Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8724

Fannius . Farel . 475
FaNNltts ( Caius ) ein lateinischer Schriftsteller , der zur Zeit Trajans gelebt , und viel Tbeil an der Hochachtung und Freundschaft des jüngern Plinius gehabt . Ob er gleich mit Verteidigung der Rechtssachen beschaffne gewesen , so hat er dennoch nicht unterlassen , eine Sammlung von des Nero Grausamkeiten zusammen zutragen ; ich will sagen , daß er die legten Stunden derer beschrieben , die dieser boshafte Prinz hinrichten oder verbannen lassen . Er hatte drey Bücher über diese Materie , voller Richtigkeit und Zierlichkeit herausgegeben ( A ) , und an der Fortseßung mit so viel größerer Sorgfalt gearbeitet , da er gesehen , daß die ersten sehr gelesen wurden : allein der Tod hat ihn an der Vollendung des Werkes ver - bindert . Er hatte es , wegen eines gewissen Traumes , selbst vorhergesaget , daß er noch vor Herauögebung seines vierten Buches sterben würde
s ) Aus dem V Dr . de« V B . des jüngern Plinius .
( A ) Er hatte vrey Bücker über die Grausamkeiten des Nero verhindern könnten . Man urtheile , was alle diese Dinge auf den Kopf
herausgegeben . ] Es ist nichts geschickter gewesen , des Verfolgers und Tyrannen für feurige Kohlen sammln , , ^ch über -
des Nero Gedächrniß verhaßt zu machen , als ein solches Werk . Dieß lasse es also jedem zu bedenken , ob dieses Werk des Fannius nicht sehr ge -
ist eine Gattung eines Märtyrerverzeichnisses gewesen . Man weis , schickt gewesen , einen Abscheu gegen das Gedächtniß des Nero cinzublasen ;
daß die allcrfcinsten Satiren einem Tyrannen ungleich weniger Nach - denn man hat darinnen die lebten Stunden unzähliger erlauchter Verfolg -
theil bringen , als die plumpweg zusammen getragenen Martyrerverzeich - ten mit einer großen Zierlichkeit beschrieben gesehen Man höre dmPliniu« :
»nsse . Die lebten Stunden der Verfolgten machen sich durch zween sehr Pulcherrmiuin opus miperfeftum rcliquit . Quamuis enim aeendis
mächtige Gründe beliebt : der eine ist , der elende Zustand , worein caufis diftringeretur , fcribebat tarnen exitus occilbruin aut relegato -
sie gemeiniglich gebracht werden ; der andere ist , die Geduld und die mm a Nerone : et iam tres librosabfoluerat : fubtiles , et diligentes
schönen Reden , die ihren Kampf insgemein , und zum wenigsten in den et Latinos , atque inter fermonem hiftoriamque medios . Ac tanto
Erzählungen begleiten . Dieses bringt alle Stellen ihres Lebens ins inagis reliquos perficere cupiebat , quanto frequentius hi lediitaban -
Vergejjen , welche die Wirkungen des Mitleiden« , und der Verehrung tur . Plinius , Epift . V , Libr . V .
Farel ( Wilhelm ) einer von den vornehmsten Predigern der reformirten Kirche , war der Sohn eines Edelmanns aus dem Delphinate , und zu Gap im 1489 Jahre gebogen " . Er hat zu Paris nut gutem Fortgänge studiert : er hat daselbst die Weltweiöheirb , und die griechische und hebräische Sprache erlernt c , und einige Zeit in dem Collegio des Car - dinals le Moine gelehrt d . Jacob le Fevre von Etaples hat ihm diese Bedienung verschafft e . Mir deucht , er hat ihm auch den Beruf zu wege gebracht , der ihm vom Wilhelm Brizonnet , Bischof von Meaux Zugeschickt worden . Dieser Bischof hatte einiqe Neigung zur Glaubeneverbesserung , und in dieser Absicht ließ er einige Personen in seinen Kirchspreng ? l kom - men , welche die neuen Meynungen beliebet hatten . Unter andern ist Farel im 2521 Jahre / berufen worden , sie daselbst xu vrediaen . Die Verfolgung , welche 152z zu Meaux rvidec diejenigen erreget wurde , die manReyer nennte , zwangen »hn , an einen , andern Orte , außer Frankreich , für seine Sicherheit zu sorgen s . Er begab sich nach Straßburg ( A ) ; und erhielt daselbst vom Bucer und Capito den Handschlag der Verbrüderung dann vom Zwingliuö zu Zürch , vom Haller zu Bern , und vom OecolampadiuS zu Basel - ( B ) . Weil man ihn sehr geschickt fand , Neubekehrte zu machen , so rieth man ihm , die Glaubensverbesserung zu Mümpelgard zu unternehmen . Es wurde ihm bey dieser Unternehmung durch den Herzog von Würtemberg , den Herrn des Ortes , Borschub gethan , und es gieng ihm sehr glücklich von statten \ Er mäßigte nach dem Rathe des OecolampadiuS seinen Eifer in etwas ( C ) . Es gieng ihm im 1528 Jahre in der Stadt Aigle eben so glücklich , und kurz darauf in dem Amte Morat 1 ( D ) . Hierauf gieng er im , 529 Jahre nach Neufchatel , und stritt daselbst mit so großer Stärke wider die Partey der Romischkatholischen , daß diese Stadt den vierten des Winrer - monats 1530 die reformirte Religion vollkommen eingeführt m . Er ist « auf die Kirchenversammlung der Waldenser , im Thale Angrogne abgeordnet worden , und dann nach Genf gekommen , wo er wider das Pabstthum gearbeitet : allein er wurde von dem GroßvicariuS , und den andern Geistlichen mit solcher Heftigkeit gehindert , daß er gezwungen gewesen , sich weg zu begeben . Er ist von den Einwohnern , die die römische Kirche verlassen harten , im 1534 Jahre wieder dahin berufen worden , und ist das vornehmste Werkzeug der ganzlichen Abschaffung des Pabstthums gewesen , die das folgende Jahr in dieser Stadt erfolgte . Er ist im 1538 Jahre nebst dem Calvin daraus verbannet worden ° , und hat sich nach Bafel , und nach diesem nach Neufchatel begeben p : er hat daselbst sein Predigramt bis 1542 geübet , als er von da nach Metz gerei - set ? , wo die Anscheinungen einer evangelischen Erndte viel versprachen . Einige Monate zuvor war ihm in Neufchatel eine entsetzliche Beschimpfung widerfahren , welche so wohl ersetzt ward ( E ) , daß man nicht sagen kann , er habe gezwun - aen nach Metz gehen müssen . Er hatte tausend Schwierigkeiten bey dieser neugebohrnen Kirche zu übersteigen , und sah sich aezwungen , mit den Gläubigen in die Abtey Görz zu fliehen ' ( F ) , wo ihn der Graf von Fürstenberg unter feinen Schuh genommen . Allein sie haben sich daselbst nicht erhalten können : sie wurden belagert , und mußten sich endlich auf Vergleich ergeben Farel entkam durch ein großes Gluck ( G ) , und bemuhte sich , eine gute Wiederberstellung vermittelst der protestantischen Machten in Deutschland zu erhalten f . Er gieng wieder nach Neufchatel , daselbst seinen alten Posten als Prediger von neuem anzutreten , von da er einige Reisen nach Genf that . Diejenige , die er im 1553 Jahre dahin than , hat ihm sattsam zu erkennen gegeben , daß er einiaen Personen daselbst sehr verhaßt war ( H ) . Er hat damals des Servetus Todesstrafe beygewohnt \ Er hat im 1564 Jahre eine andere Reife nach Genf gethan x , um dem todkranken Calvin das letzte Lebewohl zu sagen . Er hat sich im neun und sechzigsten Jahre seines Alters verheiratet ( I ) . Er hat eine zweyte Reife nach Metz im 1565 Jahre gethan , rvorzu er von seinen alten Schafen eingeladen rvorden , um die Frucht & eo Samens anzusehen , den er in ihre Herzen ausgejireuet hatte' > . Den Tag nach seiner Ankunft - hat er in der Schanzkirche geprediget . Er ist damals noch nicht so alt gewesen , als man vorgiebt ( K ) . Er ist nach Neuf -
1 . . 1^ . mS Sö« • ti cUort h^mf / 'fhon / vofJwi . K , , , . » aa fC» . CUtCH
• zum Predigen
daß^'u^e^währender seiner^Reife nach Gap'den Grund zu der Kirche in Grenoble geleget Bey'Bemcckuna'd^ Jrrthümer des Moreri werden wir auch die Unrichtigkeiten einiger andern Scribenten zeigen CM ) . Man merke , ' daß man ihn für den Urheber einiger Pasquille gehalten , die im i5Z4^ahre in verschiedenen Straßen zu Paris , und so gar an die Thore des Louvre angeschlagen worden dd , welches der ganzen Partey im Königreiche großen Nachtheil zugezogen hat .
<0 Ancillon Vie de Guillaume Farel , pag . i . b ) Ebendaf . 10 0 . c ) Ebendas . iz und 28 S . d ) Ebendaselbst »9 Seite . - ) Ebendaselbst . / ) Ebendas . no und 193 S . g ) Ebendas . 110 S . h~ ) Ebendas . 197 S . / ' ) Ebendaselbst , k ) Ebendaselbst 204 S . / ) Ebendas . 206 , 207 @ . m ) Ebendas . 207 , 209 S . » ) Spanhem . in Geneua reftituta , pag . 42 , 43 . 0 ) Beza , in Vita Caluini . f ) Ancillon , Vie de Guillaume Farel , pag . 170 . q~ ) Ebendas . 210 S - 7 ) Ebendas . 211 S . s ) Beza , Hiftor . Ecclef . Libr . XVf , pag . 454 - r ) Ancillon Vie de Farel , pag . 99 , 100 . u ) Ebendas . 228 S . * ) Melch . Adam , in Vit« Theolog . Exter , pag . 115 . y ) Ancillon Vie de Farel . pag . 263 . z . ) Nämlich den 13 May . aa ) Melch . Adam . Vita Theol . Exter , p . 115 . >>b ) Ancillon Vie de Farel , pag . 272 . er ) Beza , Hift . Ecclef . Libr . V , pag . 891 . Siehe die letzte Anmerkung , dd ) Floriinond de Remond , Hiftoire de I' Herefie , Liv . VII , chap . V , p . m . 8 , 9 .
( A ) ( Sc begab sich nach Straßbuva . 'l Ich habe mich verbun - die ihm große Gefährlichkeiten zugezogen haben . Daher ist es gekom -
den «ehalten , einem Manne zu folgen , der Farels Tagebuch in Hän - men , daß er von da nach Straßburg gegangen , wo er vom Bucer und
den ui haben , versichert . Ancillon , vor der Widerrufung des EdictS Capito mit offenen Armen aufgenommen worden , und wo er den Ge -
von Nantes reformirter Prediger zu Metz , und nach diesem in Berlin , fluchteten aus Frankreich so lange geprediget , bis er sich 15 * 7 nach MiW
Siehe lein Leben Farels zu Amsterdam 169 , herausgegeben , auf der pelgard wegen der Glaubensverbessruiig begeben . ( Aus der Rede
ao2 S ° * d ) habe also auf sein Wort gesagt , daß unser Wilhelm , da er Friedrich Spanheims , Geneiia ( reftnuta , betitelt , p . 59 , 4o genommen . )
von Meaur aefloben , seine Zuflucht nach Straßburg' genommen ; allein Diese letzte Sache ist höchst falsch : wir wollen hier unten weisen , daß
ich kann auch nicht verheelen , daß ein andrer reformirter Prediger , Frie - Farel im mümpelgardiscyen i . ande 1524 das Evangelium geprediget hat .
brich Spanbeim der nach guten Nachrichten gearbeitet zn haben schei - . ,
ner , die Sache ein wenig ander« erzählet . Er saget , Farel sey , da er ge - ( B ) Er bat den Handschlag der Verbrüderung - - * vom
jwuligen aewesen Meaur zu verlassen , von da nach Gap gegangen , und Gccolampadms 5t * Sasel erhalten . ^ Ich setze diesen Namen der
habe sich demüht'daselbst die Glaubensverbesserung einzuführen . Dieses Stadt zu der Erzählung meine« Urhebers . Diese Auslassung ist ver -
Vorhaben ist ihm nickt aeluiiqen , und hat den Farel nur dem Hasse seiner blendend , sie bringt auf die Gedanken , daß OecolampadiuS Prediger zu
LandSleute und ihren Verfolaiinaen ausgesetzt . Dieserwegen hat er Bern gewesen , tfier sind die Worte Ancillon - ans der >97 und - 9« T .
sich nach Basel begeben , wo er gewisse Sätze öffentlich behauptet hat , Im u«4 ^ahre haben 3«>wgUiw , das brennende und leucinende
II Sand . ' öp p 2 Glicht

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