Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8712

474 Fannius .
diferta . Brutus hat einen Auszug daraus gemacht , wie er uns indem V Br . des XII B . der Briefe des Cicero an den AtticuS berichtet , wo wir diese Worte lesen : Lonturbat me Epitome Bruti Fanniana , an Bruti Epitonia Fannianorum . Boßius von den lateinischen Geschicht - schrcibern auf der - 8 S . bemerket , daß Manutius diese Stelle in seiner Auslegung übel erkläret hat : er hat geglaubt , saget er , es sey diese«
Werk des Brutus eine kurze Historie von der fannischen Familie sen , oder von den merkwürdigen Dingen , welche die Fannier gethan ha - den . Manutius bat in seiner Auslegung nichts dergleichen gesaqer ; er hat die Sache verstanden , wie er sie verstehen sollen : In Bruti Epitoma Fannianorum , das heißt nach ihm , quam confecit Brutus annalium Fannianorum , id eft hiftoriae a Fannio confcriptae . Siehe des Grävius Ausgabe der Auslegung des Manutius l'om . II , pag . 7 ; , 76 .
Wenn man , an statt daß man dem Manutius diesen Fehler schuld geben , Venselben dem CorraduS beygemessen hätte , ( Siebe die Ausgabe des Grävius Tom . II , pag . 296 . coli . ) so würde man sich nicht geirret haben . Wenn die Jahrbücher des Fannius eben kein Meisterstück der Beredsamkeit gewesen , so hatten sie außer diesem eine Eigenschaft , die mehr werth ist , als eine schöne Schreibart , daß sie nämlich aufrichtig gewe - sen . Dieses Lob giebt Sallustius dem Fannius . Cum aliis Hiftorio - graphis fingula tradidiflet ( Sallußius ) in libro primo hiftoriarum ,
Catoni breuitatem Romani generis difertifliraus paucis abfoluit ; Fan - . nio vero veritatein . Marius Viftorinus in primum Ciceronis de Inuen - tione , apud . Voss , de Hiftor . Laf . pag . 2% , 29 .
( B ) ( Sc hat sich nidn mir des ilaltus Entschuldigungen friediget . ] Er hatte die jüngste Tochter des Lälius geheirarhet ; die älteste ist des Scävola Ehftau gewesen : allein außer diesen« ist Scävola viel jünger , als Fannius gewesen . Dieser hat vorgegeben , daß ihm sein Recht der Erstgeburt bey dem Lälius den Vorzug vor dem Scävola hätte verschaffen sollen ; da es auf eine Beförderung zu der Würde ei - nes Augurs angekonimen . Lälius hat sich vertheidiget , indem er gesa - qet , daß er nicht den jüngsten von seinen Schwiegersöhnen dem ältesten , sondern die erstgebohrne von seinen Töchtern der jüngsten vorgezogen hätte : Fannius war mir diesem Unterschiede nicht zufrieden . Is focerum quia cooptatus in Augurum Collegiuin non erat , non admodum di - ligebat , praefertim cum ille Scaeuolam fibi minorem natu gene - ruin praetuliflef , cui tarnen Laelius fe excufans non genero minori dixit fe illud , fed inaiori filiae detuiifle . Cicero inBruto , c . XXVI .
Diese Stelle des Cicero kömmt mit dem Gespräche von der Freund - schaft nicht recht wohl überein . In diesem Gespräche hat Cicero den Fannius als einen Schwiegersohn eingeführet . der mit seinem Schmie - gervater sehr vergnügt ist , ja gar als seinen Amtsgenossen bey der Vo - geldeuterwürde .
( C ) Cicero ist »• - - auf eine unrvidersprechliche Art wi - Verleget worden . ] Ich will die Worte des Cicero im V Br . de«
XIIB an den Atticus nur übersetzen : Sed tu me 5 - - ^«^« - ^ refel - leras . Ich müßte mich sehr bekriegen , wenn hierinnen nicht ein wenig Ironie wäre . Cicero will seinem Freunde zu verstehen geben , daß er der erfahre» , ste Mensch von der Welt in der Erkenntniß der Familien gewesen , daß man seinem Gedächtnisse nicht allemal trauen dörfe , und daß man dasjenige für unüberwindliche Schlüsse halten könne , was im Grunde nur eine Verblendung wäre . Du bewiesest mir auf eine geome - irische Art , daß ich mit Unrecht vorgegeben , es sey Fannius des Läliu« Schwiegersohn gewesen : ich hatte es vom Hortensius erfahren , der in dergleichen Sachen sehr glaubwürdig ist : ich mußte mich deinen geome - trischen Beweisen gefangen geben ; allein hier ist Brutus , der dich in dem Auszuge widerleget , den er von de« Fannius . Historie gemacht hat : du magst dir auch daraus helfen , so gut als du kannst . Scripfi quod erat in extremo : idqne ego fecutus hunc Fannium , qui fcripfit hifto - riam , generum efie fcripferam Laelii : fed tu me yut^Tfirefelle . ras : te autem nunc Brutus et Fannius . Ego tarnen de bono aiufto - re Hortenfio fic acceperam , vt apud Brutum eft . Hunc igitur lo - cum cxpedies . Also redet Cicero gegen seinen Freund Atticus , Es ist handgreiflich , daß er spottet , wenn er die vorgegebenen Gründe des
AtticuS für geometrische Beweisehält . Man merke , daß die Worte des Cicero beweisen : > ) daß Fannius in seiner Historie gesaget , er sey des Lälius Schwiegersohn ; 2 ) daß Cicero dieses nur aus dem Auszuge dieser Historie erfahren , die von ; Brutus herausgegeben worden , daß Faimius dieses gesaget harre ; denn wenn er es gewußt hatte , so würde er nicht statt seines ganzen Beweises nur des HortensiuS Zeugniß an - geführet haben . Wenn Mezerai ln seiner Historie gestiget , daß er sich mit der Tochter eines solchen Mannes verheirathet hätte , so würden die - jenigen , die diese Heirath anführen , und sich dessen erinnern würden , was der Gefchichtschrelber davon gesaget hätte , kein Hörensagen ansüßen ; und wenn sie dieses anführten , so verdienten sie , daß man ihrer spottete .
( D ) - Hier sind die Fehler etlicher Schriftsteller in Ansehung der Fannier . ] Wir wollen den Anfang mit dem Lloyd machen . I . Se - tzet er die Einführung des fannischen Gesetzes ins 508 Jahre Roms , und führet das XIV Cap . des II B . aus dem Aulus Gelliuö an stark des XXIV an . Er führet auch das XVII Cap . aus dem III Buche der Sarurnalien des Macrobius an , anstatt daß er das XII Cap . des II B . härte anführen sollen . , II . Sager er , daß Cajus Fannius , des Marcus Sohn , und des Lälius Eidam , so wohl in der Beredsamkeit als in den guten Sitten berühmter gewesen , als sein Vetter Fannius , moribus et ipfo dicendi genere clarior . Dieß ist eine große Lügen . Cicero , aufweichen er verweist , ist weit davon entfernet . Er saget , wo - ribus et ipfo genere dicendi durior . ( im Brutus XXVI Capitel . )
III . Saget er , den Poeten Fannius betreffend , daß seine Gedichte , und sein Bildniß in den Tempel des Apollo mid der Musen , und in irgend «ine andere Bibliothek gebracht worden . Diesen Fehler hat er vom VoßiuS abgeschrieben . Die Fehler des Moreri sehe man oben in der Anmerkung ( A ) des Artikels Fannius , sie Familie , Nurn . 5 .
IV . Deutet er ein Sinngedicht Martials , nämlich das 80 des II B . auf den Fannius Cäpio , und führet es nicht gut an ; denn er saget :
Hoftetn cum peteret , ( es sollte heißen fugeret ) fe Fannius ipfe peremit ,
Hic rogo , tion furor eft ne moriare mori ?
Diese zween Verse haben keinen Verstand : das Wort peteret , an der le des fugeret angeflickt , machet alle Schärfe des Sinngedichtes stumpf ; allein wenn wir auch fugeret darinnen lassen , so wird es dennoch nicht dem Fannius Cäpio , dem Haupte einer Verschwörung wider den Au« gust , zukommen . Ich will den Macrobius , Saturnal . Libr . I , cap . II . nicht anführen , der die außerordentliche Treue erzählet , die ein Sklave dieses Fannius gegen seinen Herrn gehabt , und uns dadurch lehret , daß Fannius mit der allerersinnlichsten Sorgsalt den Tod geflohen hat : ich will den Macrobius nicht anführen , sage ich , welcher nicht saget , daß Fannius endlich , den Tod so sehr zu fliehen , überdrüßig geworden : ich will den Dio anführen , welcher ausdrücklich säget , daß Fanmus ermor - der worden , und daß ihn einer von seinen Bedienten verrathen hat .
Kot } ( SU y« ? utftfunx» ri Sixanifio * ) IgjßW fib üf Se v iftgoy . Hi quum die diäa in iu -
dicio non comparuiflent , abfentes exilio damnati funt et paulo polt necati . Dio , Libr . LIV , pag . m . 598 - ad arm . 731 . - mit Si iregov ( rim Jti / Awv ) tb» rgvdovrx airov . Alterum ( feruorum ) qui herum pro - didiilet . Ebendas . Ist dieses nicht ein Beweis , daß er sich nicht selbst umgebracht hat ? Wir wollen aufHofmannen kommen : Er hat die vier Fehler des Lloyds , und einige von des Moreri seinen begangen . Er hat den IX Brief des V B . des Plinius angefuhret , der auf keinen einzigen Fannius geht . Er saget , daß Fannius Strabo , zweymal Consul gewesen ; das erstemal mir dem Valerius Meffala , und dann mit dem DomitinS AenobarbuS . Er setzet dazu , daß das fannische Gesetze unter dem ersten Consulate des Fannius eingeführet worden ; er verweist uns dieserwegen aus seinen Artikel Fonnia , wo wir finden , daß dieses Gesetz im Jahre eingeführet worden . Er setzet also das erste Consulat des Fannius Srrabo ins 508 Jahr , an statt , daß er es WS 592 oder 5pz Jahr setzen sollte . Ehe er voni Fanmus Strabo redet , hatte er schon einen Artikel vom Caju« Fannius gemacht , der mit dem DomitiuS Consul gewesen , und hat alp ) aus einem Manne zween gemachet .
FaNNiUs ( Quadrat» , S ) ein lateinischer Pott , dessen Stücke , so lächerlich sie auch sind , dennoch nebst seinem Bild - nisje in die Bibliothek geschtt worden , die AugustuS hatte anlegen lassen ( A ) . Horaz , der mit diesem Fannius zu gleicher Zeit gelebt , hat mit großer Verachtung von ihm geredet , und ihn für einen Schmarußer ausgegeben \ Dieß ist der ge» wohnliche Dehler der schlechten Poeten .
a ) Aut cnicier quod Vellicet abfentem Demetrius , aut quod ineptus Fannius Herinogenis laedat conuiua Tigelli . Horaf , Sat . X , Libr . I , Verf . 78 .
CA ) Seine Stücke - - * sind in eine Bibliothek gebracht worden , die Augustas angelcgct hatte . ^ Sie ist in dem Tempel des Apollo Palatinus gewesen . Dieses saget Horaz in der 4 Sat . des I B . 2« Vers vom Fannius .
Beatus Fannius vitro Delatis capfis et imagine - quum mea nemo Scripta legat , vulgo recitare timentis .
Dacier versteht diese Sprache auf folgende Art . Dieser Lanmu - , , läset er ob er gleich ein schlechter Poet gewesen , hat es vennoch durch seine Kunstgriffe unv d , e Art emer Rone so weit ge - bracht , vermöge welcher seine Gedichte an allen Orte» und von allen Ankommenden gekse» worden , daß er selbst - - - seine Schriften und sem S'ldmsi wiöer alle #i ! ürth : it und rvahrscheinlichleit in die Stbliothrk gebracht , d»e Augufrus anaeleget hatte : worüber - ^ora ; sehr fein spotter - e - nius , der alle Tage Zusan : menkünfte gehalten , um seine Gcdich - re darinnen lesen zu lassen , harre sich eine unendliche Anzahl An - - Hanger gemacht , welche seine Verse überall lobten und überall Abschriften davon aussreeuten ; da bingegen die Verse des Horaz , der seinen Rubm niemanden , als sich selbst schuldig sn'n wollte , und dieselben sehr selten und nur sehr wenigen Personen mir - rheilte , fast unbekannt waren , und nicht das Vierrheil so viel Aufsehen machten , als die thorichren U ? erke des Fannilis . Denn um diese Aeit ifi eine heimliche Rotte , eben so oft als heutiges Taqes , viel starker , als das Verdienst selbst gewesen . Dieß ist der wahrhaftige Sinn dieser Stelle , die nicht wohl verstanden worden ifi . Denn dasjenige , was Acron saget , daß der Rath dem Fannius diese Ähre erwiesen , um sich von seinem Ueber^ laufen zu befre / en : oder daß ^eute , die nach des
mögen begierig gewesen , der keine Rinder gehabt , seine Gewo , genheir zu gewinnen , und durch dieses Mittel seine Erben zu werden , seine Vücker und sein Dildniß in die Bibliothek bracht haben : alles dieses sage ich , ist eine bloße Erfindung , die nicht den gen'ngs kenGrund haben kann . Hier sind die Worte des al - ten Auslegers , die Dacier verdammet hat : Fannius Quadratus , Po'eta Joquacilümus et ineptiffimus fuit , cui Senatus audiendi faftidio vitro capfas et imaginem obtulit , vt libros fuos mitteret , et in au6torita - tein reciperetur , tanquam optimus Poeta : vel , vt alii referunt , nius Poeta malus ciun liberos non haberet , haeredipetae fine eius cura et ftudio libros eius et imaginem in publicas Bibliothecas refe - rebant , nullo tarnen merito fcriptoris . Ich habe in der Anmerkung ( A ; des Artikels Abel ? , in der Anmerkung ( C ) des Assouci zu Ende , gesager , das ; die Satiren nvthig habin , vntweder von dem Urheber selbst , oder von einem Schriftsteller ausgeleget zu werden , der mit ihm zu gleicher Zeit gelebt hat . Hier ist eil« Sreiie vom Horaz , die meinen Gedanken bekräftiget . Man weis nicht eigentlich , was sie bedeutet : man muß rarhen , w« , n man den Sinn derselben verstehen will ; und so glücklich , als auch die Muthmaßungen seyii können , so bleiben doch allezeit Avei - fei zurück . Wir würden dieser Mühe überhoben seyn , wenn Horaz sei - ne Satiren selbst ausgeleget , oder wenn ein oder der andere Schriftstel - ler zur Zeit des Augustus sie auSqeleqet l>ätte . Allein wie es eine von den Vollkommenheiten solcher Werke ist , daß sie tausend spöttische Schraubereyen enthalten , die nur mit halben Worten ausgedruckt sind , und auf Begebenheiten zielen , die nicht jedermann bekannt sind : soglaube ich auch , daß sich ein Urheber der Satiren wenig um die Auslegung kümmert . Der neue Theophrastus , la Bruyere , sah es nicht gern , daß man ihm Feilche machte , indem man seine Beschreibungen auf diese und jene Personen deutete .
FanniuS

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