xll , und Annen von Bretagne . Z Ich will hier einen besondern Umstand anführen , welcher wohl werth ist daß man ihn wisse . Diese Königinn ist im 1510 Jahre , „ mit einer andern Tochter nieder gekommen , die sie Renata nennen „ lassen , gleich als wenn sie in dieser Niederkunft die Hoffnung , Kinder „ zu haben , wieder lebendig hätte werden sehen , die sie sast gänzlich ver - „ lohren halte ; allein die Unwissenheit der Matronen , weiche dieses letz - „ tere von ihr genommen , sind ihr so übel begegnet , daß sie in Zukunft „ unvermögend gewesen , mehrere zu zeugen ; und es sind ihr davon so „ große Beschwerlichkeiten zurück geblieben , daß sie endlich drey Jahre „ darauf in dem Schlosse BloiS den iz des Hornungs i ; >z daran ben ist . „ Mezerai , Hift . de France , Tom . II , pag . 89 " Der Ur Heber von den Noten über die Briefe des Rabelais hat sich vermutlich betrogen , wenn er auf der 8Z S . gesaget , daß die Prinzeßinn Renata den 15 des Weinmonats 1509 u . f . w . gebohren worden .
( B ) Ein neuerer Geschichtsschreiber versichert , daß sie eine rveikläuftige Gelehrsamkeit besessen . ] VariklaS ist der Geschichte fchreiber , von dem ich rede . Hier sind seine Worte : „ Renata von „ Frankreich , eine Tochter des Königes Ludwigs des XII und Gemahlinn „ Herkuls von Este , Herzogs von Ferrara , har ihren Gemahl zum Vater „ von fünf der schönsten Kinder in der Christenheit gemacht ; ob sie gleich , „ was de» Leib betrifft , die häßlichste Prinzeßinn ihrer Zeit gewesen . „ Allein es ist auch wahr , daß dasjenige , was ihr an ihrer Gestalt und „ Schönheit gefehlt , von Seiten des Geistes so überflüßig ersetzt worden , „ daß sie mehr Ursache gehabt , mit der Natur vergnügt zu ftyn , als sich „ über dieselbe zu beklagen . Sie hatte mehr Schärfe und Zärtlichkeit „ des Geistes , als man jemals bey einem Frauenzimmer gesehen , auch die „ Italienerinnen nicht davon ausgenommen , die sich am meisten des - „ wegen brüsten ; und es ist für sie nur ein Spielwerk gewesen , dasjenige zu „ lernen , was schweres in den allererhabensten Wissenschaften stecket . „ Sie hat ohne Mühe und Anstrengung des Geistes die Philosophie „ und Gottesgelahrtheit ergründet , und keine von ihrem Geschlechte hat „ mit mehrererAnmuth , oder besser zu sagen , auf eine weniger verdrießli - „ chere Art , geredet . Sie ist in allen mathematischen Wissenschaften , „ und vornehmlich in der Sternscherkunst vortrefflich gewesen ; und die „ Verachtung , die sie gegen die wahrsagende Sterndeuterey gehabt , hat „ sie nicht abgehalten , sich dennoch alle Geheimnisse derselben durch den „ berufenen Lucas Gauric zeigen zu lassen . , » Varill - s , l'Hiftoirc de I'He'refie , Liv . X , pag . 354 , holländischer Ausgabe . Er saget in der Hi - storie Carl« des IX , Tom . I , p . 174 , holländischer Ausgabe , noch viel mehr : nämlich , daß sie niemand in den allertiefsien Erkenntnis - fcn ver Xveltweisheit , der Mathematik und der Sterndeuterkunst übertreffen . Dieß riecht nach der Romanschreibart : VarillaS , an statt , daß er die Ausdrücke des Brantome , eines gaseonischen Seriben - ten , der den Hyperbolen , zumal , wenn von Prinzeßinnen gehandelt wird , den Znyel nnr allzusehr schießen läßt , maßigen sollte , qeht noch über denselben weg . Man mag davon urrheilen : Die prinzeßinn Renata - - - hatte einen so guten und scharfsinnigen Geist , als nur möglich war : sie hatte stark studiert , und ich habe sie sehr gelehrt , sehr hoch und sehr ernsthast von allen VTiistn - ' schasten reden hören , auch so gar von der Astrologie und der Erkennmiß der Sterne , wovon ich sie eines Tages d , e königliche Lr . Mutter habe unterhalten sehen , welche , da sie sie also rede« boren , gesagt , daß der größte Philosoph von derXvelr nicht des - fer davon reden konnte . Li antome , Vie des Darnes illuftr . p . in . 300 . Wie sehr fällt dieß nicht ! Nach dem Varillas bezieht sich die Gleich - heit zwischen der Wissenschaft der Prinzeßinn und aller andern Gewehr - ten , auf die allertiefsten Erkenntnisse derwclttveisheit , der Ma themank und Sterndeuterkunst ; allein , nach dem Brantome , bezieht sie lieh nur auf Difcurfe von der Astrologie , und zwar auch dieses nur „ achdem Urrheile der Catharina von MediciS . Es ist nützlicher , als man denket , den Lesern die Vergleichung des Originals mit der Copie vorzustellen , wie ich hier thue . Man sehe noch folgendes : Brantome saget an angezogenem Orte : obgleich Renata sehr garstig vom Lei - de gewesen , so habe sie ihrem Gemahle doch sehr schöne Kinder ge - bracht . Er pget auf der 306 S ob sie gleich keinen allzugroßen äußerlichen Schein , wegen der Garstigkeit ihres Jleibes zu ha , den geschienen , so habe sie doch desselben um so viel mehr in ih - rer Majesiat gehabt . Varillas , anstatt hierbei ) zu bleiben , saget : daß die Prinzeßinn die allerhäßlichste ihrer Zeit , was den Leib betrifft , gewesen .
( C ) Er erzählet viel Dinge , davon einige höchst falsch , die An' dern zweifelhaft sind , von einer Reise Calvins . ] VarillaS zählet , Hift . de l'Herefie Liv . X , p . Z5» u . f . unter dem 1535 Jahre , daß Calvin , nachdem er Straßburg zu seinem Aufenthalte erwählt , jenigen von seiner Secre dahin gezogen , die sich freiwillig aus Frankreich verbannt gehabt Calvin , fakrt er fort , nachdem er eine große Anzahl von seinen Schülern zusammengebracht , woraus er eine Rirche bilden konnte , hat dem Rache zu Straßburg , auf Vucers Anrarhen , eine Sittschrist überreichet , die geistliche Ans ficht über diejenigen Franzosen - >u erhalten die sich der Relu - on Kalber aus Frankreich nach Elsaß versetzt hatten . - - -
er Rarh bat auf Ueberredung des Stumus ( es jvllte Smr> II Sand .
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ttn'us heißen ) t * * fem Suchen verwilliget , und auf diese Art hat Calvin die Gemächlichkeit erhalten , eine Rirche nach seiner Mode zu pflanzen - - - XDie feine Absicht gewesen , das Collegium zu Straßburg berühmt zu machen , so hat er sich nicht begnügt , die allerwitzigstcn Kopfe und gelehrtesten Männer von den Universitäten in Frankreich dahin zu ziehen , die er bereits angesteckt hatte ; sondern er har auch über dieses gewollt , daß ihm dasselbe Collegium vornehmlich seinen Rubm schuldig seyn sollte , und hat darinnen mir einer viel großern Un - Verdrossenheit gelehret , als Luther und Melanchtbon in dem Collegio zu Xvittrnberg . Es ist auch die Anzahl seiner 5ub6 - rer . rn Vergleichung der ihrigen , weit stärker gewesen , ob sich gleich kein regierender Fürst damit vermengt hatte . Er hat die Gottesgelahrtheit in diesem Collegio gelesen , und kein einziger von den Professoren hat den Disputationen der Studenten liger beigewohnt , als er . Außer diesem har er seine Inftitutio - nes übersehen , und da« vierte und letzte Buch dazu gefügt . Er hat zwey volle Iah» auf diese mühsamen Keschäffrigungen verwendet , und nichts wäre vermögend gewesen , ihn davon ab - zuziehen ; wenn er nicht Hoffnung gehabt hätte , es an einem am dern Orte weiter zu bringen : allein er hat sich durch die falsche Meinung bekriegen lasten , die man ihm hergebracht , daß man feine Siebte in Italien ausbreitete , und sich eingebildet , es würde dieses etwas so rühmliches und angenehmes seyn , wenn er in eine Himmelsgegend . die für - wuchern und den Zwinqlius unzu - ganalich gewesen , eindringen , und diejenigen Volker dem Ge - horsame des Pabstes entziehen konnte , die seinem Stuhle am nächsten waren ; daß er der Versuchung nicht widersteben kon - nen , die ihn dieserwegen überfallen . Hier machet Varillas eine Ausschweifung zum Lobe der Herzoainn von Ferrara , die man in der vorhergehenden Anmerkung «eschen hat , worauf er auf der 355 S . saget , daß Calvin , dem die Neigung dieser Prinzeßinn nicht unbekannt sen , verkleidet von Srraßburg nach Ferrara gegangen sey . Er sehet voraus , daß Calvin . der sich durch seinen aufgeweckte« Kopf die Vertraulichkeit der Renata erworben , ihr die Grundsätze Luthers , M , - lanchthons und des ZwingliuS verhaßt gemacht , und daß die Prinzes - sinn ( auf der 356 S . ) welche die Religion nur verändern wollen , um sich an dem - Hofe zu Rom zu rächen , anfänglich des Calvinu« Lehrsatz ? verworfen , sich aber nicht lange enthalten habe , eine Calvi - nistinn zu werden - - - die predigt ist in ihrem 3immer halten worden , damit es wegen der Ekrerbiethung desto bester verborgen bleiben sollte , welche den Sediemen verboth , sich all - zuneUgierig nach demjenigen zu erkundigen , was darinnen vor - gieng . Allein es ist Frauenspersonen von hohem Stande noch weniger , als andern möglich die Religion , zu der sie sich beken - nen , vor ihrei» Gemahlen lange zu verheelen . Der - Herzogin» ihre ist zur Renmniß des - Herzoges gelanget , und er ist um soviel - mehr dadurch zum Zorne gereizet worden , weil seinen mensch - lichen Absichten nichts mehr zuwider lief . Er war ein Lehn - mann des pabstlichen Stuhls , und wußte , daß es den P . 'bsten nicht anRraften fehlte , ihn seines SLebns zu berauben , wenn sie einen Vorwand dazu finden tonnten . Sein Schrecken bat sich damals vermehrt , wenn er betrachtete , daß der - Herzog Alfonso , sein Vater , lange Zeit verbannt , herumschweifend , arm , und itt dem Solde einer fremden Nation gewesen war ; weil er mit dem Pabste in keinem guten Vernehmen gestände , » : und daß er , wieder zu Gnaden zu kommen , gezwungen gewesen , bey dem Pabste . Alexander dem VI , um Vergebung zu bitten , und die Lu - cretia Borgia zu he , rächen . Diese Betrachtungen haben den Herzog in einem Augenblicke verändert , der bisher gegen die - Herzogin» sehr gefallig gewesen war . Er har sie gezwungen , zur Uebung der neuen Religion wieder zurückzukommen * , und die ganze Gnade , die sie für den Calvin erhalten können , har dar - innen bestanden , daß ihm erlaubt worden , wieder so wegzuge - hen , wie er gekommen war .
( * ) Hier haben die Buchdrucker einen Fehler gemacht ; man muß entweder'lesen abzusagen , an statt zurückzukommen ; oder alte , an statt neue .
Beurtheilung dieser Stelle des Varillas .
Es sind viele Lüqen in dieser Erzählung . I . Hat Calvin , da er da« Köniqrcich im> ; z4Iabre verlassen , die Stadt Basel , ( siehe die Anmer - kling ( F1 ) des Artikels Calvin ) und nicht Straßburg »um Orte seine - Aufenthalt - erkießt . und er hat sich zu Basel so verborgen gehalten , als ? « ihm möglich gewesen , ( siehe d , e Anmerkung ( in seines Artikels ) ; bis er die Reise nach Italien unternommen , nachdem er seine Inftrnniones ausgegeben harte . Er hat sie »555 zu Basel herausgegeben . Siehe oben die Anmerkung ( U ) bey dem Artikel Calvin . II . Es ist also falsch , daß er damals zu Straßburg eine Kirche gepflanzt habe , und daß er das Collegium dieser Stadt berühmter , als das zu Wittenberg , ge - macht . III . Wir wollen dieses so gut , als wir können , durch Angebung der wahren Zeit , verbessern , und dennoch »verden wir noch Lügen genug dabey finden . Nachdem Calvin im 15z« Jahre aus Genf verjagt wor« Äqq den ,

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