Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8650

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Experiens .
für das Haupt dieser Verschwörung gehalten ; und Platina mochte die Unfähigkeit dieser Person , in Ansehung einer solchen Un - - ternehmung ( A ) , und die Feindschaft anführen , wie er wollte , die zwischen ihm und dem CallimachuS herrschte , so wurde doch wider ihn , als einen Verschwornen , verfahren . Nachdem man diese armen Leute genug gemartert , und das Hirngespinn - ste ihrer eingebildeten Verschwörung entdecket hatte , so wurden sie in Freyheit gesetzt . CallimachuS verließ , voller Verdruß , Italien , und begab sich nach Pohlen , wo der Hof über die Aufführung des Pabstes ungemein misvergnügt war c . Der Konig Casimir empfing ihn mit allen Ehren , und gab ihn seinem Sohne Albrecht zum Lehrmeister . Er hat ihn auch zu verschiedenen Gesandtschaften gebrauchet d . CallimachuS schmeichelte sich solchergestalt in dem Gemüthe seines Schülers etil , daß er unter seiner Regierung sehr viel vermochte . Dieses misfiel den Pohlen sehr , und vornehmlich nach der Schlacht , die sie in der Mol - dau verlohren hatten . Sie glaubten , daß CallimachuS die Ursache dieses blutigen Verlustes wäre , und daß er den meisten Theil des Adels der Schlachtbank zu liefern gerathen hatte ( B ) ; daß er , sage ich , dieses als das kräftigste Mittel angerathen hätte , in Pohlen eine willkührliche Regierung einzuführen . Der Haß , den sie unter diesem Vorwande wider ihn faßten , beunruhigte ihn dermaßen , daß er sich öffentlich sehen zu lasten , sich nicht mehr getraute , sondern sich auf einem Dorfe bey einem Freunde versteckte . Er ist in diesem Aufenthalte gestorben . Man getraute sich nicht , seinen Tod bekannt zu inachen : man ließ seine Leiche an der Hitze des Ofens trocknen , und verwahrte sie in einem Schranke . Der König Albrecht ließ ihn , nach erhaltener Nachricht davon , nach Cracau in die Kirche der h . Dreyfaltigkeit bringe ? , , und ihm daselbst ein Grabmaal von Metall auf - richten « . Dieses ists , was Paul Iovius vorbringt ( C ) ; allein die pohlnischen Historien sagen nichts dergleichen . Sie ver - sichern , daß CallimachuS in Friede und Ruhe zu Cracau , den i Tag des ÄintermonatS , 1496 , gestorben / , und daselbst ehrlich begraben worden . König £ Hat sich zur Unzeit eingebildet , daß Philipp Callimachus , und CallimachuS Experiens zween Schriftsteller gewesen : CallimachuS hat einige Historien geschrieben , die noch so ziemlich sind ( D ) .
Man hat einen von seinen Briefen , worinnen er sich darüber beklaget , daß derReichStag zu Peterkow beschlossen hatte , ihn dem Pabste auszuliefern , und wo er versichert , daß ihm seine Feinde nicht so grausam würden haben begegnen können , wenn Andreas Sborow h sich auf dem Reichstage befunden hätte Er hat es an diesen pohlnischen Herrn geschrieben . Diejeni - gen , die sich mit dem la Popeliniere erkühnen wollen , zu sagen , daß er ums 1552 Jahr gelebet hat , würden sich schändlich betriegen K
a ) Dieser Zuname ist ihm zugekommen , weil er zu Sangemini , im Toscanischen gebohren gewesen . F ) Siehe den Platina im Le« ben Paulus des II . c ) Iouius , Elog . cap . XLI . d~ ) Spondan . Annal . ad ann . 1496 . nurn . 6 . e ) Iouius , Elogior . cap . XLI . f ) Und nicht 1490 , wie Moreri . g ) In Biblioth . vet . etnou . p . 155 . f> ) Er ist nach und nach Woywod und Castellan von Cracau , und Kronmarschall gewesen . loh . Mich . Brutus , zu Ende . / ) loh . Mich . Brutus Epift . Lib . IV . p . 456 . Ausgabe von 1698 . k ) La Popelinierc Hili . des Hift . p . 480 .
( A ) platina * , - mochte die Unfähigkeit dieser Person anführen . ^ Platina redet sehr verächtlich vom CallimachuS ; erstellet ihn sowohl dem Leibe , als dem Geiste nach , als einen Menschen vor . dem eS an allen für einen Aufwiegler nöthigen Eigenschaften gefehlet . Er ist ein dicker Wanst , saget er , der sich kaum rühren kann , und überdieß das Gesichte verlohren hat . Es wird mir sauer , dieses mit dem Ansehen zu vergleichen , das Callimachus an dem Hose des Königes gehabt , und mit den Händeln , die ihn bey den Pohlen so verhaßt gemacht haben . Es ist nicht unwahrscheinlich , daß Platina , alsein Redner und Feind , redet ; ich will sagen , daß er den CallimachuS verschrieen , damit er die Anklage wi - verlegen möchte , die man wider ihn anqestellt , weil er ihn gehasset . Refpon - deo me nunquam confiliormn CaHimachi particijiem fuifle , quippe cum inter nos fimultas eflet haud parua . Platin , in Paulo II . fol . m .
357 verfo . Spondanus , aufs 1496 Jahr , zu Ende , hat nicht glauben können , daß ein Mensch , der so aussieht , wie Platina den CallimachuS beschreibt , sich an dem Hofe der Könige von Pohlen hätte beliebt ma - chen können . Ich überlasse die Entscheidung den Lesern ; hier sind des Platina Worte , auf der z ; 6 Seite , verfo , in Paulus des II . ben ; Tum ego cum viderem omnia armis et tumultu circumfo - nare , veritus ne quid grauius ob formidinem et iram in nos con - fuleretur , rationes attuli , quamobrem crederem Callimachum nil tale aliquid vnquam moliturum nedum meditatum fuifle , qui cum confilio , lingua , manu , folicitudine , opibus , copiis , clicntelii , ar - mis , pecuniis , oculis poitremo careret . Caeculus enim et P . Len - tulo fomniculofior , ac L . Craflo ob adipem tardior . Ich wundere mich über etwas , nämlich darüber , daß Platina , welcher viele von de - nen nennet , die wegen dieser Verrächcrey auf die Tortur gekommen , nicht gedenket , ob Callimachus gleichfalls darunter gewesen . Nach dem Paul Iovius im XU Cap . seiner Lobsprüche , ist er darunter gewesen .
Iple ante alios defumti Graeci nominis reus tormentis et carcere poenas daret . 0ct«»iu4 Ferrarius ist sehr geschickt , uns weis zu ma - chen . daß Callimachus nicht gefangen gesessen , ob er gleich das Gegen - theil versichert : Ea nominum nouitate populonim Paftor offenfus , quali occultac confpirationis teflera eflet , Platinam et Callimachum tanquam impios et maleficos tormentis cxcruciauit . Proluf . pag . 88 .
Denn er bemerket , daß CallimachuS nicht zu Rom gewesen , da die Nach - richt , von dieser eingebildeten Verschwörung , dem Pabste hinterbracht worden ist . Kam cum falfo rumore delatus fuiflet Callimachus Vm - braticus vir , inermis et abdomine tardus aduerfus Sacrorum Re - gern confpiraffe , iamque multos aflcclas habere , et ad vrbem per - dendam resque immutandas feftinare , iterum Platina in vinda con - ie & us eft , tanquam coniurationis confcius . Ebenbas . Ich fürchte sehr , baß uns Ferrari hier eine verfälschte Erzählung giebt . Die Ursache meiner Vermuthunqen ist . weil Platina anführet , daß man zu gleicher Zeit zween falsche Gerüchte ausgesprenget : eines war die erdichtete Ver - schwöniiig des CallimachuS ; das andere war ein vorgegebener Zusam - menlauf bey Rom . Man sagte , daß Lucas Tvtius , andere Ausgaben baben Tortius , der von Rom verjaget worden , und nach Neapoli« ge - Küchtet war , in Begleitung vieler andern Verbannten , wieder zurück - kommen wollen ; hieraufhat derPabst befürchtet , von innen und außen überfallen zu werden . Es ist augenscheinlich , daß derjenige , von dem man sagte , daß er mit Fleiß anrückte , Rom umzukehren , nicht Callima - chus aeweftn ist : und folglich sieht es bald so aus . als ob Ferrari sich betrogen hätte . Man wird noch besser davon urtheilen können , wenn man die Worte des Piatina betrachtet . Dieß sind sie : Nunciatur ei { Paulo ) quosdam adolofeentes duce Callimacho in cum confpirafle ; cui prae timore vix refpiranti , nefcio quo fato nouus etiam terror additur . Aduolat etiam quidam cognomento philofophus , homo fa . cinorofus et exul , qui vitam primo et reditum in patriam depre .
Ezechiel , siehe
catus nunciat , ac falfo quidem , Lucam Totium Romanum einem Neapoli exulantem , cum multis exulibus in nemoribus Veliterini» a fe vifum , ac paulo poft affiiturum . Timere Paulus ac magis tre - pidaretum coepit : veritus , ne domi et foris opprimeretur . Platina , in Paulo II . fol . z ; 6 . Dieß heißt offenbar , daß nach dem falschen Lar - men dasjenige , was man vom Callimachus befürchtet , bereits in der Stadt selbst war , und daß TotiuS sich der Stadt näherte . Die Logik - verständigen bedienen sich der Kunst , diftinguo , allzusehr : und die Red - ner brauchen dieselbe zu wenig .
( B ) Die Pohlen - - t haben gcglaubet , daß er dem Ro , nige gerachen , den meisten Theil Oes Adels auf die Schlacktbank
liefern . ^ Paul Iovius redet im LXI Cap . seiner Lobsprüche , auf der 97 S . bey mir hiervon , als von einer gewissen Sache : chus ab Alberto - . - poft Cafimiri patris interituin , ad fum , mum familiaritatis , atque potentiae locum eueöuseft , tanta noruin confternatione odioque , vt cum tanquam impium , et Mol - dauicae cladis authorem , tyrannidemque impotenti imperio exer . cendam Regi fuaderet , aula extruferint . Maligno enim iudicio no - bilitatem , quod imperatae pecuniae , et fufeepto bello auer ( ä eflet , faeuo hofti obieöandam eflfe cenfuerat , vt nemo denium fuperefiet , qui libertatis per manum traditae iura tueretur . Dieß heißt einen schändlichen Begriff von dieser Person geben , und derjenige , der zu einer solchen Bosheit vermögend war , hätte auch dasjenige wohl thun können , was Paulus der II argwohnte .
( C ) Dieß iffs , was Paul Iovius vorbringet . ^ Man hat Recht gehabt , zu sagen , daß er nicht vermögend gewesen , den pohlnischen Schriftstellern die Wage zu halten , und daß er allzugroße Lust gehabt , die pöbelhaften Meymmgen zusammen zu raffen : Spondanus , auf das 1496 Jahr , Num . 6 . Eins obitum Iouius in Elogiis , ex vulgi fabulis , vt alTolet , Vilnae ( f ) in exilio contigiile refert : quem au - «Stores Poloni , quibus magis credcndum placide Cracouiae conti , gifle , et amplo funere honeftatum efle aflerunt . Vvßius , de Hift . Lat . p . 620 . fallt eben dasselbe Unheil , wie Paul Zovius .
( D ) ittbat etliche - Historien geschrieben , die nocl ? so ziemlich finv . ^ Der Bericht von demjenigen , was die Benetianer gethan ha« ben , die Perser und Tartarn zum Kriegejwider die Türken zu ! vermö - gen , das Leben des Attila , und die Historie des Königes von Ungarn , Ladislaus , der in der Schlacht bey Varnei geblieben , find die vornehm - sten Werke des Callimachus . In dieser lehrern Historie hat er alle diejenigen übertroffen , die sich seit des Tacituö Zeiten , zu Historienschrei - bern aufgeworfen haben . Z6 ) sage dieses nur nach der Meynung des Paul Iovius , im XI . I Cap . Adeo eleganter eins grauiflirni muncri» leges impleuifle exiftiinatur , vt omnes , qui a Cornelio Tacito per tot fecula id feribendi genus attigerint meo iudicio fuperarit . Diese Historie des Ladislaus ist auf Verlangen des Matthias Hunniade6 , Kö - niges von Ungarn , aufgefegt worden , de» den Verfasser reichlich beloh - net hat . Voflßus , de Hift . Latin , p . 619 .
Dieser Mann hat sein Glück in diesen kalten Ländern ganz wohl ge , macht ; er ist arm dahin gegangen , und ist sehr reich darinnen geworden . Xä hos Callimachus Geminianenfis mens fainiliaris penetrauit , vbi et litteris etingenii folertia ex paupere diues magnopere apud eos re . ges , quibus erat dile£his , ante hos annos deceflit . Volaterranus , Lib . VII . cap . de Polonia , p . m . 257 . Man ziehe den Martin CromeruS , im XXX Bucht , der pohlnischt» Historie , zu Rathe .
Fabricius ,

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