Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8792

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Fausta .
ters allein strafbar . Man darf sich also nicht wundern , daß Fausta nichts auszustehen gehabt . Sie ist nachgehends für eine Verleumde - rinn erkannt , und auch als eine solche bestraft worden . Man merke , daßMetaphrastuS voraussetzet : daß Martyr Artemiuö dieses zur Recht - fertigung Constantins erzählet , um damit auf des abtrünnigen Zu - lians Einwürfe zu antworten . Man lese diese Stelle des BaroniuS aufs 324 Jahr , Num . II . f . m . 395 . Artemius Praefe & us Augujlalis , idcmque martyr , cum Cbrißianitatis rtus caufam ageret coram luliano Apoßata , deroganti Uli Conßantino , multaque in tum obiicienti , ac praefertim prcp'mquorum necem , haec tutic in tum pro Conßantinu re . jpondit . ( Ex Metaphr . apud Sur . die 20 Oöobr . Tom . V . ) Ille autein { inquW ) vxorem Fauftain iufte adniodum interfccit , vt quac pri - fcam Phaedram esset imitata , cinsquc filiuin Crifpum calumniata , quod ein» amore captus eilet , et vimei eonatus eflet afferre , ficut etiam illa Hippolytum Thefei filium . Atque primum quidem , qui fic in watrein infanierat ( vt volebant eins verba ) ille cum eflet inaritus puniuit . Poftea autem cum fciuiflet e ( Te mentitain , ipfain quoque occidit , in eam ferens fententiam omnium iuftiffimam . Haec Artemius ail lulianum . Sidonius Apollinaris belehret uns , daß der Consul Ablavius ein Distichon gemacht , welches an die Pforte des PallasteS angeschlagen worden , und eine beißende Beurtheilung der Grausamkeit Constantins enthalten hat : Vt mihi nm figurativs Cor . , ßantini domum vitamque videatur vel pupugijfe verfu gcmc'do con . ful Ablautus , vel momordijffi dißicbo tali clam palatinis faribus tppenfo :
Saturni aurea faeda quis requirat !
Sunt haec gemmea ( t ) , fed Neroniana .
Quia fcilicet pratdifius Augußus iisdem feie temporibus extinxerat cvniugem Faußam calore balnei , filium Crifpum frigore veneni . Sidon . Apollinar . Epift . VIII . Libr . V . p . m . 338 .
( t ) Savaron machet folgende Note über dieses Wort : fcilicet quod Crifpus - . . veneno gemmae id eft geuunatae paterae infufo potionatus occubuit .
Diese Worte des Sidonius Apollinaris enthalten nichts von der Ur - fache dieser Aufführung Constantins ; sie berichten uns nur , daß dieser Kaiser seine Gemahlinn Fausta durchdie Hitze eines Bades , und seinen Sohn Crispus durch die Kälte des Giftes , hinrichten lassen . Die mei - sten Schriftsteller sagen : daß man de» Crispus getödtet , und nicht , daß man ihn mit Gifte vergeben habe . Ad Ifixiam duxit prope oppidum Polam , vbi quondain TEREMTVM Conftantini filium accepi - mus Crifpum . Ammian . Marcellin . Libr . XIV . cap . vlt . p . m . 57 . jg . Dieß ist der Ausdruck des heil . Hieronymus , de Scriptor . Ecclef . in Laffcmtio . Hic ( LaFlantius ) extrema fcneöute niagifter Caefaris Crifpi , filii Conftantini in Gallia fuit , qui poftea a patre inter - TE C T v s eft . Man liest in der Chronike des Eusebius , daß Crispus , Constantins Sohn , und derjenige Liciniu« , der Sohn von einer Schwe - ster des ConstanrinuS , aufs grausamste umgebracht worden , crudeliffi - me interficivntvr , im i Jahre der - 76 OlympiaS , d . i . im 3 - 5 Jahre ; und daß Constantin die Fausta im 4 Zahre ebcndersel - hen OlnmpiaS getödtet habe . OrosiuS redet nicht von der Fausta : son - dem er saget : daß Constantin ungefähr um die Zeit , da des Amis tzereyen , von der allgemeinen Kirchenversammlung zu Nicäa verdani - met worden , seinen eigenen Sohn , CrispuS , und seinen Neffen , Lianius , getödtet habe ; ohne daß man die Ursachen wisse , die ihn auf solche Art , wider sein eigenes Blut , Hereizet . Sed inter haec latent cauläe , cur
fiuSjLibr . VII . cap . XXVIII . fol . in . 321 verfo . Es ist sehr lich , daß dieser Geschicktsckreiber dasjenige nicht hat sagen hören , was doch so viele andere Schriftsteller bezeugen , nämlich , daß Crispus darum hin - gerichtet worden , weil er in den Verdacht gerathen , daß er seine mutter auf eine strafbare Art liebte : allein vielleicht hat OrcsiuS dieses und auch noch andere Ursachen sagen hören , und vielleicht haben ihn die unterschiedenen Erzählungen bewogen . ; » urthei len , daß die wahrhaften Ur - fachen verborgen wären . AureliuS Victor , welcher erzählet , daß man geglau - bet : es hätte Fausta den Constantin angetrieben , den Crifpus aus dem Wege zu räumen . setzet nicht darzu , was für eine BeweguugSursache dies« Frau ihrem Gemahle angegeben . Außer diesem ist er mit dem ZosimuS , wegen der Ursache , von dem Tode der Fausta einig ; er saget , daß sie Constantin in einem Bade umkommen lassen , weil seine Mut - ter Helena vor äußerster Betrübniß , wegen de« Todes des Crispus , ihm bittere Vorwürfe gemacht : Faufta coniuge , vt putant , luggerente . Crifpum filium necari iubet . Dehme vxorem fuatn Fauftam , in balneas ardentes conieöam interemit , cum eum mater Helena dolore ninnio nepotis increparet . Aurel . Victor , in Epitome , pag . m . 2 * 4 . Nichts kömmt mir seltsamer vor , al« wenn ich sehe , daß Eu - tropius von Constantins Grausamkeiten qereder hat . ohne des CrispnS Tod zu berühren ; ob er gleich nicht vergeben hat . des jungen Liciniu» und der Fausta ihren , namentlich zu gedenken . Primum neceffitudi . res perfecutus , egregium virum , et fororis filium , commodae in . dolis iuuenetn interfecit , mox vxorem , poft nuinerofos amicos . En - trop . Libr . X . p . m . 117 . Man gießt vor , daß verheil . Chrysostomu« , ohne jemanden zu nennen , diese Thal des Constantins angeführet hat ; allein er setzet voraus , daß dieser Prinz , der seine Gemahlmn wegen Ehbruchs im Verdachte gelabt , dieselbe an einen Felsen fesseln lassen , da - mit sie von den wilden Thieren gefressen werden sollte . Er setzet auch darzu : daß der Sohl» desselben Prinzen von seinem eigenen Vater , oder vielmehr von seinem Bruder hingerichtet worden . Chryfoftomus , Homil . XV . in Philippenfes . Siehe dm Heinrich Valesius , in Am - mian . Marceil . Libr . XIV . p . m . ? g . Grcgorius von Tours versichert , Hift . Franc . Libr . I . cav . XXXIV . daß Constantin seinen Sohn Crispus und ftine Gemahlinn Fausta , wegen Staatsverbrechen hinrichten las - sen . PhilostorgiuS , Ilift . Ecclef . Libr . II . cap . IV . erzählet : daß Con - stantin , der von den Verleumdungen seiner Gemahlin» des Crispus Stiefmutter eingenommen gewesen , ihn tödten lassen : und nachdem er hierauf entdecket , daß diese Frau mir eiimn Läufer Ehbruch getrieben , ! defehl gegeben , sie in einem Bade zu ersticken . Man wird wohl thun , wenn man außer den von mir genennten Schriftstellern , auch noch den Suidas , Voce xfitJHt - und den Zonaras zu Rache zieht .
Ich habe alle dieft Zeugnisse darum angeführet , damit man die Man - gel , die Veränderungen , und Unrichtigkeiten der alten Historienschreiber sehen könne . Nun wollen wir auch merken , daß eS etwa« sehr seltsa , meS ist , daß , da man eine so große Anzahl Scribenten über diese Ma - terie anführen kann , man dennoch bis hieher in dem Moreri nur den einzigen Ammian Äiarcelin angeführet hat , welcher gar nichts , weder von der Fausta , noch von der Ursache gesagt , warum Crispus getödtet worden . Man kann hier oben alles dasjenige sehen , wa« sich von die - ser Materie in diesem Schriftsteller findet .
Ich muß die Freyheit nicht vergessen , die sich der Jesuit Caußin go« mmmen , dieser Erzählung viele Dinge von seiner Erfindung beyzusü - gen . Dieses wäre in einem poetische» , Stücke , oder in einem Romane etwa erträglich ; allein in einem ernsthaften Werke welches man wohl gar La Cour Sainte betitelt , darf man sich dergleichen rhetorische Ver - dremnngen nicht herausnehmen . Nichts ist für junge Schüler fo reizend , als dieses , und nichts für Personen , die an Alter und Vernunft zugenommen haben , abgeschmackter . Sie können nicht ohne Wider - willm sehen , daß man ihnen die Schönheit des Crispus , die ( B ) Der Cardinal Baromus beklaget sich billig über di« Schriftsteller , roelche diese Geschichte unterdrückt , oder sich auch bemüht haben , dieselben ju widerlegen . ^ Er greift deswe - gm drey Historienschreiber an , den Eusebius , den Sozomenus und den EvagriuS . Der erste schweigt stille : die andern zween streiten wider diejenigen , die davon gereder haben . • Eusebius beobachtet dieserwegen ein tiefes Srillsä ) weigen in seinem Leben Constantins , allein nicht in seiner Chronike . So^enieiuiS getrauet sich nicht . den Tod des CrispuS förmlich zu leugnen , noch ihn ausdrücklich zu bekennen ; er widerleget nur Hiftor . Ecclef . Libr . I . cap . V . pag . m . 406 . 407 . die heidnischen Schriftsteller , welche gesaget haben , daß Constantin , da er in " dem - ftti * denthumc kein einziges Mittel gefunden , solche abscheuliche ten zu verbüßen , und dasselbe in dem Christenthume angetroffen ; die Religion seiner Vater verlassen habe , und ein Christ geworden sey . EvagriuS . Hiftor . Ecclef . Libr . III . cap . XLI . pag . m . 371 . leugnet dies« zwey Dinge schlechterdings : erstlich , daß Constantin den Crispus unl» die Faust» hinrichten lassen ; zum andern , daß er dieser Ursache halber das Christenthum angenommen hatte . Nachdem BaroniuS aufs 3 - » Jahr Num . 5 . p . 293 . bey mir , das Stillschweige» de« ersten von diesen dreyen Geschichtschreibern , als eine schändliche Schmei6 ) eley verdammet hat , so beschuldiget er auf der - 94 S . Num . 7 . den Sozomenus einer unglaublichen Dummheit , weicher , wenn er leugnen will , daß Constan - tin den Crispus nicht hinrichten lassen , sich keines andern Vernunft - schlusses , saget er , bedienet hat , als dieses folgenden : Crispus hat bi< ins zwanzigste Jahr der Regierung Constantin« gelebt , und mit ihm verschiedene Gesetze gemacht . Baronius verwundert sich noch mehr , Num . 8 . über die Aufführung des Evagrius . Er verweist ihn in die Chronike des Eusebius , in de» AureliuS Victor > in den EutroviuS , den OrosiuS , den Sidonius Apollinaris , u . a . m . Hierauf widerleget er die Gründe , welche Sozomenus und Evagriu« , jener den heidnischen Schrift - stellern überhaupt , dieser dem Zvsimus ins besondre entgegen gesetzt ha ? den . I . Bemerke man , daß er ihre Gründe verstümmelt , und nicht hatte versichern sollen , daß Sozomenus den Tod des Crispus geleugnet hatte : Vt neget Crifpum oeeifum a patre . Baron . Ebendas . Num . 7 .
r ? cad£littens omnmo Crifpum a Conftantino iuffimi occidi . Eben , daselbst Num . 20 . Jacob Gottfried , Kotis inPhiloftorg . p . 50 . machet gleichen Schnitzer . Denn dieser Geschichtschreiber läßt uns nur , wa« die Sache selbst betrifft , einen Zweifel , und widerleget nur die Folgerun . gen , welche die Heidm daraus gezogen . Der Gmnd , den er ihnen ent» gegen setzet , ist weit besser , als BaroniuS denselben vorstellt : denn wenn Constantin und Crispus gemeinschaftlich zum Beste» des Evan . gel» , Geseke gemacht haben , wie eß Sozomenus voraus setzet , so folget auch , daß Constantin das Heidenthum vor de« Crifpus Tode a^e - schworen habe ; er hat e« also nicht danim abgeschworen , weil er keine Aussöhnung darinnen gefunden , die ihm , als einem mit dem Blute sei - tw« Sohnes besudelten Menschen so nöthig nw , wie die Heiden geben . Dieß ist des Sozomenus Vernunftschluß : der Jahrbuchschrei - der hat ihm alle Starke benommen , da er vorausgesetzt , daß dieser Schriftsteller nichts anders gesaget , als daß Crifpus mit dem tin Gesetze gemacht hätte . Eo vno vtitur argumento , quod Crifpu« viuenj ad vigefimum vsque patris Imperii annum peruenerit , mul» ta» interca lege * cum eo ftatuent . Baron , auf« 324 Jahr Num . 7 .
Man

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