Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8830

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Fernel .
dieß betrifft den ersten Punct ; der andre ist noch klarer . Catharina vonMedicis hat sich unter währender ihrer Unfruchtbarkeit wohl besun - den ; sie hat ein Pferd müde gemacht , sie ist dem Könige auf die Jagd gefolgt , ( Brantonie in dem Discurse von dieser Königin , , ) und weder ihre Gesundheit noch ihr Leben hat davon der geringsten Gefahr unterwor - fei , zu seyn geschienen , daß sie kein Kind zur Weit bringen konn - te Man hat sie also von keiner tödtlichen Krankheit befreiet , wenn man ihr Arzneymittel wider die Unfruchtbarkeit gegeben ; also ist hier die Rede nicht von ihr ; denn hier wird von einem rnorbo calamitofo , »OM morte impendente , von profligata falute , von einer reuocatione ex inferorum faucibus geredet .
Ich halte mich nicht umsonst bey allen diesen Beobachtungen auf ; es gewicht , einen starken Beweis wider diejenigen daraus zu ziehen , wel - che sagen , daß Fernel die Unfruchtbarkeit der Gemahlinn des Dauphins geheilet bat . Dieß ist eine Sache , die mir sehr zweifelhaft zu seyn scheint , weil sein geliebter Schüler nichts davon saget , und von einer an - dern Cur redet , die nicht so wichtig ist , als diese gewesen seyn würde . Es ist gar nicht wahrscheinlich , daß er eine so schöne Stelle in Fernels Leben nicht gewußt haben sollte , oder wenn er sie gewußt , daß er sie in der Hi - storie dieses Arztes mit Stillschweigen übergangen haben würde . Wer hätte diese Begebenheit wissen sollen , wenn sie Plantius nicht gewußt hat ; Plantius , sage ich . der so lang - Zeit zu den Füßen dieses Gamal , - els unterwiesen worden , und zu seiner genausten Vertraulichkeit Zutritt gehabt' Und wem wäre es wohl anstandiger gewesen , als diesem Schü - ler , eine seinem gütigen Lehrmeister so rühmliche That bekannt zu chen' Er hat es vergessen , wird man mir sagen , da er sich vorgenom - menFernels Historie zu schreiben . Allein sollte er sich dieser Sache nickt erinnert haben , da er die erste Reise zu erzählen angefangen , die seil , Lehrer nach Hofe gethan ? Konnte ihm diese von den Aerztcn ver - assene und von dem Dauphin so sehr geliebte Dame wieder in die Ge - danken kommen , ohne daß sie die Begriffe von einer Gemahlinn des Dauphins wieder rege machte , die durch Fernels Hülfsmittel fruchtbar geworden war ? Credat Iudaeus Apella .
halten ,
Gehör geben wollen , ^
ocnufl wäre , daß man ihm die Gesundheit der Prinzen anvertraute ; daß er aber , wenn man ihm nach Paris zurück zu gehen erlaubte . auf das eifrigste alle Mittel anwenden wollte , die er finden könnte , sich ge - schickter und würdiger zu des Dauphins Diensten zu machen . Als er gesehen , daß ihn diese Ursachen noch nicht aus der Sache helfen wollten , so hat er sich krank gestellt , und diesem Prinzen durch einen Wundarzt sagen lassen , der vertraulich mit ihm sprach , daß er ein Seitenstechen hätte , welches der Verdruß unfehlbar totttich machen würde ; und daß dieser Verdruß daher käme , weil er feine Bücher , seine Lehrstunden , und seine Familie verlassen , und sich zu einem unruhigen Leben verbindlich machen sollte . Simulata Pleuritide et conficta ementitaque a Chi - rureo oui prineipi familiaris erat , periculi rnagnitudine , per eurn nuntiart iubet tanti niali causam ab anirni aegntudine et nioerore profieifei , quod a ftudiis eilet abduclus . Plantius in vita Ferneiii . Der Prinz , welcher diese Lügen geglaubt , hat ihm erlaubt , wegzureisen . Muß er nicht recht sehr in das Studieren , und in das philosophische ben verliebt gewesen seyn , weil er so viele Maschinen angewendet , kein Hofarzt zu seyn ; das heißt , keine Bedienung zu haben , die andre , durch alle nur erdenkliche Wege zu erhalten , sich bemühen ? Nachdem Hein - rich der II den Thron bestiegen hatte , so wurde er von neuem verlangt : allein Fernel hat vorgestellt , daß die Ehre , die man ihm anboth , wegen vieler Ursachen , und gleichsam vermöge eines Erbrechts dem Leibarzte des verstorb " nen Königes zugehört ? , uud daß er eine gewisse Zeit brauchte , über viele Dinge Erfahrungen zu machen , die er in der Arzneykunst enr - deckt hätte Man hat ihm den Aufschub zugestanden : allein nach dem Tode des Leibarztes vom FranciscuS dem I , hat Fernel diesen Platz bey Heinrichen dem II bekleiden müssen .
rFl iH arbeitete über die Arzneymittel . ] Er hatte das Werk von den^usammenqesetzten Arzneymitteln sertzg , und an den einfachen Ar - neven gearbeitet , von denen er viele den Alten unbekannte Tugen - den entdeckt hatte . Er hatte niemanden etwas davon gesagt , sondern die Well sollte wissen , wem sie dieselben zu verdanken hatte : weswegen sein Vorsah war , eher nichts davon zu entdecken , als bis er sein Buch heraus aeben würde . Die Nothwendigkeit , darinnen er sich befunden , dem Hofe zu folgen , hat ihn verhindert , die letzte Hand an dieses Werk zu le - gen : Er hat auf feinem Todbette nichts so sehr bedauert , als daß er das - selbe nicht fertig machen können . Hic dolor horninern praeeipue an - gebat , haec cura follicitabat , quod therapeuticae poftremae Medici - nae parti , in qua inultum diuque verfatus erat , quamque fiiis inuen - tis plurimum locupletare poterat , extremam manum non addidifiet . Ebendaselbst . Eben dieses machet , daß man in seinen Werken , eine vor - treffliche Pathologie fint - r ; aber wenig Therapeutik . Man sehe das Tagebuch der Gelehrten im Apnlmonate . 666 .
fG " v wurde durch den Tod seiner Ehfrau betrübt , - - - daß er den >8 Tag seiner Rrankhcit starbt Nach der Erzählung desMantiuS kann man sagen , daß verschiedene Ursachen zu Fernels Tode H CS . Seine Milz ist in übelm Znstande gewesen : die dazu gekommene Widerwärtigkeit hat die üble Beschaffenheit verschlimmert , woraus ein anhaltendes Fieber entstanden ist . Er wurde nicht so bald aestorben seyn , wenn seine Milzkrankheit ohne Verdruy , und , ein Ver - druß ohne Milzkrankheit gewesen wäre . Es , st auch gewiß , daß feit , Verdruß nicht von dem Verluste »einer Ehfrau hergekommen ist . Es haben ihn vorher schon viele andre Dinge sehr empfindlich gekranket . Quum caufae quaedam externae haeque graues admodum acerbiffi - imim moerorem attuliilent , fuperueniente vxoris obitii , quo omnia exafperata funt , humor in liene co ! le6his tandem inealefeens atque putrefeens , inflaramationem eins vifeeris peperit , vnde et febris ac - cenfa eft continua . Plant , in Vita Ferneiii Siehe Theuet , Tom . VII , p . 33' - Allein wenn man auch nicht die geringste Aufmerksam - keit auf diese Umstünde wendete . so würde man dennoch erkennen , daß sich der Abt Deslandes sehr seltsam betrogen hat . Johann Fernel , saget er in einem Briefe , da er von ein< r prin ? efiinn nach - Hofe be - ruft» worden , die wegen ihrer Unfruchtbarkeit trostlos war , u»d daselbst von dem Tode seiner Ebfrau Nachricht bekommen harre , ist er vor den Füßen dieser Prinxeßinn umgefallen , von
da man ihn weggenommen , um ihn ins Grab in die St . Jacobs Rirche de la Äoucherie ju tragen . Der Brief steht im Wintermo - nate 169 ; des Mercure Galant p . 197 . Siehe oben die Anmerkung ( C ) des Artikels Tharnace . Diese Prinzeßinn ist außer Zweifel Catharina von MediciS , deren Unfruchtbarkeit im 154z Jahre aufgehört hat . Nun sind Fernel und seine Frau erstlich 1558 gestorben , und überdieß ist es nicht wahr , daß der Tod dieses Arztes plötzlich gewesen . Er ist erstlich zehn oder zwölf Tage nach dem Begräbnisse seiner Frau krank geworden , und erstlich am achtzehnten Tage semer Krankheit gestorben .
( H ) Jch werde eine Anmerkung über die Anzahl seiner Jahre machen . ^ Erist im 72 Jahre seines Alters 1557 gestorben , kurz nach Er - oberung von Calais , wenn wir dem Plantius , seinem Geschichtschreiber glauben . Diese Stadt ist von Heinrichen dem II im Monate Jenner 1557 erobert worden , nach der damaligen Art zu zählen , nämlich , wenn man das Jahr nicht mit dem Jenner anfängt . Wenn man es aber anfängt , wie wir es anfangen , so ist die Stadt Calais 1558 eingenom - men worden . Plantius beobachtet , daß sie seit hundert Jahren in der Engländer Händen gewesen . Er hätte sagen sollen , seit 2» Jahren . Fernels Grabschrift bemerket feinen Tod den 26 April . Wenn der Tag in der Grabfchrisc wohl bemerkt ist , so muß man schließen , daß Plantiuö das Jahr nicht wohl angegeben hat ; denn der 26 April , der auf die Wie - dergewinnung von Calais folget , gehöret ins 1558 Jahr , auch nach der al - ten Arr zu rechnen . Wenn Thuanus im 21 B . auf der 431 S . den Tag nach dem - 7 März wohl bemerkt hat , so kann Plantius das Jahr recht angegeben haben . Allein dieß ist die Hauptsache nicht . Der Leichen - ste „ > giebt Ferneln 52 Jahre Leben , und Plantius giebt ihm v . Man darf nicht glauben , daß die Buchdrucker 72 an statt 52 gefetzt hätten : denn man findet in eben demselben Leben Fernels , i . daß er ungefähr 60 Jahre alt gewesen , da er sich , als erster Leibarzt bey dem Könige ausge - halten . 2 . Daß er die Arzneykunst dreißig Jahre in Paris geübt hat . 3 . Daß er viele Dinge zuvor gethan hat , ehe er sich aufs chen gelegt hat . Wir wollen also gewiß versichert seyn , daß ihm Plan - tius 7»Jahre gegeben hat : und gleichwohl giebt ihm der Leichenstein nur 52 Jahre , der doch von Fernels Schwiegersohne gesetzt worden : Wir wollen eine Stelle Veit Patins aus dem 117 Br . des I Bandes anfüh - ren : „ Weil man Fernels Werke bey euch drucket , so will ich euch um „ etwas bitten , nämlich , darinnen einen Fehler zu verbessern , den die „ Urrechter bey ihrem Drucke gemacht haben , ( Patin mißt dieses den Urhebern der utrechtischen Ausgabe mit Unrecht bey : Sie haben nur Lcrncls Leben drucken lassen , welches vomXvilhelm plantius aufge - setzt worden ) „ wenn sie in seinem Leben sagen , daß er 72 Jahre alt ge - „ wesen , da er gestorben : dieß ist höchst fälsch ; denn ich versichre euch» „ daß er nur 52 gewesen , welches ich von weyland dem Herrn von Ville - „ ray , Reketmeister . dem Sohne von einer Tochter Ferneis , die erstlich iöq» „ gestorben ist , habe sagen hören . Ich habe es auch von andern seiner „ Anverwandten sagen hören , und es ist eine ganz deutliche Sage in sei - . . ner Familie : allein ohne diese Sage , die nicht allezeit allzugewiß ist , so „ habe ich zweene sehr gewisse Beweise davon : der eine ist aus den Re - „ gistern unsrer Facultät genommen , die ich so lange , als ich Dechant ge - „ wesen , unter den Händen gehabt habe , und worinnen ausdrücklich de - „ merket ist , daß Fernel den 26 April 1558 , anno aetatis 52 , gestorben ist . «Der andere Beweis ist in seiner Grabschrift zu St . Jacob de la Bou - „ cherie , die ich unzählige Personen habe sehen lassen , allwo auch be - „ merket wird , daß er 52 Jahre alt gestorben ist . Der darinnen benenn - „ te Urheber dieser Grabschrisr ist Philippus ( er sollte Philibert heißen ) „ Bariotius Ferneiii Gener , welcher Reketmeister , Präsident des großen „ Rathes , und sein erster Schwiegersohn gewesen : der andre ist Gilles „ von Riant , Präsident au Monier , gewesen , welcher im 1597 Jahre ge - „ starben ist , und dessen Witwe ihn 4 ; Jahre überlebt hat . „ Es ist schwer , die vom Veit Parin angeführten Zeugnisse zu bestreiten . Wenn er nur die Grabschrift angeführt hätte , so würde sein Beweis nicht so entscheidend seyn , als er vorgegeben hat : denn wer weis , ob der Bild - Hauer nicht zwey XX auSgelasien hat ; welches aus 52 , 72 machen de . Er hat sich noch leichter bekriegen können , wenn er sich der Ziffern an statt der Buchstaben bedient hat , denn es ist gar leicht eine ; sür eine 7 gesetzt . Diejenigen , welche wissen , daß ein Schriftsteller , der seine Probebogen verbessert , manchmal nicht wahrnimmt , wie seine cker seine Zahlen oder Zahlbuchstaben entsetzlich verändert haben , ( ich weis es aus der Erfahrung ) werden sich nicht verwundern , daß Fernel« Schwiegersohn des Bildhauers Fehler nicht wahrgenommen hat . Al - lein , wie ich bereits gesagt habe , die vom Veit Patin angeführten Zeug - Nisse bestehen nicht in der bloßen Grabschrift . Gleichwohl will ich ihm zween Einwürfe machen : I . Jch kann nicht wohl begreifen , daß ein Schüler Fernels , der zehn Jahre vertraut bey ihm gelebt , in Absicht auf das Alter feines Lehrmeisters , in einem so entsetzlichen Jrrthume gewesen seyn sollte ; sollte er sich wohl dabey um 20 Jahre betrogen haben ? und sollte er sein Leben aufgesetzt haben , ohne sich ein wenig besser nach dem Alter zu erkundigen , das er ihm hätte geben sollen ? II . Wenn dieser Schüler in Ansehung de« Alters irret , so muß er sich auch bey vielen an - dem Dingen bekriegen ; er lüget , wenn er erzählet , daß Fernel seine Studien langsam angefangen hat : Iam natu grandis quuin lud tri . uiali magiftro Grannnaticain didieiflet , etiamfi mater rebus eurn ri sque domefticis potius quam litteris TAM SERO deftinandum contenderet 5 und es ist nicht wahr , daß Fernel zwey Jahre in dem Collegio der H . Barbara studirt hat , und darauf m« besondere für sich mit solchem Feiße , daß er sich dadurch ein viertägiges Fieber zugezogen , wel - ches sehr lange angehalten und ihn genöthiget hat , auss Land zu gehen . Febre quartana Tandem corripitur , qua crudeliter ae D 1 v contliftatus coeptum ftudiorum curfum interrumpere , vtque falu - briore aere fTiieretur , folum vertere cogitur . Plantius in eius Vita . Wie wäre es möglich , daß er nach wiedererlangten Kräften nach Paris zurück gekommen , und , nachdem er zu Rathe gegangen , was er für eine Profeßion erwählen wollen , zwey Jahre in dem Collegio der H . Barbara gelehrt hätte : wie , sage ich , wäre dieses möglich , da wir aus Gestier« Bibliothek wissen , daß er im 1526 Jahre mathematische Bücher herausge - geben hat ? Allein , aufs höchste , so könnte man doch nicht voraussetzen , daß diese Bücher herausgekommen wären , da er ein Schullehrer gewesen . Wo finden wir die nöthige Zeit nach des Plantius Erzählung , wenn er in einem Alter von zwey und fünfzig Jahren gestorben ist ? Würde er nicht der Urheber eines astronomischen Buches in dem zwanzigsten re gewesen seyn ? Dieses Buch , welches nach Gesnern 1526 zu Paris ge -
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