Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8670

470 Fabricius .
vor einem solchen Vorschlage gehabt , sogleich nebst seinem Mitconsul an den Pyrrhus geschrieben , und ihm den Brief des Arzts überschickt . Der Anhalt des Briefes , der von den zween Consuln geschrieben den , ist im Plutarch , welcher darauf die Schlacht beyAsculum , als eine jüngere Sache beschreibt . Andre , als Valerius Antias , beym GelliuS im III B . VIII Cap . imgleichen Valerius Maximus , im VI B . V Ca - pitel , sagen : daß ein gewisser Timochares , nach denen vom Pyrrhus ge - wonnenen zwoen ersten Schlachten , ins geheim zu dem Consul bricius gekommen , und ihm versprochen , daß er gegen eine verglichene Belohnung den Pyrrhus mit Gift vergeben wolle ; welche« ihm um so viel leichter seyn würde , da seine Söhne Mundschenken bey diesem Mo - narchen wären . Fabricius hat deswegen an den Rath geschrieben , welcher den Pyrrhus durch Gesandten überhaupt warnen lassen , sich vor seinen Bedienten zu hüten ; vom Timochares aber haben sie nichts sa - gen sollen . Man hat eines Menschen schonen wollen , der ihm Dienste leisten wollen : man hat billig gegen ihn seyn wollen . Timocha - ris nomen fuppreffit , vtroque modo aequitatem amplexiis , quia nec hoftem malo exemplo tollere , neque cum , qui bene mereri paratus fuerat , proderc voluit . Valer . Maxim , ebendaselbst . Andre , als Qua - drigarius , beym Gellius im III B . VIII Cap . versichern , daß derjenige , welcher zum Pyrrhus gekommen , Nicias geheißen ; und daß es nicht der Rath , sondern die Consuln gewesen , die ihn zum Pyrrhus geschickt . Sie erzählen den Brief der Consuln von Wort zu Worte : allein er ist nicht , wie derjenige , davon Plutarch den Inhalt gegeben hat . Einige wollen , daß der Leibarzt des Pyrrhus , den Namen Cineas gehabt , und an den Rath zu Rom geschrieben , und daß der Rath seinen Vortrag verworfen , und solchen dem PyrrhuS eröffnet habe . Äelian . diu . Hift .
Libr . XII . cap . XXXIII . Es scheint , daß man XZicias , und nicht ( Zu neos lesen müsse , wie Andreas Schottus , Lib . III . Obferu . Hift . cap .
XXXIV . bemerket hat . Scheffer über diese Stelle Aelians betriegtsich , wenn er saget , es gebe Valerius Antias , dem Arzte den Namen XZi * cias . Andre sagen , es habe Fabricius den Ueberlanfer an den Pyr - rhus zurück geschickt , der sich erbothen , ihn zu vergeben , und der Rath habe die Thät des Fabricius gut geheißen . Cic . de Offic . Libr . III . cap . XXII . Es gif6t einige , die wollen , daß der Leibarzt des Pyrrhus selbst den Fabricius besucht , und daß ihn dieser mit gebundenen Händen und Füßen seinem Herrn zurück geschickt habe . Eutrop . Libr . II . Au - rel . Vidi , de viris illuftr . Florus in des I B . XVIII . Cap . nimmt dem Fabricius diese ganze That , und giebt sie dem CuriuS : Medicum venale regis Pyrrhi caput afferentem Curius remifit : Er ist hierinnen kein so guter Kenner , als Pyrrhus , welcher an diesem Verfahren seinen Fabricius erkannte , und ausrief , daß er es und kein anderer wäre ; daß man ihn eben so wenig von dem angewöhnten Wege der Tugend ab - bringen würde , als die Sonne von ihrem ordentlichen Laufe . Suidas , in kirosvySvTef , et in Imgleichen Eutrop . Libr . II . und
Aurelins Victor , de Viris Uluftribus . Unter allen diesen Verände - rungcn der Alten , verwundre ich mich nicht , daß die Anfuhrer eines für das andre nehmen . Man sehe den Freinsheim über den Florus , so wird man daselbst finden , daß er dasjenige ganz falsch anführet , was Autus Gellius aus dem Valerius Antias und dem Quadrigarius gezo - gm hat . Zch will keine Betrachtung über die großen Veränderungen der Erzählungen machen ; ich überlasse sie einem jeden selbst zu machen , und will nur sagen , daß wir die Geschichte nicht mit einer so großen mung der Umstände haben würden , wenn sich die Schriftsteller vor die - sen zween Fehlern hüten könnten . Der eine ist , daß sie sich allzusehr auf ihr Gedachtmß verlassen ; der andre ist , daß sie allzuverwegen sind , großen Beyspielcn ein Färbchen anzustreichen , welches sich am besten für die M«ter« schicket , die sie abhandeln . Die sittlichen Betrachtungen über die Redlichkeit der alten Römer betreffend , die es der Redlichkeit unserer Zeil weit zuvor gethan , so zeigen sich dieselben der Welt zur Gnüge , ohne daß ich davon reden darf . Man sehe den 120 Brief des Seneca .
( E ) Die Schlackt bez ? Astulum ist die andre wider den Pytt tbtw geroefm . j Man zählet gemeiniglich nur drey Schlachten schen die'cm Prinzen und den Römern , davon die zwo ersten vor feinet Reise nach Sicüien , die andre nach seiner Zurückkunft in Italien gelie - fett worden . Allein diejenigen , welche gesaget haben , daß der Consul P . DeciuS in einer Schlacht wider den Pyrrhus gecödtet worden , ( * )
müssen nothwendiger weise aus einer Sache zwo machen , oder vier Schlachten zugeben , ( * * ) oder die Schlacht zwischen dem Fabricius und Pyrrhus leugnen . Denn es ist gewiß , daß des P . DeciuS Consu - lat , vor dem andern Consulate des Fabricius hergegangen , und des Lä - vinus seinem gefolget ist , unter welchem die erste Schlacht geliefert wer - den . Eutropius , welcher die andre Schlacht unter das Consulat dcö DeciuS setzet , saget , daß Pyrrhus im folgenden Jahre nach Sicilien gegangen sey , und der Consul Fabricius nur mit den Samnitern und Lucaniern zu thun gehabt , über welche er gefleger hätte . Plutarch und Florus versichern ausdrücklich , daß die andre Schlacht zwischen dem Pyrrhus und Fabricius geliefert worden . Wie kann man sich doch auf die alten Historienschreiber bey Sachen von geringer Wichtigkeit verlassen , wenn die Jahre der allerwichtigsten Schlachten nicht gewiß sind ?
( * ) Ql'od qnidem eins faftum nili effet iure laudatum , non eilet imitatus quarto fuo confulatu filius : neque porro ex eo natu« cum Pyrrho bellum gerens Conful cecidiffet in praelio , feque e conti - nenti genere tertiam viäimam reipublicae praebuiffet Cicer . Lib . II . de Finibus , cap . XIX .
( * * ) Der P . Labbe , chronvl . Eranc . und Ia Faiole , Hift . de Ia Republ . Romaine , erke>' . nen derselben viere ; allein der erste« setzet jenige , wobey Decius geblieben , vor dem Consulate des Fabricius , und der andre setzet sie nach demselben .
( E ) hie wahrscheinlichste Me / nuna ist , Saß sie die Romer verlohren . ^ Die Alten haben auch Schlachten bey Senes gehalten , dabey sich ein jeder Theil den Sieg zueignete , und Gott feyerlich und prächtig dankte . Man sehe dasjenige , was von dieser Schlacht bey Asculum in der Anmerkung ( M ) des Artikels pyrrhus gesaget wird . Gewissermaßen ist der Vorsehung nichts leichter , als jedermann zu vergnü - gen . Mann bekennet selten in einem Kriege , daß der Feind das Glück auf seiner Seiten gehabt ; man sprengt fast beständig aus , daß man ihn ge - schlagen , und daß er tausenderley Ursache zum Verdrusse habe . Hat er ja nigen Vortheil gehabt ? so schimpfet man ihn doch , daß er so wenig gethan , und sich der Gelegenheit so schlecht bedienet habe : man giebt vor , daß er hunderterley weitläuftige Anschläge gehabt , und mit allem Rechte der fentlichen Spötterey ausgesetzt sey , weil er die Rechnung ohne den Wirtl ) gemacht . Es brauchten keine Leute weniger ermahnet zu werden , die Wohlthaten Gottes zu besingen und zu preisen , als die öffentlichen tungsschreiber ; man könnte es entrathen , sie zu einem Lobgesange zu bringen , den man nach dem Muster des Gesanges der drey Männer im feurigen Ofen machen würde . Sie gehorchen dem Gebothe unvergleich - ( ich , seyd allezeit srölich . In der l Thess . V . v . 16 .
( 6 ) Er hat ein sinnreiches Wo et gesaget , welches Cicero an - gefuhret l ; «t . ] Dieser P . Cornelius Rufinus ist ein beherzter und großer Feldherr , aber erstaunlich geizig und raubsüchtig gewesen . bis Gellius , Lib . IV . cap . VIII . Er hat zu einer Zeit um das Consu» lat angehalten , da die Republik in Gefahr war : seine Mitwerber wa , ren Leute , die den Krieg nicht verstunden , und keine Verdienste hatten . Fabricius hat ungeachtet seines Hasses gegen ihn nicht unterlassen , sehr nachdrücklich für ihn zu arbeite» : man hat ihn mit vieler Verwunderung nach der Ursache gefragt : Es geschieht darum , hat er geantwvr» tet , weil ich lieber geplündert als verkauft seyn will . Nihil eft quod miremini , fi malui compilari , quam venire . Imgleichen Quin - tilian , Libr . XIL cap . I . pag . n1 . 5j8 . Cicero will , daß Fabricius dem Rufin diese Antwort selbst gegeben , da er sich wegen seiner guten Dien - ste bey ihm bedanket : Nihil eft , quod mihi gratias agas , inquit , ti malui compilari quam venire . Cicero , Libr . II . de Oratore , cap . LXVI .
CH ) Seine Tochter hat auf gemeine Rosten verheirathet werden müssen . ) Ich will zween Schriftsteller anführen : Senatus Fabricii Lufcini , Scipionisque filias ab indotatis nuptiis liberalitate Iiia vindicauit , quoniam paternae haereditati praeter opimam glo - riam nihil erat quod aeeeptum referrent . Valer . Maxim . Libr . IV . cap . IV . Dieß ist der erste . Apulejus soll der andre seyn : Quod fi modo iudices de caufa ifta federent C . Fabricius , Cn . Scipio , Maniua Curius , quorum filiae ob paupertatem de publice» dotibus donatae ad maritos ierunt , portantes gloriam domellicam , pecuniam public cam . Apuleius , Apolog . I . p . m . 286 .
im XVII Jahrhunderte , ist wegen seines Geistes , wegen seiner Wissen erühmt gewesen . Er war ein guter Poet , ein guter Arzt ,
( Bincent ) gebohren zu Hamburg i
tischen Bedienungen , veruymt gewesen , ^r war ein gurer Poer , ein gurer avpr chtöverstandiger . Er machte sich bey den allergelehrtesten Leuten in Holland sehr
studierte ; und sie fanden stine lateinischen Gedichte so gut , daß sie ihm anriechen , dieselben herauszuge -
den . Er hat sie im 1632 Jahre drucken lassen . Dieser Ausgabe sind etliche andre gefolget ( A ) . Er ist etliche Zeit Rath bey dem Bischöfe zu Lübeck , und nach diesem Syndicuö der Stadt Danzig gewesen . Diese Stadt hat ihn mit der Bürgermeister - würde beehret , und ihndreyzehnmahl nach Polen abgeordnet . Er ist zu Warschau , unter währendem Reichstage des Königreichs , den il April 1667 , 54 Jahre alt gestorben . Man hat durch Vorsorge seines Sohnes , Friedrichs Fabricius eine Sammlung Don seinen Werken tm 1685 ^ahre gedruckt . Siehe die Anmerkung .
a ) Aus dem Leipziger Tagebuche vom Brachmonate 1686 , pag . - ? « . 279 .
. wendet , dar ; « er nur vermögend gewesen ; und wie er gesehen , daß die -
" * " " " I " " fei'
„ Heinfiuö , bey dem er gewohnt , angcfnschet worden , seine lat . Gedich -
te herauszugeben . Er ist mit der ersten Ausgabe nicht sehr vergnügt ge« wesen . Dieserwegen hat er im 1638 Jahre eine andre , verbessert und ver - mehrt , herausgegeben , Er hat eine Satire in Prosa darzu gefügt , die er dem Salmasins zugeschrieben , und die den Titel hat : Pranfus paratus . Die ter , welche die Zeit mit Anagrammaten verderben , die unkeuschen Vers - macher , und diejenigen , welche die Poeten verachten , sind darinnen weidlich durchgezogen . Man merke , daß er ein poetisches Srück gemacht , welches ein Arzt von Genf , Theophilus Bonner , dem andern Theile seiner ana Septentrionahs collatitia , eingeschaltet hat . Folgendes wird in dm Nouvcllen der Republik der Gelehrten , im Herbstmonate 1687 , pag . 176 . davon gesaget . „ Dieses ist wohl nicht so wunderbar , als die Begeben - „ heil einer holländischen Magd , welche in einen großen Garten ver - - „ wiesen worden , al« sie zur Zeit der entsetzlichen Pest im >6z6 Jahre , „ drey große Carbunkel an ihrem Leibe hatte . Sie dachte an nichts , als „ an die Reise in die andre Welt , da ein junger Bursche , der sie liebte , „ bev ihr statt aller Arzneimittel , die zärtlichsten Umarmungen ange ,
„ selben einige Kraft hatten , so ist er besorget gewesen , dieselben ; » holen , und hat alle Nächte bey dieser Verpesteten geschlafen . Sie vergnü»

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