Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8694

Fannius . Fanniuö Strabo .
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»ähliger Römer zu sehen , die unter den ersten Kaisern zu Bedienungen kommen wollen : so ist man an der andern Seite vor Verwunderung ganz außer sich , eine gute Anzahl schöner Seelen zu sehen , die alle römische Hoheit m . tten unrer dem öffentlichen Verderbnisse erhalten haben . Der Sckriststeller . dessen Worte ich anqesühret habe , wird nicht müde , gu - tetS von der Fannia zu reden . Er delehret uns etwas , das den Neugie - riqen nicht misfallen wird : daß nämlich der Oberpriester gewissen men aufgetragen , für die Vestalinnen zu sorgen , welche eine Krankheit
FaNMUs , eine römische Familie , reri nicht vergessen ( A ) .
( A ) Man wird Sie Fehler des Moreri nickt vergessen . ] I , Sel ? er er das Quastoramr des Cajus Fannius unter das Konsulat de - « gezwungen hätte , ihr Kloster »u verlassen . Fannia ist wegen der vielen Sorgen , die sie für eine Vestalinn gehabt , krank geworden . Angit me Fanniae valetudo . Contraxit hanc , dum adfidet Iuniae , virgini Veftali , fponte primum , ( eft enim adfinis ) deinde etiain ex audtori - täte pontificum . Nam virgines , quum vi morbi atrio Veftae co - guntur excedere , matronarum curae cuftodiaeque niandantur . Quo munere Fannia dum fedulo fiingitur , hoc diferimine implicita est . Ebendaselbst .
Man wird von einigen Personen reden , die daraus gewesen , und der Fehler des Mo -
man sie tausend Jahre darauf , auf andere Materien anwendet . Mo - reri hat so fest geglaubet , daß Plinius im IX Br . des V B . von sei - nem Fannius geredet har , daß er ihn unter dem'Artikel angeführet . V . Halte er nicht sagen sollen , daß die Gedichte des FanniuS , nebst sei , nem Bildnisse in den Tempel des Apollo und der Musen , und in einen öffentlichen Büchersaal gesetzt worden . Dieß heißt die Hyberbole über - schreiten , dieß heißt nicht einen Gegenstand vergrößern , dieß heißt einen ganz verschiedenen Begriff darbiethen : dieß heißt fast so viel gesagt , daß de« Fannius Bildniß ein Abgott geworden , ein Gegenstand der An - dacht des Volkes in dem Tempel der falschen Götter . Wie sehr heißt dieß von der Wahrheit abweichen ! Denn aufS höchste hat man nscht mehr sagen köimen , als daß die Verse und das Bildniß dieses Mannes , in Augusts Büchersaal gesetzet worden . Ich bekenne , daß dieser Büchervor - räch in einen Tempel des Apollo gesetzet worden ; ( Sueton . in Augufto , cap . XXIXO allein man muß dieses eben so verstehen , als wenn wir sa - gen , es ist eine schöne Bibliothek in der Hauptkirche dieses oder jenes Ortes : und eS ist auch abgeschmackt , . diese beyden Redensarten mitein - ander zu vermengen : Ein Gemälde in die - Hauptkircke fetzen , ein Gemälde in die Bibliothek einer - Hauptkircke setzen ; als wenn man e« für einerley hält , das bildniß eines Poeten in den Tempel des Apollo setzen , und das Dildnifi eines Poeren in die Bibliothek eines Tempels des Apollo setzen . Wir wollen also bekennen , daß sich Voßius übel ausgedrückt ! hat , wenn er auf der 34 Seite feiner lateinischen Poeten also redet : Cuius poemata in aedem Apollinis et Mufarum aliamtie Bibliothecam publicam cum imagine fiierunt delata : seine Unachtsamkeit hat den Moreri betrogen ; allein zum wenigsten hätte dieser letztere das Unterscheidungswörtchen , aliamue , in Acht nehmen sollen . Wenn er es in Acht genommen hätte , so würde er nicht gesaget haben , daß die Stücke des FanniuS , mit sei , nem Bildnisse in Sem Tempel des Apollo und der Musen , und in eine offenrlicke Bibliothek gesetzt worden . Das Verbindungs - wörtchen und , anstatt des UurerscheidungswörtchenS oder , und die Auslassung deS aliamue , sind hier ein entsetzlicher Schnitzer : dieß ver - mehret nicht allein die Sachen ohne Notwendigkeit , sondern es giebt uns auch zu erkennen , daß die Ehre , die dem Fannius erwiesen worden , da man sein Bildniß in eine öffentliche Bibliothek gesetzet hat , von ei - ner andern Art gewesen , als diejenige , die ihm erwiesen worden , da man sein Bildniß in des Apollo Tempel gesehet hat . Wenn es von einer andern Art gewesen wäre , was könnte es anders seyn , als eine Art der Heiligung , und eine Art des Götzendienstes ? Man kann zur Entschul - digung des Moreri nicht mehr sagen , daß er durch den Tempel des Apollo , die Bibliothek dieses Tempels verstanden hat , das Verbindung« ! - wort und , dessen er sich bedienet , schneidet ihm diese Ausflucht ganz ab ; ist denn diese Bibliothek keine öffentliche gewesen ?
Ftmmu6 Strabo , ( Cajus ) römischer Consul , mit dem Valerius Messala im 59 ? Jahre Roms . Dieses Consulat ist wegen zwoer Ursachen merkwürdig : 1 ) wegen der Verordnungen , die der Rath wegen der Verschwendung bey den Gast - mahlen machte ; 2 ) wegen eines Rachschlusses , welcher dem Praror * Gewalt gab , die Redner und Philosophen aus Rom zu jagen ( A ) . Man hat sich mit den Verordnungen des Rathes , wegen der verschwenderischen Gastqeboche , nicht begnüget ; man hat auch ein Gesetze gemacht , welches ivegen des Consuls Fannius , Fannia lex^genennet worden ( B ) . Wir wollen an einem andern Orte die Ausschweifungen berühren b , die dazu Anlaß gegeben . Ich finde nichts merkwürdiges vom Mar - cuo Fannius , dem Bruder desjenigen , der die Materie dieses Artikels ist . Diese zween Brüder haben jeder einen Sohn , Namens Cajus , hinterlassen , wie man sehen wird .
a ) Er hat Marcus Pomponius geheißen . 6 ) In der Anmerkung ( B ) des Artikels Ticiu« ( Cajus ) .
( A ) Die Redner und Philosophen aus Rom 5» jagen . ] ton , de dar . Rhetor . cap . I . nnd Aulus Gellius berichten uns dieses : Hier sind die Worte des Aulus Gellius , in des XV B . II Cap . C . nia Strabone , M . Valerio Meflala CO . SS . Senatus - confultum de Phi - lofophis et de Rhetoribus Latinis faftum eft . M . Pomponius tor Senatum confuluit . Quod verba faöa funt de Philofopnis et Rhetoribus , de ea re ita cenfuerunt . Vti M . Pomponius Praetor animaduerteret , curaietque , vti ei e republica fideque fua videre - tur , vti Romae ne eü'ent .
( BN LNan hat ein Gesetze gemackt - - - welckes Fannia lex aencnnet worden . ^ Aulus GelliuS redet in des II B . XXIV Ca , vitcs absonderlich von diesem Gesetze und dem Rathschlusse , als von mec'n Sachen , da eine auf die andere gefolget ist . Der Rathschluß ist zuerst erschienen : da« Gesetze ist nach vielem gekommen : Legi adeo ruper in Capitonis Atei conie & aneis fenatus decretuni vetus C . Fan . nio , et M . Valerio Mefläla COSS . fadtum ; in quo iubentur j>rinci - pes ciuitatis , qui ludis Megalenfibus antiquo ritu mutitarent , id eft , mutua conuiuia agitarent , iurare apud Confules verbis conceptis , non arnplins in flngulas coenas fumtus eile fachiros , quam cente - 110s vicenosque aeris , praeter olus et far et yimrai ; neque vino alie - nigena , fed patrio , vfuros ; neque argenti in ronuiuio plus pondo , quam libras centum illaturos . Sed poft id fenatusconfultuin lex Fannia lata eft , quae ludis Romanis , item ludis plebeiis et libus , et aliis quibusdam diebuj , in fingulosdies centenos aeris in - fumi conceflit , decemque aliis diebus infingulis menlibus tricenos ; caeteris autero omnibus diebus denos . Ist das nicht eine gleichliche Sparsamkeit ! dieß heißt die Leute recht binden . Wo würden sich heutiges Tages reiche Völker finden , die ein solches Joch über sich neh - men wollten ? Allein wir wollen die Beurtheilungen der Sitten bey Seite sehen , und uns an eine andre Art von der Critik halten ; wir wollen sehen , unter welchem Fannius das fannische Gesetze eingeführt
den ; denn es stehen einige in den Gedanken , daß es nicht von demjeni - gen eingeführt worden , dessen Aulus Gellius gedenket .
Glandorp , Onomaftic . p . zzz , wenn er die Unterscheidung betrachtet , die Aulus Gellius zwischen dem Rathschlusse und dem Gesetze beobach - - tet hat , überredet sich , daß das Gesetze lange nach dem Rathschlusse ein - geführt worden wäre : nämlich , unter dem Consulate des Cajus Fan - niuS , des Sohns unsers Cajus Fannius : Strabo im 632 Jahre Roms . Allein dieser Gedanke kann nimmermehr mit demjenigen verglichen werden , was man im Plinius liest , daß das fannische Gesetze eilf Jahre vor dem dirtten punifchen Kriege hergegangen fey . Ich will die ganze " Stelle anführen , weil sie etliche merkwürdige Dinge enthalt . Mai , wird darinnen sehen , daß die Einwohner zu Delos die ersten gewesen , welche die Hüner gemästet z welches verursachte , daß man sich angewöh - net , alle Vogel gemästet zu haben , die man speisen wollte . Also mußte das fannische Gesetze , dieser Schleckerey Einhalt zu thun , verordnen , daß man keine Gattung von Federvieh auf den Tisch bringen sollte , als eine ungemästete Henne . Man ist dem Gesetze kurz darauf ausgewichen ; denn man gab vor , daß die gemästeten jungen Hüner darinnen nicht verbothen wären . Gallinas faginare Deliaci coepere : vnde peftis ex - orta , opinias aues et fuopte corpore vn & as deuorandi . Hoc mum antiquis coenarum interdiftis exceptum inuenio iam lege Caii Fannii CoiT XI annis ante tertium Punicum bellum , ne quid volucre poneretur praeter vnam gallinam , quae non eilet altilis : quod deinde caput translatum per omnes leges ambulauit . Inuen - tumque diuerticulum eft , in fraude earum gallinaceos quoque pa - feendi laäe madidis eibis : lnulto ita gratiores approbantur . Plin . Lib . X , c . 50 . Macrobius würde sehr starke Waffen wider den Glan - dorp darbiethen , wenn seine Rechnungen nicht einige Verwirrungen ent» hielten . Er erzählet die Gesehe der alten Römer , wider die Verschwrn - dung deS MaulS , eines nach dem andern , und dieß ist die Ordnung , die er beobachtet . Das erste Gesetze ist auf Anhalten , von dem Zunftmei -
st«

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