Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8827

Ferne ! .
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damals nur Dauphin war , und diese Dame sehr liebte , gegen ihn faßte . Dieser Prinz both ihm so gleich die Stelle seines ersten Leibarztes an : allein Fernel , der seine Studien der Unruhe des Hofes vorzog , nahm diese Bedienung nicht an ; und er bediente sich auch einiger Kunstgriffe , die Erlaubniß zu erhalten , nach Paris zurückzugehen ( E ) . Er erhielt dieselbe ohne Vergerinae - rung der Besoldung , die ihm versprochen worden war f . Nach vollendeter Erklärung seines Buches , wurde er ohne Anstand aebethen , etwas anders zu erklären : allein die Menge von Kranken , zu welchen er gerufen wurde , verhinderte ihn , sich darzu bindlich zu machen 5 . Gleichwobl unterließ er nicht , sich dem gemeinen Wesen auch noch auf andre Art , als durch seine medi - > cinische Hülfe nutzbar zu machen . Er verwendete sein Wachen auf die Verfertigung des Werk , de abditis rerum caufis , welchem bis 7 Bücher der Pathologie folgten , worauf er über die Arzneymittel arbeitete ( F ) . Ehe er dieses letzte Werk vollendet hatte , war
er gezwungen , den Befehlen Heinrichs des II , nachzugeben . ^ - - • * - - -
und es eräugete sich gleich das Gegentheil von dem , was Fe als er in Paris gehabt hatte : und ohne die Reisen , welche die Wiederergreifuna d
hatte sein Leibarzt den Hos , als eine angenehme Einsamkeit ansehen können . Nachdem er von dem " Kriegszuge Vmch Calais» wieder zurück gekommen war , ließ er seine Ehgattiin , nach Fontainebleau kommen . Diese Frau fiel aus Verdruß daß sie sich von ihrer Familie trennen sollte , in eine Krankheit , und starb darauf in vollem Wahnwitze . Er war so betrübt darüber daß er zwölf Tage nach dem Leichenbegängnisse seiner Ehftau , auch krank wurde , und den 18 Tag seiner Krankheit starb h ( G ) . Ich will eine Anmerkung über die Anzahl seiner Jahre machen ( H ) . Er hat viel erworben ( I ) , und seine zwo Töchter sehr vortheilhaft verheirathet - . Etz ist eine sehr bekannte Meynnng , daß er der Catherinen von Medicis Unfruchtbarkeit qe» Heilt ( K ) , und daß ihn diese Prinzeßinn deswegen sehr reichlich belohnt habe ( L ) . Wir wollen die Fekler etlicher Schritt» steller in eine Anmerkung zusammen nehmen ( M ) .
« ) Siehe die Anmerkung ( B ) . b ) Jacob StrebäuS . 0 Er ist Rath zu Paris gewesen ; allein man saget nicht bey welchen» Gerichte , Phyfiologia betitelt . < - ) De venae feftione . / ) Sie ist sechshundert Pfunde gewesen . F ) Hoc perfundhw munere alia quaedam Hippocratis et Galeni interpretari feripta cogitabat , idqiie ab eo quotidianis preeibus et acclamationibus contendebant phi - üatri omnes , fed prae aegrorum qui vndique ad eum opis caufa quotidie confugiebant turba , id muneris aggredi non potuit . G . Plantius in Vita Ferneiii . h ) Aus seinem Leben , welches Wilhelm Plantius , sein Schüler , gebürtig von Mans aufgesetzet hat . ES ist vor den Werken des Fernels in allen . Ausgaben gedruckt . » ) Siehe die Anmerkung ( I ) .
( A ) Br war in der Piccardie gebohren . ^ Ich halte mich an diesen allgemeinen Ausdruck , um das sicherste zu spielen ; denn ich sehe eines theils , daß er sich Ambianus , gebürtig von Amicns , nennet , und andern theils , daß man in seinem Leben versichert , er sey zu Cler - nwnt , zwanzig Meilen von Paris , gebohren , und habe sich den Na - wen Ambianus darum gegeben , weil sein Vater von Amiens gewesen . Claromontio oppidulo ( quod viginti duntaxat milliaribus a Lutetia diftat ) natus atque ingenue educatus , Ambianum in operibus idcirco fe praedicat , quod patrem inde habuerit . G . Plantius , in Vita neiii , zu Anfange . Durch Clermont versteht man hier Clermont in Deauvaisis . Dom Peter von St . Romuald , Abrege du Threfor Chronol . Tom . III . aufö >558 Jahr , führet eine andre Ursache an , warum Fernel Ambianus genennet worden . Tr ist , saget er , ; u Clermont in Beauvoisis gebohren gewesen , in ei'ncm - Hause Oer Vorjkadt , rvo noeb heutiges Tages das ScbilV Vcs Schwanes aushäilgt . iLinige haben ihn Ambianus gencnnec , darum , weil die Vorstadt , darinnen er gebohren worden , die Vorstadt von Amicns heißt . Mezerai versichert in der Historie von Frankreich , Tom . II . pag . 1129 . daß Fernel von Mondidier , im Rirchsprengel von Amiens , bürtig gewesen .
( L ) Er hat den Mahlzeiten und den» Schlafe wenig Zeit ge - gebend Alles andre Vergnügen , außer dem Vergnügen zu lerne» , ist kur ihn abgeschmackt gewesen : er hat sich weder um Spiele , noch Spa - ziergänge , noch Gastgcbothe , noch Unterredungen bekümmert . Ich de von der Zeit , da er noch ein Student gewesen . Ludos , iocos , com - potationes , et conieflationes , fermones etiam omnium pene condifci - pulorum , ac familiarium , fugere ftatuit ; non ©niae ^ahre vor seinem Tode , hat er auf das Bitten seiner Frau , «in Landhaus kraedium ? entinianum , gekauft ; aber dasselbe , zu seiner Erholung , des Lahres nicht mehr , als ein - oder zweymal besuchet . Er hat weit mehr Vergnügen IN dem thatlgen Leben , und in der Uebung ftine^PZiom als in der Ruh - gefunden . Lrat hoc robore animi , atque Windolevirtutis , et continentiae , vt refpueret omne« vo . luptates , omnemque vitae fuae eurfum in labore corporis atque in animi contentione conficeret ; quem non qiues , nort remiffio , noy aequalium ftudia , non ludi , non conuiuia deleflarent , nihil in vita expetendum putzet , nifi quod eilet cum laude , «honore , et cum dignitate coniunäum . Ebendaselbst . Er hat niemals die Kranken zu - rück gewiesen , die ihn um seinen Veystand gebethen , sie mochten so arm
seyn , als sie wollten ; und es ist zur Sommerszeit eine so große Menge zu ihm gekommen , daß er sich bey der Mittagsmahlzeit nicht nieder - setzen können , sondern stehend essen müssen . Tantus aegrorum rus ad eum confugiebat , vt per totam fere aeftatem rtans prandere cogeretur : neminem quantumlibet pauperem a fe abire dimittebat morbi quo angeretur ignarum , remediisque ad eum profiigandurt * deftituturn . Ebendaselbst . Wenn man ihn ermahnet , daß er sich doch ein wenig Ruhe geben sollte , so hat er geantwortet , daß ihm der Tod Zeit genug geben wurde auszuruhen . Quod fi iNnm nonnunquam de curanda corporis fui valetudine , deque nofturnis ftudiis intermit - tendis , commonefacereni , et ad quiefeendum cohortarer ( erat enim fomni pareiflimus ) refponfum in promtu habere lolebat . Lonam quiefccntli tempora fata ilabunt< s
Die Ehefrauen solcher Aerzte sind sehr zu beklagen , wenn sie ihre Eh - Männer lieb haben , und nicht geizig sind ; denn die Gleichgültigkeit und der Geiz , können in dieser Abwesenheit des Ehmanns , gute Ersehun - gen finden .
( C ) Ungeachtet derU>i'dersiylickkeiten seiner Shfcan . Z ES ist leicht zu errathen , warum seine Ehftau mit dergleichen Vorlestingeir nicht zufrieden gewesen : sie haben den Krankenbesuch verhindert , und also die tägliche Einnahme vermindert . Sein Geschichtschreiber hat wegen dieses Schadens nicht geschwiegen : Quod onus . . . . vxore , amicis omnibus , et aegrorum curis reclamantibus vel rei domefticae difpendio fufeepit . Ebendaselbst .
( D ) Man hat ihn nach - Hofe berufen , ju sehen , ob er cinec Dame helfen konnte , an deren Genesung man ver^eifelte . 1 Diejenigen , welche glauben , daß der Historienschreiber sein Anqenmer ? auf die Unfruchtbarkeit der Catharina von Med>cis gehabt , würden sich schändlich Hinter« Licht fuhren ; und die ganze Welt wird mir solches zu - gestehen , wenn man betrachtet , wie er sich ausdrucket : Nec abfoluerafc eins commentationis explicationem , cum in grauiflimo miilieris no - biliflimae ( * ) cafu , ad aulicos quafi edidloregio rapitur . Peruaga - batur enim incredibilis ad huius imperii proceres de Ferneiii erudi - done fama et perfuafio , quafi vnus eilet e Galliae Medicis calami - tofi illius morbi perftrenuus oppugnator ; et impendentis morti« fortilfimus vindex , malorumque depulfor , quafi Hercules Alexica - cus ! quam ille opinionem de le ftrenue fuftimiit , vt non tarn fit cre - ditus inulierem in vita retinuifle , quam iam profligata falute ex in - ftronim faueibus reuocafle .
. ( * ) Man darf nicht die geringste Achtung auf die Randglosse re - ginam curauit haben ; denn l»e ist vermuthiich von dm Buchhändler . r darzu gesetzt worden .
Erstlich kann man zweifeln , ob hier anf einige Art von Eatbarine«
M - « - g - h - nd - » wich ; STÄSI
daß h>er nicht von etwas gmiz anderm , als der Unfruchtbarkeit , qchan - delt wird . Hatte der Verfasse von dieser Prinzeßinn reden wollen die damals des Dauphins Gemahlinn gewesen , so wäre es ja wunderlich daß er sie durch den unbedingten Ausdru - k , eine T>ame von bo - hem Adel , bemerket hätte ? Ist es nicht seltsam , wenn er gesagt , sie wäre dem Dauphin fthr lieb gewesen ? Hem - ico Galliarum Regi defignato , cui illa charilfima erat . Wenn dieß nicht des Dauphin» Gemahlinn gewesen , so ist dieser Ausdruck gut , und schicket sich ; et könnte eine Beyschläferinn gewesen seyn ; es könnte eine Dame seyn , gegen welche der Dauphin viel Freundschaft gehabt : allein wenn eS seine Gemahlinn gewesen , so drücket sich der Geschichtschreiber sehr un - geschickt aus . Man fetjet allezeit bey den Erzählungen von dieser Art voraus , daß ein Ehmann seine Ehftau liebet , daß ihm ungemein viel an ihrer Genesung gelegen ist , daß er eine außerordentliche Erkenntlichkeit gegen den Arzt hat , der ihr wieder zur Gesundheit verhilft Es ist als» genug zu bemerken , daß die Kranke seine Ehftau ist ; und wenn man sich des Beyworts , chariflima , tcnerrima , bedienen will , so muk e« erstlich geschehen , wenn man das Wott vxor , oder coniux , gebraucht ha ? Daraus schließe ich , daß dieser Schriftsteller , welcher vernünftig und beredt qe , chr . eben hat , sich nicht so ausgedrückt haben würde , a'6 et gethan hat , wenn er Willens gewesen wäre , von einer Krankheit Jhret Hoheit , des Dauphins Gemahlmn , zu reden . Man setze noch diesen Grund dazu : Fernels Juihm wurde dadurch noch einen neuen Glanz bekommen haben , wenn die Dame , die er geheilet , die Gemahlinn des Dauphins selbst gewesen wäre : warum sollte also sein Geschichtschrei - ber , der nichts anders suchet , als ihn mit Ehre und Lobsprnä ) en zu über» Haufen , die vornehmste Eigenschaft dieser Dame verschwiegen haben ?
Ppp Z Dieß

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