Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8742

Farel .
477
» . Borstellunzen des Airchengerichts , noch das Anhalten der Regierung zu „ Neufchatel hören wollen , so , daß Farel geglaubt , er müsse diesen Unge - „ horsam auf eine andere Art strafen und verdammen . Farel hat ge - »glaubt , daß seine Predigt auf freyer Kanzel dieses Aergerniß heben «müsse . Hierauf hat er an einem Sonntage , den letzten Tag des Heu - „ mouats , mit seiner gewohnlichen Hitze , so wohl wider diese halsstarrige „ Frau , als wider diejenigen geredet , die ste bey ihrem Eigensinne unter - „ hielten . Diejenigen , die sich der Beschuldigten annahmen , haben seine „ That sehr übel genommen . Sie haben noch denselben Tag eine Rotte „ wider den Farel gemacht , uud das Volk dermaßen gewonnen , daß sie „ sich um zwey Uhr Nachmittags auf dem Kirch - und Schloßhofe ver - „ sammlet , um einen Schluß zu sa „ en , wie man mit dem Farel versah« „ ren wollte . Weil das Volk getheilt gewesen , indem einige für den Fa - „ rel , und andere wider ihn waren , so ist durch die meisten Stimmen „ beschlossen worden , daß Farel in zween Monaten Neuschatel verlassen „ sollce . Die Klugheit des damaligen Statthalters und so genannten „ Staatsrarhes , ist dahin gegangen , die Empörung und das Blutvergießen „ zu verhüten . Da Farel kein ander Augenmerk gehabt , als die Ehre „ Gottes und seiner Kirche , so hat ihn dieser Aufstand nicht beweget , er „ hat ihn nicht erschüttert , er ist in der Ausübung seines Amtes ohne „ Nachlassen fortgefahren . Die erlauchten Herren von Bern hatten „ kaum von diesem thörichten Verfahren der Anhänger dieser Dan , e „ Nachricht erhalten , als sie deswegen schleunig an den Statthalter und „ Staatsrath zu Neuschatel geschrieben , damit sie dem Uebel vorkommen , „ und es in der Geburt ersticken sollten . Sie haben zween ansehnliche Her - „ ren au« ihrem Nathe dahin abgesertiget . die nach ihrer Ankunft so wohl „ den vier Prediger , , , und dem Rothe , als der Bürgerschaft , das große Un - „ recht , das man dem Farel erwiesen , die großen Dienste , die er geleistet , und „ die Gnade vorgestellt , vermittelst welcher ihn Gott zum Werkzeuge bey „ ihnen gemachet . Hierauf hat der Rath den 28 des Wintermonats ei , „ nen Schluß gefaßt , daß alle Mishälligkeiten aufgehoben , alle Parteylich - „ keiten erstickt , alles Miötrauen geendiget , und alle Feindseligkeiten bey - „ gelegt , und erloschen seyn sollten ; daß Farel ? in der Uevung seines „ Amts fortfahren sollte , als einer , der so wohl in seiner Lehre , als in sei - „ nen Sitten untadelich . und dem die Kirche die genauste Verbindlichkeit „ schuldig wäre ; indem Farel die wahrhaftige Vormauer , und Brustwehr , „ von Neufchatel , der Wagen und das reisige Zeug Israels , wegen feiner „ Gottesfurcht , Redlichkeit und Fähigkeit wäre . Den 4 Zenner 154» , ist „ Farel , nach dem Rache der Herren von Bern , und den meisten Stim - „ men der Bürger in Neufchatel , zum großen Tröste aller ehrlichen Leute , „ und zur große» Bestürzung seiner Feinde , welchen allen das Maul „ gestopfet , und Hände und Füsse gebunden waren , erhalten , in feinem „ Amte gelassen worden . Farel hat hierauf neue Kräfte gewonnen , und „ wider das Verderbniß des Lasters , mehr als jemals geblitzet und ge - „ donnert . , , Aneillon , Vie de Farel , p . 176 u . f . Man muß wissen , daß dieser Prediger , die Schärfe der Kirchenzucht mit vielem Eifer und großer Herzhaftigkeit gehandhabet hat ; er hat die Sünder , die ein Aer - gerniß gegeben hatten , öffentlichen Bußen unterworfen . Hier ist der Inhalt eines Briefes , der von den Predigern zu Basel , den »8 de« HeumouatS 1554 , an die Classe zu Neuschatel geschrieben worden . Sie sagen , daß sie den Eifer Farels darinnen lobten , weil er sick be - fleißige , es so einzurickten , daß die Rirckcnzuckr heilig beob - achtet , das Reick der Sünde vertrieben , und der Gebrauck der Sacramente heilig und fruckrbar werde ; mir der Beifügung , daß sie es mitFareln für gm hielten , daß dieftnigen , die auf eine ärgerliche Art sündigen , der Rircke eine feierliche Sckennrniß ihrer Sünden ablegen , ein öffentliches Zeugmß ihrer Reue ge - den , und das Aergermß , welches sie gegeben , durck eine dentliche Demütigung ersetzen sollten . Ebend . 15z S .
( F ) sah sick gezwungen , in dieAbtey Gär ; zu fliehen . ) Die Weiber haben ihn daselbst fast zerrissen , wenn wir dem Herrn von Madaure hierinnen glauben : Er besckuldiger ihn , daß er schrieen , es fey falsch , Saß die Jungfer Maria nach ihrer Geba h , rung nock eine Jungfer geblieben wäre : die Weiber in Gorz , setzet er dazu , die sick über diese Gotteslästerung und Unbesonnen - heil entsetzt , sind über ihn hergefallen , sie haben ihm die Haare und den Varl so schon ausgeraust , und ihn mir solcher Gervalt her - umgezauset , daß er ihren - Hunden nimmermehr entkommen seyn würde , wenn ihn der - Hauptmann - Heinrick Frank nickt daraus
Eeretter harre . Madaure , in dem Buche , welches betitelt ist : La Naif -
nce et la Decadence de l'Herefie äMetz , vom Aneillon in FarelS Le - bei , auf der 66 S . angeführt ( « ) . Aneillon hat gezeigt , daß e« eine Fa -
( 1 ) Herr Bayle hat sich in dieser und der folgenden Anführung be - trogen , indem er den Namen einer Stadt für einen Mannönamen ge - neuralen , davon dieser Titularbischof gewesen . Dieser Mann hat Mar - tin Meurisse geheißen ; er ist ein Franciscancrbarfüsser , Bischof von Madaure , Guffvagan und Administrator des Bischof - thums Mey gewesen Dieß sind die Titel , die er sich vor seinen Werken , und namentlich auf dem Titelblatte desjenigen gegeben hat , das hier von Bavlen angeführt und betitelt ist : Hiftoire de la Naif - fence , du Progres , et de la Decadence de l'Herefie dans la Ville de Metz et Pais Meflin : Ein Titel , der nach der Historie Florimonds von Remond ihrem gemacht zu seyn scheint . Vermuthlich ist Bayle durch die Art betrogen worden , mit welcher Aneillon diesen Schriftsteller in Farels Leben anführet : er nennt ihn gemeiniglich den - Herrn von Madaure : ( Siehe Melange Critiq . de Mr . Aneillon , Tom . II , p . 271 ) und dieß ist eine etwas unrichtige Art , sich auszudrücken ; als wenn man den Loeffctcau unter dem Namen des - Herrn von Dardanie , oder von Marseille , oder den Cardinal du Perron unter dem Namen des ^errn von t^vreux , oder von Sens anführte . Das Werk des Meu> risse , das iu dieser Note Anlaß gegeben hat , ist zu Metz , bey Joh . Anton , >642 in . oedruckt Man kann seine andern Werke inWaddingiScti - Kr . WMinon . m . UNd M fetBibliothecaTelleriana , p . UJ / , 9 , und 254 sehen . Crit . Anw . s
rd ontVnf * ntircb ein groß ©lüde . ] Nachdem Theodor B z ? auf de ! Z b deS . ? B - der Kirchenhistvrie erzahlt , daß diese
usstissjämSZ' * —— - * "
vor , daß man den Face ! auf einem Rarren , mitten unter den Außa , Vigen , das Gesichre wohl nur Meele bestreut , und mit Siechen - klappern in - Händen , gerettet hatte . Naiflänce et Decadence de l'Herefie a Metz , vom Aneillon , V . 9 ; angeführt . Allein Aneillon hat geantwortet : daß dieses Meel und diese Siechenklappern eine bloße Erfindung des Äischofs von Madaure sind . Er gründet sich auf das Stillschweigen Theodors Beza : dieser Grund ist nicht allzustark ; denn Theodor Beza hat nicht nölhig gehabt , diese Begebenheit lich zu beschreiben ; er hat sich begnügen müssen , dieselbe überhaupt an - zuführen .
( H ) t£v ist einigen Personen in Genf verhaßt gewesen . ] Sie habei , einen peinlichen Proeeß wider ihn erreget , und er hat vor den Richten erscheinen müssen ; denn derRath zu Gens hat dieHerren von Neuschatel , christlich ersuchet , Befehl zu geben , daß der Angeklagte we - gen derer ihm beygeme^enen Beschuldigungen Antwort geben sollte . So bald der Rath von FarelS Ankunft Nachricht erhielt , ließ er dem Calvin melden , denselben die Kanzel nicht besteigen zu lassen Calvin berichtet uns die Folgen von dieser Sache nicht ; er saget nur , daß er die Schande gern mit seinem eignen Blute abwaschen wollte , welche sich die Genfer durch diese undankbare Aufführung zugezogen hätten . Hier ist die ganze Stelle : Nunc ad iuwmum penienit nequitia , vt omni pu - dore excuflb teniplum Domini in hipanar conuertere obftinate cu - piant . Atque vt feiatis , quam foeda fit deforuiitas , cum hic nuper eilet frater nofter Farellus , cui fi totoi debent , vt fatis noltis et pro iure fuo eos libere moneret , tantus in eum furor exarfit , vt capitale iudicium in eum tentare 11011 ( int veriti . Scio equidetn , non debe - re nouum videri , fi reperiantur in vrbe libera fa & iofi homines , qui turbas concitent . Sed deploranda elt Senatus noftri coecitas , quod libertatis fuae patrem , et patrem huius Ecclefiac fibi reum caufiäc capitalis mitti a Neocomenfi . bus popofeit . Dedecus huius vrhi * proferre cogor , quod fänguine meo delere cuperem . Venit Farel - lus - antequain vrbem ingrellus eilet , deminciauit domi meae An . paritor Senatus , ne fuggeftum confccnderet . Reliqua non perfe - quor : quia fatis eft eius ingratitudini« gufttim dedill'e , quae boni» omnibus , et ingenuis merito ( tomachum mouehit . Sed quoniara nie complures caufiäe impediunt , ne mala noftra aperte deplorem fic breuiter habete , nifi per vos cohibeatur Satan , habenas ei laxa - tuni iri . Caluin . EpiftoIaadTigurinosMiniftros . ES ist der 16 ; Br und den 26 des Wintermonats 1553 zu Genf unterschrieben .
® Jfc b " sick in seinem 69 verheirathetZ „ Es erhellet aus ei - „ ner «Ochrift von FarelS Hand , daß er , da er ein altes Magdchen Na - „ mens Maria , Alexander Torels Tochter , aus der Stadt Rouen qehei - „ rathet ; daß dieses Magdchen , welches wegen der Religion nach Neus - „ charel gefluchtet , von ihrer Mutter in der Furcht Gottes erzogen wor . „ den , die eine wahrhaftige Witwe gewesen , die Gott gefürchtet und ge - „ dienet ; daß dieses Magdchen weise und tugendhaft / und ihr Leben dentlich und ehrbar gewesen . Das Aufgebot ! ) von Farels und der „ Maria Tvrel Heiraty , findet sich von Farels eigner . Hand in großer „ Einfalt aufgesetzt ; eS ist den „ und 21 des HerbstinonatS uud den - des „ Wintermonats i ; ; 8 abaekündiget worden . , . Aneillon Vie de Farel p . 242 und - qz . Wir wollen sehen , wie Aneillon diese Heiratb ebendaselbst auf der 240 u . 241S . rechtfertiget . Lare ! hat sich erstlich im 69 Jahre nes Alters verheirather , und wie seine Freunde gesagt , da er be - reits den einen Fuß im Grabe gehabt . Farels Freunde haben seine He , räch für etwas seltsames und un^eiriges gehalten , gleich , wohl hat Farel seinen Freunden d . e Ursachen begreiflich ge - Tt * ' ^«»^beyro hohem Alter , ; » einer solchen BesellschZ» , «ls der Ehstand ist , bewogen . Man hat bis hieher geglaubt , daß Farel durch eme geheime Eingebung und außerordentliclie «egung ; um Thstande bewegt worden Dem sey wie ihm le , so hat man erfahren , daß er sich bey seiner Verbeiratbung vorgesetzt , seinem Alter , wegen desfen Gebrechlichkeiten , durch das Mittel vorzusehen , das ihm Gott selbst verordnet , indem er sich eine Gehülsinn genommen , sich in Oer Gottesfurcht zu un« »erhalten , eine Gchülfinn zur Gesellschaft , sick dieselbe angenehm zu macken , eine Gehülfinn zur - Haushaltung , auf welcke er fidy bey vielen zu diesem / leben gehörigen Sacken verlassen konnte , und endlich eine Gehülfinn der Sckwackheit , um sein Gefäß hei« l'g und in Ehren zu erhalten . Man bar erfahren , daß sick 9a . rel verheirather , um zu zeigen , daß der ehlose Stand , wie die von der andern Gemeinschaft lehrten , nicht verdienstlich und qe , nugthuend wäre . Man hat erfahren , daß sick Farel verheira - thet , um zu recktfertigen , daß d . e Gnade der beskändigenEnthal - tung wedcr allen , nock zu allcn3c . ten gegeben wird . Hon , .
XlVILfibnDer Schluß dieser Pettheidigungsschrift wird unachtsameGemuther und auch viele andre Leute in Venvunderung sehen : denn man wird vieleMuhe haben , sich vorzustellen , daß die Gabe der Ent - Haltung , die sich bis ins 69 Jahr erhalten hat , auf einmal vergangen und verschwunden ist . Die allersinnlichsten und wollüstigsten Menschen verlieren gemeiniglich in diesem Alter , und auch noch wohl «her ihre Unkeuschheit : diejenigen selbst , welche die übermäßige Hihe ihres peraments nicht gemiöbrauckt , finden sich entkräftet , ehe sie ihr 69 Jahr erreichen ; und hier ist ein Mann , der um diese Zeit erst anfanqt , sich nicht mehr enthalten zu können . Dieß ist ohne Zweifel sehr seltsam ; aber gleichwohl dürfen wir es nicht für eine Fabel halten . Wir müf - fen betrachten , daß der Eindruck gewisser Gegenstände in unser Gehirn nicht von unserer Seele abhängt . Nicht darum , daß wir wollten es sollten uns gewisse Gegenstände gefallen ; sondern darum , weil sie die bern unsere Gehirns aus eine gewis , e Art berühren , und die verschlösse - neu Zugänge derselben eröffnen . ^ Diese Veränderung brinqr in der chin ? andere fast unendliche Veränderungen hervor : daraus entstehen Begierden , Vorfchmäcke der Wollust und hundert andre . Neuerungen , welche die Enrhalrung vernichten . Auf diese Art hat Maria Torel den Lauf der Lebensgeister bey diesem guten Greise verändert ; sie hat ilmi ge , fallen , sie ist der , enige Gegenstand gewesen , der seine Empfindungen der Liebe und waö darauf erfolgt , erregen können . Weiter hat nichts gebraucht . Man sage mir nicht . daß dieses XITagödnn nickt jtrnct aewesc» , und daß . man sie nickt sckon vorstellt . Dießthut nichts : Die Verhältnis , davon die Rede ist , diese große Triebfeder , diese große Bewegungsursache besteht weder in einer großen Jugend noch Schön - hejt ; ( $ ist , ich weis nicht was , da« feinen Sitz in den unmerklichen Hvo z Theil ,

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.