Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-8621

Euripides .
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comicntus accommodatae fcriptac ; nuitauit tarnen verfiivn , isque nunc fic legitur :
Qul dlflus eft a veritäte Jupiter .
Siehe die Werke Plutarchs frankfurter Ausgabe von 1692 , III Thcil , 328 Seite .
C A A ) ( ginige habe» ihn für einen Gottesleugner halten len . ^ Plutarch unter den Alten , und Brown , in Relig . Med . Scft . 46 , unter den Neuern , haben also vom Euripides geredet . Man sehe die Anmerkung ( H ) des Artikels Critias . Aristophai , eS saget etwas , ches mich an die Furcht gedenken läßt , die gewisse Leute in Ephefus we - gen der Prediger des Cvangclii gehabt . Äpostelgeschicht XIX , 24 u . s . v . Er führet in Thesmophor . auf der 177 S . bey mir , eine Witwe auf , die ihr Leben mit Verkaufung heiliger Sträußer erhalten hatte ; allein , saget sie , seit dem Euripides die Menschen durch seine gottlosen Verse überre - det hat , daß keine Götter sind , so verkaufe ich fast nichts mehr . Man gebe wohl Acht , daß die Götter deö Heidenthums so lacherlich gewesen , daß man derselben , ohne ein Gottesleugner zu seyn , spotten können . Also beweist die vom Clemens aus Alexandrien angeführte Stelle des Eurivides nichts : Ich verstehe diejenige , wo dieser Poet sager , daß , wenn die Götter sollten gefordert werden , Rechenschaft von ihren Ehbrüchen zu geben , Neptun und Jupiter selbst , zu Folge des wider sie gesprochenen Urtheili ! , ihre Tempel würden räumen müssen ; allein , setzet er dazu , mir beucht nicht , daß es jemals so weit kommen wird^ Clem . Alexandrin . Admonit . ad Gentes , pag . 50 . " hSi Sä in 'luvi Sgüfuert •yi / jwjJ rij xe -
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Iam vero in drainate , cui nonien eft Ion , capite nudo Deos in thea - trum inducit .
An hoc videtur , qui datis mortalibus
Leges , vt ipfi criminis litis rei ?
Quod fi ( futurum quod quidem nunquam reor )
Reddenda vobis ratio fit ftupri et probri -
Neptunus , et tu , rexque Iupiter poli ,
Teinpiis reliöis iure abibitis foras .
Der P . Thomaßin , Metbode delire chretiennement lesPoetes Tom . I , p . 173 , hat von dem Widerspruche richtig geurtheilet , der sich in der Aufführung der Heiden findet . Sie haben in den Tempeln eben ben Gottheiten angebethet , die man auf ihren Schaubühnen ungestraft auslachte . °
Man merke einen groben Fehler des Theophilus Raynaud . Er saget , es habe der Gottesleugner Euripides den Philosophen Anaxagoras über denLehrsatz von derEinheit derGottheit angegriffen ; und er führet das VI Cap . des XIV B . der evangelischen Vorbereitung des Eusebius an . Quin etiarn Eufeb . 14 , Praeparat . cap . VI , refert Anaxagoram ab Eu - ripide Atheo idcirco impugnatum . Theoph . Raynaud . Theo ! . Natur . Diftina . V , mim . 155 . p . m . 525 . Er hätte das XVI Cap . anführen sol - len ; allein dieses hätte den Fehler doch noch nicht ersetzt ; denn hier ist dasjenige , was Eusebius Auszugsweise von der Erzählung saget , die Plutarch von den Meynungen der Alten über die Natur der Gotter ge - macht hatte ; Euripides , der sich nicht getraute , seine Gedanken anzu - aeben , weil er sich vor dem Areopagus gefürchtet , hat denselben durch die Aufführung des Sisyphus vorgebracht , welcher leugnete , daß es Götter gäbe . Hierauf läßt Plutarch den Anaxagoras , als den ersten , kommen , welcher rechtgläubige Meinungen von der Gottheit gehabt . Dieß ists , was Eusebius Lib . XlV , c . XVI . Praep . Euang . p . 753 saget .
( BB ) E . q iff abgeschmackt , rvenn man dem Urheber einer gödie die Gedanken beimißt , die er ftine spielende Personen vor - bringen laßt . ] Barnesius beobachtet , daß Euripides , den Charaeter des Sisyphus zu behaupten , denselben als einen Gottesleugner Hab» müssen nrtheilen lassen : und also hat Plutarch keinen Grund gehabt , hier eine Arglist des Scribenten zn finden ; die Arglist , sage ich , unter et - nes andern Namen seine eigenen Gedanken sicher vorzubringen . Bar . nef . Not . in Euripid . Sifyphi Fragm pag . 49» - MlroF autc ! " Plun / mm» , quid tanto viro perfuaferit , haec vafre ab Eunptde diöa fub Sifyphi persona , et poetae ipfius efl'e fenfus , cum nemo vnquain ex - ftitit noftro poeta pientior , vt ex innumeris eins loas colligi pot - eft , et Sifyphi charafterem maxime docuit impie loqm : vt obferuaui - mus ad Helle , - opbont . v . g . Die mangelhaften Stücke dieser Tragödie enthalten die Rede eines Menschen , der die Vorsehung rund heraus , un - ter dem Vorwande , leugnet , weil die Boshaften reicher sind , als die ehrlichen Leute . Grotius hat in der Vorrede ad Excerpta , beym nesius in Vita Euripid . p . 22 , sehr scharfsinnig gesagt : Multa in tragoe - diis funt non ex poetae fenfu diät - , fed co'ngrucnter perfonae , quae loquens inducitur . Man sehe la Chimere de la Cabale de dam de'montree in der Vorrede , 110 S . und dasjenige , was wir in der Anmerkung ( QJ , bey dem Artikel Krasmus , gesagt habm .
( LL ) Arvey Dinge können einen guten und bösen Verstand annehme ! ' . ] Eines Tages hat das Volk zu Atl , e» gewünscht , daß er eine gewisse Stelle ans einer von seinen Tragödie , , auslassen möchte ; er hat sich auf der Schaubühne gezeigt und zum Volke gesaget , icli ver - frrrittp meine Xvcrke nicht , daH leb von euch lernen rvill , sondern dak'icb euch lehren will . Eines Tages der er sich gegen den Poeten Aleeftis beklagt^ daß er in den letzter» dreyen , Tagen nicht mehr , ais drey Verse machen können , ob er gleich aus allen seinen Krästen gearbeitet hätte Z - ? andere aab 'hm mit einer sehr pralbaften Mine zur Ant - wott' daßer derselben wehl hundert ohne viel Mich - gemacht hätte . :
nicht die geringste Spur des HochmuthS darinnen zünden , er dat nichtS , alsdasvemünfrige Vertrauen , darinnen bemerket , das ein großer
- II Vand .
Mann in sein Verdienst setzen muß . Er versichert auch , in Ansehung des ersten Puncrs . daß man in Athen eben so geurtheilt habe , als er da - von urtheilet . Nee Euripides quidem Athenis , saget er Libr . III cap . VII , Ext . mim . I . arrogans vifus eft , cum poftulante populo , vt ex tragoedia quandam fententiam tolleret , progrefl'us in feenam dixit : Se , vt eum doceret , non vt ab eo difeeret , fabulas componere folere . Laudanda profe & o fiducia eft , quae aeftimationem fui certo pondere examinat , tantum fibi arrogans , quantum a contem - tu et infolentia diftare fatis eft . Itaque etiam quod AIceftidi tragi . co poetae refpondit , probabile : apud quem cum quererettir , quod eo triduo non vltra tres verfus inaximo irnpenfo laborc deducere potuilFet , atque is fe centum perfacile feripfifle gloriaretur : Sed hoc , inquit , intereft , quod tui in triduum tantummodo , mei vero in omne tempus fufficient . Alterius enimfoecundi curfus feripta intra primas memoriae inetas corruerunt , alterius , cunftante ftylo elucu - bratum opus per omne aeui tempus plenis gloriae velis feretur
Niemand ist verbuuden , , einenfreyenWillen demUrtheile dieses lateinischen Scribentenzuunterwerfen , noch aufsein Wort zu glauben , daß man in Athen die unhöfliche Erklärung des Euripides qur aufgenommen hätte Man darf sich also nicht verwundern , wenn Gyraldi , der sich seiner Ein« ficht bedient , in diesen Antworten des griechischen Poeten allzuviel Hoch - much und Eigenliebe gefunden hat Er ist nur darinnen zu radeln , daß er vorgegeben , es hätte der lateinische Schriftsteller diese Worte als ei - nen Beweis des Hochmuths angeführt . Zum wenigste» ist dieß' der Fehler , den ihm Barnesius vorgeworfen hat : Lilius Gyraldus incogi - tanter nirnis dixit , quod poetam noftrum arrogantem et fuperbum Valerius Maximus prodat , quum tarnen nobilis is author in eo ca . pite et loco , quem Gyraldus defignat , nihil omnino tale iir . o plane contrarium ftatuat . Barnef . in Vita Euripid . p . 20 . Hierauf Hat er diese Betrachtung über den letzten Theil der Stelle des Valerius Maxi - m«s gemacht : Vere haec quidem Valerius , nam quum hodie ne tres quidem verfus ne dum vnicus vllus , ex innumeris iaflabundi iftius poetae extemporanei verfibus fuperelTe videatur , fed neque vllum illorum veftigium ad Valerli aetatem perdurauit , ad quam tarnen omnia Euripidis opera falua et integra permanferunt , etiam poft Valerii tempora iam mille et oäingentos annos fuperfiint plures iftius fabulae integrae , quam omnes Aefcbyli , Sopboclis , et Arlßo - pbanls tragoediae et comoediae fimul fumtae . Nach meinem dünken könnte man zwo Sachen in dieser Rede tadeln Die eine ist daß , da Valerius Maximus unter dem Tiberius gelebt , man im 1694 Jahre nicht sagen kann , daß er vor 1800 Jahren gelebt hätte . Die an - dere ist , daß uns sieben Tragödien vom Aeschylus , eben so viel vom So - phvkles und XI Comödien vom Aristovhanes übrig sind . Alle diese Stucke zusammen genommen , übertreffen an der Zahl die zwanzig Tra , godien , die wir noch vom Euripides haben .
( D D ) Man beschuldigcte ihn , er habe der LNedea , aus Gefal - ligkeir gegen die Corinthier , übel begegnet . ^ Es sind , saget ma» , die Corinthier gewesen , welche der Medea Söhne umgebracht , und den Euripides lange Zeit hernach vermocht , vorzugeben , daß sie dieselben selbst umgebracht hatte . Man setzet im Aelian , Var . Hiftor . Libr . V , c . XXI . dazu , daß wegen des großen Ruhms diese« Poeten die Fabel über die Wahr - heir den Vorzug erhalte» , und daß die Stadt Corinth die Schande ihre« Verbrechens auf die unschuldige Medea gewälzet . Der von mir angeführte Schriftsteller saget nicht , daß es den Corinthern etwas mehr , als das Bitten , gekostet , diese Versehung der Schande zu erhalten ; andere aber versichern , daß es ihnen fünf Talente gekostet . Dieß ist die Suinme , die sie dem Euripides gegeben , wenn man dem Parmeuisku« bey dem Scholiasten des Euripides über die Medea im 9 V . glauben darf . Barnesius versichert auf der > , S . daß Plutarch in dem Leben Alexanders ebendasselbe , aus dem Parmeniskus entlehnet , anführet . Zch habe dieses nicht in dem Plutarch gefunden . ES finden sich viele Schriftsteller , welche gesaget haben , daß Medea ihre Kinder nicht um - gebracht hat , sondern , da sie dieselben nicht mit sich nehmen können , als sie von Corinth geflohen , selbige vielmehr in einen Tempel gebracht , wo sie gehofft , daß sie eine unverbrüchliche Freystatt finden sollte» ; daß sie aber die Corinther daselbst hingerichtet . Parmeniskus nudDidymus beym Scholiasten des Euripides über die Medea 27z B . Didymus führet den KreophyluS an . Man sehe den Aelian var . Hiftor . Libr . V . cap XXI und des Apollodorus Bibliothek IB . Zur Rechtfertigung des Euripides führet Barnesius in seinem Leben auf der 15 S . an , daß er nicht der erste gewesen , welcher der Medea den Mord ihrer Kinder Schuld acaeben weil sie schon Karcinus beym Aristoteles Rhetor . Libr . II , cap XXIII pag . 447 , eingeführt hat , wie sie ihre Sache wider diejenigen v'ertheidi - get , die sie deswegen angeklagt , und Apollodor im I B feiner Bibliothek rund heraus saget , daß sie die zween Söhne umgebracht , die sie vom ^a - son gehabt . Von diesen zweyen Zeugnissen kann nur das erste gebraucht werden ; denn der letztere hat 250 Jahre nach dem Euripides gelebt . Was den Kareinus betrifft , so ist er vor diesem Poeten hergegangen ; er hat einen Sohn , Xenokles mtt Namen , gehabt , welcher um den Preis der Tragödie wider den Euripides gestritten .
( EE ) ist nicht rvahr , daß sieb in seinem palamcdes ein ver - deckler Vorwurf ivegen des Gokrates Tod befindet . ^ Das allereinstimmigste , was sich in den Schriftstellern , in Absicht auf die Zeit des Euripides , findet , ist , daß er im ersten Jahre der 7 ; Olympias geboh - ren worden , und daß er ungefähr 75 Jahre gelebt hat . Also muß man seinen Tod in die 9z Olympias setzen , wie Suidas gethan hat . Nun ist es gewiß , daß Sokrates erstlich in der 95 Olympias gestorben . Also ist es nicht wahr , daß Euripides den Atheniensern den gewaltsamen Tod dieses Pbilosophen hat vorwerfen können . Man merke , daß Diodor aus Sie , lien , nachdem er gesagt , daß Apollodor den Tod des Euripides in eben dasselbe Jahr , als den Tot»des Sophokles , nämlich ins z Jahr der 93 Olympias setze , in des XIIIB . CHI Cap . auf der 154 S . bey mir . darzu füget , daß Euripides , nach anderer Meynung . einige Zeit zuvor , von den Hunden in Macedonien zerrissen worden . Man merke doch auch diese Worte vom T Faber in dem Leben der griechischen Poeten auf der z ; S . denn ich bin versichert , daß Aristophanes die Comödie , die Frösche berl - telt , in eben dieser 92 Olympias spielen lassen , und daß er in diesem Stücke von dem Euripides , als von einem Menschen redet , der bereits gestorben war . Samuel Petit Mifcell . Libr . I , pag . >4 , will beweisen , daß dieses Stuck im z Jahre der 9z Olympias erschienen ist . Dieß ist genug ! Ich setze noch darzu , daß der Ungeuauitte , welcher die Beschrei - Nnn bimg

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