Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8686

Fakreddin . Fannia .
vergnügen , so hak er der Gefahr getrotzt , er hat derselbe» gespottet , und ist sehr glücklich gewesen , zu erfahren , daß das Glücke dem Kühnen bey - steht " : audaces fortuna iuuat .
Die vollständigste Ausgabe der Gedichte unsers Fabrieius , ist die Leip - ziger von i6gy ; denn außer denen in der leidnischen Ausgabe von 163s enthaltenen Versen , enthält sie noch verschiedene andere , die niemals ge -
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druckt gewesen . Ich setze dazu , daß sie auch verschiedene angenommene Stucke und die Reden enthält , welche der Verfasser an die Könige von Pohlen , und zu Leiden im l6 ? Z Jahre , de obfidione et liberatione vr - bis Leidenfis , gehalten , nebst den medicinischen Sätzen , die er in dersel - ben Stadt 1634 vertheidiget hat . Aus dem leipziger Tagebuchs vom Brachmonate >686 , pag . 278 . 279 .
$ ( lf t'Cfcftttt / 0 Prinz der Druscr in Syrien , wurde durch die Türken von seinen Staaten vertagt , und flüchtete nach Maltha , dann nach Florenz , und endlich um dao 1620 Jahr nach ? vom h . Er nennte sich einen Anverwandten des Her - zogs von Lothringen . „ Die Begierde , zu regieren , bewegte ihn nach dein Berge Libanon zurückzugeben . Er erweckte von
ben ehmalö verschiedene Buirs gehabt : allein Ibrahim , der Bassa zu Cairo , hat sie in , 1584 Jahre Amurat dem Iii . unterworfen . Dreißig oder vierzig Jahre hernach , hat sich Fakreddin verschiedener Festungen bemächtiget d . Der französische Mercur ^ redet Vonseiner Ankunft zu Florenz , unter dem 1613 Jahre , und führet Umstände davon an ; allein wenn man seine Historie mit mehrer Richtigkeit wissen , und sich nicht mit vielem Lesen belästigen will , so muß man zu einem Werke des la Croix Zuflucht nehmen f . Man wird darinnen sehen , daß dieser Prinz , welchen die Araber schlecht rveg Eben Maan , Maano Sohn genennet , den Namen Fekreddin angenommen , welcher die Fackel oder das Glicht des Glaubens bedeu - ret ; daß er sich zu einem Eroberer aufgeworfen , daß er die Völker unterdrückt , die er bezwungen ; daß er nach einem gen Aufenthalte in Italien im 1618 Jahre , mit weitläuftigen Anschlägen in sein Land zurück gegangen ; daß er aber , da er die - selben nicht ausfuhren können , gezwungen gewesen , sich dem Sultan Amurat zu unterwerfen , der ihn den 14 Marz 1633 , in ner Gegenwart erdrosseln lassen .
«0 Er wird Fachraddin in einer Stelle genennet , die ich oben in der Anmerkung ( B ) , bey dem Artikel Ecchelensis angeführet habe . f ) Journal des Savans , den 12 März 170z , pag . 170 . pariser Ausgabe . 0 Ebendas . >74 S . d ) Ebendas . e ) Auf der 243 Seite des III Bandes . / ) Es ist betitelt : Etat prefent des Nations et Eglifes Greque , Armenienne , et Maronite , enTtirquie . Man sehe innen das III , IV , V und VI Cap . des III B . 174 u . f . S . holländischer Ausgabe 1695 .
Fannia , die Ehfrau des Cajus TitiniuS Bürgers zu Minturne , hat sich gegen den Marius großmüthig bezeiget , ob sie gleich mit dem Urtheile nicht vergnügt gewesen , daß er in einem RechtShandel gefallet , wobey sie großen Äntheil hatte . Diese Frau hat sich durch ihte Unkeuschheiten um ihren guten Namen gebracht : TitiniuS hat sie , diesem ungeachtet , geheira - thet , und es ist so gar die Bewegungsurfache seiner Heirath gewesen ; denn er hatte sich vorgenommen , sich bey gelesener Zeit von ihr scheiden zu lassen , und ihr ihren Brautschaß nicht wieder zu geben ; und zu diesem Ende hatte er nöthig , daß seine Frau des Ehbruchs überzeugt wurde . Er hat nicht unterlassen , seinen Anschlag auszuführen , da er es für rathsam erachtet ; allein Fannia vertheidigte sich , und nahm zur Gerechtigkeit Zuflucht . Marius war Richter bey diesem Rechtshandel . ^>0 bald er die Beschaffenheit dieser Frage erkannt hatte , so nahm er den TitiniuS absonderlich , und gab ihm den Rath , der Fannia ihren Brautschatz wiederzugeben . Er konnte ihn nicht dazu überreden ; dieserwegen sprach er das Endurtheil , daß TitiniuS den Braut - schätz wieder geben sollte ( A ) , und daß Fannia der Unkeuschheit wohl und gehörig überzeugt wäre , und eine Geldbuße von vier SolS bezahlen sollte K Einige Zeit darauf , war Marius gezwungen , von Rom zu fliehen ; man harte ihn für einen Feind der Republik erkläret . Er verbarg sich in den Morasten von Minturnus ; er wurde daraus geholt , und unter die wahrung der Gerichtspersonen gegeben . Diese tbaten ihn zur Fannia . weil sie glaubten , daß sie über das schimpfliche Urtheil empfindlich seyn würde , welches er wider sie gesprochen hatte . Sie haben sich aber betrogen : Fannia hat sich selbst Gerech - tigkeit erwiesen ( B ) , und alle mögliche Sorge für den Gast gehabt , den man ihr zugeschickt hatte c .
a ) Plutarch . in Mario , p . 427 . E . nennet ihn Tillius . b ) Plutarch , ebendas . und Valerius Maximus , VIII B . II Cap . Num . 5 , saget , daß man sie zu feftcrtio nummo verdammet . 0 Aus dem Valerius Maximus , ebendas .
( A ) Marias sprach das Endurtheil , daß ihr Titmius ihren Dratttschay wiedergeben sollte . ) Es ist nichts billiger gewesen , als ihn darzu zu zwingen , weil er das böse Leben der Fannia schon gewußt hatte , che er sie geheirarhet . Wenn er sie als eine ehrliche Frau geheira . thet gehabt , und ausrichrig gewünscht hätte , daß sie als eine ehrliche Frau leben mochte , so wäre es eine andre Sache gewe>en ; allein so hat er gem einige Zeit ein Hahnrey seyn wollen , um sich nur ihres Vermögens zu be - mächtigen . Tb'th Siarxfx Ttjv Etpsivero V & l rtjv tfctvjlxv «K0A«7«v yeyovivoii , vjf ) tov ävSfa TOiaCrt^v «So - ■
a« ( 3Sv , vjJ evi & utw to / . vv Xgiw . Quura Fanniain conftaret im - pudicam fuifle , et virum qui talem feiret eile eam duxifl'e , diuque cum ea in matrimonio vixifie .
( B ) Fannia hat sich Gerechtigkeit erwiesen . ) Sie ist in ihrem Gewissen wohl überzeugt gewesen , daß sie alle Schande verdient , womit sie Marius beleget hatte , und daß er folglich alle Hochachtung verdiente .
die man einem gerechten Richter schuldig ist . Sie hatte ihr Vermögen durch des Marius Urtheil wieder erhalten . Dieß ist ein viel größerer Vortheil für eine solche Frau gewesen , als wenn sie Marius in voller Gerichrsstube für eine ehrliche Frau erkläret hätte . Er hätte die Scharten nicht ausgewebet , welche die Buhlereyen der Fannia ihrem guten Namen gemacht hätten . Ihre Nachbarn , und überhaupt alle Personen , von der Fannia Bekanntschaft , würden doch eben dieselbe Meynung von ihrer Keuschheit gehabt haben , als zuvor . Also hatte sie Marius sich viel verbindlicher gemacht , da er sie für eine Hure er kläret , und ihr ihr Erbtheil wieder verschafft , als wenn er sie für eine ehrliche Frau erkläret , und ihr ihren Brautschatz nicht wieder gegeben hätte . Wer»« die Unkeuschheiten einer Frau zu einem gewissen Ausbruche gekommen sind , so ist sie bey der Lästerung nicht mehr empfindlich ? sondern sie schet so sehr , oder auch noch mehr , als jemals , Geld zu haben , und ihr Vermögen zu genießen . Wir wollen uus also nicht verwundern , daß sich Fannia gegen den Marius , als gegen einen gerechten Richter , bezeu - get hat . Man sehe diese Stelle des Valerius Maximus , im VIII V . II Cap . N . z . Fannia autem haec est ; quae poftea Mariuin , hoftenij a fenatu iudicatum , coenoque paludis , qua extraftus erat , obiitum , etiam in dotnum fuam cultodiendum Minturnis dcduöum , ope quantacunque potuit , adiuuit : memor , quod impudica iudicata efiet , fuis moribus ; quod dotein feruafllt , illius religioni aeeeptum ferri debere . Jedoch dürfen wir nicht zweifeln , daß nicht eine große Meng« von Leuten dem Marius in gleichem Falle , sehr übel begegnet seyn würden .
MNNM , eine erlauchte römische Dame , eine würdige Tochter des berühmten Patus Thrasea , und würdige Enkelmn der Arria ; war von einer so sonderbaren Hoheit der Seele und Tugend , daß sie nicht allein das Muster andrer Frauen seyn , sondern auch den Männern selbst zum Benspiele der Standhastigkcit dienen konnte . tz ? ie ist ihrem Geinahle , Helvidius , zweymal ins Elend aefolget , und ist endlich selbst seinetwegen verbannt worden ; nämlich weil sie den Senccion gedeihen , des Helvidius chhrerbiethung erworben
a ) Aus dem Plinins dem jüngern , Epift . XIX . I . ib . VII . f ) Eadein quam iueunda , quam conus , quam denique ( quod paucis datum est , ) non minus amabilis quam veneranda . Plin . Epift . XIX . Lib . VII .
legata . Nam cum Senecio reus eflet , quod de Vita Heluidii Iibro« compofuiflet , rogatumque fe a Fannia in defenfione dixillet , quae - rente minaciter Metio Caro , an rogallet , refpondit ; Rogaui : an commentarios feripturo dediflet > Dedi : an feiente matre ? Nefcien - te . Poftreino nullam vocem , cedentem periculo , emifit . Quin etiam illos ipfos libros , quatiquam ex ncceffitate et mefu temporum abolitos , SC . publicatis bonis , feruauit , habuit , tulitque in exfilium , exfilii caufiäni . Plin . Epift . XIX . Libr . VII . Wenn man an einer Seite Widerwillen empfindet , die niederträchtigen Schmeicheleyen un -
jahliger
. Epift . !
( k " ) «ic hat die Nacbrickten jum Sieben des - Helvidiusdar - aebotben «ie bat es frevmüthig vor 0en Richtern bekannt . ^ Melius Carus , ein berufener Angeber , hat den Senecion angeklaget , daß er des Helvidius Leben aufgefetzet hätte Der Angeklagte hat , . ch
tne befragt wurde , ob Senecion die Wahrheit ge^get , hat mst Za ge - antwortet . Allein es ist besser , daß wir den PImmS selbst reden lassen - Li» mar mim fequuta in exfilium eft , tertio lpfa Pr P

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