Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8761

Farnabe .
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tungen sind , so zu reden , dieGlaubensverbesserung zu Mumpelgard ge - wesen : Was er zu Lausanne gechan , ist vor seinem Predigtamte in Genf hergegangen . IV . Er hätte nicht Sleidans Jahrbücher anführen fol - len : die Historie dieses Scribenten wird nicht also genennt . V . Nach dem Moreri hat man dem Farel Schuld gegeben , er hätte die Re - tt , eccy des paulus Samosatenus und der Tlcesaircn erneuert . Dieses erhellet arrs einem 2>riefe , den er an den Calvin geschrie - den , und der ftcb also anfängt : Littcras tuas quaeque eft etc . er ili der LXXVIII untct Calvin» Äricftn . Man sehe unten die angeführte Stelle des P . Gaultier ; sie wird uns belehren , daß quac . que eft nicht zum Texte des Briefes gehöret . Ich habe die Quelle von allem diesen nicht finden können . Ich habe nur in des Beza Kirchenhisiorie , im XVI B . >4Z5 S . entdeckt , daß ein gewisser Peter Ca - roli , ehmaliger Doctor der Sorbonne , ungefähr im 1535 Jahre nach Genf geflüchtet . Er ist für einen Menschen erkannt werden , der sich zu keiner Parte» ) schlagen wollen , welcher das Frauenvolk und gut sen und Trinken zu sehr geliebt ; dieserwegen ist es ihm nicht leicht ge - wesen , eine gute Kirche zu finden . Er hat Prediger zu Neufchatel wer - den wollen , und seinen Zweck nicht erhalten können ; ohne Zweifel ist Farel Schuld daran gewesen : Calvin und Viret sind ihm auch zuwider gewesen ; und dieß ist vermuthlich die wahre Ursache , die diesen Caroli angetrieben , sie bald des Arianismus , bald des Sabellianismus zu be - schuldigen . Man hat eine Kirchenversammlung nach Lausanne beru - fen , wo er alle die Beweise seiner Beschuldigungen vorgebracht , die ihm möglich gewesen : die Beschuldigten haben sich so wohl vertheldiget , daß jene für nichtig erkläret worden : sie haben ein Urtheil erhalten , welches sie für rechtgläubige erkläret , und seine Person betreffend , so hat ihn der Synodus des Predigtamts unwürdig geschätzet . Nos fynodi fenten - tia fuimus abfoluti , ille indignus iudicatus , qui Minifterio fungere - tur . Caluinus , Epiftola ad Grynaeum . Es ist der V . in der Hanauer Ausgabe , vom 1597 Jahre . Caroli hat sich nicht abschrecken lassen ; er ist mit seinem Sacke voll Beschuldigungen , der noch mit einigen neuen Stücken voller gemacht worden , auf der Kirchenversammlung zu Bern erschienen , und hat sich bemühet , zum mindsten einen solchen 'Ausspruch zu erhalten , daß die Beschuldigten Anlaß zum Argwohne gegeben hätten . Sie haben ihn in diesem Stücke auch vollkommen widerleget , und sind so wohl wegen dieses Verdachts , als der Ketzere» , losgesprochen worden . Vbi a nobis excufiä omnia fucriint , quibus fufpicionem aliquant de tempore praeterito iniicere cenabatur . - . atque hac ratione , ctii non fatisfaceret , nemo praeter ipfum repertus eft . Fratres vt dignum erat fidis Chrifti Miniftris nos iniquiffime in fufpicionem aliquant adduäos itbi videri pronunciarunt . Ebendas . Sycoplianta ille Senatus - confulto in exilium adhis eft , nos plane abfoluti , non a crimine modo , fed ab omni quoque fufpicione . Ebendas . Aus dem Briefe Calvins , woraus ich diese Worte entlehnet habe , erscheint , daß die Auszüge , welche von dieser Person überall ausgestreuet worden , nachtheilige Eindrückungen wider diese angeklagte Prediger gemacht haben . So gewiß ist es , daß der Mensch fähig ist , sich durch die Kühnheit eines un - verschämten Verleumders bewegen zu lassen ? Dieser hat dem Anse - hen des Synodi nicht nachgegeben : er hat allein darauf bestanden , daß seine Anklage wohl gegründet wäre . Dieß ist die Eigenschaft hitziger , hochmüchiger und rachgieriger Geister ; sie wollen niemals gestehen , daß sie ihre Brüder venvegner weise gelästert haben . Dum baec geruntur , afFeruntur a Myconio litterae publice ad conuentum fcriptae . Aliae rurfum a Capitone ad Farelluin generatiin mifl'ac , quibus vtrisque intelleftum eft , horrendum longe lateque minorem de noftra con - trouerfia peruagatum eile . Denique ad excitandam erga nos gen . tium omnium inuidiam maliciofe a certis hominibus fabrefaftam . Quod autem homo nihili futilillima fua vanitate tan tum proficere yotuerit , vt tot Ecclefiis finiftram de nobis opinionem iniiceret : »d vero eft , quod nos vehementer perturbauit . Calvin
daß dem Caroli die Verbannung zugesprochen worden . Man merke , daß aus der , gleich itzt von mir gemachten , Erzählung nicht erhellet , daß man den Wilhelm Farel der samosatenischen Ketzerey beschuldiget hat^ Ich weis auch das , was Lindanuö diesen Prediger gelehret , daß der heil . Geist nichts anders , als die Bewegung würe , die Gott den Kreaturen eindrücke ! . Hic praeter Sacramentarifmum etiam Samofateni renouauit haere - fim , SpiritumSan6him affirmans motum in rebus creattim , Linda , nus , in Dubitantio , Dial . II . p . m . 147 . Ich weis auch , daß Linda - nus dieserwegen einen Brief des Caroli an den Cardinal von Lothrin» gen anführet . Ita in Summa Gallicana Scripturae , tefte Petro Ca . rolo Epift . ad Card . Lotharingüm . Ebenda' . Alle ! » ich bin chert , baß es hier viel Betrügneyen giebt . Er fällt in einen Fehler , den ich nicht ubergehen will : Die Basler . saget er , haben Farels auf - ruhrischen Geist dermaßen gefürchtet , daß si , ihn verbannet , nachdem sie seine zwo Entweichungen von Mumpelgard erfahren hatten . Hunc adco feditiofum metuebant Bafilicnfes , vt cum bis Monte Pellicardo profiigiflet , cum in exilium abire iufierint . Ebend 146© . Er führet Erafm . Epift . ad prin . Infer . Germ . an . Er ist leicht zu überzeugen , daß er die Schriststeller sehr ubcl zu Rache gezogen . die er angcftihret hat . Der Brief des Erasmus , damit er sich ein Ansehen giebt , ist nicht ad principe« , sondern ad fratres inferioris Germaniae gerichtet . mus saget nicht , daß die Baseler den Farel , nach seinen zwoen Fluch , ten von Mumpelgard . verbannet haben ; er hat wohl gewußt , daß Farel erst» lich nach seiner Veibaimung von Basel nach Mümpclgard gegangen ist . Prateolns nimmt in Elencho Haeref . p . m . 180 . siehe auch - 90 Seite , alle die Fehler und Redensarten des Lindanus an . Sie Hefren uns al - le beyde , der eine so wohl , als der andere , eine erdichtere Secte der Fa - relli> ? cn auf , welche niemals bestanden hat , als in dem Kopfe unbesonnener Ketzermacher . Der Jesuit Gaultier bringet eben diese Secte auf den Schauplatz , und führet den Prateolus an . Er saget , in Tabula Chro . nogr . p . m . 757 , daß Farel die ganze Secte Pauls vonSamosathe wieder belebet , und die Lehre des Elcesaiten erneuert habe . Pauli Samofatheni hac . refin in integrum reftituit , docens Spiritum Sanfium eile quendatn 1110 . tum creatum . Er vermennec es durch einen Brief zu beweisen , wo er vor« giebt . daß dieser Prediger diejenigen nicht verdamme , die ihren Glauben i« der Gefahr verheelen . wenn sie sich nur nicht öffentlich zur Abgötterey beken - nen . vicens nolle fe eos damnare , qui periculorum formidine * add ( töi fidem difltmubnt , modo idololatriam exterius non profiteantur . Ebend . Er führet Farel ) . ep . ad Calu . cuius initium , Litteras tuas , quaeque eft . 78 mter Epiftol . Caluini , an . Wir haben oben gesehen , daß sich Mo - reri auf eben diese Anführung steifet . Ich habe Calvins Briefe , die '597 zu Hanau gedruckt worden : der 78 ist Bucers feiner an den Cal - vin : kein einziger von nnsers Farels seinen fängt sich mit Litteras tua * an , und thut den Nicodemiten einigen Vorschub , und ick finde indessen vom Ancillon verfertigtem Leben , auf der - 12 S daß wir dem Briefe , den er den - des Xvintermonats an den Calvin geschrieben bat , dasjenige vortreffliche N>erk Calvins , wider die Nicodemiten , 5» verdanken haben , welches wir in feinen WerFcben von Oer 789 S . bis juc 803 G . haben . Dieß ist eine handgreifliche Lügen des P . Gaultiers . Er setzet voraus , daß Calvin den Farell aus Genf vertrieben habe , qui tarnen eara ( Gencuam ) illi poftea eripuit , adeo vt deinde Neocontenfis Minifter creatus fit . Gaultier , Tab . Chro - nogr . p . 757 . ES ist unstreitig , daß diese zwecn Prediger zu gleicher Zeit , und einerley Ursache wegen von Genf verbannet worden ; und daß man . da man den Calvin zurückgerufen , auch den Farel zurückrufen wollen , der . ungeachtet der starken Vorstellungen Calvins , ( siehe seinen diesen neuen Beruf der Genfer nicht annehmen wollen .
Diese Lugen de« P . Gaultier ist viel erträglicher , als diejenigen , di» man in des Prateolus Elench . Haeref . p . 290 . findet , daß die GerichtS - diener den Farel an einem Charfteytage , in einem berüchtigten Hause »u Basel , ergriffen hätten .
Farnabe , ( Thomas ) lateinisch , Farnabius , ist ein gelehrter Humanist des XVII Jahrhunderts gewesen . Seine No - ten über die meisten , alten lateinischen Poeten haben der Jugend viel Dienste gethan . Sie sind kurz , voller Gelehrsamkeit , und zielen vornehmlich darauf , den Text verstandlich zu machen . Er hat zu London gewohnt " , und sich darauf gelcget , Kinder von gutem Hause und Stande zu unterweisen , und er hat dabey , zur Unterhaltung seines Hauses , seine Rechnung sehr wohl ge -
sunden b . Mir deucht auch , daß h , 'a iDn'«« »«<« . «a# «f> •» : . s . . c . —
vorbey waren , wo sie nützlich gewese ne , seinen Horaz , und daraufstinen' .
pfangen worden c , da er die Ehre gehabt , demselben dieses setzte Buch zu überreichen . ' Er hat auch eine Art desBefeblSer . halten , eine gleichmäßige Auslegung über alle lateinische Poeten zu machen ; allein er ist über die Stiche so empfindlich aewe - sen , die ihm gewisse Künstrichter gegeben , daß er aus Verdruß , und wider die eigene Neigung seines Geistes beschlossen , dies« Arbeit liegen zu fassen . Man hat ihn nach der Zeit zur Veränderung dieses Entschlusses vermocht d . Er hatte ein Landhaus , 20 Meilen von London , und dahin hat er sich im 1636 Jahre begeben Er hat von Earln dem I Befehl bekommen , eine teinische Sprachlehre , zum Gebrauche aller Schulen in England , zu verfertigen ; er hat diesen Befehl bekommen sage ich , da diejenige verbessert werden mußte , die durch einen Befehl eingeführet worden war , und wider welche man viele Klagen gemacht hatte f . Er ist im 1647 Jahre gestorben 5 . Ein französischer Dominicaner hat die Schriften dieses Scribenten gelobet ( B ) „ Man sehe auch dasjenige , was man wegen seiner Noten , über den Martial , in des Jesuiten Vavassors Werke , deEpi - grammate , findet * .
« ) Barlaeus , Epift . CXIX . p . 292 . 6 ) Ebendas . e ) Siehe die Zuschrift seines LucanS . d~ ) Aus ebenderselben Zuschrift . * ) Far . nab . Epift . ad Vofltum , p . 303 . unter denen an den VoßiuS geschriebenen Briefen , f ) Ebendas . 502 S . F ) Witte , in Diar . Bio - graph . 6 ) 27° u . f . Seite .
( A ) Er hat irgendwo gesaget , daß die Zeit vorbey wäre , wo die Zucignungsscbrlften nuylicligewestn . ^ Er wendet auf diese Materie eine Sache an , die Valerius Maximus erzählet , nämlich , daß man , ob man gleich nicht mehr , wie vor Alters , den Voaelflug zu Rathe zöge , wenn man sich verheirathet , dennoch nicht unterließe , diejenigen Perso , nen zur Hochzeit einzuladen , die der Rarhftagung dieses Fluges vorge - setzt sind . Man hat wenigstens , dem Namen nach , einige Spuren von dem alten Gevränge behalten . Qi'od antiquis , apud quos nihil , nifi
rent : hoc plerisque noftrum quos vexat infanabile hoc flribendi ca - coethes , vfu venit , vt quatnuis patronorum exoleuerit cum autoritas tum benignitas , non citra ambitionem tarnen fiimmis et grambus viris penturae chartae tutelain obtnidamus . Tom . Farnab . tpiu .
Dedic . Tragoediar . Senecae . Er will sagen : daß alles Wesentliche der Zueignungsschriften untergegangen , die Gewohnheit derselben aber den» noch nicht vorbey fey .
( B ) ffitn französischer Dominicaner hat die Schriften diese« Scribenten gelobet . J Dieß steht an einem Orte , wo er zu beweisen uitrcr - nimmt , daß die Jesuiten , in Ansehung vieler anderer Schriftsteller , welche die schönen Wissenschaften berühmt gemacht haben , sehr nachzuse . hen sind ( « ) . Doleo , fahrt er fort , meo tempore , cum litten« humanioribus ftuderem , defiiifle nobis illud fubüdium ad rem litte , rariam maximum , quod ftippeditarunt a paucis annis Farnabius et alii ; PoStis omnibus commentariis marginalibus ita clare explicatis , vt medioeris Grammaticus podit etiam difficillimos inofFenfo pedc locos decurrere . Haec non poflfunt exfpeiftari aut parari adiumen - ta , ad Audtorum peritiam , ab iis , qui per tres aut quatuor anno«
litte .

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