Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8849

Ferne ! .
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druckt worden , ist betitelt : Monalofphaerium . Kann nun dieses wohl einem Schüler zukommen , der seine Grammatik und Rhetorik spat an - gefangen hat ? Und man muß wohl Acht geben , daß zu Fernels Zeiten ein Schüler , der vor dem zwanzigsten Jahre die Philosophie anfing , schon für sehr gelehrt gehalten worden . Ein Mensch vom Lande , den man in einem Alter von fünfzehn bis sechzehn Jahren nach Paris geschickt , selbst seine untern Clasien abzulegen , wurde fiir keinen Schüler gehalten , den man langsam zun . Studieren gebracht . Ich rechne hier des Thevet Zeugniß für nichts : ( Eloge du Kernel , Tom . VI [ , pag . z - 5 , Ausgabe von 167» in 12 ) denn er hat den PlantiuS nur abgeschrieben , so wohl was die 72 Jahre des Lebens , die er demFernel gegeben hat , als alles übrige betrifft .
( I ) Er hat viel gewonnen . ^ Plantius bezeuget , daß die zehn Jahre über , die er sich bcy Ferneln aufgehalten , der jahrliche Gewinnst dieses Arztes öfters zwölf taufend Franken überstiegen hätte , aber fast niemals unter zehn tausend Franken gewesen sey . St . Romuald bie - thet mir folgendes dar . Man har nach seinem Tode in seiner Smdierstube dreißig tausend Thaler an Golde gefunden : er ist auch sehr reich gestorben ; denn er hat übervieß , sechs und dreißig raufend Pfund Renten , unter seine jiro Eochtcc , als seine einzigen Erben , ; u verrheilen hinterlassen , abrege äu Tkrefor ckronol . Tom . III . auf« 1558 Jahr . Wenn man seiner Historie glaubet , so hat er seiner Familie gutes gethan ; allein er ist auf den Gewinnst ämsig gewesen . Atte - ntus quidem ad rem familiärem , fed in fuos beneficus et liberalis . Plantius in dessen Leben zu Ende . Scaliger get hierüber und über einen noch zärtlicher» Punet etwas sehr beißen - des : Fernelius ein guter Geldscharrcr , der in Ansehen men , weil er die Wiederkunft der königlichen Mutter erleichtert hatte . Habuit falaciflimam filiam , cui dedit decem millia aureorum pro dote . Scaligerana prima , p . 82 . Diejenigen , die gern etwas von Fernels Nachkommenschaft wissen wollen , dürfen nur die Augen auf die Stelle Veit PatinS im L Br . des I Bandes ansehen . Er ist den 25 des Herbstmonats 16 ; ; unterschrieben . „ In dem Kloster der Heimsuchung zu „ Lion ist eine Jungfer , des Herrn von Nianr , Scaatsraths , Tochter . „ Ihre Mutter ist die Muhme des Herrn von Narbonne , und heißt » . Maria des Prez . Diese schöne Nonne , die noch nicht das Gelübde „ abgeleget . ist unter andern schonen Eigenschaften , die sie besitzt , auch „ wegen ihrer Geburt ansehnlich , indem sie von unserm großen Fernel ab - „ stammet , der gewißlich ein unvergleichlicher Arzt gewesen ist . Er hat „ zwo Töchter hinterlassen , davon die älteste an den Herrn Barjot , Prä - „ sidenten des großen Raths und Requerenmeister , verheirathet worden , „ von welchem der heutige Herr von Annöuil , Haushofmeister bey dem „ Könige , entsprossen ist . Annöuil ist ein Landgut von 12000 Pfund „ Einkünften in unserer Landschaft Piccardie , bey Beauvais , zwey Mei - „ len von meinem Geburtsorte . Die andere Tochter Fernels ist mit „ Gilles von Riant , Präsidenten au Mortier , verheirathet gewesen , wel - „ cher im 1597 Jahre gestorben ist . Sie hat Magdalena Fernel geheißen , „ und ist 164a im Märzmonate , yq Jahre alt , gestorben , et generativ „ reftorum bcne dicetur . Jch bedaure sehr , daß ich Nicht ehmals aus - „ drücklich nach Villeray au Perche gereißt , wo sie gestorben , um die „ Ehre zu haben sie zu sel>en . und ihr die Hände zu küssen . Man läßt „ uns viele heilige Ueberbleibsel küssen , die nicht so gut sind , als diese . „ Solchergestalt kann sich eure schöne Nonne rühmen , daß sie von dem „ größten Manne entsprossen ist . , der seit dem GalenuS in unserer Pro - „ feßiyn gelebt hat , weil der große Fernel ihr Oberältervarergewesen . , ,
( K ) Es ist eine sehr bekannte Meinung , daß er der Cacha , rinen von Mcdicis Unfruchtbarkeit geheilt . ) Mai' giebr vor , daß ihm Heinrich der II , mit sehr wunderlichen Worten diese Sache vorge - tragen hat . Mein - Herr Arzt , werdet ihr wohl meiner Gemah , linnRind' - r machen können 1 und man will , daß Fernel weislich geant - wertet : Gott ist es , allergnadigster - Herr , der euch durch seinen Segen Rinder qcben kann : ihr müsset dieselben machen , und ich muß dasjenige beytragcn , was in der Arzny'kunst von Gort zum - Hülfsmittcl wider die menschlichen Gebrechlichkeiten ver , Ordner ist . Lullart , Academie des Sciences , Tom . II , pag , 84 - Er führet den Dupleix an . Varillas erzählet das Mittel , dessen sich dieser Arzt bedienet hat . Das Volk hat in der Einbildung gestanden , saget er in der Historie Franciscus des II , jm I B . pag . »> . 76 . die königlicheMutter habe nach einer zehnjährigenUnfruchtbarkeit ven Ronig empfangen , weil der erste ü . cibarzr , * Fcrncl dem Rönige - Heinrich dem II , gerarhen hatte , ihr bey ihrer Monars - zeit beyzuwobncn , und daß die auf solche Art empfangene schen , dieser schändlichen Rrankheit , nämlich dem Aussage , un , rerworfen waren .
M Fernel ist erstlich nach dem Tode Franciscus des l , der erste Leib - arzt gewesen . Franciscus der II , der Catharinen von Mcdicis erstge - bohrner Prinz , ist vier Jahre vor Franciscus deö l , ^ode gebohren worden .
Nach dem Mezerai in der Historie von Frankreich Tom . III . pag . 42 . hat Franciscus der II , von seiner Geburt an , eine ungesunde Leibesbe - fchassenheir gehabt , indem er das erste Kind einer Mutter gewesen , die ihre Reinigung sehr spät bekommen hat . In der That geben verschiede - ne vor , daß Maria von Medieis nicht eher fruchtbar geworden , als bis man ein Hülfsmittel gefunden , welches die Verstopfung ihrer Blume gehoben . Siehe unten die Anmerkung ( M ) . Dieses Mittel ist von demjenigen weit entfernet , welches Varillas erzählet . Wir haben gese -
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Königinn zu befördern . Dieses käme ein wenig besser mit der Cur ei - «er großen Dame üb : rein , davon Plantius geredet hat . Wie man aber nicht die geringste Ursache siebt , die ihn hatte antreiben können , der Welt nicht zu berichten , daß Fernel der Gemahlin , , des Dauphins eine glückliche Niederkunft verschafft , die der Gefahr unterworfen gewesen , in Kindesnöthen zu sterben : so beharre ich hierauf zu sagen , daß er nicht von Catharinen von Medicis hat reden wollen , und ziehe aus feinem Stillschweigen einen sehr starken Beweis , daß man an demjenigen zwei - feln soll , was in dem Texte dieser Anmerkung enthalten ist . Nach dem Brantome , Dames Illuftr . pag . m . 42 . W man bey Hofe gesaget , daß es mehr a „ dem Dauphin , als an siiner Gemahlmn , gelegen , warum er keine Rinder gehabt . Und hierauf erzählet er den Scherz einer Dame . Er hatte hier eine sehr schone Gelegenheit , das«
jenige zu sagen , wa« man von Ferneln erzählet , gleichwohl saget er nicht« davon : sollte sein Stillschweigen nicht eine große Bedeutung haben ? Sollte ThuanuS in dem Lobe Fernels eine Begebenheit von dieser Wich - tigkeit vergessen haben , wenn er sie gewußt oder geglaubt hätte 1 Ich glaube also , daß dieses eine Sache ist , bey welcher man , ausrufen muß : rion liquet : ungeachtetScävvlaSammarthaniis diefeBejahung beyfüget . Ab Henrico fecundo in Regiam accerfitus , principem inter eius Ar - chiatros locum tenuit : Eo felicis operae prouentu , vt quod a natura negatum efie videbatur , artis bencficio confecutus intiifam fterilita - tem a domo regia repelleret . Sammarth , in Elogiis , Libr . I , p . m . 33 . Mir deucht , man würde alle diefe Zweifel leichtlich heben können , wenn man die Dissertation hätte , die Varillas angeführet hat . Der Arzt Fernel , saget er , nachdem er das Temperament der Gemahlin» des Dauphins untersucht , hatte sich in den Ropf gesetzt , ihre fruchtbarkeit zu heben : und es fey , daß die von ihm ten Arzneyen gewirker haben , oder daß sein Geheimniß bloß darmnen bestanden , dem Dauphin die Minuten zu entdecken , in welchen seine Gemahl , nn an geschicktesten war , zu empfangen : so hat der - Hof etliche Monate darauf wahr genommen , daß die Erbprinzeßinn schwanger war . Hift . de Francois I , Liv . XI , pag . m . y9 . Er setzet auf den Rand , in der lateinischen Dissirra , tion , die dem Ronige über diese Materie überreicht worden . Man findet diese Stelle von Worte zu Worte in den Galanterien der Könige von Frankreich , Tom . I , pag . 22j . nach der Ausgabe von 1694 , und pag . 207 . nach der Ausgabe von >69 ; . Menjot , ein gelehrter Arzt zu Paris , hat geglaubt , Fernel habe qemuthmaßet , daß Catharina von Medicis wegen einer allzugroßen Trockenheit der Mutter , oder weil die - ser Theil allzusehr verschlossen war , unfruchtbar gewesen . Im ersten Falle traf der Saame ein allzudürres Land an , und konnte nicht Frucht bringen ; im andern Falle , kam er nicht hin , wo er hinkommen sollte . Wie aber bey dem Flusse der Monatszeit das Schaamglied feuchterund weiter wird , als gewölmlich , so hat Fernel geurtheilet , daß der Dauphin alsdann diese Zeit in Acht nehmen müsse , und daß dieses die glückliche Minute fey , da er ein Spiel mit seiner Gemahlinn wagen müsse . Menjot setzet dazu , daß Hippokrates we«zen dieses Raths Licht gegeben haben könne . Dieser Schriftsteller drucket sich mit so vieler Stärke aus , daß ich ihm Unrecht thun würde , tvenn ich nicht alles anführte , was er saget . Referunt Catharinam Medicaeatn Galliarum Reginam aetate licet integra , cum velut quinta Luna nata progeniem defpcra» ret , importunam alui fterilitatem votiua foecunditate commutafle , dulcique hberorum propagine ditatam fuifie , quod contra Mofis cdithim h rij Kaäiia räv xaricjufilm quibus fernen alias eluitur , a Rege fubagitata esset , ex confilio Ferneiii , fagaciter coniicientis exu» perantem vteri ariditatem , benign ! sanguinis afpergine rigandam efie , v ftomachum matricis naturaiiter , perinde ac ex euentu in
grauidis , ardüffimum non nifi menfium tranfitu referari . Idque edoftus fuerat Fernelius ab Hippocrate ( Libr . I , de Morb . Mul . ) iubente inulierem r5 inchoante menftruo profltiuio ,
fed maxime eo definente , verum profluente adhuc potius quam are - taclo . Antonius Meniotius , Diflertat . Pathologicar . Part . III , pag . m . 23 .
( L ) - - - Und daß sie ihn deswegen prächtig belohnt . J Wir wollen den Patin in dem DXV Briefe auf der 520 Seite , deck III Bandes hören . Einige reden von dem Könige von England , der „ sich mit der Prinzeßinn von Portugal vermählt : Er hat sie wegen „ ihrer Unfruchtbarkeit verstoßen wollen , wie es Heinrich der II , mit sei» „ ner Gemahlinn Catharina von Medicis gemacht hätte , wenn Fernel „ nicht zum Glücke dazwischen gekommen wäre , der jedesmal , wenn sie „ niedergekommen , aus einer ungemeinem Freygebigkeit 10000 Thalec „ bekommen , wie Ludwig von Orleans in seiner Plante Humaine saget . , » Naude , _de Antiquitate Scholae Medicae Parifienfis , pag . 75 . wo er eben dasselbe Buch Ludwige von Orleans anführet , saget , daß dieses Ge» schenke viermal wiederhohlet worden . Fernelius ab Henrico fecundo qui quater illi decem aureorum millia pro quatuor filiis , eius ope et confilio fufceptis , obtulit . Es istgewiß , daß der Catharina von Me - dicis zehn Kinder , alle vor Fernel« Tode gebohren worden . Das vom Parin gebrauchte wie ist viel richtiger , als er gedacht hat ; denn dasje - - nige , was er von dem Vorhaben Carls des II , Königes von England , vorbringt , ist eine Erfindung der Zeitungsschreiber , die nicht den gering - sten Grund hat . lind wir erfahren vom Brantome , Dames illuftr» pag . 41 . daß sich Catharina von Medicis bey dem Ronige rem Schwiegervater , und dem Ronige - Heinrich , ihrem Ge - mahle , so beliebt gemacht , daß , da sie zehn Jahre ohne Erben geblieben , und eine Menge Personen dem Ronige und dem Dauphin angerarhen , sie ? u verstoßen , weil Frankreich Erben nöthig hatte , weder der eine , noch der andere darein willigen wollen , jö lieb haben sie dieselbe gehabt . Man besehe die Beob» achtung , die ich über die Stelle des Gabriel Naude gemacht habe : Sie zeiget , daß Ludwig von Orleans von einer Sache geredet hat , davon er nicht wohl unterrichtet gewesen .
Dieses ist es , was ich in der ersten Ausgabe gefaget habe : Jtzo will ich noch zwo Verbesserungen darzu sehen ; die eine ist , daß es cher giebr , welche dieses Vorhabens Carls des II , gedenken ; die andere ist , daß Catharina von Medicis manchmal in gransamer Unruhe gewe - sen , woraus man schließen könnte , daß ibr Schwiegervater und Gemahl nicht allezeit von den Gedanken der Chscheiduna entfernt zu seyn ge ? schienen . Siehe die Nouvellen von der Republik der Gelehrten im Hornunge 1700 , pag . 196 . Atan sehe auch die Anmerkung ( 0 ) zu dem Artikel Marot .
CM ) 5Vir wollen die Fehler etlicher Sckirifrsieller zusammen nehmend Des Moreri seine sind in kleiner Anzahl . Er saget , Fernel habe gesehen , daß die Bücher , die er herausgegeben , die einiigcil ge , wesen , die man auf dm Universitäten von der Arznevkunst er - klärer , und die man allen andern vorgezogen hatte . Dieftö ist ei , ne von den größten Lügen , die in einem Buche erschienen find . Das - jenigt was Sammarthan versichert , verdienet kaum geglaubt zu werden . Man urtheile , was man von den ungeheuer» Hyperbolen denken soll , womit ihn Moreri überhäuft hat . Hier sind die Worte Säwmarthans
in Elogiis Libr . l , pag . m . 32 . Cuius ( Ferneiii ) admirabili gen 10 id contigit , quod a multis feculis nulli quamlibet erudito contigifle tnemini , vt ipfo viuo atque vidente opera , quae de vniuerfc Media -

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